Zeit zum Feiern!

Leute! Heute ist für mich ein glücklicher Tag! Ach! Was sage ich? Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie – meine Kinder, meine Ex-Frau, meine Jetzige-, meine Freunde, meine Verwandten – die Nachbarn! Ich erhielt nämlich grade von der Knochenmühle eine wunderbare Nachricht – in einer fremden Sprache, sorry:

„We are pleased to inform you that your annual gross salary will be increased..” und weiter: “Thank you for your hard work and commitment through a challenging year..”

Ich habe direkt und ohne groß darüber nachzudenken den lokalen Festausrichter engagiert der gleich Champagner und Gedöns auffährt, eilte zur Bank und habe einige, EINIGE, Scheine gezogen für die Geldscheinkuverts meiner Lieben und per großzügig versicherte Wertpakete auf die Reise geschickt. Jetzt sind schon fast alle Nachbarn und sonstige Leute da, die sich mit mir freuen wollen. 87 Leute haben sich auch noch angekündigt um mit mir die frohe Botschaft, meine Gehaltserhöhung, zu feiern.

Ach, wie wunderbar ! Wir schunkeln und singen gemeinsam: „Sooo ein TAAAG! So wunderschön wie heute..“

Verdammt, was ist das denn? Scheiß Mathe! Bin ich blind? Haben die da einen Rechenfehler? Kann ja jedem Mal passieren. Aber die Region sollte doch irgendwie stimmen. Sehe ich das wirklich richtig? 0,7625 EUR Gehaltserhöhung pro Arbeitsstunde? Und das auch noch Brutto? Die Hälfte geht davon noch ab?

Ich breche zusammen! Habe ich heute an diesem herrlichen Sonnentag zu viel an den Margariten geschnüffelt?

Und wer soll die Rechnung bezahlen?

Der Einsame

Ich mag die derzeitige politische Lage in der Bananenrepublik nicht mehr verfolgen. Das wollte ich schon seit Jahren nicht mehr. Doch heutzutage ist es noch mal schlimmer. Wie das Damoklesschwert hängt seit Monaten wieder die GroKo über meinen Kopf. Die Wendehälse, Volksverbrecher der SPD und allesamt, die korrupten Geier, das menschenfeindliche Politikervolk – so dumm wie Stroh, so kriminell wie ehedem.

Doch einsam auf dem Land da blinkt ein kleiner Stern, noch hoffnungsfroh. Wie ich darauf komme? Na, beim aufräumen fällt mir grade das letzte Wahlergebnis (Zweitstimmen) in die Hand. Und was meinen Sie? Wer ist da das hellste Licht im kleinen, beschaulichen Zehnhausen?

Heinz Erhardt – Der Einsame

Der Schwule mit dem Bart

Kennen Sie den Song „Yellow River“? Ist schon ein wenig älter. Jedenfalls saßen wir an der Kaffeetafel und im Radio wurde dieses Lied gespielt. Ich schaute meine Kaffeetante mit hochgezogenen Brauen an und fragte: „Naa?“ „Weißt Du worum es in diesem Lied geht?“ „Naahaaa?“ Irgendwann fing Sie an zu lachen. Mein stilles Grinsen brodelte schön länger und bahnte sich wie ein ausbrechender Vulkan in ein irres Gelächter seinen Weg. Anmerkung an mich: Was hat Rotwein auf der Kaffeetafel zu suchen und wer putzt den Boden?

Nach dem Gröhlen, niemand verstarb, wir röchelten noch ein wenig. Yellow River! Brrrr.. Bevor es wieder ernst wurde.. Die Kaffeetante zu mir bei ebenjener Gelegenheit: „Das erinnert mich an den Schwulen. Den mit dem Bart.“

Ich: „Was? Wer?“
Sie: „Na, da hast Du mir doch damals auch eine Erklärung zu dem Song gegeben. Ich komme nicht drauf! Aber er singt Englisch.“
Ich: „Adolf Hitler?“
Sie: „Ach was!“
Ich: „Aber der hatte einen Bart. Und Englisch konnte der Ösi wohl auch.“
Sie: „Warte, warte – er liegt mir auf der Zunge..“
Ich: „Elton John?“
Sie: „Ich glaube Du verwechselst Bart mit Brille.“
Ich: „Queen?“
Sie: „Nee, nicht die Queen.“
Ich: hihihi..
Ich: „Rock Hudson?“
Sie: „Nee, zwischen Rock Hudson und Elton John.“
Ich: „ZZ Top?“
Sie: „Neeeeeheeee!“
Ich und Sie: „..“
Sie: „Ja! JAHA! ICH HABS! Frank Zappa!“
Ich: „Öhm, der war doch nicht schwul.“
Sie: „Ach Gottchen, Süßer.. Hast Du mal den Song Bobby Brown gehört?“
Ich: „..“

New Model Army 2017

Hallo Ihr Lieben,

auch wenn es schon ein paar Tage her ist, möchte ich euch nicht ein paar Impressionen vorenthalten. Schon traditionell laden New Model Army zum Weihnachtskonzert in Kölle ein. Ich hatte mit dem Neff, little Panda und dem jungen Rockstar adäquate und überaus nette Begleitung.

Was es zum Konzert zu sagen gibt? Suchen Sie hier im Blog, Sie werden genügend Berichte finden. Es war wie immer Großartig! Justin und die anderen hatten diesmal eine weibliche Begleitung. Mannomann, ich kann euch sagen – die hat uns vielleicht einen gegeigt!

Es gab drei Zugaben, wobei wir bei der dritten Zugabe, ich dachte jetzt wäre endgültig Schluss, bereits draußen waren und die erste Ziggi genossen. Rucki-Zucki schnell noch mal rein um die Hymnen Purity, 51st State und Stupid Questions zu erleben (wenn ich es recht in Erinnerung habe). Die Halle und dessen Insassen kochte und brodelte als Justin und Friends zornig, menschenfreundlich, liebevoll und wieder mal augenöffnend etwas darboten was einmalig ist und einen ins Herz trifft.

Immer wieder gerne! Da kann man ein ganzes Jahr von zehren. Freue mich schon wieder auf Dezember. Wir sehen und hören uns!

Anbei ein paar Impressionen. Mein Standort war nicht so wunderbar für Fotos. Aber wer ist denn schon fürs Bilderknipsen da?

Nach dem Sturm die Stille – Ein Nachruf auf Charlie

Letzte Woche Donnerstag war es stürmig. Sogar das neue Knochenmühlengebäude (Kiezi würde Borgwürfel sagen) heulte, schrie und wackelte, die Insassen (Matla) verrichteten ängstlich ihre Dinge. Ich war auf den Nachmittag fokussiert. Denn ich nahm mir vor auf Heidis Beerdigung zu gehen. Heidi ist die Mama einer Freundin. Ich kannte sie nicht gut, habe sie aber doch noch feuchtfröhlich in akzeptablen Alter kennenlernen können. Wir haben zusammen gelacht.

So schaurig grausam sich die Welt an diesen Tagen offenbarte, so war ich zunächst nur froh, dass ich noch in meinen dunklen Anzug passte. Die Trauerfeier selbst wurde von einem indischen, katholischen Pfarrer geleitet. Es war sehr bewegend. Mir kamen oft die Tränen. Auch wenn es manchmal vor Schmerzen war. Denn dieser Pfaffe hatte einen so lustigen Dialekt – ich musste mir manchmal das Lachen verkneifen. Und das tat weh. Aber die Inhalte hat er gut rübergebracht. Ich bin bei diesem Thema ja kein Neuling. War jahrelang ein Neuapostolischer Bruder gewesen und bin deswegen der Bibelkunde und den Gedanken über das Hier und dem Jenseits wohl vertraut. Es war schön und Heidi hätte es gefallen.

Während die Haare der Trauergäste noch im Wind flatterten und Friederike sich immer noch aufbäumte, sich gebärdete wie ein Abklatsch der Trompeten von Jericho, dachte ich über mich und meine Lieben nach. Ja, auch über die Hölle und über den Himmel. Aber nur theoretisch. Ich möchte niemanden irgendwelche Illusionen rauben. Ja, es war dem Anlass entsprechend der Zeitpunkt über mich, über meine Angehörigen und Freunde und über die vergängliche Welt nachzudenken..

Charlie

Am Montag erfuhr ich zufällig aus dem Web (Danke Altautonomer, Pantoufle, Stefan Rose..) dass Charlie plötzlich verstorben war. Und zwar an ebendiesen Donnerstag den 18.1.2018. Und zwar am gleichen Tag als Friederike so ein unbändiges Mädchen war und ich auf einer Trauerfeier in mein Innerstes blickte und so auch allgemein wenig Licht am weltlichen und geistigen Horizont sah. Oh weia!

Charlie kannte ich seit vielen Jahren. Nein, ich kannte ihn nicht. Ich kannte seinen Blog. Das Narrenschiff. Und er war der Kapitän und wusste sehr genau den Kurs. Er öffnete mir oft die Augen mit seinen Texten. Er war gebildet. Er war zornig. Er war arm und doch so sehr reich mit seinem Blick auf die furchtbaren Missstände die unsere Welt regiert, die Menschen verwaltet als Sache. Er war mittendrin in einem menschenverachtenden System gegen das er mit Verve kämpfte, schrieb, brüllte, weinte und oft nicht mehr den Glauben auf Besserung hatte. Nein, ich glaube er war nicht hoffnungslos. Denn ansonsten hätte er uns nicht über all die Jahre unermüdlich und unerbittlich die Augen und die Ohren geöffnet und uns immer und immer wieder gezeigt wo der falsche Hase langläuft. Kurs auf das Riff. Mit Mann und Maus wird untergegangen und das Schlimme, jeder weiß es. Charlie – „Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.“ Die Suche fand ein einsames und plötzliches Ende an einem stürmischen Tag in der Nähe eines Krankenhauses. Wies man ihn ab? Suchte er mit letzter Kraft Hilfe und schaffte es nicht mehr dorthin? War wieder mal das vom Harz-Regime erbettelte Geld zu wenig um ein Taxi zu rufen um ins Krankenhaus zu kommen? Hatte man ihn, was wahrscheinlich ist, jegliche Existenzgrundlage gekürzt, dass er noch nicht mal um Hilfe rufen konnte?

Charlie, mein lieber ungekannter Freund. Das Menschenverachtende Regime war zu stark und Du bist ein Opfer. Deine Texte sind nicht ungelesen, Deine Gedanken sind in unseren Herzen. Auch neben der Bloggerszene – wir, es werden Dich viele Menschen, Deine geliebte Ex-Freundin, die Gemeinde der Du als Organist immer wieder Freude und Seelenheil mit Deinem Orgelspiel spendeste, Deine Familie die manches nicht verstand, und alle anderen Deiner Gefährten die das Glück hatten Dich auf Deinem Weg zu begleiten. Wir werden Dich für immer in unser Herz schließen.

Und ich, der es nie verwinden kann, auf Deinen letzten Brief „aus Zeitgründen“ nicht geantwortet zu haben. Der das nicht mehr ungeschehen machen kann, bin stolz und glücklich Dich gekannt zu haben. Du hast mir viel gegeben und ich so wenig. Warte Charlie, ich antworte noch. Du bekommst noch eine Antwort und fürchte mich vor: „Diese Nachricht konnte nicht zugestellt werden.“. Dann drucke ich es aus und lege es in Deine letzte Heimstatt.

Ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen und so furchtvoll wie man nur sein kann im Angesicht der letzten Tatsache, wie alleine man zuletzt doch ist. Ein lieber, großer, starker, feinfühliger und netter Mensch ist von uns gegangen. Wer übernimmt jetzt den Job des Kapitäns?

Dein Schirrmi

P.S.: Wir haben uns über Rio Reiser, über Ton Steine Scherben, The Bates mit dem armen Zimbl, über Klassik und Hard Rock ausgetauscht. Du hast die erste offizielle CD meines Sohnes von mir erhalten (neben inoffiziellem): „Mobilization“. Ich hoffe das folgende Stück hätte Dich nicht gestört. Reinhard Mey. Das Narrenschiff.

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,

Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm

Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.

Und rollen und Stampfen und schwere See,

Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,

Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.

Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,

Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,

Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.

Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum

Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,

Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

 

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:

Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.

Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.

Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,

Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,

Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.

Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,

Bordellkönig, Spielautomatenbaron,

Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken

In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident

Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,

Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.

All die hohen Ideale sind havariert,

Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,

Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom

Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom

Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!

Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,

Gekauft, narkotisiert und flügellahm,

Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.

Und eitle Greise präsentier‘n sich keck

Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,

Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

 

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.

Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.

Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.

Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,

Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck

Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.

Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!

Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.

Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.

Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,

Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,

Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Der neue Bürokalender 2018

Das neue Jahr fängt hier in der Knochenmühle einigermaßen schmunzelnd an. Denn mein „großer“ Lieblingskollege hat einen Büroabreißkalender „Die besten Sprüche für lange Bürotage 2018“ besorgt und auf unserem Schreibtisch gestellt.

So geschah es am 2. Januar, wie immer war ich fast der Einzige und darüberhinaus auch – wie immer – überaus motiviert, da kommt Scheffscheff an meinen Platz wegen mach mal dies, mach mal das. Und schaute erst interessiert, dann irritiert auf den Abreißkalender. Daraufhin drehte er sich rum und wart für den Rest der Woche nicht mehr gesehen. Das Jahr fing also relativ gut an.

Was der 2. Januar-Spruch war, weiß ich nicht mehr. Aber der heutige ist auch nicht schlecht:

Wir bleiben unsrem Grundsatz treu: stets faul, doof und arbeitsscheu.

Na? Wollt ihr jetzt täglich einen neuen Spruch haben? Ich meine für die Mitmenschen, die wie ich kein Mitglied von Fratzenbuch etc. sind. Denn da gibt es ja wohl genug davon.

Frohes Neues, Ihr Narren!

Gegen den Strom, leicht wie eine Feder

Der Irrsinn nimmt kein Ende. Wo ich steh oder wo auch nicht, prasselt die geballte Ladung Konsumterror auf mich ein. Man möchte meinen die Menschen wären verrückt in ihrem beklagenswerten Umständen, ausgebeutet und ohne ausreichende finanzielle Mittel um ein noch halbwegs würdiges Dasein fristen zu können. Ich protestiere vehement und kann mich noch nicht mal trösten in Gedanken die Menschen sollten es doch besser wissen.

Jedes verdammte Weihnachtsfest hat mich in den letzten 138 Jahren je 1,35 Kilogramm schwerer werden lassen. Obwohl ich als ausgewiesener Asket seit jeher jedwedem Genuss entsagte und in reinster Geist- und geistigen Wesensform mein Dasein friste. Immer nach dem Höchsten strebend. Gesund. Geist. Körper.

In jungen Jahren lief ich in den wenigen Pausen meiner hochvergeistigten Studien meine kilometerlangen Runden in freier Natur um auch die doch letztendlich der Verwesung anheimgestellten Muskeln zu stärken. Das tat ich früher und hatte diese meine liebgewonnene, eher stumpfe Tätigkeit im Rhythmus meines Herzmuskels und meiner stampfenden aber überaus flinken Beinen für wesentlichen Hauptsachen aufgegeben.

Die Tage hielt ich inne und es kam mir. Nein, es fiel vielmehr. Wie Schuppen von meinen Augen als meine gemütliche, uralte, braune Cordhose ein wenig kniff. Diese 80 Jahre alte Bux, wir sind quasi schon zusammengewachsen, sind olfaktorische Bruderschaften eingegangen, KNIFF!

Dies und als ich an mir runter schaute und so komischerweise keinen Boden sah, ergriff ich den Entschluss mein gewohntes, stringentes Sportprogramm wieder aufzunehmen. Erstand in einer kapitalistischen Unternehmung einen mehr oder weniger passenden Trainingsanzug und aufgrund der hiesigen Witterungsverhältnisse, eine Mütze. Somit war ich parat um erst mal klein, mit einem doppelten Marathon anzufangen, bis mir auffiel dass ich nicht mehr im Besitz meiner alten, verschlissenen, stinkenden Laufschuhe bin.

So werde ich das Vorhaben vertagen müssen, kann aber trotzdem erste Erfolge vermelden. Denn seit ein paar Stunden trage ich hier auf der Couch, den Tag mit dem ein oder anderen geistigen Getränk genießend, den Trainingsanzug und kann sagen – ich fühle mich schon 5 Kilo leichter.

Leute! Es ist leicht! Ihr müsst einfach nur machen! Den inneren Schweinehund überwinden! Nehmt euch ein Beispiel an mir. Eurem Vordings.

Prost!

CCR im Ghetto

Nach heutigen Maßstäben war ich noch klein / jung. Den üblichen Spielplatzprügeleien entwachsen, den Nachstellungen der Kaffeedamentanten in Form von anzüglichen Sprüchen und den faltigen Händen auf meinem Körper „schöne, starke, junge  Muskeln“ konnte ich mittlerweile Paroli bieten. Es lief gefühlt immer Roger Whitaker, Deine Spuren im Sand oder sonst so was. So wie heute Helene Fischer bei Törtchen und Sektchen und Grinsen bei Tagesschau und gemeinsam schunkelnd und feuchtfröhlich mit der neuen Deutsch-Polnischen Freundschaft klüngelnd.

An dieser Stelle: Viele liebe Grüße S. wir finden Dich rattenscharf! Deine Kollegen.

Es war zwischen einer gescheiterten Schulkariere und noch vor der drohenden Einziehung in die Bundeswehr. Machte mal dies, mal das. Half beim Töpfern mit, betätigte mich in der Landwirtschaft, verunsicherte Möbelkunden den korrekten Liefertermin, war zu den Weihnachtssamstagen geschniegelt in einem feinen Bonner Leder-Laden zugange, half diversen Mädels beim Zeitungsaustragen, war ein Jungquell für todesgeweihte Damen im Krebsendstadium, schob sie mit Witz und Unterhaltung durch die Gegend, klaute auch mal irgendwo eine Schachtel Kippen. Ich ließ mich bei einem verbrecherischen Versicherungskonzern auf Schneeballsystembasis anheuern und verkloppte Versicherungen.  Ich war zeitweise in einer Punkband und wir hofften auf Almosen und keine Bierflaschen an unsere Schädel. Ich wühlte im Sperrmüll und baute aus Ersatzteilen Fahrräder zusammen um sie zu verkaufen. Ebay gab es noch nicht.

Ich lernte Mädels und Damen kennen. Gab mich wie gewünscht mal gebildet, mal wie ein Raubtier. Alles gut für eine Zeitlang trocken schlafen zu können – an fremden Kühlschränken habe ich mich ungefragt bedient. Ich hatte Hunger.

Ich schweife ab!

Also werden Sie vielleicht demnächst die Fortsetzung lesen. Denn ich muss am morgigen Samstag mal wieder als Arbeitsnutte für die Knochenmühle tätig sein.

Liebe Grüße von mir und meinem inneren Ghetto,
Schirrmi

Erinnerungen?

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach was ein gewisses Lied in mir auslöst. Ich kannte es nie, jedenfalls bewusst nicht. Es ist auch nicht sonderlich meine Geschmacksrichtung, aber es trifft mich irgendwo. Ich weiß nicht wo noch wie, noch warum. Es berührt etwas bei mir.

Wenn ich manchmal in Diskussionen vertieft bin, so durchfleucht mich manchmal ein Gedanke: Das kennste schon, genau so hast Du es schon erlebt, genauso hat der oder die genau dasselbe gesagt wie jetzt. Oder bei profanen Gelegenheiten. Nehmen wir das Einkaufen in einem beliebigen Supermarkt. Ein fremder Kunde streift an mir vorüber und es ist als ob es ein alter Bekannter wäre. Ich schaue ihn verwundert, freudig an und blicke einem Fremden ins Gesicht. Oder irgendwo stehe ich im Klo und pisse und schaue die Kritzeleien vor mir auf den Fliesen an, draußen oder oben hämmert die Musik, und ich bin plötzlich wieder ganz klein und in der Heimat und fühle mich aufgrund eines Edding-Spruchs in die Vergangenheit zurück versetzt. Manchmal wenn ein Mensch mich unabsichtlich berührt, dann bin ich elektrifiziert und ebenso geschockt ob diese Verbindung mich zu plötzlicher, universaler Liebe zu diesem Unbekannten bringt, als ob wir vertraut Jahrtausende miteinander verbracht hätten.

Wenn ich irgendwo gehe und nach unten schaue, das Pflaster betrachte, mit seinen Formen und Eigenarten dann habe ich manchmal das Gefühl meine Füße wären sehr vertraut damit und bekomme ein Flashback in meine Kindheit – an frühere Orte. Unbekannte Straßen, Straßenzeilen, Straßenbahnen, Lebensbahnen und die Deko Drumherum werden plötzlich zu Bekanntem zu schon Wiederdagewesenen. Obwohl ich noch nie da war.

Wenn jemand eine Ansprache hält, weiß ich auswendig was gleich kommt, passiert, was der Redner sagt. Ich war schon mal dabei. Und bekomme dann wieder dieses komische Gefühl. Irgendwie gruselig, aber doch nicht weil bekannt und jedes Mal erwische ich mich innerlich bei einem leisen Lächeln, wie wissend ich bin.

Gerüche, Formen, Farben, Aspekte einer Unterhaltung ob schön oder nicht so schön – vieles erlebe ich zum wiederholten Male. Ich frage mich wie das geht und wer ich bin. Ein Wiedergänger? Es ist seltsam aber auf eine erschreckende Art auch schön. So wie ich schön, furchtsam manche Felsen erklettere und nach unten schaue, so kribbelt es mich wenn mich diese Flashbacks und dieses Wissen einholt. Ich kann es nicht steuern, traue mich auch nicht darüber zu reden – wie Sie grade sehen.

Irgendwann finden sich Erklärungen in des kleinen Menschen Bewusstsein / Hirn. Ich krame da oben in der unglaublichen Masse im Kopp herum und ein Feuerwerk an, an, an.. findet statt und wenn man meint den Grund für die steil aufgerichteten Härchen auf dem Arm gefunden zu haben, dann lehnt man sich innerlich zurück und ist beruhigt – nur so und so kann es gewesen sein. Immer mit einem Rest an Ungewissheit.

Mich treibt seit einiger Zeit ein Song rum der mich betroffen macht. Er macht mich klein. Er macht mich groß. Ich kenne ihn schon lange, weiß es aber nicht. Habe ihn aber noch nie gehört. Er ist zu mir zärtlich. Er ist für mich erschreckend. Er mir ist so unbekannt wie elektrisierend wenn ich ihn höre. Komisch. Seltsam. Sind tonale, nicht hörbare, nur für DEN bestimmten Hörer, Beeinflussungen arrangiert? Gab es mal was, was mir jemand aus der Vergangenheit unbedingt mitteilen will? Dieser Song, der berührt mich. Ich weiß nicht warum. Und erinnert mich an etwas an das ich mich nicht erinnern kann. Oder will.