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Mein Freund Fridolin versus Gigantissimus

Mein Kumpel Fridolin und ich bereiteten uns einige Monate auf den Trip vor. Es war soweit und seit Tagen und Nächten waren wir in der Wildnis unterwegs und neben ein paar Begegnungen mit Wölfen, Grizzlys und Geparden hatten wir auf unserer einsamen Harzwanderung, ziemlich alleine in der Wildnis nichts Nennenswertes zu befürchten.

Plötzlich krachte es im Wald. Tausendjährige Bäume brachen wie Strohhalme mittendurch. Eine fürchterliche Gewalt bahnte sich eine Schneise durch den Harzer Nationalpark und kam uns immer näher. Aus unseren Expeditionen im Riesengebirge kannten wir Rübezahl mit dem wir am Ende die ein und andere Tasse Tee genossen. Doch diese Gewalt hier, die immer näher kam ließ uns vor Ehr- und Furcht erzittern. Zwischen den Bäumen, es kam immer näher, blitzte es zwischen den Bäumen durch. Es war groß! Es war stark und es war weiß! Erstarrend vor Todesangst standen wir vor dem Ungetüm und oh Schreck, er nahm meinen Kumpel – der arme Fridolin, wir stöhnten voller Furcht, auf die Hand und flüsterte dann wie lieblich und ohne stören zu wollen: „Du Hübscher, hab keine Angst und pass auf Dich auf!“

Der Gigant ließ meinen Kumpel am anderen Wegesrand hinab und mich links liegen und stampfte weiter seines Weges.

Voller Furcht war ich auf einem der höchsten Bäume geflüchtet und konnte zittrig und voller Hosenscheiße ein Foto schießen:

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Hach! Puh!

Nur so (7)

Alles Käse oder was? So nett lächelnd haben wir unsere Wanderbutterbrote belegt.

Was mich u.a. grade fürchterlich aufregt ist mal wieder unser Propaganda-TV (ARD, ZDF und wie sie alle heißen). Dummerweise war die Tagesschau aktiv als ich den Fernseher einschaltete. Und was musste ich da für ein Geschwätz hören? „Wallonien, ein kleines gallisches Dorf stemmt sich gegen die ganze Welt.“ Oder: „Wallonien, sie wurden gewarnt machen aber weiter. Ist das verbrecherisch zu nennen?“ Und in einem fort. Es geht gegen CETA. Was uns aber die Propagandamaschine versucht zu verschweigen ist, das Wallonien nicht alleine ist, sondern ganz Europa und eine nicht zu ignorierende Masse der Bevölkerung dagegen ist. Gleiches Schema wie bei Griechenland, Russland.. Die Liste ist beliebig erweiterbar. Dreckige Arschlöcher! Und damit meine ich nicht die Belgier.

Hach wie schön! Ich denke immer noch an die letzte Woche als ich wandern war. Ich bringe den Mehrgewinn an Fitness mit in die Knochenmühle. Denn auf meinen Rauchgängen bin ich schneller die Treppen runter und wieder rauf und somit auch schneller wieder am Arbeitsplatz. So lief ich auch heute mal wieder durch die Gänge, eine Kollegin stand in der Tür eines beliebigen Büros, der Po halb auf dem Gang, und diskutierte überaus wichtige Dinge mit Kollegen. Und ich lief und lief und der halbe Po kam immer näher – der Flur ein wenig eng. Als ich auf gleicher Höhe war ging sie zurück mit ohne Augen im Hinterkopf, ich reagierte schlagartig wie damals auf dem Skateboard indem ich einen Ausfallstep an die gegenüberliegende Wand machte und sie mit einem Saltovorwärts übersprang um eine Kollision zu vermeiden. Nun würde jeder sagen der mich kennt, ach, Schirrmi.. ist das wirklich wahr? Die Antwort ist: Ja! Denn wenn ich Ihnen erzähle dass ich bei dieser Aktion nicht den ganzen Kaffee in meiner Tasse retten konnte, dann werde ich doch glatt glaubwürdig. Nicht?

Die verschissene Zeitumstellung steht wieder bevor. Ich muss schon seit zwei Monaten planen, Changepläne entwickeln, koordinieren, Scripte vorsorglich umschreiben und mir jeden Tag vom Scheffe anhören „Wat is denn da jetzt mit der Zeitumstellung?“ Ich jedes Mal: „Wie jedes Jahr!“ Die Krönung erhält man dann noch per Email (weitere folgen sicher noch). Es nervte ein Kollege wie folgt:

Hi Schirrmi,
I am thinking that with the 5 hour difference the US time will be 1 hour later.
Meaning Jobs that run at 7am CET will run at 2am EST instead of 1am EST.
If this is correct, I don’t think we need to change the scripts running time. I think it will be okay.  However, in the spring we will need to adjust for the 1hour difference.
Best regards,
Dummbatz

Meine Antwort fiel ein wenig ausführlicher aus als wie der schrieb. Nämlich:

Thanks!

Komischer Zufall heute. Ich erhalte von Eventim eine Email weil Sie mein Geld wollen. Die sollten aber eigentlich meinen Musikgeschmack kennen, ich war dann doch sehr verwundert über die Empfehlungen. Helene Fischer? Atze Schröder? Die Söhne Mannheims? Bin ich Masochist? Ach und ein paar Minuten später las ich beim geschätzten Kiezi dass es ihm nicht besser erging.

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Wie cool ist das denn? Heute ist Bergfest meiner ersten Arbeitswoche, checke meinen Kalender und sehe dass kommenden Dienstag ein arbeitsfreier Tag ist. Zack! Den Montag schnell als Gleitzeittag eingereicht (genehmigt!) und das lange Wochenende kann kommen! Geil! Darüber hinaus sah ich erfreulich dass Mittwochabend in Kölle das Placebo-Konzert stattfindet für das ich vier Karten erstand. Weniger erfreulich ist, dass ich am Donnerstag mein Jahreszielendgespräch mit dem Scheffe habe. Und wenig Vorbereitungszeit auf diesen Battle habe. Der rote Kollege meinte nur: „Einer von euch beiden wird nach dem Gespräch ins Krankenhaus eingeliefert. Er ist größer als Du aber Du bist gemeiner und brutaler als er.“

Möchten Sie wissen wie die Stimmung auf dem Brocken an einem 20. Oktober ist? Sehr kalt. Und falls Sie mich auf einen der folgenden Fotos entdecken möchte ich vorsichtshalber erwähnen dass ich 4-lagig angezogen war. Schauen Sie oder schauen Sie nicht 🙂

Die wunderliche Einmannkapelle

Herrlich! Wundervoll waren meine Wanderungen im bunten, herbstlichen Harz. Ruhe und Friede fand ich auf Schusters Rappen und konnte meine Akkus aufladen. Keine Verpflichtungen, reine Natur und viel Luft zu atmen. Das Telefon ausgeschaltet und an nichts denken müssen, einig werden mit mir selbst und der schönen Harzlandschaft. Das – mein Paradies.

Was weiß ich? Der Harz hat so um die 8-9 Tausend Mögliche und unmögliche Wanderkilometer und davon habe ich wieder mal ein paar Hundert geschrubbt. Das tat wieder gut! Ab Montag muss ich mich wieder verkleiden. Mit Schlips, Krawatte und Binder. Was? Ja doch, Hosen ziehe ich auch an. Samt Sakko. Meinem geliebten Cordsakko, meinem Alter entsprechend.

comp_img_9451Sind Sie mitten im Wald mal geblitzt worden? Ich schon. Zu schnell gewandert wahrscheinlich. Aufgrund von eigener GPS-Fehlplanung und unordentlicher Handhabung von Kartenmaterial verschlug es mich abseits aller Wege in den Wald und ich wurde geblitzt. Das muss man sich mal vorstellen! Ich erschrak und schaute erstmal fürchterlich, um vermeintlichen Räubern ihren Wagemut zu nehmen. Stille. Ruhe. Horchen. Ich kletterte wieder ein wenig abwärts und sofort: Blitz! Haha, hihi, was bin ich doch für ein Luchs! Bin in eine Luchsfotofalle geraten und sah erst hinterher das Schild. Bitte stellen Sie sich das mal vor. Alleine im Wald, nicht auf Wegen und sie werden fotografiert. Den Spaß machte ich mir dann noch, bitte verzeihen sie. Ich ging mit blanken Hintern wieder und wieder an der Fotofalle vorbei und machte Grimassen. Blitz! Hihi..

comp-harz_img_8920Kurios fand ich ein Schild unterhalb der Prinzenlaube. Ich finde es ja schön Höhenkilometer in aller Kürze zu erwandern. Das geht dann im Zick-Zack-Stieg auf die Berge hoch. Finde ich besser. Denn einmal kurze, steile Höllenqualen zu erleiden um auf dem Gipfel anzukommen ist für mich schöner als langatmige Umwege in Kauf zu nehmen. Ein bissel Spannung habe ich ja gerne. Aber dieses Schild. Hmh..

Ich schweife ab.

So läuft man alleine und in aller Ruhe durch die Wälder, über hohe Berge und tiefe Täler, man hört nur seinen eigenen Puls und die wie verrückt herumtollenden Tiere. Doch plötzlich war da noch was. Etwas was da nicht hingehört. Es hörte sich an wie ein rhythmisches Stampfen. Durchsetzt mit einem gelegentlichen Rascheln. Dazu im Takt ein Knistern und ein Klappern. Ab und zu ein Bling. Es machte, untermalt vom Stampfen, raschel, knister, klapper, bling. Und wieder: (Stampf, stampf) Raschel, Knister, Klapper, Bling in einem fort. Sehr ungewöhnlich. Gut, wenn ich einen fahren lasse flattern manchmal überaus verschreckte Auerhühner auf. Aber das tat ich grade nicht. Diese Geräusche, sehr im gleichmäßigen Takt erinnerten mich an eine Einmannkapelle. So jemand der an den Beinen Rasseln hat, mit der Ferse gegen eine Drum schlägt und dazu fiedelnd ein Blasinstrument bedient während er mit seinen Oberschenkeln Tschingderassabum macht. Dazu mit den Ohren wackelt an denen reife Kastanien aneinander schlagen. Stampf, stampf, raschel, knister, klapper, bling.. Es hörte nicht auf und ging mir langsam auf die Nerven.

Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen blieb ich ab und zu mal stehen und horchte wo sich dieser Typ befindet und welches perfides Spiel er mit mir treibt. Jedoch, blieb ich stehen, hörte er auf mit seinem Krawall. Ging ich weiter, machte er weiter. Die Sau!

Irgendwann kam er dann aber total aus dem Rhythmus und eine reine Kakophonie war das Ergebnis. Jetzt reichte es mir. Ich legte meinen Rucksack ab und schlich umher diesen Übeltäter zu stellen. Aber ohne Erfolg. Er sah wohl mein gewalttätiges Bedürfnis und hielt inne mit seiner Einmannspielkramkapelle. Beruhigt, ich hatte ihn wohl verschreckt, schulterte ich meinen Rucksack und lief weiter und was soll ich sagen? Es fing wieder an!

comp_img_9382Dass unter meinen gewaltigen Schritten Opfer zu verzeichnen sind. Geschenkt! Das Amphibien lieber das Weite suchen wenn ich durch den Wald marschiere. O.k.! Aber das in meiner Butterbrotdose das gekochte Ei herum klappert. Das GPS-Gerät im Takt gegen einen Karabiner klimpert. Das die leere Apfelsaftschorle-PET-Flasche im Rucksack herumknistert, das in meiner Hosentasche befindliche Feuerzeug dauernd gegen meine versilberte Ziggi-Dose kleppert und mein Siegelring im Takt gegen das in der Hosentasche befindliche Telefon schlägt während ich laufe, nein, das ist nicht schön.

Mit klappernden Grüßen..

Ich bin wieder Papa geworden

Nach jahrelanger Penetration ist es endlich soweit. Ich bin frisch gebackener Papa geworden. Majestätin M. hat eine kleine Schwester bekommen. Sie können mit mir Queen L. die Erste beglückwünschen. Herzlichen Glückwunsch liebe L. zu Ihrem neuen Titel „Harzer Wanderkönigin“! Frei nach der Muppetshow: Applaus, Applaus, Applaus!!!!

Es war keine einfache Geburt, aber das wusste ich schon vorher. Denn sie ist ja immerhin ein großes Mädchen. Aufgrund meiner kleinen, engen Möse schmalen Becken Erfahrung können wir glücklich und mit einem liebevollen Blick und zärtlicher Umarmung L. alles Gute für Ihren weiteren Lebenswanderweg wünschen.

Es ging nicht immer ohne Tränen vonstatten. Hin und wieder sind die kleinen Füßchen umgeknickt. Da und dort ging es überaus steil rauf und runter. Neben abenteuerlichen Abgründen und das mit einer fest verwurzelten Höhenangst, durch tiefen Matsch und Schlamm, Sturmböen und Orkane getrotzt, mit Regen, Schnee und Hagelschauer, von wilder, grausamer Natur zerrissenen Klamotten stapfte sie tapfer durch den Harz und erkämpfte sich ihren Titel mit über 50 erwanderten Stempelstellen.

Für die Nachwelt und selbstverständlich auch für die interessierten Leser – die folgenden Orte hat Wanderkönigin L. die Erste erwandert (halten Sie sich fest):

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009-Brockenhaus, 032-Gasthaus Christianental, 035-Gasthaus Armeleuteberg, 037-Büchenberg, 038-Galgenberg, 039-Tagebau Felswerke, 043-Wasserscheide Weser-Elbe Hohe Tür, 059-Klostergrund Michaelstein, 060-Stemberghaus-Köhlerei, 061-Harzer Grauwacke Rieder, 067-Weisser Hirsch (Aussichtspunkt), 068-Pfeil“-Denkmal“, 071-Rosstrappe (Abzweig Schurre), 072-La Viershöhe, 073-Glockenstein, 074-Hamburger Wappen (Teufelsmauer), 076-Grossvaterfelsen, 077-Ruine Luisenburg, 078-Barocke Gärten, 079-Otto-Ebert-Brücke (am Herzogsweg), 080-Burgruine Regenstein, 081-Sandhöhlen im Heers, 082-Regenstein-Mühle, 085-Wasserkunst Thumkuhlental, 086-Bisonhehege, 087-Volkmarskeller, 089-Schornsteinberg, 091-Welkulturerbe Rammelsberg, 099-Hörninger Sattelköpfe, 101-Einhornhöhle, 105-Prinzenlaube, 106-Schöne Aussicht Bielstein, 107-Maaßener Gaipel, 111-Steinbergalm, 112-Liebesbank, 113-Grumbacher Teich, 114-Ramseck, 127-Weppner Hütte, Jägersbleeker Teich, 129-Hütte im WeltWald Harz, 130-Iberger Albertturm, 132-Schwarzenberg, Köte Brockenblick, 151-Ruine Scharzfels, 155-Rehberger Grabenhaus, 156-Wurmberg-Baude, 166-Sachsensteinhütte, 174-Hohnehof, 183-Försterblick Gernrode, 187-Lauenburg, 188-Teufelsmauer Weddersleben, 192-Historischer Gipsbrennofen, 198-Glockensteine, 202-Landschaftspark Degenershausen, 205-Rastplatz unterhalb des Cluesberges, 209-Moltkewarte (Aussichtsturm), 214-Reesbergdoline, 216-Lutherbuche (Anmerkung des Red.: Scheiß-Tipperei!)

Unverzeihlich jedoch ist das Königin L. die Erste den Brocken kaputt gemacht hat. Denn der ist jetzt nicht mehr 1.141,20 Meter hoch sondern nur noch 1.141,17 Meter klein. Diese kriminelle Wandersau hat da oben nämlich ein Bröckchen mitgenommen. Hinweis für mich: Den Wikipedia-Artikel zum Brocken aktualisieren!

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L. fand folgende Worte:

Ich möchte mich bei dem Eseltreiber Schirrmi bedanken der in mir ungeahnte Höchstleistungen weckte. Und darauf jetzt einen Schnaps!

Da kann ich nur sagen: Prost! 🙂

Der wunderliche Harz

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Mammutbäume kuscheln

Ein Tausendsassa war der Goethe. In der ganzen Weltgeschichte unterwegs, zu hohen Ehren gekommen und seines Zeichens Drückeberger. Er drückte sich vor der Arbeit und ging lieber spazieren – wie ich. Grade der Harz hatte es ihm angetan. So kommt man nicht umhin an allen möglichen und unmöglichen Stellen an ihn zu denken. Denken kann ich aus jahrelanger Praxis und Arbeitsverweigerung vermeiden, aber auf Schritt und Tritt sind irgendwelche Goethe-Tafeln angebracht. Hier hat G. geschissen. Hier ging G. mal entlang. Hier hat G. mal gegessen. Da hat er mal gepisst. Dort genoss G. mal eine Aussicht. Da hat er gepimpert oder auch nicht was ihn furchtbar traurig machte. Hier hat G. sich eine Backpfeife abgeholt. Dort seine Schuhe besohlen lassen und hier einen Furz gelassen. Nervend manchmal.

Wenn man so wandert braucht man nicht viel. Gut, ein Batteriebetriebener Reise-Fön für die wunderbare Tolle im Rucksack kann mitten im Wald ganz nützlich sein. Oder haben Sie schon mal Steckdosen im Wald gesehen? Hallo? Ansonsten brauche ich echt nicht viel beim Wandern. Ein kleiner Rucksack mit dem aller-aller-aller-Nötigsten auf dem Rücken sorgt für schnelle Anstiege. Dennoch, auf ein wenig Komfort möchte ich auch in der Wildnis nicht verzichten. Denn falls mal der kleine Hunger kommt, ist man froh ein paar Dr. Oetker Bistro Baguettes und/oder Flammkuchen dabei zu haben. Deswegen habe ich, soviel Komfort muss sein, einen solar betriebenen Minigrill dabei. Mit Umluft – wichtig! Jetzt kann man überlegen ob das nicht meiner Maxime, leicht ist schnell ist mühelos entgegensteht. Sie haben Recht. Deshalb entschied ich mich für den Minigrill ohne Umluft und greife in meiner jahrelangen Survival-Erfahrung für, zugegeben, menschliche Methoden zurück. Also, für ein gleichmäßiges Bräunungsergebnis springe ich während des Grillvorgangs um das Teil herum und pubse es von allen Seiten an. Umluft! Tja! Gewusst, wie!

Wandern ist billig, ist preiswert, kostet fast nichts. Einfach die Wanderschuhe an, ich bevorzuge hier von Kinderhand genähtes Jak-Leder aus dem hohen Himalaja, und los geht’s von drinne noch drusse. Mehr braucht es nicht. So einfach. Nun ist es, und ich könnte Ihnen da ein paar Stories vom Appalachian-Trail erzählen, sogar mein langjähriger Praktikant Rüdiger Neberg verzichtete wenn es ging, nicht auf gewissen Komfort.

So begab es sich also dass ich nicht online auf den Hauptwilderness-Portalen (HRS, Booking-dot-com) für einen Zwischenstopp mit Dusche buchte sondern ich nahm das Satellitentelefon und rief schlicht an. „Moin!“ „Bin da und da prekär unterwegs.., blabla..“ „Nur eine Dusche mal, blabla..“. „Muss nichts kosten, yeah ya…“. So in der Art konnte ich eine supercomp-harz_img_9106-Unterkunft mieten, die kostengünstig aber doch ein Hauch von Ursprünglichkeit besaß. Die prekären Hotelagenten wiesen noch mal darauf hin dass der Preis einen Haken hat. Es würden Holländer in der Nähe übernachten und das mitten auf dem Parkplatz. War aber nicht schlimm. Als ich nachts von der richtig anstrengenden „Liebesbanktour“ kam klopfte ich und rief laut an die Wohnwagen ob noch ein wenig Superskunk für einen müden Wanderer vorhanden sei. Wir neckten uns dann noch ein wenig, ein Wort gab das andere und die Holländer wollten mal sehen wie Fußball gespielt wird. Schön finde ich das. Völkerverständigung. Dass die Käsköppe nicht den Schädel wegnehmen können wenn ich einen Fallrückzieher mache – na ja, gut. Schwamm drüber. Irgendwer wird das Gemansche wohl wegputzen.

George Clooney. Er war da und noch viele andere aus den verschissenen USA. Hollywoodschauspieler waren da mitten auf dem Hügel und drehten. Sie drehten und ich drehe am Rad wenn ich die Werbung für eine zugebenermaßen schöne Hütte erblicken muss. George war also da im Harz, nahe Goslar und drehte und aas und schiss und pisste und drehte. Ich war jetzt auch da. Toll! Ich lasse mir die Haare grau wachsen, lege mir Kuhaugen zu und schlüpfe in Militärklamotten. Und was die Besitzer und Angestellten dieser „George Clooney-Alm“ so stolz waren umso mehr widerte es mich an. Zumal der Stempel HWN111 abgeschnitten wurde und ich den selbigen nicht in mein Wanderstempelheft stempeln konnte.

Die Alm! Die „Steinberg Alm“ (zum Rösner). Norddeucomp-harz_img_8959tschlands schönste Alm! Ich war da und hatte Kontakt mit den Sennerinnen und dem Fraß gutbürgerlichen Mahlzeiten. Nur was ich seltsam fand, Plakate hingen überall und warben für eine Ossi-Party am 3. Oktober. Vielleicht bin ich geometrisch ein wenig unbedarft, aber was hat Goslar mit Ossi zu tun? Und wenn es so wäre? Was hat das mit bayerischer Speisekarte zu schaffen? Und warum hängen tote Tiere über dem Abendmahl? Und warum muss man als „Event“ auf dem Klosett frühstücken?

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Machen Sie das Bild groß wenn Sie wissen wollen was ich meine..

Mächtig fand ich die Hinterlassenschaften der Eingeborenen. Denn, ich weiß zwar nicht warum, sie hängen die Hosen von Hinterbliebenen im Gastraum auf. Und was muss ich sagen? Die waren offensichtlich gut bestückt.

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comp-harz_img_8920Kennen Sie den Pinkel-Prinz Ernst-August? Ein rüder und unzivilisierter Geselle. Aber ich musste schon schmunzeln als ich die Prinzenlaube erwandern wollte (Stempelstelle 105). Denn die Wegmarkierung dieses versoffenen, blaublütigen Raubritters erschloss sich mir erst nicht, beim Nachdenken über ihn aber sehr wohl. Der Heimweg ist immer länger als der Hinweg, gelle?

Prost der Herr!

Elegant entspannte Baummaulwürfe

Das kalte Kotzen kriege ich! Plack, kriege ich! Wenn ich auf dem gleichen Fleck Armut, Elend und Tod einhergehen sehe mit Dekadenz und nimmermüden Wellnesstrip. So erlebt, die Tage..

Schön sehen sie aus. Nein, nicht Sie! Ich meine die Feuersalamander. Und als Nicht-Biologe kann ich die unterschiedlichen Tiere der gleichen Gattung nicht auseinander halten. So nenne ich sie alle schlicht „Fridolin“. Der Fridolin oder besser, die Fridolinen waren 2013 recht oft und lebhaft unterwegs, dann aber im Jahr 2015 in Massen verstorben auf den Wanderwegen zu sichten. Platt, verendet, die Gedärme von innen nach außen und mit allem Drum und Dran.

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Diese lustig und wunderlich gemusterten, toten Burschen machten ein Jahr später Platz für eine optische Kakophonie von toten Feld-, Spitz-, Hausmäusen die in einer unaussprechlichen Vielzahl, graugemustert und mit hoffnungslosen Knopfaugen in die Höhe starrend auf den Wegen lagen.

 

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Zermatschte Schnecken, deren zerknirschte Gehäuse, platt getrampelte Schlangen, Eidechsen und Trilliarden von widerspenstigen, aber am Ende doch zerknackten Käfer – welche grade noch ein paar Scheißhäufchen rollten, lagen da am Boden. Andächtig wandere ich wie auf einem Maushindernispfad, die Schleiereule, recht versteckt im Wald schaute uninteressiert zu und wartete auf die Dämmerung. Von oben krächzt der Bussard, das Rehwild macht sich rar. Rechts stand ein Baum und links stand ein Baum. Und in der Mitte floss ein Bach. Ach!

„Fridolin“ so sprach ich ihn an. „Da liegst und rührst Dich nicht. Mit einem Bein ab – ein Auge ausgehöhlt. Und stellst Dich tot. Du machst es gut. Hast meinen schweren Schritt auf dem Wanderweg gespürt. Bleib liegen und ruf Deine Familie um das Bein abzubinden, das herauslaufende Augengel mit einem Eichenblatt abzuwischen.“ Alles gut!

comp_cg6a2528„Frau Spitzmaus, das wissen wir doch alle.“ „Bist Du nicht mehr da, stirbst nicht nur du sondern die ganze Brut. Einpaarundzwanzig an der Zahl, die ganze kleine Babyschar.“ So sehe ich dich zittern und wäre ich ein Habicht, du ernährest meine Kinder. „Sei klein und versteck dich in dem Gestein, sei eins in Grau und Grau. Sei unsichtbar und rühr dich nicht.“ Und hoffe..

„Der lustige und unerschrockene Harzer Baummaulwurf“

Er hat im jahrhundertelangen, sportlichen Wettstreit gelernt sich aus dem dunklen Erdreich auf die Bäume emporzuarbeiten. Nur die Besten der Besten haben zeitlebens jemals das Tageslicht erblickt und die lichten Höhen der Baumkronen erklommen. Nur die Mutigsten und Stärksten, an Wagemut reich mit felsenfestem Freiheitswunsch kämpften sich heraus aus dem dunklen, feuchten Erdreich nur zu einem Zweck: Ein Baummaulwurf zu werden.

Eine stolze Untergattung entstand in gefühlt, ewiglangen Jahren. Da oben in den Bäumen hangelten sie sich von Ast zu Ast, sprangen von Baum zu Baum und eroberten die Welt oberhalb des Erdreichs, der dunkel, feucht und ohne Licht den blinden Vorfahren ihr karges Auskommen sichert.

Nicht genug ihr Selbstbewusstsein oben in den Bäumen. Die Tapferen stiegen herab und legten sich rücklings auf wärmenden mit kleinen Kieseln und Moos bedeckten Boden- um unerwartete Wonnen zu erspüren. Die Sonne, kribbelnd und wärmend auf dem kleinen, dicken Bauch. Andere behängen Ihren Körper mit dem glitzernden Familienschmuck, fühlen grenzenlose Macht ob ihren königlichen Stand in der freien, hellen Welt. Smaragde, Rubine – nur hier unten bin ich der Baummaulwurfking!

 

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Von ganz weit weg hörten sie ein Grollen. Langsam kam es näher, die belebenden Sonnenstrahlen auf ihrem Bauch, das Geräusch. Doch Eigensinn macht stark. Es kommt näher, von unten klopft es, schrillende Warnungen zuhauf: „Mein Freund, das ist nicht Deine Welt – komm zurück!“.. Ach denkt er faul – „.. das unterirdische Volk!“

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Gute Nacht!

Höflichkeit kommt weiter– auch in der Natur

Was mir meine Oma schon damals gelehrt hatte, Höflichkeit kommt weiter. Und das kann ich immer noch bestätigen. So wie letztens als ich vom Carlsturm abstieg und durch das landschaftlich überaus attraktive Dammbachtal zurück nach Trautenstein spazierte.

Es ging ein wenig abwärts. An diesem Tag hatte ich noch keine andere Menschenseele auf meiner Wanderung getroffen, leise schmunzelnd über den schmalen, steilen Pfad den ich wie ein junges Reh heruntersprang, die Wandersohlen wie Klett am grenzwertigen, matschigen Abhang, hörte ich von unten ein Schnaufen und Stöhnen. Ah, da, ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Ein Opfer!

Ich schaue da unten runter auf seinen Helm und warte noch fünf Meter ab bevor ich ihn ansprach: „Hallo und einen schönen guten Tag!“ Er kam luftlechzend auf meine Höhe und ich weiter: „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Er reduzierte seine Schildkrötengeschwindigkeit und hielt wackelnd an – versuchte am Hang noch beide Füße in den Pedalen zu halten – ohne Chance, er kippte und hielt an. Jovial fragte ich ihn „ist das hier richtig zum Dammbachtal, mein guter Herr?“ und lächelte höflich. „Krzzzz, öchzzz, japppss, grunnzzzzzzzz… „ antwortete er. Mit einem überaus freundlichen „Vielen Dank“ ging ich weiter meines Weges – steil runter und hörte hinter mir ein Krachen, Knacken der Gangschaltung und ein fürchterliches aber unverständliches Fluchen und dachte nur so bei mir: Öh, man hält am Berg nicht an, nie und nimmer nicht. Und wenn, dann halte in dem Gang an in dem du weiterfahren kannst.. „Der Anfänger…“ murmelnd zog ich mir meine Appelschorle aus dem Rucksack und machte ein Foto wo der Herr seinen Drahtesel den Hang hinaufschob.

Bitteschön!

Der Harzer Kaiserschuh

„Hach, wie knackig!“ haucht sie lustig trällernd während sie mir an den Po greift. Während ich ihre freche Hand immer noch an meinem Arsch fühle ergänzt sie dass da ja gar nichts mehr wäre. Nun, ich kann Ihnen versichern dass da in der Tat noch was ist.

Der Grund für diese übermütige Handlung kann nur davon rühren dass ich just aus einem kurzen Wanderurlaub zurückkehrte. Und brachte Mitbringsel aus dem Harz mit. Beispielsweise Metzgerbier erstanden bei einem Metzger – ach! Ich fragte ihn ob er das mit Rinderblut gebraut hätte. Er wollte mir keine Auskunft geben und forderte mich einfach zum Kaufen auf. Der liebenswerte aber Schweinsgesichtige Metzger drehte mir dann noch Salami, Leberwurst und eine nur im Harz erhältliche Wurstspezialität an. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem Namen, probieren werde ich erst Morgen beim Brunch wenn mein Schädel ein wenig kleiner geworden ist. Dazu brachte ich aus dem Stemberger Köhlerhaus noch eine Flasche „Köhler Liesl“ Likör und ein wenig Dosenfutter mit. Denn als anständiger deutscher Bürger höre ich ja auf unseren allseits geliebten Innenminister. Dem total bescheuerten Idioten.

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Wandern gehört seit eh und je zu meiner Lieblingsbeschäftigung um meinen Kopf frei zu machen, die Knochenmühle zu vergessen und auch einige andere Dinge aus anderen Perspektiven sehen zu können, darüber nachzudenken. Der Harz hat es mir angetan und der kleine Schirrmi stempelt in einer der schönsten deutschen Mittelgebirgsregionen mit über 8.000 Wanderkilometer sein Stempelheft voller und voller. Ich erwähnte es teilweise schon.

Ich brachte neu den „Harzer Kaiserschuh“ mit. Diesen erhält man wenn man mindestens 150 Stempelstellen erwandert hat. Nun bin ich bei 171 von 222 möglichen. Und es macht Spaß. Immer noch und immer wieder. Auch wenn mich manchmal die abgrundtiefe Dummheit von Wanderkarten, Beschilderungen, mobilen Navigationsgeräten und meinem vergeistigten Verstand ziemlich auf den Zeiger geht. Letzteres ist am Schlimmsten. Denn die anderen Dinge können nicht dumm sein. Mögen Sie ein Beispiel haben? Ich plane am PC meine Wandertouren. Suche mir Park- und Zielkoordinaten heraus. Lese Tourenbeschreibungen und möchte am Ende ein Optimum an Spaß, Wanderdauer, landschaftliche Abwechslung, körperliche Herausforderung und selbstverständlich einige Stempel haben. Wenn ich dann auch noch zum Teufelsmobil zurückkehre dann passt die Tour. Akribig kann ich Ihnen sagen, plane ich. Wenn dann noch auf der Tour eine Einkehrmöglichkeit besteht, Stichwort „Genußwandern“, dann wird das ebenfalls mit eingeplant. Allerdings bin ich ein geborener Pechvogel was die Öffnungszeiten dieser Lokalitäten betrifft. Denn in 90 Prozent aller Fälle haben die Gaststätten entweder Ruhetag, sind nur noch Ruinen, haben schlicht aus nicht näher bezeichneten Gründen zu oder sind wegen Renovierung / Sanierung geschlossen. Und weil ich das als gelernter Pessimist weiß, führe ich immer genügend Futter und heißes Wasser und löslichen Kaffee und Tee in meinem immer zu groß geratenen Rucksack mit. Ich schweife ab.

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Letztens passierte es mir wieder. Eine hervorragend geplante Tour denke ich am Vorabend noch mal durch. Lese meine Tour Beschreibung, gehe noch mal auf der Wanderkarte alles durch und lese im Internet noch mal nach was andere Wanderer für Erfahrungen machten. Und – stelle spontan alles um. Was dann dazu führt dass aus 13 Kilometer plötzlich 22 km werden. Oder geplante 600 Höhenmeter entwickeln sich zu 1200 HM. Nun, in der Mehrzahl kennen Sie mich nicht. Aber wenn, dann würden Sie wissen dass ich schlimmer fluchen kann als ein Kesselflicker. Und das Schlimme dabei ist – ich verfluche mich. Ich sage nur, abgrundtiefe Dummheit. Manchmal. Aber meinen asthmatischen Lungen und der Wohlgestalt meiner Beinmuskeln kommt es natürlich nur entgegen. Und was sagt der Arsch dazu? Na, Sie wissen schon.

Jedenfalls war es mal wieder sehr schön alleine unterwegs zu sein. Lediglich die Tiere, lebende und tote, beschäftigten mich ein wenig. Aber dazu in einem anderem Beitrag mehr. Ich sitze hier und schaue mir ein paar der Fotos an und plane am anderen Schirm schon die nächsten Touren. Möchten Sie mal sehen wo ich so war? Ja? Hier, Bitteschön:

Wenn ich von Detailverliebtheit rede dann meine ich das auch so. Zwar nicht so wie manche Menschen „Hundertprozentiger“ oder „Perfektionist“ sagen würden. Aber letztendlich wird die per Excel geplante Wanderwoche gedruckt und laminiert damit weder Wind noch Wetter dem Zettel etwas anhaben kann. Und das ist dann sozusagen die Bibel. Nur leider schlich sich trotz Generalsstabsmäßiger Recherche ein Fehler bei einer Startkoordinate ein. Es führte zu einem 40km Umweg quer durch den Harz. Waren Sie schon mal da? Dann wissen Sie dass das richtig Scheiße sein kann mit den kleinen, kurvigen, bergigen Straßen und Orten die einfach mal so für die Durchfahrt gesperrt sind. Denn die anderen können kein Auto fahren. Ich schon. Die Anderen nicht. Schneiden die Kurven. Ich nicht. Die fahren wie die letzten Säue. Ich natürlich nicht. Vor allem nicht wenn ich Eigenwut im Bauch habe. Ich nicht!

Wir hatten tropische Temperaturen, zum Glück erst ab Mittwoch. Was passte besser dazu als meine komplette Midnight Oil Sammlung rauf und runter zu hören während ich von einer Tour zur nächsten fuhr?