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Nachts wird geduscht

Damals waren wir zu fünft daheim. Fünf Gäule sozusagen. Ich glaube, immer recht bescheiden, wenn Sie mich kennen würden, dass ich der Goilste war.

Wenn das Wort Bescheidenheit nicht schon erfunden wäre, man hätte mich als personifizierten Erfinder dieser überaus hochachtungswerten menschlichen Eigenschaft in den Weltalmanach, nein – umso mehr, gelte ich allgemein anerkannt als der lieblichste Beweis dieser dem der göttlichen Nähe zu sehenden Fähigkeit, mein eigenes Ich niemals herauszustellen wage und kurz gesagt, in bescheidener Manier durch die Welt wandele um damit höchste Bewunderung und Ehren zu erlangen.

Wie leise schon erwähnt, ich bin. Und ich bin nicht besser. Vielmehr weniger. Jedoch kann ich nichts dafür, in den Augen der großehrbarsten Menschen als höchst kluger und immer freigeistiger, intelligenter Gesprächspartner in allen Lagen der denkbarsten Belange zu gelten, ein Anlaufpunkt für jedem der ein wenig mehr Weisheit, Herz und Erkenntnis erlangen mag. Wie gesagt, in aller Bescheidenheit – die höchste Tugend, die ich nicht für mich in Anspruch nehmen kann und will. Sich nicht selbst herausstellen, mit und wenn es auch noch die besten und schönsten Fähigkeiten sind die einen der besten Menschen ausmachen. Nein, ich hebe mich nicht damit hervor.

Heute unterredete ich mich mit einem der Hengste, wir verbrachten einige Jahre zusammen in einer Zelle in einem Zimmer, in einem Doppelstockbett, und er fragte mich „Weißt Du noch? Als Du mich arbeiten geschickt hast?“. „Nö.“ erwiderte ich in aller Bescheidenheit. „Als Du nachts nach Hause kamst, Licht anmachtest?“ „Nö.“ „Als ich dann aufstand weil ich dachte es wäre frühmorgens und Zeit für die Arbeit? „Nö.“ „Als ich dann duschen ging, meine Arbeitsklamotten anzog und in der Küche meine Brote schmierte?“ „Nö.“ „Und als ich dann auf die Küchenuhr sah dass es 1:30 Uhr in der Nacht war?“ „Nö.“ „Und als ich Dir den Hosenboden versohlte?“ „Ja.“

Hat ja gar nicht weh getan, hihi.. Deine Nacht war versaut und ich.. – war gut gelaunt J

In aller Bescheidenheit und ich kann ja nichts dafür, ich bin halt toll und hab Spaß dabei – brrrr, hihi..

Ein Leben im Dachboden

Im Grunde war Klein-Johi ein netter Mensch. Stets zuvorkommend auch und ohne Hintergedanken zu Menschen die es im Geist anderer Leute wohl nicht verdient hätten. Ihm war ein fröhliches, offenes Wesen zu eigen was sich immer gerne und unausweichlich als Spiegel auf der den Lebensweg zweigenden Menschen Gesichter offenbarte. Wenn man über ihn redete, bescheinigte man Klein-Johi eine ausgesuchte Höflichkeit. Zurückhaltend bei Gesprächen die ihn nichts angingen, Verschwiegenheit allenthalben. Jedoch frohgemut, still und innerlich wunderten sich andere ob man nicht naiv sagen könnte, stolperte er glücklich durch die Welt und öffnete die Herzen nicht nur wenn er, entschuldigen Sie bitte diesen Exkurs, morgens um 4:45 Uhr mit den Amseln um die Wette pfiff. Glockenhell, sein blondes Haar vor Freude werfend, die kleinen Zähnchen blitzend und eine leere Dose Bier hinter sich polternd – nur um sich danach umzusehen ob alles gut, ob es niemanden getroffen hat. Glucksend, lachend vor Glück nahm er jeden in den Arm und steckte an – mit seinem Witz, überbordende Fröhlichkeit. Zu jedem Anlass und auch wenn es keinen gab, machte er einen Purzelbaum, die Kinder, Mütter – ja auch die Katzen, Hunde lachten und versuchten es ihm nachzumachen. Nahm zwei, drei, vier oder mehr Dinge in die Hand und jonglierte wie wild und lachte sich kaputt – auf dem Kopf zur Not ne‘ Narrenkapp.

Er trampte durchs Leben, ließ sich lieben und liebte. Vor allem Letzteres. Es gab kein Hunger, nur manchmal Durst. Er trug einen alten Rucksack und hatte immer eine Dose Bier dabei, die er gerne teilte. Wenn er ein Mädel sah, sprach er sie an und zuckerte sie mit wohlgeformten Worten an bevor er halb kichernd, halb verschämt einen Salto-Rückwärts vollzog, die Hosenknie seiner Jeans schon ganz löchrig. Johi tat nie jemanden weh. Zumindest wollte er das nie.

Ich muss bald umziehen. Ziehe von einem gottverlassenen Nest in ein anderes. Muss meine geliebte Muckelbude aufgeben die alles und noch viel mehr gesehen, erlebt, gehört und gefühlt hat. Sie hat mittlerweile eine Seele – ich war gut und lieb zu ihr, sie auch. Zwar manchmal zickig – aber das ist normal. Das stört mich nicht. Wenn ich sage „kenne ich, weiß Bescheid“, dann gibt es das nicht, auch wenn man bis ins Klein-Klein nachdenken würde – nicht das wieder was ich und mit und unter und über mit der Muckelbude erlebt habe.

Sie sieht grade Scheiße aus. Nicht mehr schön. Schon fast wie ausgeweidet. Ihr Inventar wird nach und nach auseinandergenommen. Ich rede und rede und versuche lieb zu sein, so sanft wie möglich, ich mag es ja auch nicht – bis zur Endreinigung. Ich halte mich auf dem Dachboden auf und lasse runter, lasse alles runter was früher war. Kartons, Kisten. Mit was drinn. Ich predige zu mir: „Schmeiß weg!“ oder „Lass los!“. Alles das was weg ist müssen meine geliebten Umzugshelfe nicht mehr schleppen und ich hätte ein befreiendes Gefühl. Hätte. Es ist schwer. Die Kisten nicht. Sondern der Inhalt. Ein halbes Leben.

In den meisten Kisten fand ich Platinen, Prozessoren, Interfacekarten und dazu Schaltkreisdokumentationen. Alte Software auf Medien zu denen es keine Laufwerke mehr gibt. Alte Studienunterlagen mit schöner, junger und naiver Handschrift. Programmieranweisungen mit meinen Kommentaren, noch ein weiteres Studium, jede Menge Hard- und Software die nur den Kenner nostalgisch werden lassen kann. Ein alter ausgeliehener Lötkolben, Zinn. Alles funktioniert noch, wenn man sich Mühe gibt. Ich hole die Kisten vom Dachboden runter und fühle und schaue und erinnere mich. Und krame weiter und immer weiter runter und mein Leben öffnet sich wie eine Zwiebel und man sieht. Ich sehe wieder was ich mal war.

Ich finde Briefe, Zettel, finde kleine Dinge in meinen jetzt zittrigen Händen und lese und staune. So viele Menschen haben mir was gesagt. Haben mir Andenken geschenkt. Schenkten mir voller Hoffnung ihr Angedenken. Liebevolle Krizzeleien, Gemälde, Gedichte. Hoffnung. Anbetung. Liebe. Zärtlichkeit.

Habe ich das damals wertgeschätzt? Habe ich das damals als das angenommen was es war? Innige Liebesschwüre und Poesie dass sich Goethe schämen müsste wenn er rückblickend seine Zeilen lesen würde.  Habe ich entsprechend lieb reagiert? Oder, Fuck!, habe ich jemanden weh getan trotz der Beweise die Ewigkeiten halten sollten?

Ich räume auf. Es ist schöntraurig und ich verliere mich bewusst und nicht unglücklich in die Vergangenheit. Wir waren früher sowas von liebenswert. Gut. Punk. Und schön. Und dabei toll. Und überaus schön. Innen und Außen. Und selbstbewusst. Wir Kleinen 🙂

Es ist schön diese Fetzen durchzusehen. Ich finde nicht schön dass ich umziehen muss. Aber ansonsten hätte ich diese oder jene Erinnerungen jetzt nicht in meine Finger bekommen.

Ja, ich liebe euch auch.

Euer Klein-Johi

 

Frührente

Seit Montag fröne ich meiner ersehnten Frührente. Ganz toll wechsele ich seit ein paar Tagen öfters mal die Räumlichkeiten. Schmökere hier mal den Poe, glotze dann mal „Bares für Rares“, wechsele dann wieder zurück in meine Schlafgemächer nicht ohne Twain mitzunehmen und dazwischen mache ich einfach mal nichts. Nickerchen sehr oft, leise Musik seltener, bloggen noch weniger.

Aber ich kann es langsam nicht mehr hören. Gute Besserung hier, werd schnell gesund da, komm bald wieder dort. Die meisten dieser Wünsche kommen selbstverständlich von Kollegen und Kolleginnen aus der Knochenmühle. Kann ich mir denken dass ich schnell wieder kommen soll. Will gar nicht wissen was da so drüber und drunter geht. Ja, Sie lesen richtig. Ich bin leider nicht in Frührente sondern krank. Habe mir über Umwege einen Infekt von einer der Ehefrauen meiner Kollegen eingeheimst. So darbe ich jetzt hier in meiner Muckelbude mit vielen Medikamenten, stinkend und unrasiert und wenn es an der Tür klingelt gehe ich nicht runter – will ja niemanden erschrecken oder erstinken. Auch wäre ich zu schwach.

Gestern fand ich noch Reste einer Flasche Nusschnaps und rieb meine Atemwege damit ein. Zuerst machte ich es verkehrt. Ich reibte äußerlich – ohne Wirkung. Innerlich war es dann schon besser. Dafür danke ich recht herzlich der gutherzigen einemaria. Danke! Knicks! Hicks!

Um schnell wieder gesund zu werden kochte ich mir eine Hühnersuppe. In einem meiner größten Töpfe, also jede Menge. Wie geht noch mal der damalige Spruch aus der Kifferszene? Viel hilft viel. Nur hatte ich kein Huhn da. So kochte ich die Hühnersuppe mit Schwein und Rind und ohne Huhn. Meinem Geschmackssinn war es aber egal. Alles schmeckt fad. Und sowieso, schmecken fällt mir grade schwer. Aber dennoch, so eine miese Suppe kochte ich lange nicht mehr. Sowas von bah, bäh! Dann fielen mir die Hühnerschuppen von den Augen und erkannte, ich hatte weder gesalzen, gepfeffert noch sonst wie gewürzt. Und das Rindfleisch kaute sich wie die alten Schuhsohlen meiner Festivalstiefel. Pfui! Aber die haben wenigstens mehr Geschmack. Weiß gar nicht durch wieviel Pisse, Kacke und Kotze ich mit denen durchgewatet bin. Muss jetzt mal sehen wohin ich das Zeug kippe, ich meine die Hühnersuppe.

Es passiert hier also nicht so viel was es sich lohnt zu berichten. Außer dass ich keine Nachrichten schaue und lese. Und wenn ich da irgendwelche Anschläge, nicht verbotene Parteien oder dumme, blasierte Abschiedsreden von Winkepräsidenten verpasse, ist mir das scheißegal. Im Gegenteil, es ist förderlich für meine Gesundheit. Ruhe. Nur Ruhe. Träumen. Träumen ich hätte die Frührente geschafft. Und nicht aufwachen.

Ich spendete letztes Jahr ein wenig Euro für des frischen Studenten neue E-Gitarre. Und während ich hier grade schwach, kraftlos und ohne Esprit (ich trage Schiesser) tippsele, höre ich „The Strokes“ – Under Cover of Darkness. Achten Sie mal auf den Gitarrensoli bei Minute ab ca. 2:51. Schön gelle?

Mir ist warm und mir ist kalt. Das alte Wrack was sich Körper nennt kann sich nicht entscheiden. Aber jetzt will ich noch ein wenig nach Büchern surfen. Inneneinrichtung. Farbenlehre. Wohnraumästhetik.

Schönen Abend noch!

Schief gehangen

Ich bin grade dabei elektronisch meine neue Muckelbude zu planen. Da brüllt und schreit plötzlich die Natur von oben und von unten. Kennen Sie das? Das Glas ist leer und die Kehle trocken und gleichzeitig müssen Sie pissen? Was macht man zuerst?

Klar – logo, zuerst das teure, kristallene Glas im Flur abgestellt und dann ans Klo gerannt, hingestellt und wie immer nicht die Brille angehoben, die Brühe lief dass es eine Freude war. Während sie so lief hob ich ein wenig meinen Wohlstand und musste feststellen dass der alte Kamerad schief hängt.

Nun ja, das ist von der Funktion kein Problem – doch wie Sie wissen, ich bin ein Ästhet. Sieht halt komisch aus. Also nehme ich mir für 2017 vor mit der Linken handgreiflich zu werden. In der Hoffnung das alles wieder ins Lot kommt.

Wixi 🙂

Silvester? Heiß ich Silvester?

Grüßt euch Gott oder welcher Teufel auch immer, zu Silvester. Zum Einstieg eine überflüssige Information für Sie: Heute am 31.12., hat meine erste große Liebe Geburtstag. Toll gelle? Liebe P. von hier aus recht liebe und herzliche Grüße! Kussi! Drücker! Du warst das Liebste was ich hatte. Und jeder war neidisch auf uns.

Vor nicht allzu langer Zeit, nahm ich Kontakt zu einer Schulfreundin auf. Ich erinnere mich noch, wir soffen, kifften und protestierten damals dass es eine Freude war. Nur nebenbei, ich war irgendwas in der Art wie verliebt in sie. Ich war aber nur ein Freund. Ein Spaßvogel. Ein Kumpel. Sie hatte immer Geliebte und Ficker mit denen ich, man mag es kaum glauben, zusammen mit ihr im Bett schlief während zwei sich liebten und einer Fingernägel kaute und verzweifelte. Zu der damaligen Zeit hatte ich meine Hochphase an Witz, Humor, Sportlichkeit, Trinkfestigkeit und galt als anerkannter Charmeur. Jedoch ohne Erfolg. Sie wollte nicht. In dieser Zeit hatte ich auch vermehrt Hornhaut auf meinen Knöcheln. Denn ich wusste was ihr gut tat auch wenn sie es nicht wusste. So prügelte ich manchen dieser Kerle aus dem Bett, die Treppe runter und auf die Straße hinaus dass ich meine Freude hatte. Wenn sie zu sehr jammerten hetzte ich auch noch den Hausdackel auf die Spritzer während ich deren Hausbar plünderte und ein paar Likörflaschen nach ihnen warf.

Ich nahm also Kontakt auf und lud zu einem Rockkonzert ein, harhar. Unheilig sollte es werden in Kölle. So taten wir also. Ich kannte Unheilig nicht, wusste nur dass sie es gut fand. Also tat ich. Und, ich mag es ja gar nicht sagen, es war unbeschreiblich für mich. Unbeschreiblich Scheiße. Ich war noch nie auf einem Schlagerkonzert. Jetzt weiß ich wie es ist. Nämlich? Genau! Gewöhnlich schalte ich schon fast mitten in der Nacht am letzten Tag des Jahres den TV ein und wähle 3SAT. Denn traditionell laufen dort den ganzen Tag Konzerte. Es gibt Perlen darunter aber auch Blödsinn. Es lief u.a. Unheilig und L. schaute zu, ich auch während ich in eine Schüssel kotzte. Denn bei mir hörte der Spaß auf als er mit Helene Fischer ein Duett sang. Helene! Zugegeben, sie hatte sich eng und schwarz gekleidet. Die Schminke dazu passend. Aber rockig geht halt nicht bei Unheilig.

Jetzt wo die Schüssel eh versaut war, nahm ich einen Hobel und kümmerte mich um meine Wanderfüße. Und hobelte und raspelte. Es staubte, es roch und diese schon lange überfällige Aktion übertünchte auf herrlichste Art und Weise das unheilige Duett. Jetzt wo so ziemlich alles was den Menschen ausmacht in einer Schüssel war, tat ich alles in einen Beutel und fror es ein. Falls mal mein Scheffe zu Besuch kommt. Dann gibt es Eintopf.

Meine Unwohnung verfügt über einen offenen Wohn- Küchenbereich. Somit kann ich während des Kochens aus der Küche heraus den TV und meine Gäste beobachten. Und umgekehrt. Ed Sheeran oder wie der Honk heißt lief grade und ich fing an zu heulen. Nicht vor unmäßigem Ärger sondern wegen den Zwiebeln die ich schnibbelte. Dazu würfelte ich Knoblauch – zu viel und briet beides in Öl weich an. Dann kamen Kümmel aber dem vom Kreuze, gehackte Chilli-Schoten und weitere Ingredienzien hinzu, u.a. eine Zimtstange von der ich hoffe ich finde sie hinterher und kann sie rausfischen. Sie ahnen es schon, es wird das berühmte Shirrmi-Schilli. Dann kommt Gehacktes dabei bis es krümelig wird und dazu passierte Tomaten. Schön selbst geschält und passiert und entkernt, Ehrensache! Laut Rezept soll das Ganze dann, vorher mit Salz und Pfeffer und eventuellem weiteren Chilli-Gewürz abgeschmeckt, 90 Minuten köcheln. Grade klingelte der Timer und ich konnte zum nächsten Schritt übergehen. Las dann aber dass man 30 Minuten vor Ablauf der 90 Minuten die Kidney-Bohnen hinzu tuen soll. Egal. Wussten Sie das Kidney-Bohnen aus der Dose wenn man sie siebt und wäscht, schäumen wie eine Badewanne an deren Rand Schampusgläschen und Kerzen drapiert sind und im Hintergrund „Only you“ läuft. Jedenfalls tat ich grade die Bohnen hinzu und lasse 30 Minuten weiterköcheln. Das wird toll! Weiß ich jetzt schon. Jedoch ist der größte meiner Töpfe voll und L. und ich, wir sind zu zweit. Ich gehe gleich mal raus und lade Leute ein. Wenn zu wenig Baguette da ist, backe ich halt noch ein paar. Oder mag jemand vorbei kommen? Sie sind herzlich eingeladen. Essen und Trinken ist genügend vorhanden.

Unheimlich ein heutiges Highlight. Alan Parsons Project mit einem Orchester das sich gewaschen hat versöhnte mich mit 3SAT. Herrlich! Alte Zeiten manifestierten sich in Form von Gänsehaut und frisch geduschten kleinen, blonden Härchen auf meinen Armen. Meine Öhrchen zuckten, das Herz ging auf. Astrein! Wussten Sie das Alan Parsons damals der Toningenieur beim Album „The Dark Side oft he Moon“ von Pink Floyd war? Er kann es immer noch. Da gibt es kein „geht so“, oder „ja gut“, oder „nicht schlecht“. Da gibt es hochprofessionelles auf die Ohren und in das Herz. So auch L. zu mir als ich am Herd stand: „Baby, meine Aussicht auf dich ist wunderbar!“. Dann merkte ich dass meine kurze, schwarze Rowdie-Hose rutschte und unverhältnismäßig helle der Mond schien.

Ob ich das Chilli abgeschmeckt hätte? Was für eine blöde Frage! Natürlich nicht. Bin ich Koch oder Informatiker? Gut, ich denke eine Prise Zucker, eventuell ein wenig Salz noch dabei und der frische angerührte Joghurt wird es schon richten. Apropos richten. Bevor das Jahr vorüber geht, die traditionelle Hinrichtung steht noch aus. Diesmal warten verschiedene Kandidaten auf ihr letztes Seufzen. Da wären (lufthol): Deutschland, so dumm und dämlich; die Deutschen ebenso dumm und dämlich, lassen sich verarschen; Merkel die Stasi-Sau; Journalisten im Allgemeinen, nicht im Besonderen; Politiker, Anwälte außer Dingendorf, Vetter..; Bänker; Investoren; Börsen und Manipulatoren. Dazu richte ich ein für alle Mal hin: Hunger, Krieg, Leid, Elend, Armut und Obdachlosigkeit. Da gäbe es noch mehr zu nennen, aber meine Kraft ist hinreichend aufgebraucht.

Ich wünsche allen ein schöneres neues Jahr als wie es das alte war. Insbesondere meinen Freunden und meiner Familie.

Schirrmi

P.S.: Guten Appe und Prost!

Verfehlte Berufe

Im Rahmen einer Studie kam ich beim Recherchieren auf eine Erkenntnis.

Für den Background muss ich mal Luft holen, denn: Abspritzen, Alt+Jung, Amateur, Anal, BBW, BDSM, Big Cock, Bisexuell, Blasen, Creampie, Cuckold, Dicke Ärsche, Exhibitionisten, Gangbang, Gay Porn, Lesben, MILF’s, Masturbartion, Spritzen, Swinger, Teens, etc. waren hilfreich und ich notierte fleißig.

Was mir aber persönlich auffiel waren die Schau- oder / und nicht –spieler. Man mag ja meinen Professionelle müssen und können länger. Ich kann Ihnen aber nach 5, in Worten FÜNF, Stunden sagen, ich kann noch länger aushalten. Die Geschichte mit den Schwielen erzähle ich später mal.

Morgen koche ich Knödel mit Rotkraut und dazu gibt es Rinderroulladen. So!

Ich schüttel Ihnen die Hand.

Süße Klänge

Heute geht es mir gut. Gestern sah ich noch alles klar – solang ich trank. Ich schaute mit tränenden Augen raus, Berlin im Nebel, unheimlich irgendwie. Watte auf einem Riesen den man nicht stören mag. Es trippelt, trappelt – Reste einer Nacht, ich wünsche mir dass sie nicht stolpert, nach Hause fand.

Falls man mich fragen wollte würde ich keine Antwort geben. Nicht heute Abend als ich mehr als ehedem die Welt so anders sah. Da war die Kleene, die ungeachtet meiner Miene den Trunk ausschank. In geschäftiger Manier wurd sie nicht gewahr meiner Blicke, die voll, doch allein – in einer fremden Welt verweilten. Des Wirtes Arm ging hoch und runter, stoisch, immerdar. Ich schaute, kam ins Wundern, wie das menschliche Geschlecht so einfach – fröhlich, mit einem Humpen Bier sein kann. Lachte innerlich leise und ward traurig.

Sie sind so toll, so voller Leben. Da wird geklappert, da blitzt der Busen, die Würfel fallen, Geist wird ausgeschenkt in Überfluss, laute Reden, lachen, kichern – frage mich, wer bin ich denn? Traue mich nicht große Reden zu schwenken, erstmal kleine Brötchen zu backen so ich zum Nächsten: „Mein lieber Herr, nach langer Reise und ganz allein – ein friedvolles Fleckchen ist mein Gebehr..“ Hätte ich das doch nicht gesagt, gefragt! Des Kerles Zornesfalten schwollen an, die Haut plötzlich sehr dünn, im Nacken restliche Wunden vom letzten Kampf blickt er mich an und.. sagt zu mir, „Mein kleiner, lieber junger Mann – sie erinnern mich..“ – sagts, haut den Leuten auf die Köppe und nimmt mich in den Arm.

Unendliche Treppen ging ich rauf in Erwartung eines neuen Paradieses. Zu einem Flecken der mich aufnimmt. Mich akzeptiert. Wo ich in Ruhe vergessen kann was mal war. Rotgestrichene Fensterläden klappern, lachen mich unheimlich an. Nicht zweimal Sechs stand ich vorm falschen Haus, in naher Ferne klingt orthodoxer Glockenklang. In Kutten erscheint ein Künstler, schaut mich an mit seinem farbenfrohen Gewand, wohlwissend ich wär hier falsch. Es fehlte mir der Mut die oberste Klingel letztendlich zu drücken, ein kleiner Hasenfuß so kam ich mir vor, furchtsam rüttelnd als in die Jahre gekommenes Individuum stellen sich in diesem dunklen Tal umgeben von wilden Bergen, meine Haare auf. Erst fein und ohne es zu merken, packt mich eine Geißel zart dann hart und unerbittlich fest, die Hoffnung schwand. Ich war mal da. Es tut so weh und ich lass nicht los, kann nicht begreifen dass die Sonne, die Gezeiten, die Welt sich dreht und einfach so weitermachen als ob es mich nicht gäbe. Ich bin noch nicht parat.

Es wäre das vorletzte Haus. „Willkommen und eine gute Fahrt!“ sagt er mit angenehmer Stimme. Schlimmes ahnend und mit ohne Plan dehnte ich Sekunden zu Minuten. Minuten zu Stunden und aus Stunden wurden Ewigkeiten in deren Mitte ich saß und noch eine letzte Ziggi rauchte, wohlwissend – sie gibt mir Halt, doch am Ende glimmt es nur noch schwach. Meine Finger spüren den Schmerz nicht, im Gegenteil – sie suchen ihn. Zu leben, zu lieben, zu leiden und für immer Mensch zu sein. Doch entgleitet mir die Welt, ich schaue zu. Ein Alptraum der Wahrhaftigkeit wird mir Gewahr. Bitte noch nicht.

Das kunterbunte Kopfgeflecht

Es fällt bunt das Laub, ich rieche Erde, das Vogelzeug zieht weg und ich bin noch da. Noch da – und höre Bach. Ach!

Es begab sich das ein junger Knab‘ laufen lernte und mit großen Augen die Welt erblickte. Er fand sie grau und dumpf vor. Wie schöner wäre es mit ein wenig Farbe, nachdenkliche Strukturen, Gefühl ob schön innerlich nach außen gekehrt.., Hauptsache Gefühl zu spüren in einer Welt in der er sich lebendig weiß, wohl wissend, sehend dass des Menschen Mundwinkel nach unten zeigt – man angesichts der Traurigkeit verzweifeln kann.

comp_img_9424Ich war mal Papagei. Redete nichts und niemanden nach dem Mund hatte aber doch, ein buntes Gefieder. Ein Löwe, ja, der war ich auch schon mal. Immer müde, aber wenn man mich weckt ob des großen Hungers – nach Leben. Ein Paradiesvogel, schön anzuschauen, war ich ebenso. So sagt die Frau Bundeskanzlerin zu mir „Oh, wie interessant sehen Sie denn aus? Drehen Sie sich bitte für mich langsam herum und weiter herum.“ Nun in meiner blauen Phase, nachdenklich auf meiner Stirnlocke herumkauend, schaue ich mich um. Grau. Mausgrau. Mausmausgrau. Beton. Grau. Und färbe mir die Haare. Bunt wie ich mir die Welt wünschte. Rot, Blau, Grün, Gelb und alles mitten an, dazu mal Zottel, mal fein, ein Scheitel rechts, mal links, gezwirbelt und dann und wann mal gekreppt. Kennen Sie mich noch? Ich sehe anders aus als gestern, gelle?

Wer sind Sie denn? So Fragen hörte ich und stellte mich ihnen gegenüber. Antwortete stets „Ich bin es!“ Man kennt mich doch. Nicht? Farblos wird das Leben, wünsche mir die Rente. Wenn Sie es bisher schafften – alles nur ne Ente :-). Oder auch nicht.

Für immer Punk sagt der alte Baum. Ich halte durch, länger als ihr glaubt!

Pflichtbewusst hin und her

Es ist früh. Sehr früh für mich. Der Wasserdampf der schnaufenden Lok hüllt das Bahngleis in unwirklichem Nebel und lässt sich als sanftem Nieselregel auf die Köpfe der Wartenden nieder. Alle wissen, der Zug fährt erst in 30 Minuten los und so lange ächzt und stöhnt die Dampfmaschine, hier und da klirrt es wenn der Zugverantwortliche mit seinem Riesen Schraubenschlüssel mal an diese Bremse, mal an dieses Rad klopft. Gelassen und gewissenhaft geht er den Zug erst von vorne links nach hinten dann von hinten rechts nach vorne ab und klopft und prüft. Alles zum Wohle der Fahrgäste. Angenehm entspannt schließe ich das Schiebefenster, mein geflickter Seesack liegt oben im Gitter, überdrüssig dem Treiben auf dem Bahnsteig zuzusehen lasse ich erst die Kippe auf den Bahnsteig dann mich in die Polster fallen. Die Augen fallen zu.

Euskirchen. Die Gegend in der ich lange weit vor meiner Grundausbildung mein Unwesen trieb. Mal schwarz, mal bunt. Aber immer mit Kajal. Freundschaften, wir Jungs und Mädels trieben und probierten alles. Wir konnten das damals, sehr zum Verdruss. Der Erwachsenen. Nicht wissend wo uns Wind und Wetter des Lebens hintreibt. Wir nutzten die einzigartige Gelegenheit Jung zu sein, manchmal bis zum Erbrechen.

Bonn. Auf dem Venusberg in einem Saal voller jungen Studenten aus dem Bauch geschnitten. Aufgewachsen – meine Oma war da. Geliebt und gelebt. Physik, Philosophie und Medizin studiert. Aber im Grunde gelebt und mit allem und uns Unbedarfte gefeiert. Aber auch meine erste Ausbildung, ich sage mal so, das Lederhandwerk habe renommiert erlernt. In dieser Zeit ergab es sich also..

Sekundenschlaf, ich schrecke plötzlich auf. Stehe auf und schaue erleichtert aus dem Fenster. Puh, der Zug ist noch nicht abgefahren, wir stehen immer noch in Euskirchen. Ich bin nämlich am Wochenende in EU versackt und musste Montagfrüh nach BN zum Job. Mit einem Lächeln ließ ich mich wieder in die Sitze fallen um direkt in süße Träume von Nazi-Jagen, Schaufensterscheiben einwerfen und kafkaeske Gespräche an alten, stabilen mit Brandlöchern versehenen Holztischen zu fallen. Meine Monatsauszubildendenfahrkarte auf dem kleinen Tischchen über dem Drecksaschenbecher in dem ich meine letzte Tuborg-Dose gekrumpelt hatte war Ausweis genug für die Kontrollettis und lies mich ruhig schlafen. Irgendwann rüttelt jemand an meinen Schultern ich bekomme es nur halb mit. Höre nur was von „dues“, „dues“ und mir klingt das Lied „düse.. im Sauseschritt..“ im Ohr. Friede, Stille weiterhin.

Ich wache auf wie nach einem langem entspannten Schlaf, stehe erfrischt auf und schaue aus dem Fenster. Der Zug steht mal wieder. Schaue raus nach rechts, nach links und sehe das Bahnhofsschild. EUSKIRCHEN! What the fuck! Und schaue auf meine Armbanduhr die fehlt. Schaue auf die Bahnhofsuhr: 12:30 Uhr! Schaue auf meine Füße, die Schuhe und eine Socke fehlt. Mein Seesack ist weg. Denke an meine Ausbildungsstätte bei der ich um 8:30 Uhr hätte in Bonn erscheinen müssen. Oh, ich junger armer Tropf! In Zeiten wo es keine Mobiltelefone gab, sah ich wenige Möglichkeiten dem Ausbildungsbetrieb einen vorzulügen. Hätte ich auch nicht machen können wie ich später erfuhr.

Ausgeschlafen war ich mit einem gewissen Adrenalinspiegel. Wundersamerweise lagen meine Doc Martins verteilt in zwei entfernten Wagons. Eine Ringelsocke fand ich irgendwo. Meine Monatskarte lag noch da wo sie lag, soviel Anstand hatten die Leute. Mit relativ viel Brand wuchtete ich meinen Sack runter und trank erstmal eine Dose Bier auf ex. Danach konnte ich in Ruhe überlegen was meine Situation ist.

Wie folgt. Ich fuhr wohl stundenlang von Endstation zu Endstation hin und her und muss mich wohl im Rausch meiner Klamotten entledigt haben und, wie ich hinterher mal erfuhr, mich mit allen Fahrgästen verbrüdern wollen. Dazu auch meine Ausbilderin im Betrieb (Sie stieg immer in Bonn-Duesdorf zu), die blöde Petze, die mich das erste Mal bei der pünktlichen Ankunft im Bonner Hauptbahnhof zwar gesehen/erlebt hat, aber mich nicht geweckt und mich nicht in den Laden getragen hat. Die Sau da!

Am nächsten Tag musste ich zum Chef. Dem Junior-Chef. Menno, war mir das peinlich, ich drohte hinter meinem Rücken der besagten Erstverkäuferin mit der Faust, und der kleine, dünne Junior entgegnete meinem „Scheiß druff“ mit „Jetzt aber zum Senior-Chef!“. So saß ich da vor dem verknöcherten Alten der immer mit den Armen auf dem Rücken verschränkt durch den Laden läuft, leises Volksweisen durch seine prekären Zähnen pfiff und der den Laden schon seit 1792 führt. Saß ich da. Vor ihm. Und wünschte mir eine Dose Bier herbei. Und er schwieg zunächst. Lange. Und immer noch und blickt mich mit seinen alten, wässrigen blauen Augen an. Nicht vor Angst, sondern wegen Magen-/Darmproblemen hatte ich aus Gründen schon eingeschissen, setzt er mit verrunzelten Augenbrauen an: „..“. Ich so: „Ja?“ Er fasst sich an die Brust, schaut immer noch so streng und gleichzeitig liebevoll: „Herr Schirrmi, da hatten Sie aber einen Ritt! Das mir das nicht noch mal vorkommt!“ und entlässt mich zurück in den Laden. Feixend steht da die Chefdame, die dumme, blöde Petze und freut sich über meinen vermeintlichen Einlauf, ich gehe auf sie zu und sage: „Das nächste Mal…“

Darf‘s ein bissel mehr sein?

„Vierzehn Tage mal schön weg und nur Zeit für Sie?“ Der kleine, attraktive Herr Doktor schaute mich mit seinen braunen Rehaugen über seinen geschäftigen Schreibtisch fragend an „Oder haben Sie etwas Wichtiges im Geschäft zu tun?“ Ich: „Passt schon!“

Was mich aber wunderte. Er legte mir den gelben Schein sowie noch zwei Rezepte hin, lächelt mich an und fragt: „Und, Herr Schirrmi?“ „Brauchen Sie sonst noch so Medikamente?“ Leute, da wäre ich ja beinahe vom Hocker gefallen. Ihr glaubt nicht was mir da alles so durch den Kopf ging. Ich kramte in den grauen Hirnwindungen, griff mir an die Gesäßtaschen, die Jackeninnentaschen, vorne die Westentaschen jedoch, ich fand grade meinen Medikamenten-/Drogenwunschzettel auf die Schnelle nicht. So konnte ich nur antworten „Ähm, so auf die Schnelle fällt mir nichts ein..“ Der hätte mich ja auch auf die Frage vorbereiten können. Vorwurfsvoll: „Herr Doktor, das hätten Sie mir mal vorher sagen können dass ich ein Wunschkonzert erhalte. Da hätte ich mal vorher gegoogelt.“

Sei es drum. Verpasst. Ich nagelte ihn aber fest und ich käme beim nächsten Besuch überaus gerne auf sein Angebot zurück.

P.S.: Genau nach den Vierzehn Tagen kam ich wieder zur Konsultation. Ich zog mich nackig zur Begutachtung aus und wie diese Mediziner machen: „Hmh, hmh, grummel, jaja, aha, soso..“ Ich, spielte ein wenig mit meinen Gesäßmuskeln: „Kann ich aufhören mich zu drehen wie eine nackige Ballerina?“ Er: „Ja klar, wir wissen jetzt woran es liegt. Immer wenn Sie nicht ins Büro müssen, geht es Ihnen besser und die Therapie schlägt an.“ Ich: „Ach!!!“