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Erinnerungen?

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach was ein gewisses Lied in mir auslöst. Ich kannte es nie, jedenfalls bewusst nicht. Es ist auch nicht sonderlich meine Geschmacksrichtung, aber es trifft mich irgendwo. Ich weiß nicht wo noch wie, noch warum. Es berührt etwas bei mir.

Wenn ich manchmal in Diskussionen vertieft bin, so durchfleucht mich manchmal ein Gedanke: Das kennste schon, genau so hast Du es schon erlebt, genauso hat der oder die genau dasselbe gesagt wie jetzt. Oder bei profanen Gelegenheiten. Nehmen wir das Einkaufen in einem beliebigen Supermarkt. Ein fremder Kunde streift an mir vorüber und es ist als ob es ein alter Bekannter wäre. Ich schaue ihn verwundert, freudig an und blicke einem Fremden ins Gesicht. Oder irgendwo stehe ich im Klo und pisse und schaue die Kritzeleien vor mir auf den Fliesen an, draußen oder oben hämmert die Musik, und ich bin plötzlich wieder ganz klein und in der Heimat und fühle mich aufgrund eines Edding-Spruchs in die Vergangenheit zurück versetzt. Manchmal wenn ein Mensch mich unabsichtlich berührt, dann bin ich elektrifiziert und ebenso geschockt ob diese Verbindung mich zu plötzlicher, universaler Liebe zu diesem Unbekannten bringt, als ob wir vertraut Jahrtausende miteinander verbracht hätten.

Wenn ich irgendwo gehe und nach unten schaue, das Pflaster betrachte, mit seinen Formen und Eigenarten dann habe ich manchmal das Gefühl meine Füße wären sehr vertraut damit und bekomme ein Flashback in meine Kindheit – an frühere Orte. Unbekannte Straßen, Straßenzeilen, Straßenbahnen, Lebensbahnen und die Deko Drumherum werden plötzlich zu Bekanntem zu schon Wiederdagewesenen. Obwohl ich noch nie da war.

Wenn jemand eine Ansprache hält, weiß ich auswendig was gleich kommt, passiert, was der Redner sagt. Ich war schon mal dabei. Und bekomme dann wieder dieses komische Gefühl. Irgendwie gruselig, aber doch nicht weil bekannt und jedes Mal erwische ich mich innerlich bei einem leisen Lächeln, wie wissend ich bin.

Gerüche, Formen, Farben, Aspekte einer Unterhaltung ob schön oder nicht so schön – vieles erlebe ich zum wiederholten Male. Ich frage mich wie das geht und wer ich bin. Ein Wiedergänger? Es ist seltsam aber auf eine erschreckende Art auch schön. So wie ich schön, furchtsam manche Felsen erklettere und nach unten schaue, so kribbelt es mich wenn mich diese Flashbacks und dieses Wissen einholt. Ich kann es nicht steuern, traue mich auch nicht darüber zu reden – wie Sie grade sehen.

Irgendwann finden sich Erklärungen in des kleinen Menschen Bewusstsein / Hirn. Ich krame da oben in der unglaublichen Masse im Kopp herum und ein Feuerwerk an, an, an.. findet statt und wenn man meint den Grund für die steil aufgerichteten Härchen auf dem Arm gefunden zu haben, dann lehnt man sich innerlich zurück und ist beruhigt – nur so und so kann es gewesen sein. Immer mit einem Rest an Ungewissheit.

Mich treibt seit einiger Zeit ein Song rum der mich betroffen macht. Er macht mich klein. Er macht mich groß. Ich kenne ihn schon lange, weiß es aber nicht. Habe ihn aber noch nie gehört. Er ist zu mir zärtlich. Er ist für mich erschreckend. Er mir ist so unbekannt wie elektrisierend wenn ich ihn höre. Komisch. Seltsam. Sind tonale, nicht hörbare, nur für DEN bestimmten Hörer, Beeinflussungen arrangiert? Gab es mal was, was mir jemand aus der Vergangenheit unbedingt mitteilen will? Dieser Song, der berührt mich. Ich weiß nicht warum. Und erinnert mich an etwas an das ich mich nicht erinnern kann. Oder will.

 

Something In The Water

Kennen Sie den Song „Something In The Water“ von Brooke Fraser? Den hörte ich vorhin im Radio auf der Rückfahrt von der Knochenmühle. Ich war auf dem Weg zum Aldi weil meine Dose Eier Ravioli langsam zur Neige geht. Es ist zwar immer noch ein wenig weißes Pulver, mein „Nahrungsergänzungsmittel“ da, aber man möchte doch ab und zu was richtiges (hihi) essen.

Jedenfalls erinnerte mich der Song an meine frühkindliche Jugend. Wir waren daheim mindestens ca. 18 Kinder und am Badetag badeten wir, um Wasser und Strom zu sparen, oft zu Zweit in der Badewanne. Ja genau. Daran erinnerte mich der Song. Wenn da manchmal so Dinge im Wasser rumschwammen die da eigentlich nichts zu suchen hatten. Nein, kein Spielzeug. Ich nenne es mal „U-Boote“.

Als Gast am anderen Arsch der Welt – Daniel

Anlässlich eines Sektenrituals verschlug es mich nach NRW. Ja, Sie lesen richtig. DIE Hochburg der Sozieldemokraten *geier*. NRW! Hach, wie köstlich was die da gewählt hatten, oder nicht.

Aber darauf will ich nicht hinaus. Denn letztens durchstöberte ich meinen zu klein gewordenen Kleiderschrank und sortierte aus. Sie kennen das sicherlich. Alte Klamotten die Ihnen im Laufe der Jahre viel zu groß und weit geworden sind nehmen einfach Platz weg. Und was liegt im Frühjahr näher als mal auszumisten?

Ich fand also eine alte, zu groß gewordene Designerjeans und verschenkte diese. Nach einiger Zeit rief die Freundin des jungen beschenkten Burschen an und fragte: „Schirrmi, mein Liebster liebt diese Hose so sehr dass sie mittlerweile verschlissen ist. Wo kann man die kaufen, wo hast Du die her?“ Tja, Baby.. Ich erstand sie damals in einem Ramschladen den es immer noch gibt in Bonn. „Ich glaube Daniels hieß der Laden.“ und sie war glücklich wohl.

Wussten Sie schon dass Elton John homo ist? Aber das ist egal und tut nichts zur Sache. Hier mal ein Song von ihm:

Jedenfalls standen wir nach dem Kirchengang da hinterher bei Kaffee, Buffet, Kuchen und Allerlei in dem Puff rum und man hatte Gelegenheit zur Unterhaltung. Da meinte ich zu dem Einen: „Hast ’nen schönen Anzug an.“. Und weiter: „Dinge Jung ne jode Hose, auch..“. Da verklüsierten sich die angehörigen Damen in das Männergespräch und erzählten von shoppen, shoppen, shoppen. Hätten die Männer da rein geschleppt zur Maßnahme zum maßnehmen. In irgendso ’nen Laden. Hätte was mit Elton John zu tun. Na ja, ich backte kleine Brötchen und dachte nur so bei mir – „hätte ich nicht von denen gedacht..“ „Männer!“ Es stellte sich heraus. Daniel.s. Ja, sagt der Große, der normalerweise nicht so gestelzt daher läuft: „O.k., heute bekommt man nur noch Hosen mit slim Beinen. Aber wenn man erstmal mit Schuhgröße 48 reinkommt, macht es einen schmalen Fuß.“ Tja, dachte ich mir. Aber einen fetten Arsch mit Kinderbeinen. Aber das war nur sehr leise gedacht. Und dann dachte ich noch: „Und das in dem Alter, tststs..“

Egal, jeder nach seiner Fassong. Daniels, Bonn. Müssen Sie sich merken. Da kriegt jeder sein Fett weg. Gibt ja jetzt auch so Slim-Oberhemden. Die bewegen sich nur noch wie Roboter weil die Nähte sonst platzen. Wetten? Weil ja heutzutage alles so slim ist. Es ist eine augenscheinliche Plage allerorten. Man möchte meinen eine Sackrattenplage wäre ausgebrochen. Denn da wird in aller Öffentlichkeit gekniffen, gerückt, gekratzt. Um Übel zu vernichten, zu vermeiden oder schlicht, weil es unbequem ist. Sie ahnen schon worauf ich hinaus will. Slim-Unterwäsche für Herren. Da siehste die in den aberwitzigsten Verrenkungen auf offener Straße während sie zucken, zupfeln, stöhen, ächzen und die Elton John-Hose von Daniels zwickt dass es keine Freude ist. Aber das Elasthan in den slim-Hosenbeinen sorgt wenigstens für noch dünnere Beinchen. Rein optisch meine ich das. Ich will hier niemanden glimpfen. Verun.

Wenn man sonst nichts zu sagen hat, gelle?

Dann mach‘ ich das 🙂

New Model Army – Weihnachtskonzert 2016

comp_nma-2016-koelle-originalticketEs ist noch was offen. Außer meinem Herzen, meinen ungläubigen Augen, die nach oben offenen Ungerechtigkeiten und diverse sonstige Dinge. Und damit meine ich nicht meinen Arsch. Nein. Der NMA Bericht gilt es zu erledigen und in die Welt zu pubsen. Aber, wie ich grade nach links erwähnte, ich habe irgendwie keinen Bock. Aber das ist eine nicht erledigte Aufgabe, somit will ich hier mein Bestes tun.

New Model Army! Wie ein Jahrhundertuhrwerk waren sie pünktlich kurz vor Weihnachten wieder in Kölle. Und ich war wieder dabei, ebenso pünktlich und planbar. Gut dass NMA Weihnachtskonzerte zelebrieren und nicht Neujahresgedöns abfeuern. Denn so haben wir ein wildes, schönes Feuerwerk in Form von Mensch- und Herzlichkeit, immer noch laut und voller Empathie vor dem christlichen Fest und noch weit vor guten Vorsätzen.

Justin Sullivan, mittlerweile 60 Jahre alt, hat was zu sagen. Und das tut er. Mit Vehemenz und Kraft, mit Zorn und mit aus dem Herzen kommendem Mitgefühl für all das Leid was auf der Welt geschieht. Mit seinem prägnanten, strahlenden Lächeln nimmt er mich, uns und die ganze Fangemeinde mit auf eine Reise aus der Vergangenheit in die Zukunft und mit ihrem neuen Album „Winter“ finden wir uns in der Gegenwart wieder. Seine Mitstreiter waren ebenso wild und auf musikalischer Höchstform so dass nicht nur mein linker, dicker Zeh wippte bei Songs wie Vagabonds, 51St State und Green and Grey. Sie fingen mit vielen neuen Songs an die ich das erste Mal hörte und auf die Worte lauschte. Es war alt und neu und eindringlich!

comp_img_9933_nma-2016Geplant war ein grandioser Rockabend mit Stoff für die Ewigkeit (sehr, sehr frei nach Glumm) mit der liebevollen L. welche den Satan vorzüglich bändigen kann, dem wunderbaren F. und dem nicht kleinzukriegenden S. Dem S. ging es nicht gut, Kopf- und sonst noch so Weh, sagte ab. So standen wir in Kölle vor dem Palladium und L. hatte die glorreiche Idee die überschüssige Konzertkarte an Bedürftige zu verschenken. Sie glauben es nicht. Wir gingen die Reihen ab und riefen „Karte zu verschenken!“. Oder sprachen Passanten an, „Hier, möchtest Du New Model Army erleben? Wir schenken Dir eine Karte.“ Und wissen Sie was? Niemand wollte sie. Sowas.. Nun habe ich diese Originalkarte mit ohne Abriss in meiner Andenkenkiste. Die Kartenverticker brachten ihre Karten an die Frau und an den Mann gegen Bares. Aber geschenkt haben wollte sie niemand. Seltsam, nicht?

Es gab zwei Vorgruppen von denen wir 1,5 sahen. Die Erste war aus, keine Ahnung und machte Musik, fragen Sie mich nicht. Die Zweite Band sollte wohl irgendwie Punk sein, die Herrschaften waren schon älter was ja nicht schlimm ist und einer von denen war wohl der Bassist von den Ärzten, Rodriguez oder so, aber sie haben uns nicht mitgenommen. Keinesfalls! Wir freuten uns auf New Model Army umso mehr nach diesen dürftigen Darbietungen. Das Bier schmeckte wie immer nicht.

Wenn Sie glauben nicht recht zu sehen wenn Sie sich nach draußen in den Raucherbereich gekämpft haben dann sehen Sie richtig. Überaus entspannte Menschen und Mengen. Alle höflich, alle nett. Vor allem leise, kein Gegröle und ich sah noch nicht mal fliegende Bierflaschen oder eingerissene Zäune. Vielmehr „Oh, bitte, entschuldigen Sie, nach Ihnen.“ Oder Raucher die ihren Nikotinatem nach oben oder nach links / rechts, je nach Bedarf von Ihnen wegausatmen nur dass Sie nicht belästigt werden. Dazu eine kollektive Freundlichkeit unter älteren, ja, auch jüngeren, Herrschaften. Ich reckte mich ab und zu um zu schauen ob meine selige Oma auch da wäre. Ja, Generationen hatten sich versammelt und fachsimpelten. Ich zimbelte mit. Ab und zu hörte ich zwar ein „Aua!“ wenn mir jemand von hinten vor ehrlicher Anerkennung auf die Schulter klopfte. Tja, ich habe Nieten auf meiner Kutte. Ebendiese sorgt sowieso immer für Gesprächsstoff.

Hatte ich eingangs erwähnt dass ich keinen Bock zum Schreiben habe? Dann gibt’s jetzt ein paar Pics.

Enjoy oder auch nicht.

Schirrmi

P.S.: Bis nächstes Jahr, wenn nichts dazwischen kommt. Achten Sie nur auf die geilste Kutte im Haus.

Adventiges Driving Home

Hören Sie gerne Musik? Falls ja und wenn es Sie interessiert: Ich auch. Hier ein Song welches ich heute im Auto hörte und mich entfernt an eine Zeitschleife erinnerte:

Arschkalt war es diese Woche. Nur heute Morgen nicht. Da war es 10 Grad wärmer als die vergangenen Tage. Die Karre war immer vereist und das seit Montag. Erst heute kam ich auf die glorreiche Idee mir vorher Handschuhe anzuziehen. Unnötigerweise. Denn heute waren es anstatt minus 8, plus 3 Grad. Fühlte mich wie in der Karibik und zog mich aus bevor ich ins Auto stieg. Nur mit Handschuhen bekleidet und auf dem Knochenmühlenparkplatz angekommen war mein Popo verbrannt. Scheißsitzheizung!

Ich schweife ab. Die Adventszeit hat angefangen. Sieht man ja bei den Nachbarn. Da blinkt und glitzert es schon. Die verkniffenen Gesichter der hartherzigen Menschen werden jetzt in der dunklen Jahreszeit angeleuchtet. Wenigstens etwas. Dann erkennt man den Feind schon besser als wenn man erst in die Fresse hauen muss und erst bei kostenlosem Blaulicht sieht welchen Zombie man erwischt hat.

Wie jedes Jahr habe ich keinen Adventskranz und schmücke meine Bruchbude auch nicht mit Zinnober und sonstigem Unrat. Aber als ich genannten Song im Radio hörte fingen meine Befürchtungen an. Was kommt jetzt die ganzen weiteren Tage und Wochen? Weihnachtsmusik. Driving Home for Christmas. Oder da das Ding von Wham oder wie die heißen. Jedes verschissene Jahr! Und wie immer werde ich fluchen und kotzen und bis nächstes Jahr kein Radio mehr hören. Und dann irgendwann fängt alles wieder von vorne an.

Während diesen Gedanken hebe ich ausdauernd mein Glas und betrauere mich. Bin ich eigentlich jetzt der erste Mensch der sich darüber aufregt? Wie jedes Jahr? Wie jeder ordentliche Mensch?

Placebo in Kölle

„Rock und schwul“ schrie der Leadsänger von Placebo in die Arena.

Einigermaßen vorgeglüht begab es sich letzten Mittwoch dass wir uns mit zwei Nestflüchtigen in Kölle trafen. Beide haben ihre Grundschulzeit beendet und machen nun als sogenannte Studenten in eigenen Buden Dortmund und Bonn unsicher. Um den Auszug der Vögel zu feiern und als Geburtstagsgeschenk für L., lud ich die Truppe zum Placebo Konzert in die Lanxess-Arena ein. Was mir, ehrlich gesagt, an einem Werktag überaus schwer fällt zumal ich am nächsten Tag das wichtigste Gespräch des Jahres mit dem Scheffe hatte. End-Year-Review und Definition der neuen Ziele. Da geht es um Kohle, Leute!

Die britische Band Placebo sind grade auf ihrer 20-jährigen Geburtstagstour unterwegs und können auf acht veröffentlichte Alben, wenn ich richtig gezählt habe, zurückblicken. Diese wurden kreativ und mit der unverwechselbaren Stimme des Frontmanns Brian Molko eingespielt und werden nun ausgiebig auf der Tour, davon vier Konzerte in Deutschland, mit Fans gefeiert. Wie gesagt, wir waren in der Lanxess-Arena dabei, welche für ihre saumäßige Akustik bekannt ist. Das sollte aber den Spaß im Vorfeld nicht mindern und im Nachhinein bewundere ich die Tontechniker die auch Unmögliches möglich machen können.

Knapp 13.000 Musikbegeisterte Placebo-Fans fanden sich erwartungsvoll geifernd schon Stunden vor Beginn des Konzerts in der Halle und auf den Rängen ein obwohl es doch in der Arena unzählbare Sauf- und Fressgelegenheiten gab. Zum Saufen beispielsweise gab es doch genug. Nämlich die Pissplörre Bitburger, die Kotzbrühe Gilden Kölsch sowie der letzte Scheißdreck König Pilsener. Drei Sorten Bier und man musste sich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Aber alles besser als was die Norddeutschen da fabrizieren und penetrant und exklusiv unter die Leute bringen. Nämlich das Becks, was man nur trinken kann wenn man Todessehnsucht hat oder sich Eitergeschwüre im Darm und der Kehle wünscht. Gut dass ich immer einige Portionen Wodka in meinen überaus gepflegten Festivalschuhen mit mir führe.

Das Programm sah wie folgt aus:

19:45 – 20:15 Uhr Support Act
20:40 Uhr Video
20:45 Uhr Placebo

Keine Ahnung wer oder was der Support Act war. Man hörte nichts. Weder von denen noch von den Gästen in der relativ großen Halle. Sanitäter sprangen umher um ohnmächtige Fans in die Notaufnahme zu bringen. Es stellte sich aber jedes Mal heraus dass die Leute einfach eingeschlafen sind und zu Boden sackten. Bis wir kamen. L. ist ja so um die 1,85 Meter groß. Der J. 2,45 Meter und hat sich beim Rudern den Zeh mehrmals gebrochen (was mich einigermaßen wundert). Der F. mit schlanken 205 cm erschrak nicht durch seine Größe sondern weil er mit seinen jahrelang trainierten, kräftigen und muskulösen Gittarrenhänden am Ende eines ausgemergelten Studentenkörpers aussah wie..Ja wie? Wie Oma immer sagte: „Gib dem Jung doch mal was zu essen..“ Ich selbst, Schwamm drüber. Vielleicht nur so viel, Leute wie mich lässt man als Stargast mit Hörnern durch die Gassen von Pamplona laufen. Also, wir waren gut gerüstet für einen netten Placebo-Abend mit Pogen, Moschpit, den anderen Leuten die Sicht versperren und mit allem Drum und Dran.

Wie war das Konzert an sich? Wie wurde die Placebo-Geburtstagsfeier? Schön war es. Echt! Die zwei riesigen Leinwände zeigten netterweise vor dem Konzert immer so Handy-Verbotszeichen an, was ich gut finde. Aber als es spannend wurde waren diese Verbotszeichen dann plötzlich weg was die versammelte Menge veranlasste während der gesamten Darbietung ihre Handys hoch zu halten. Blöd gemacht, na ja.

comp_img_9714-newNeben diesen zwei riesigen Leinwänden auf denen auch die höherpreisigen Ränge und VIP-Kabinen etwas mitbekommen konnten, gab es noch zehn kleinere Bildschirme die per Roboterarmen in alle Richtungen gedreht, geschwenkt, hoch, runter, weg und hin, gekippt und mit allem Pi, Pa, Po bewegt werden konnten. Sie wurden einzeln angesteuert wurden aber auch miteinander syncronisiert so dass un- und bewegte Bilder in erstklassiger Qualität für große Augen sorgten.

Ich war ja mal Betreuer für Suchtkranke gewesen. Da musste ich ab und zu mal die Musik von Placebo verbieten um Rückfälle zu vermeiden. Ich selbst bin da selbstverständlich ausgenommen. Ich nahm den Betreuten die CD’s weg und hörte sie selbst rauf und runter. Mit Dingens in den Ohren oder auch per Teufel oder Nubert. Sie, die CD’s bereichern jetzt noch meine Sammlung. Denn – sie wurden rückfällig. Auch ohne Placebo. Das nur als Nebenbemerkung. Für mich waren Placebo seit vielen Jahren Begleiter bei Höhen und in Tiefen. Bei Fun und bei Grummeleien. Rockig, sphärisch, nachdenklich gab es viele Songs die mein Herz gekreuzt hatten. Und wir erlebten ein Best-Of aus 20 Jahren Musikgeschichte einer Band die zumindest mir den ein und anderen Eye-Opener bereiteten. Zart, hart, mit großen Gesten und mit einer Vielzahl, dem Slapstick anmutenden, Gitarrenwechseln erwischte mich Placebo in einer Phase in der ich offener und feinfühliger wurde. Ich googelte grade danach und die besten Ergebnisse waren „Altersschwachsinn“.

Nee, war jut. Echt super! Kann man nicht meckern. Wie sagte da ein prekärer Zeitungsfritze aus der vermaledeiten WZ-Gruppe (Autor schrieb anonym ohne Kürzel und irgendwas)?

„Eigentlich eine schwere Pille, die Placebo da verabreichte, aber sie schlug doch an. Wirkstoff ist Sänger Brian Molko, der mit seiner fragilen Stimme Schmerz und Ekstase aus seinem dünnen Körper presst. Molko arbeitet das Liedgut nicht ab, er durchlebt neu. Je nach Atmosphäre der Songs tanzt der Frontmann sein Publikum verführerisch an, boxt mit seinem Spiegelbild oder sackt erschöpft in sich zusammen. Die Schauspiel-Ausbildung des androgynen Frontmanns, den seine Eltern lieber als Banker gesehen hätten, hat sich wohl ausgezahlt.“

Weil ich dieses Zitat nicht als Letztes stehen lassen will möchte ich, als Honk, Ihnen herzlich mitteilen dass ich Placebo jetzt das vierte Mal live erlebte. Die ersten beiden Male war ich nur am knoddern und machte Scherze über Schwule. Das dritte Mal war ich weniger besoffen und ein wenig älter und begriff langsam. Dieses Mal war für mich persönlich ein Erlebnis. Ich ließ es zu und genoss ohne Vorurteile. Denn ich habe dazu gelernt und lächerliche Brücken überwunden. Warum so spät, frage ich mich? Ich habe viel verpasst.

Möchten Sie was sehen? Ich habe ein paar Aufnahmen gemacht. Enjoy: