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Heiße Bremsen

Die Unmöglichkeit ist wahr geworden. Die Schirrmi-Tippse arbeitet nun auf einer Baustelle. Leider. Ich arbeite mit Mühen unter einer störenden Geräuschkulisse. Alle sind dreckig, alles ist schmutzig, jeder ist ein fluchender Roh- Rabauke und möchte dass es schön wird. Wird es aber nicht. Elektriker, Trockenbauer, Schreiner, Wasserinstallateure, schwule Architekten, Dachdecker, Fensterbauer, hirnverbrannte Bauherren geben sich die nichtvorhandenen Klinken in die Hand und wuseln um meinen Arbeitsplatz herum. Es wird gebohrt, gehämmert, gesägt, einmal gegossener Stahlbeton wieder aufgerissen, das angeblich autark agierende, neue Verwaltungsgebäude unserer Knochenmühle ist noch weit davon entfernt selbstständig zu sein.

Ich möchte einfach nur arbeiten. Tippen. Telefonieren. Diskutieren. Verhandeln. Schreiben. Kaffee trinken. Meine überwiegende Lebenszeit so angenehm wie möglich gestalten. Aber es geht nicht. Ich versuchte es zwei Wochen lang und entdeckte im größten unermesslichen Leid dass es sich auf einer Baustelle nicht recht arbeiten lässt. Homeoffice, Home, Frieden, Ruhe wünschte ich mir und entdeckte da hinten an der Wand eine nicht abgeschlossene Stahltür. Ich öffnete sie und fand mich auf einer in ca. 20 Meter Höhe befindlichen Feuertreppe wieder und lachte wie einfach es doch sein könnte hier herunter zu springen um mich dem Joch endgültig zu befreien. Doch ich ließ davon ab als ich da hinten eine Bushaltestelle sah und etwas Unglaubliches geschah.

Es stand da ein Bus mit allem Pi-pa-po am Straßenrand, an der Haltestelle. Kein Fahrgast stieg ein, keiner aus. Alles war ganz normal soweit. Der Blinker war gesetzt, ja auch der Warn. Und der Bus stand dort einfach und wartete. Und ich stand da oben auf der Feuertreppe und wartete ebenso das was geschah. Und es geschah.

Leise vernahm ich entfernte Geräusche von Druckluft, die sich seufzend bequemte hintere Flügeltüren aufzustoßen während über mir eine einsame Amsel ihr glockenhelles Lied sang und sich entlud. Die Scheiße landete neben mir und ich wunderte mich nicht. Bin ich doch der Hans im Glück. Jedenfalls stieg ein Herr, ich identifizierte ihn als den Busfahrer, aus, ging an des Busses Hinterrad drehte sich mit dem Rücken zu mir und nestelte wohl vorne an seiner Hose rum. Ich dachte, der wird doch wohl nicht richtig? Doch wollte er wohl, ich begriff und fing an zu lachen und zu kreischen, die Kollegen schnell herbeirufend: „Schnell, schnell kommt mal. Seht, da unten der Busfahrer der pisst seinen Bus an!“. Allerlei Klamauk spielte sich daraufhin auf der Treppe ab sodass der Busfahrer etwas hörte, sich zu uns umdrehte, sich irgendwie beobachtet fühlte. Und sah uns da oben, wie angeseilt wie damals ich mit den Kumpels an der Eiger Nordwand hängend, lachend, feixend. Er nestelte wiederum herum, schaute wie beiläufig und stieg ein ohne in Ruhe sein Geschäft verrichtet zu haben. Was offensichtlich war. Es war morgens ca. 7:23 Uhr.

Es war der nächste Tag als ich hochkonzentriert arbeitete und ein schriller Ruf, begleitet von lautem Lachen erschallte. Der Kollege, der grade auf der Feuertreppe seiner Schwuchteldampziggi frönte, rief mich heraus „Da, Schirrmi, komm schnell! Der will wieder pissen!“ Ich lief schnell und stolperte hinaus, konnte mich grade noch festhalten und schaute. Tatsache! Diesmal pisste der Busfahrer ohne Reue und mit offensichtlichem Genuss seinen Bus an. Genauer: Das Hinterrad oder den Kot-, hach, den Pissflügel. Nach der Verrichtung schaute er zu uns nach oben und ich meine, ich konnte auf die Entfernung hinweg einen gewissen, erleichterten aber doch provozierenden Blick von dem, ich meine, in die Jahre gekommenen Busfahrer erheischen. Der Kollege hatte ein Handy-Video aufgenommen. Im Nachhinein sah ich dann, das Video war leider sehr verwackelt und nahm ihm daraufhin seine Dampfmaschine ab um zu überprüfen ob verbotene, sinnesverändernde Stoffe davon ausgehen. Die Prüfung ging positiv aus, mein restlicher Tag war sozusagen gerettet.

Heute war ich super fit und super früh im Büro. Musste so einen komischen „Change“ vorbereiten. Nahm mir aber die Zeit so um ca. 7:15 draußen auf der Feuertreppe zu stehen um zu schauen ob der Wahnsinn Methode hat. Und tatsächlich stand dort wieder der Bus und es gab den Fahrer und keine Fahrgäste. Und er lief von links hinten, da ist Grün, zu seinem Bus zurück und nestelte zu. Ich machte Fotos und dachte nur bei mir was besser wäre. Dass die Natur bepisst oder die Bremsen eines Schulbusses gekühlt werden.

Nun habe ich jeden Arbeitstag etwas auf dass ich mich freuen kann. Habe auch schon eine Flüstertüte eingepackt um den Kleinen, Entschuldigung, um den Busfahrer zu ermutigen wieder seinen Bus anzupissen. Selbstverständlich entspannten sich gewisse Gespräche ob ich nicht ein wenig dreist, hart usw. wäre. Bis ich erwähnte dass man sich bei Inkonsis, Inkontiten, na jedenfalls wenn man sich nicht mehr im Griff hätte, dass man sich auch Windeln anziehen könnte wenn die Organe nicht mehr so mitmachen wie sie mal gemacht hatten.

Hiermit ermutige ich alle Schulbusfahrer: „Pubst auf euren Schulbusfahrersitz. Pisst drauf.“ Die Bremsen können nie so heiß sein wie sie gegessen werden. Es ist nicht schlimm.

Es wäre wohl das gleiche als wenn ich auf meinen Job scheißen würde.

Gute Nacht!

Frührente

Seit Montag fröne ich meiner ersehnten Frührente. Ganz toll wechsele ich seit ein paar Tagen öfters mal die Räumlichkeiten. Schmökere hier mal den Poe, glotze dann mal „Bares für Rares“, wechsele dann wieder zurück in meine Schlafgemächer nicht ohne Twain mitzunehmen und dazwischen mache ich einfach mal nichts. Nickerchen sehr oft, leise Musik seltener, bloggen noch weniger.

Aber ich kann es langsam nicht mehr hören. Gute Besserung hier, werd schnell gesund da, komm bald wieder dort. Die meisten dieser Wünsche kommen selbstverständlich von Kollegen und Kolleginnen aus der Knochenmühle. Kann ich mir denken dass ich schnell wieder kommen soll. Will gar nicht wissen was da so drüber und drunter geht. Ja, Sie lesen richtig. Ich bin leider nicht in Frührente sondern krank. Habe mir über Umwege einen Infekt von einer der Ehefrauen meiner Kollegen eingeheimst. So darbe ich jetzt hier in meiner Muckelbude mit vielen Medikamenten, stinkend und unrasiert und wenn es an der Tür klingelt gehe ich nicht runter – will ja niemanden erschrecken oder erstinken. Auch wäre ich zu schwach.

Gestern fand ich noch Reste einer Flasche Nusschnaps und rieb meine Atemwege damit ein. Zuerst machte ich es verkehrt. Ich reibte äußerlich – ohne Wirkung. Innerlich war es dann schon besser. Dafür danke ich recht herzlich der gutherzigen einemaria. Danke! Knicks! Hicks!

Um schnell wieder gesund zu werden kochte ich mir eine Hühnersuppe. In einem meiner größten Töpfe, also jede Menge. Wie geht noch mal der damalige Spruch aus der Kifferszene? Viel hilft viel. Nur hatte ich kein Huhn da. So kochte ich die Hühnersuppe mit Schwein und Rind und ohne Huhn. Meinem Geschmackssinn war es aber egal. Alles schmeckt fad. Und sowieso, schmecken fällt mir grade schwer. Aber dennoch, so eine miese Suppe kochte ich lange nicht mehr. Sowas von bah, bäh! Dann fielen mir die Hühnerschuppen von den Augen und erkannte, ich hatte weder gesalzen, gepfeffert noch sonst wie gewürzt. Und das Rindfleisch kaute sich wie die alten Schuhsohlen meiner Festivalstiefel. Pfui! Aber die haben wenigstens mehr Geschmack. Weiß gar nicht durch wieviel Pisse, Kacke und Kotze ich mit denen durchgewatet bin. Muss jetzt mal sehen wohin ich das Zeug kippe, ich meine die Hühnersuppe.

Es passiert hier also nicht so viel was es sich lohnt zu berichten. Außer dass ich keine Nachrichten schaue und lese. Und wenn ich da irgendwelche Anschläge, nicht verbotene Parteien oder dumme, blasierte Abschiedsreden von Winkepräsidenten verpasse, ist mir das scheißegal. Im Gegenteil, es ist förderlich für meine Gesundheit. Ruhe. Nur Ruhe. Träumen. Träumen ich hätte die Frührente geschafft. Und nicht aufwachen.

Ich spendete letztes Jahr ein wenig Euro für des frischen Studenten neue E-Gitarre. Und während ich hier grade schwach, kraftlos und ohne Esprit (ich trage Schiesser) tippsele, höre ich „The Strokes“ – Under Cover of Darkness. Achten Sie mal auf den Gitarrensoli bei Minute ab ca. 2:51. Schön gelle?

Mir ist warm und mir ist kalt. Das alte Wrack was sich Körper nennt kann sich nicht entscheiden. Aber jetzt will ich noch ein wenig nach Büchern surfen. Inneneinrichtung. Farbenlehre. Wohnraumästhetik.

Schönen Abend noch!

Seltsame Limo, boshafte Geschenke

Kennen Sie das? Sie schaffen von früh (noch Nacht) bis spät (schon wieder Nacht) an einem Computerarbeitsplatz und irgendwann trauen Sie Ihren eigenen Augen nicht mehr? Wenn die Sehmuskeln müde werden und das Angepeilte immer unschärfer wird? Das Kleine nebelverhangen, das Große – beim Blick aus dem Bürofenster über die weiten Felder des Westerwalds eine Wohltat. Wenn man auf der Konsole diese klitzekleinen weißen, flirrenden Buchstaben nicht mehr recht sieht und die Kommandobestätigungstaste zu schnell gehauen hat, dann könnte es passieren dass man es erst merkt wenn es zu spät ist. Nämlich dass man sich anstatt auf dem Test- auf dem Produktivsystem befindet. Dann ist Zeit Feierabend zu machen. Quasi das Messer in der Sau stecken lassen und „nach mir die Sintflut!“.

So auch an einem Tag in dieser Woche. Mitten in der Nacht fahre ich nach Hause und habe noch einen kleinen Umweg zum Supermarkt im Hinterkopf. Die entgegenkommenden Autos blendeten mich, blendeten auf. Ich wunderte mich. Diese Idioten! Im Supermarkt angekommen freute ich mich auf Süßigkeiten. Nervennahrung. Da kam ich an einem Sonderposten von exklusiven Limoflaschen vorbei und griff mir zwei. An der Kasse bemerkte ich dass ich noch meine Sonnenbrille anhatte und zog mich obenrum aus um überhaupt etwas sehen zu können. Die sind aber so klein, die Zettel. Die Idioten! Komischerweise sah ich anschließend besser im Straßenverkehr als vorher. Seltsam.

Daheim, ich tauschte schnell den Zwirn gegen wohlduftende Gemütlichkeit, machte ich die Glotze an, stellte mir die Limos und ein paar Kekse zurecht und freute mich auf die zwei aufgenommenen Sendungen, Küchenschlacht und Bares für Rares. Ersteres hörte sich für mich gut an denn ich schaue gerne Horrorfilme. Wunderte mich nur dass das mittags ausgestrahlt wird. Die andere Sendung, die wird da von so einem älteren Lederjackenträger aus der Rockerclubszene moderiert und hoffte auf handfeste Verhandlungen. So vorbereitet hatte ich schon zwei Gläser Limo weggekippt um meine Zuckerreserven aufzufüllen. Danach überlegte ich mir ob ich von dem Dreckzeug weiter trinken sollte. Denn die Limo schmeckte echt grausam. Ich kann es nicht beschreiben, irgendwie war die wohl schlecht.

comp_limo_cg6a4489Sonderposten! Pah! Mal wieder reingefallen. Ich kaufe abgelaufenes Zeug. Aber egal, ich trank die erste Flasche fast wie auf Ex und stolperte langsam und mit erhobenen Zeigefinger um die andere herum und fing an mit ihr zu schimpfen. Lautstark machte ich meine ihr gegenüber geäußerten Drohungen war. Ich köpfte auch sie.

Tja, was soll man sagen? Am nächsten Morgen, wie immer war immer noch Nacht, nahm ich mir die Flaschen, es war noch etwas drinnen, abermals zur Brust. Meine Augen waren wieder adlergleich und entdeckten plötzlich den Fehler. Kaufe keine Limo, russischer Art. Irgendwie kam ich im Büro an, es fehlten ziemlich viele Stunden in meiner Erinnerung, griff zum Headset und rief den Kollegen Sergey in St. Petersburg an. Was er denn so machen würde wenn man sich an der entsprechenden Limo vergriffen hätte. Er erwiderte halbwegs lakonisch: „Weitersaufen!“

comp_mark-twain_img_9848Mein heutiges Highlight war ein unverhofftes Geschenk. Ich glotzte wie eine blöde Kuh auf der Weide und versuchte mich an das Datum meines Geburtstags zu erinnern und fragte „Häh?“ Dann zerriss ich wild das liebevoll eingepackte Etwas und heraus kam endlich mal was mit dem ich was anfangen kann. Boshaftikeit! In nett und mit Lebensweisheit und mit schmunzeln. Und mit bitteren Gefühlen wenn man sich die köstlichen Zeilen auf der Zunge zergehen lässt. Und dazu eine rote Krawatte. Hach! Selbstgebastelt. Sowas wie, ich verstand die L. nicht so genau weil sie immer das Rotweinglas an den Lippen hat und zwischen beiden eine Kippe – ich verstand also dass sie die Krawatte nicht als Schlips sondern als Lesezeichen konzipiert hätte. Und dass es nicht gekauft und auch nicht gestrickt oder gehäkelt ist sondern es nach – und da fiel ich vom Hocker – nach Urigomie-Art oder Uromilahmi oder so gemacht wäre. Aber da habe ich keine Ahnung von. Ist aber hübsch. Und ich habe es wie eine Art Ausrufezeichen für das Fotoshooting trapiert.

Möchten Sie einen Auszug? Gerne, tuen Sie sich keinen Zwang an. Beachten Sie nur Ihre Kündigungsfristen. Harhar, nee den Auszug meine ich nicht. Einen kurzen Blick in die unermesslich schönen Mark Twain-Gedankengänge. Hier:

„Die Kenntnisse die die Alten nicht besaßen, waren sehr umfangreich.“

Oder z.B.

„In zweiundsiebzig Jahren ist mir keine ähnliche Herde von Eseln begegnet, wie die menschliche Rasse es ist.“

Herrlich! Danke L.!

P.S.: Mit „L.“ habe ich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Denn weder die Limo noch die L. weiß wem das Dankeschön galt, hehe..

Weihnachtsgeschenkedruck und Cyber

Seit einigen Tagen bin ich in der Knochenmühle hochkonzentriert. Das geht schon so weit dass mir Scheff und Scheffscheff mit weit aufgerissenen Augen gegenübersitzen und sich wundern ob meiner geistigen Brillanz. Teilweise sagen sie sogar „Guten Tag, Herr Schirrmi“ oder auch „Mahlzeit!“.

Ich wundere mich ein wenig warum. Habe ich mal wieder ein paar grobe Managementfehler ausgebügelt? Einen virtuellen Brand im Rechenzentrum verhindert? Draußen den Penner gehindert auf den CEO-Parkplatz zu reiern? Keine Ahnung. Ist mir auch egal.

Denn ich habe anderes zu tun, aber das mit absoluter Konzentration. Mit einer geistigen Schärfe, mit allen in meinen Fasern befindlichen, analytischen Fähigkeiten auf den Wandkalender zu schauen. Zu wissen, es dauert nicht mehr lange. Wie jedes verschissene Jahr sehend, schon lausig spürend dass es bald weihnachtet. Mit ohne Geschenke. Druck. Stress. Das ging schon soweit dass ich den Roten anbrüllte als ich einen Dezembersamstag für einen Change einplante. Er meinte nämlich, und das ist die Wahrheit: „Aber da kann ich vielleicht nicht wegen Weihnachtsmarkt…“. Es platzte aus mir heraus „BISTE SCHWUL ODER WAS! WEIHNACHTSMARKT?! HALLO????“

Ich sag ja, es geht nicht immer mit Samthandschuhen in der Welt umher. Bin ja auch nicht der Erlöser. Nicht der genagelte – der mit den Bauchmuskeln. Da am..

Jedenfalls und das tut wohl nichts zur Sache, ich habe heute 700,- EUR gespart. Ich habe nichts, notting, gekauft im Internet. Da kann mir Cyber und Black und Friday und der Montag mal ganz gepflegt kreuzweise einen rubbeln. Und könnten, da bin ich ja nicht so, erstmal selbst entscheiden wo. Der Mensch an sich hat ja nicht nur eine heterogene Stelle 🙂

Zum Schluss, weil ja soweit alles erklärt ist, noch ein Zitat von mir: „Konzentriere Dich nicht nur auf Deinen Kot. Sondern bemerke auch die Scheiße drum herum.“

Schöne Adventszeit Leute!

Massage von einem Geschäftsfreund

Dämmerlicht. Wir trafen uns auf einem P&R in Groß-Gerau.

Es war noch relativ früh, der morgendliche Verkehr noch nicht recht steif. Ich parkte mit laufendem Motor unter Bäumen und hielt Ausschau nach ihm. Ich erwartete Großes von diesem Tag. Noch nie war ich mit ihm alleine. Unterwegs. Gibt’s Frühstück? Wie ist er drauf? Kann ich was von ihm lernen? Auf die Minute genau stand ich dort, konnte aber seinen Luxuswagen nicht erblicken. Ich gab ihm noch ein wenig Zeit bevor ich ihn mit dem Autotelefon anrief. Hach, gut gelaunt führte mich seine aufgeweckte, angenehme Stimme zum richtigen Parkplatz. Wir fuhren, ich ein wenig orientierungslos, er sonorte am Telefon: „Sind Sie das da mit dem „Teufelsmobil“?“ und vor mir blinkte er mich an, auffordernd ihm zu folgen.

Er reservierte mir den letztmöglichen Parkplatz, blieb im Auto sitzen während ich einparkte und aufgeregt meine Tasche, eine kleine Flasche Wasser packte und die Ziggi wegwarf. Ich vergaß nicht ein paar Pfefferminzbonbons für einen guten Atem einzuwerfen.

„Herr Schirrmi, einen schönen guten Morgen..“ Ich fühlte es schon sanft gleitend und so war es dann auch und fuhren in der Karosse los. Nach ein paar hundert Meter, er sprach, erzählte, machte Witze – alles in allem meinte ich, wird es eine überaus nette Gesellschaft, hatten wir doch ein paar Hundert Kilometer miteinander, nebeneinander zu verbringen.

Dann plötzlich, ich kenne das noch von meinen Straßenjungenzeiten, merke ich links dass mich etwas berührt. Da bin ich ja professionell. Sage erstmal nichts. Kein Grund zum Eskalieren. Ein Geschäftsfreund! Dann wird er aber doch aufdringlicher, irgendwann mal. Drückt mich fester in die Seite. Erst unerwartet, dann aber mit Nachdruck. „Ist es Ihnen unangenehm, Herr Schirrmi?“ so der Freund, geschäftlich. „Massieren wäre auch kein Problem.“ höre ich dem gutaussehenden Weißbart zu. Komisches Gefühl..

Als mir dann aber von rechts, da sitzt ja keiner mehr, auch noch jemand zärtliche, zupackende, schmeichelnde Avancen angedeihen lassen wollte, kam es mir in den Sinn. Denn spätestens als mein väterlicher Fahrer meinte: „Wenn Sie möchten kann ich die Massage- und die Kurvenhaltfunktionen der Luxuskomfortsitze auch ausschalten.“ What? Und weiter: „Wenn Ihnen ein wenig zu warm wurde, könnte ich, wenn Sie möchten, die Sitzbelüftung einschalten..“

Das Meeting war überaus konstruktiv.

Jetzt weiß ich was Luxus bedeutet in einem Auto. Komisch. Aber könnte man sich dran gewöhnen. Ambientebeleuchtung war da, die Musikanlage erhaben. Motorgeräusche bei 230 nicht hörbar. Sänfte.

Hey, Finger weg!

Ulkige Bewertungen

Heute habe ich den „Acknowledge“-Button gedrückt. Damit gab ich elektronisch mein Einverständnis zu meiner persönlichen Bewertung im vergangenen Geschäftsjahr. Neben Punkte die man lediglich per Radiobutton vergibt / verklickt gab es auch Freitextfelder die der Lochkartenstanzer auch nutzte. Er schrieb so sinngemäß in eines solcher Felder dass ich man beobachtet hätte dass ich bei manchen Besprechungen und Meetings unkonzentriert sei und darüber hinaus auch dann und wann mal einschlafen würde. Und schrieb dann in ein anderes Feld, nämlich das für Verbesserungspotentiale, dass er sich wünschen würde ich wäre konzentrierter, ausgeschlafener und mehr bei der Sache und sowieso ein wenig motivierter. Tja!

Was der Lochkartenstanzer nicht witzig fand, war nämlich dass ich ihn ausgetrickst hatte. Denn normalerweise ist es so dass ich im gleichen elektronischen Formular zunächst eine Eigenbewertung abgebe, das wird dann an den Scheff gesandt und er gibt dann seinen Senf dazu. Dann wird drüber gesprochen. Und das ist dann so und wird festgezurrt.

Ich aber habe extra einige Felder leer gelassen und tat so dass ich die gar nicht gesehen hatte und bat ihn das Formular noch mal an mich zurück zu geben. Aber ich sah ja jetzt seine Bewertung und Kommentare. Konnte eine Nacht drüber schlafen / grübeln und hatte somit die Möglichkeit auf die Frechheiten noch mal ein zu gehen. Wie folgt, neben anderen Gedöns, und ich gebe das jetzt aus der Erinnerung auf Deutsch wieder, normal ist das alles in Englisch:

„Ich wundere mich dass mein Vorgesetzter ein Thema bei mir anspricht und öffentlich in die Bewertung einfließen lässt was eigentlich ein Thema für den Betriebsrat und/oder für den Werksarzt wäre. Wir wissen alle im Team und bekommen es regelmäßig mit dass Herr Lochkartenstanzer persönlich und Herr Scheffscheff und weitere namentlich bekannte Personen regelmäßig in Meetings unkonzentriert sind, auf ihren Telefonen herumspielen und ebenso ab und zu mal ein Nickerchen machen. Ich fühle mich gemobbt denn bei mir, im Gegensatz zu dem der diese Bewertung vergab, hat es bei mir medizinische Gründe. Antihistamin gehört zu meiner ärztlich verordneten Therapie und hat leider auch Nebenwirkungen. Das wissen die Herren und ich weiß aber auch dass sie eine solche Therapie nicht machen. Neben diesem offensichtlichen Grund möchte ich noch erwähnen dass die meisten Meetings unprofessionell vorbereitet und durchgeführt werden. Man muss zu Themen teilnehmen die gar nicht zum eigenen Fachbereich gehören. Zu den Basics gehört eine ordentliche Meeting-Planungskultur die grade in der Führungsriege nicht oder nur rudimentär vorhanden ist. Ich behalte mir vor diese Sache beim Personal- und Betriebsrat anzusprechen.“

Ich drückte den Button und das ist dann in Stein gemeißelt. Und es wird von den höheren Riegen gelesen. Und solche Kommentare sind dann auch vom Vorgesetzten nicht mehr änderbar. Die sind dann so.

Heute war ein sogenannter Town-Hall-Call. Ich ging in den VC-Raum, der Lochkartenstanzer stand wie abgestellt in der Tür rum, ich klopfte ihm auf die Schulter: „Aber nicht einschlafen, gelle?“ Aber ganz ehrlich gesagt, wenn man endlich mal eine ordentliche Sitz- und Kleiderordnung einführen würde und ich immer gegenüber unserer Teamassistentin sitzen könnte. Dann, ja dann – würde ich nicht mehr einschlafen. Ich könnte dann von unten freihändig an den Sitzungstisch klopfen.

Übrigens, so ist das bei uns in der Knochenmühle. Die Vorgesetzten werden nicht gerne selbst bewertet. Es gab mal ein vom HR-Department verordnetes 360° Programm bei dem man die Vorgesetzten bewerten durfte. Ich freute mich diebisch und nahm ausgiebig Gebrauch und benutzte auch die Freitextfelder. Denn Sie wissen ja sicherlich, Ankreuzkästchen werden elektronisch ausgewertet und dann, ja, dann ist das so. Aber die Freitextfelder müssen von Menschen gelesen werden. Das macht es interessant. Bitte machen Sie immer von Möglichkeiten Gebrauch in eigenen Worten Missstände aufzudecken. Die Gelegenheit ist meist selten. Und das Ergebnis ist immer vielversprechend. Im Ergebnis gibt zwei Möglichkeiten: 1.) Die Ergebnisse werden veröffentlicht, es rollen Köpfe und/oder Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein als sonst oder 2.) Es wird alles unter den Tisch gekehrt, man erfährt die Ergebnisse nicht und Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein und Sie werden Opfer von „Bossing“. Meistens tritt Fall #2 ein. Was ich schade finde. Aber.. Arschgeleckt!

Kann ich mal einen Rat haben?

Ob jemand mal einen Rat haben könnte. Von mir. Immer gerne. Mache ich. Ich nehme mir auch immer Zeit und gebe mir Mühe. Denn ich weiß dass die Jugend heutzutage nicht mehr die Ausbildung genoß wie es Dank Schröders widerlichem Programm ist.

So gehen die Jungfrauen und Jungmänner durch den Flur und landen am Ende des Wissens in meinem Büro. Sie fragen, ich antworte nicht sondern erkläre. Ich unterrichte, ich nehme mir Zeit und zeige und versuche alte Lerninhalte hervorzubringen, darauf aufzusetzen und dann Kniffe, schönen Code, elegante Lösungen vorzustellen. Ich nehme mir Zeit obwohl mir der Hals schwillt. Ich bereite manche, je nach Student, Inhalte vor und schaue, bewerte, helfe und gebe Anregungen. Immer mit Mitgefühl und Selbstkasteiung.

Wenn ich aber höre, und manche werden frech: „das weiß ich alles!“, oder wissen nicht die Zeit und Erfahrung zu schätzen die man ihnen schenkt und sie maulen: „war nicht die Frage, weiß ich doch alles, und überhaupt – warum das Ganze?“

Dann, ja dann gebe ich auf. Und werde streng. Kein Bock drauf. Ich denk mir, lass sie doch untergehen. Sie kennen noch nicht mal den Grund von Höflichkeiten. Wissen kein Eins noch mal Eins mal Eins haben aber einen Koffer dabei den sie aufreißen. Mit Schnütchen und vorwurfsvollen Blick, aufreizend ist das gespendete Studentenleben zu Ende. Tränen fließen groß wie Elefanten und stappen mit den Füßen auf den Boden: „ICH NEHM DIE LEHRE NICHT AN!“

Wem nicht geholfen werden will. Da investiere ich nicht und niemals nicht. Renn gegen Wände, ecke an. Lerne den Schmerz. Aber frag mich nicht noch mal nach Rat. Verarsche hatte ich schon – ich war auch mal jung und kenne die Kunst des Kriegs. Dann mach allein, was auch nicht schlimm ist. Denn das tat ich auch.

So long!

P.S.: Und es hat nichts mit dem Alter zu tun..

Hulk hat Wochenende, oder nicht?

Das Laub fällt und die Welt wird bunter. Ein herrlicher Arbeitstag neigt sich dem Ende zu und ich könnte Bäume ausreißen.

Draußen kracht es, meine Arschbacken vibrieren. Normalerweise ist es umgekehrt. Boah, da muss etwas passiert sein denke ich und laufe schnell auf meine überaus großzügige Terrasse und schaue nach. Aha! Der Nachbar beim Baumfällen. Einiges Zeug liegt bei mir rum. Er, mit so einem komischen Ding auf dem Kopp sieht aus wie Mickey Maus und schaut erst orientierungslos um sich als ich ihn anbrülle. Nach fortgesetzten Brüllen, er hat da wirklich richtig die Buchen abgeholzt, bemerkt er mich endlich und ich konnte im normalen Ton sagen:
„Einen schönen guten Tag, Herr Nachbar! Was machen Sie denn da?“
Er: „Der Baum ist in die falsche Richtung gefallen. Sorry!“
Ich: „Tja..“
Er: „Sie haben nicht noch zufällig eine Kettensäge da? Meine hat den Geist aufgegeben.“
Ich: „Doch schon, nur schon länger nicht mehr im Gebrauch. Sie müssten erst das festgebackene Blut, die Knochenspänen und die Hirnreste entfernen.“
Er: „Naja, ich schau erstmal selber. Danke und Tschüss auch..“ und verdrückte sich schnell, die feige Sau!

Schön ist es heute gewesen. Hatte nämlich neue Klamotten an. Passend zur Jahreszeit. Die Tage machte mir nämlich mein Lieblingskollege, der Rote, ein Kompliment. „Hey Schirrmi, sag mal, bist Du weiß geworden? Da an den Seiten, Dein Bart?“ Voller Stolz dass mein biblisches Alter endlich mal wahrgenommen wird shoppte ich im Internet und erstand ein feines Oberhemd gewebt aus ägyptischer Baumwolle, erdtönerne Farben und großkariertem Muster. Dazu einen feinen Merinopullover mit Pfauausschnitt in dunkelbraun. Die schöne, bequem geschnittene tannengrüne Cordhose mit französischen Taschen und Bundfalten komplettierte das neue Outfit. Kennen Sie das? Neue Klamotten, man gönnt sich was, man fühlt sich schick – man ist ein ganz anderer Mensch. Ein ganz anderes Lebensgefühl. Toll!

So fanden das auch meine Arbeitskollegen. Sie schauten mich schon morgens an. Den ganzen Tag fühlte ich ihre wohlwollenden und, wie ich meine, neidischen Blicke auf mir ruhen. Das gab mir Auftrieb und stärkte mein Selbstwertgefühl. So sehr dass ich langsam noch über einen Filzhut nachdenke, mit braunem Lederschweißband und selbstgerupfter Eichelhäherfeder. Ein wundervoller Tag! Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber lassen Sie mich doch auch mal!

So stolzierte ich mit ebenfalls neuen, dunkelbraunen Wildlederschuhen die Büroflure auf und ab. Ging immer mal wieder in die Büros der Kollegen um Fachgespräche zu führen aber ehrlich gesagt nur als Vorwand. Denn eigentlich nur um mich bewundern zu lassen. Öfters mal in der Kaffeeküche gewesen damit mich auch die Kollegen aus den anderen Abteilungen sehen. Mein neues Outfit, echt geil. Diese Herbsttöne. Dieses beruhigende. Dieses Fachkompetenz ausstrahlende gesetzte. Ja, so tanzt mir keiner mehr auf der Nase rum. Zusammen mit meinen weißen Haaren, ich war am Wochenende beim Frisör, eine überaus stattliche Erscheinung, möchte ich meinen.

Bis ich dann vor der Tür war um eine zu rauchen. Die zwei Auszubildenden im letzten Lehrjahr starrten mich an und riefen im Chor „Schirrmi, wie siehst Du denn aus?“ Das ginge ja gar nicht. Würde mich so alt machen. Und überhaupt ob ich in letzter Zeit zu oft in der Muckibude sei. Ich hob meine Hand zur Kippe um sie anzuzünden und krrrr, riss der teure Merinopullover unter den Achseln. Das Scheißteil! Ich ärgerte mich und riss kurzerhand den Pullover auseinander und mir vom Leib. Die Mädels schauten so doof dass ich mich noch mehr ärgerte und riss mir auch das neue Hemd herunter. So stand ich furchtbar grimmig guckend in meiner grünen Hose in unserem Büropark, die Kippe noch in der Fresse und drehte und wendete mich fürchterlich auf der Suche nach Dingen die ich zusammenkloppen konnte.

Damit muss man erstmal zurechtkommen. Aber zum Glück ist ja jetzt Wochenende. Da kann ich mich abreagieren. Wie? Was? Noch kein Wochenende? Scheißendreck!