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Zeit zum Feiern!

Leute! Heute ist für mich ein glücklicher Tag! Ach! Was sage ich? Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie – meine Kinder, meine Ex-Frau, meine Jetzige-, meine Freunde, meine Verwandten – die Nachbarn! Ich erhielt nämlich grade von der Knochenmühle eine wunderbare Nachricht – in einer fremden Sprache, sorry:

„We are pleased to inform you that your annual gross salary will be increased..” und weiter: “Thank you for your hard work and commitment through a challenging year..”

Ich habe direkt und ohne groß darüber nachzudenken den lokalen Festausrichter engagiert der gleich Champagner und Gedöns auffährt, eilte zur Bank und habe einige, EINIGE, Scheine gezogen für die Geldscheinkuverts meiner Lieben und per großzügig versicherte Wertpakete auf die Reise geschickt. Jetzt sind schon fast alle Nachbarn und sonstige Leute da, die sich mit mir freuen wollen. 87 Leute haben sich auch noch angekündigt um mit mir die frohe Botschaft, meine Gehaltserhöhung, zu feiern.

Ach, wie wunderbar ! Wir schunkeln und singen gemeinsam: „Sooo ein TAAAG! So wunderschön wie heute..“

Verdammt, was ist das denn? Scheiß Mathe! Bin ich blind? Haben die da einen Rechenfehler? Kann ja jedem Mal passieren. Aber die Region sollte doch irgendwie stimmen. Sehe ich das wirklich richtig? 0,7625 EUR Gehaltserhöhung pro Arbeitsstunde? Und das auch noch Brutto? Die Hälfte geht davon noch ab?

Ich breche zusammen! Habe ich heute an diesem herrlichen Sonnentag zu viel an den Margariten geschnüffelt?

Und wer soll die Rechnung bezahlen?

Der neue Bürokalender 2018

Das neue Jahr fängt hier in der Knochenmühle einigermaßen schmunzelnd an. Denn mein „großer“ Lieblingskollege hat einen Büroabreißkalender „Die besten Sprüche für lange Bürotage 2018“ besorgt und auf unserem Schreibtisch gestellt.

So geschah es am 2. Januar, wie immer war ich fast der Einzige und darüberhinaus auch – wie immer – überaus motiviert, da kommt Scheffscheff an meinen Platz wegen mach mal dies, mach mal das. Und schaute erst interessiert, dann irritiert auf den Abreißkalender. Daraufhin drehte er sich rum und wart für den Rest der Woche nicht mehr gesehen. Das Jahr fing also relativ gut an.

Was der 2. Januar-Spruch war, weiß ich nicht mehr. Aber der heutige ist auch nicht schlecht:

Wir bleiben unsrem Grundsatz treu: stets faul, doof und arbeitsscheu.

Na? Wollt ihr jetzt täglich einen neuen Spruch haben? Ich meine für die Mitmenschen, die wie ich kein Mitglied von Fratzenbuch etc. sind. Denn da gibt es ja wohl genug davon.

Frohes Neues, Ihr Narren!

CCR im Ghetto

Nach heutigen Maßstäben war ich noch klein / jung. Den üblichen Spielplatzprügeleien entwachsen, den Nachstellungen der Kaffeedamentanten in Form von anzüglichen Sprüchen und den faltigen Händen auf meinem Körper „schöne, starke, junge  Muskeln“ konnte ich mittlerweile Paroli bieten. Es lief gefühlt immer Roger Whitaker, Deine Spuren im Sand oder sonst so was. So wie heute Helene Fischer bei Törtchen und Sektchen und Grinsen bei Tagesschau und gemeinsam schunkelnd und feuchtfröhlich mit der neuen Deutsch-Polnischen Freundschaft klüngelnd.

An dieser Stelle: Viele liebe Grüße S. wir finden Dich rattenscharf! Deine Kollegen.

Es war zwischen einer gescheiterten Schulkariere und noch vor der drohenden Einziehung in die Bundeswehr. Machte mal dies, mal das. Half beim Töpfern mit, betätigte mich in der Landwirtschaft, verunsicherte Möbelkunden den korrekten Liefertermin, war zu den Weihnachtssamstagen geschniegelt in einem feinen Bonner Leder-Laden zugange, half diversen Mädels beim Zeitungsaustragen, war ein Jungquell für todesgeweihte Damen im Krebsendstadium, schob sie mit Witz und Unterhaltung durch die Gegend, klaute auch mal irgendwo eine Schachtel Kippen. Ich ließ mich bei einem verbrecherischen Versicherungskonzern auf Schneeballsystembasis anheuern und verkloppte Versicherungen.  Ich war zeitweise in einer Punkband und wir hofften auf Almosen und keine Bierflaschen an unsere Schädel. Ich wühlte im Sperrmüll und baute aus Ersatzteilen Fahrräder zusammen um sie zu verkaufen. Ebay gab es noch nicht.

Ich lernte Mädels und Damen kennen. Gab mich wie gewünscht mal gebildet, mal wie ein Raubtier. Alles gut für eine Zeitlang trocken schlafen zu können – an fremden Kühlschränken habe ich mich ungefragt bedient. Ich hatte Hunger.

Ich schweife ab!

Also werden Sie vielleicht demnächst die Fortsetzung lesen. Denn ich muss am morgigen Samstag mal wieder als Arbeitsnutte für die Knochenmühle tätig sein.

Liebe Grüße von mir und meinem inneren Ghetto,
Schirrmi

Verwechslung

Ein sonderbarer Tag heute. Es fing schon damit an dass mein Lieblingskollege, Sie wissen schon – der kleine Dünne, Rothaarige, seinen ersten Arbeitstag hatte nachdem er mit anderen nicht so kleinen Rothaarigen seinen Urlaub auf Weihnachtsmärkten verplemperte. Ohne Terroranschläge wie ich vermute. Denn er fand sich ja heute ein.

Mit seiner Aktentasche hantierend und nach einigem Rumgestöhne und Seufzen sowie Murmeln in der Art wie: „Scheiße! Scheiße!“ und irgendwas wie „Knochenmühle..“ blickte er zu mir hoch und meinte: „Schirrmi, tu nicht so als ob Du noch breitere Schultern bekommen hättest!“. Ich musste erst mal überlegen was ich antworten soll oder ob überhaupt. Eine Kopfnuss anlässlich seines ersten Arbeitstages wäre auch nicht schlecht gewesen. Quasi ein „Aufwacher“, ein „Ey-Opener“, ein typisches „Schirrmi-Welcome-back!“. Ich beließ es bei einer finster blickenden, wortlosen Zwergenmusterung.

Aber es wollte mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. Was meinte er nur damit? Breite Schultern, pff..! Klaro habe ich die, aber will er jetzt jeden Tag auf meine körperlichen Vorzüge hinweisen? Soll ich ihn womöglich am Wochenende auf die verschissenen Weihnachtsmärkte begleiten? So als Leibwächter? Oder viel schlimmer, ihn auf meinen Schultern über die Weihnachtsmärkte tragen damit er wenigstens mal was sieht? So mit diesen stillen, grüblerischen Gedanken ging der Tag alsbald fast zu Ende. Bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

Nach der Morgendusche griff ich wie üblich, mit noch zugequollenen Augen, in den Badschrank und nahm mir das Deo-Spray und sprühte mir, wieder wie üblich, das Zeug ordentlich und anhaltend erst unter die linke Achsel. Irgendwas war anders und sah zugekniffen dass ich eine Haarspraydose benutzte. Damit ich links nicht anders wie rechts stinke wiederholte ich die Haarsprayprozedur auch mit der rechten Achsel. Und ausgleichend nahm ich dann das Deo und sprühte es mir auf den Kopf.

Hätte ich auch früher drauf kommen können was der Kleene da meint. Denn es war den ganzen Tag ein wenig unangenehm unter den Achseln. Obwohl ich nur ein paar feine, blonde  Daunenfedernlöckchen unter den Armen habe (Engelshaar) musste ich, ein wenig mehr als – üblich, die Schultern heben, die Arme etwas nach außen strecken. Das mit dem Deo auf dem Kopf hat keiner bemerkt. Denn der ist zu weit oben für die Wichte, aber mein ungewöhnlicher Gesamteindruck war wohl doch, seltsam.

Diese Zeilen schreibe ich jetzt, wie üblich, von daheim. Komme mir jetzt ein wenig komisch gegenüber meinem kleinen Lieblingskollegen vor und überlege mir ihn nachher noch zu Hause zu besuchen. Die Sache aufzuklären. Ihn noch mal zum Feierabend und zur Abbitte schön kräftig in den Arm zu nehmen. Mal so richtig nett und lieb feste drücken – den Kleinen. So ganz feste liebhaben. Ihm zeigen wie er mir ans Herz gewachsen ist. Mit Nachdruck.

Aber das überlege ich mir noch. Bis dahin muss ich erst mal meinen Durst stillen. Ist ja sowieso schöner für ihn wenn ich erst später, also viel später bei ihm und seiner Familie zu Besuch komme. Viel gemütlicher ist es dann. Wenn alle Lampen brennen.

Prost!
Euer Schirrmi

 

 

Die Knochenmühle mit Charmeoffensive

Manch Einer unter dem Joch eines unselbständigen Arbeitsverhältnisses wünscht sich ja mindestens die Frührente herbei. Ich gebe zu dass ich ab und zu auch zu diesem Personenkreis gehöre. Mindestens. Doch manchmal gibt es Tage in der Knochenmühle, da geht mir das Herz auf. So auch heute.

Das HR-Department (Personalabteilung) lud ihre Mitarbeiter zu einer Workshopreihe „Umgang mit dem Kopfkino“ ein. Teilnahme wäre freiwillig und gratis sowie jeder der Workshops würde wohl ca. 4 Stunden dauern. Flugs meldete ich mich an. Denn wenn es da was von der Knochenmühle gibt, bin ich dabei! Denn viele Vergünstigungen mit denen man mich von einem hochprofitablen Unternehmen weggelockt hatte, sind mittlerweile gestrichen. Wenn ich sage viele, dann meine ich das so. Der Dienstwagen (gut, per Gehaltsumwandlung), das DB-Jahresticket 1. Klasse, Dienstreisenflüge nur Business-Class, ständig weiter verwässerte persönliche Zielbonis auf die man keinen persönlichen Einfluss mehr nehmen kann. Diese Liste ist unvollständig und soll nur als Beispiel dafür dienen wie froh man ist wenn was geboten wird. Dass man alles mitnimmt was die Personalabteilung „gratis“ anbietet.

Die kleine Gruppe fand sich also heute zum „Umgang mit dem Kopfkino“ ein, erstaunlicherweise war mit Kaffee, Gebäck und Kaltgetränken eingedeckt. Gratis! Bei Kaffee und Smalltalk erfuhr ich dass die vorgesehen vier Stunden vom persönlichen Gleitzeitkonto abgezogen werden. Ob ich denn nicht das Kleingedruckte gelesen hätte? Tja, auch kein Problem. Ist ja genug drauf. Da könnte ich einer Vielzahl solcher „Kopfkino“-Workshops beiwohnen. Auf die Eingangsfrage an die Teilnehmer mit welchen Erwartungen man erschien, antwortete ich nur ausweichend dafür aber lang und breit. Denn, weder hatte ich noch nicht die versteckten Kameras und Mikrofone entdeckt noch kenne ich das Verhältnis der Dozentin zu unserer Personalabteilung, aber sicher ist sicher. Lieber mit meiner ehrlichen Meinung hinter dem Berg halten bevor ich auf die „Gefährderliste“ lande.

Ich schweife ab.

Es ging los und ich schaute vor mir auf die Seminarunterlagen und auf diesen befand sich ein kleines Give-Away der Personalabteilung:

Sie können sich vorstellen wie sehr ich überrascht war ob dieser Charmeoffensive der Knochenmühlen-HR-Mannschaft. Geil, dachte ich mir und konnte mich vier Stunden lang nicht mehr konzentrieren. Denn in meinem Kopfkino drehte es sich nur noch um mögliche Termine für diese explizite Aufforderung.

Morgen nicht. Aber vielleicht Übermorgen 🙂

Ihr Schirrmi

Junge *ötzchen

Der Workaholic in Reinform! Wer mich kennt, der weiß dass je mehr Arbeit ich aufgehalst bekomme, je anspruchsvoller die Aufgaben sind, umso mehr gehe ich – gehe ich auf. Ich fühle mich bestätigt. Je mehr Stress desto männlicher werde ich. Je kniffliger die Verhandlungen umso enger wird meine Hose, umso mehr habe ich Spaß. Ja, man kann sagen, ich bin ein Business-Man durch und durch.

Betriebsräte sind mir ein Greuel. Hebe mich ab vom Zwang nicht Nachts, am Wochenende oder Feiertags arbeiten zu dürfen. Ja, so lebe ich, so liebe ich das Leben. Immer flott und flink, laut und habe immer Recht. Ein Arbeitsleben in Saus und Braus und im richtigen Unternehmen. Ich darf über mehrere Zeitzonen hinweg arbeiten, welch ein Glück – denn da muss ich nicht schlafen gehen und kann mir 24h lang die Bestätigung holen die ich brauche. Das ich gebraucht werde. Meine Hosen muss ich mittlerweile eine Nummer größer kaufen damit niemand sieht dass mein Schwanz immer größer wird.

Leider ergab es sich letzten Freitag dass ich von meinem Scheff-Scheff nicht die Bestätigung erhielt die ich verdient hätte. Denn er klopfte mir auf die Schulter und meinte: „Heute, Herr Schirrmi, gönnen Sie sich mal einen freien Nachmittag. Das haben Sie sich verdient!“. „Schei…!“, dachte ich so bei mir, packte meine drei Notebooks ein, sorgte für einen weiteren Bonus-Punkt unsere Clean-Desk-Policy und stieg in meine adäquate Karre. Ich fühlte mich hilflos und verloren, denn was hatte das zu bedeuten dass ich Freitagmittag nach Hause geschickt werde?

Also fuhr ich nachdenklich und immer noch sehr potent angesichts meiner beruflichen Leistungen durch die Dörfer in Richtung meiner Villa und sah am Straßenrand jede Menge kleine *ötzchen stehen. Ach, dachte ich so bei mir – um diese Tageszeit sehe ich ja die Welt nicht, was machen denn am hellichten Tag so viele kleine *ötzchen hier?

Und dann hatten sie auch noch so kleine, lustige Rucksäckchen auf dem Rücken. Lachten, spielten und waren voller Freude. Die Sonne schien und sie vergnügten sich als ob es kein Business gäbe. Als ob es kein richtiges Leben geben würde. Ich verstand es nicht.

Die i-Dötzchen

Heiße Bremsen

Die Unmöglichkeit ist wahr geworden. Die Schirrmi-Tippse arbeitet nun auf einer Baustelle. Leider. Ich arbeite mit Mühen unter einer störenden Geräuschkulisse. Alle sind dreckig, alles ist schmutzig, jeder ist ein fluchender Roh- Rabauke und möchte dass es schön wird. Wird es aber nicht. Elektriker, Trockenbauer, Schreiner, Wasserinstallateure, schwule Architekten, Dachdecker, Fensterbauer, hirnverbrannte Bauherren geben sich die nichtvorhandenen Klinken in die Hand und wuseln um meinen Arbeitsplatz herum. Es wird gebohrt, gehämmert, gesägt, einmal gegossener Stahlbeton wieder aufgerissen, das angeblich autark agierende, neue Verwaltungsgebäude unserer Knochenmühle ist noch weit davon entfernt selbstständig zu sein.

Ich möchte einfach nur arbeiten. Tippen. Telefonieren. Diskutieren. Verhandeln. Schreiben. Kaffee trinken. Meine überwiegende Lebenszeit so angenehm wie möglich gestalten. Aber es geht nicht. Ich versuchte es zwei Wochen lang und entdeckte im größten unermesslichen Leid dass es sich auf einer Baustelle nicht recht arbeiten lässt. Homeoffice, Home, Frieden, Ruhe wünschte ich mir und entdeckte da hinten an der Wand eine nicht abgeschlossene Stahltür. Ich öffnete sie und fand mich auf einer in ca. 20 Meter Höhe befindlichen Feuertreppe wieder und lachte wie einfach es doch sein könnte hier herunter zu springen um mich dem Joch endgültig zu befreien. Doch ich ließ davon ab als ich da hinten eine Bushaltestelle sah und etwas Unglaubliches geschah.

Es stand da ein Bus mit allem Pi-pa-po am Straßenrand, an der Haltestelle. Kein Fahrgast stieg ein, keiner aus. Alles war ganz normal soweit. Der Blinker war gesetzt, ja auch der Warn. Und der Bus stand dort einfach und wartete. Und ich stand da oben auf der Feuertreppe und wartete ebenso das was geschah. Und es geschah.

Leise vernahm ich entfernte Geräusche von Druckluft, die sich seufzend bequemte hintere Flügeltüren aufzustoßen während über mir eine einsame Amsel ihr glockenhelles Lied sang und sich entlud. Die Scheiße landete neben mir und ich wunderte mich nicht. Bin ich doch der Hans im Glück. Jedenfalls stieg ein Herr, ich identifizierte ihn als den Busfahrer, aus, ging an des Busses Hinterrad drehte sich mit dem Rücken zu mir und nestelte wohl vorne an seiner Hose rum. Ich dachte, der wird doch wohl nicht richtig? Doch wollte er wohl, ich begriff und fing an zu lachen und zu kreischen, die Kollegen schnell herbeirufend: „Schnell, schnell kommt mal. Seht, da unten der Busfahrer der pisst seinen Bus an!“. Allerlei Klamauk spielte sich daraufhin auf der Treppe ab sodass der Busfahrer etwas hörte, sich zu uns umdrehte, sich irgendwie beobachtet fühlte. Und sah uns da oben, wie angeseilt wie damals ich mit den Kumpels an der Eiger Nordwand hängend, lachend, feixend. Er nestelte wiederum herum, schaute wie beiläufig und stieg ein ohne in Ruhe sein Geschäft verrichtet zu haben. Was offensichtlich war. Es war morgens ca. 7:23 Uhr.

Es war der nächste Tag als ich hochkonzentriert arbeitete und ein schriller Ruf, begleitet von lautem Lachen erschallte. Der Kollege, der grade auf der Feuertreppe seiner Schwuchteldampziggi frönte, rief mich heraus „Da, Schirrmi, komm schnell! Der will wieder pissen!“ Ich lief schnell und stolperte hinaus, konnte mich grade noch festhalten und schaute. Tatsache! Diesmal pisste der Busfahrer ohne Reue und mit offensichtlichem Genuss seinen Bus an. Genauer: Das Hinterrad oder den Kot-, hach, den Pissflügel. Nach der Verrichtung schaute er zu uns nach oben und ich meine, ich konnte auf die Entfernung hinweg einen gewissen, erleichterten aber doch provozierenden Blick von dem, ich meine, in die Jahre gekommenen Busfahrer erheischen. Der Kollege hatte ein Handy-Video aufgenommen. Im Nachhinein sah ich dann, das Video war leider sehr verwackelt und nahm ihm daraufhin seine Dampfmaschine ab um zu überprüfen ob verbotene, sinnesverändernde Stoffe davon ausgehen. Die Prüfung ging positiv aus, mein restlicher Tag war sozusagen gerettet.

Heute war ich super fit und super früh im Büro. Musste so einen komischen „Change“ vorbereiten. Nahm mir aber die Zeit so um ca. 7:15 draußen auf der Feuertreppe zu stehen um zu schauen ob der Wahnsinn Methode hat. Und tatsächlich stand dort wieder der Bus und es gab den Fahrer und keine Fahrgäste. Und er lief von links hinten, da ist Grün, zu seinem Bus zurück und nestelte zu. Ich machte Fotos und dachte nur bei mir was besser wäre. Dass die Natur bepisst oder die Bremsen eines Schulbusses gekühlt werden.

Nun habe ich jeden Arbeitstag etwas auf dass ich mich freuen kann. Habe auch schon eine Flüstertüte eingepackt um den Kleinen, Entschuldigung, um den Busfahrer zu ermutigen wieder seinen Bus anzupissen. Selbstverständlich entspannten sich gewisse Gespräche ob ich nicht ein wenig dreist, hart usw. wäre. Bis ich erwähnte dass man sich bei Inkonsis, Inkontiten, na jedenfalls wenn man sich nicht mehr im Griff hätte, dass man sich auch Windeln anziehen könnte wenn die Organe nicht mehr so mitmachen wie sie mal gemacht hatten.

Hiermit ermutige ich alle Schulbusfahrer: „Pubst auf euren Schulbusfahrersitz. Pisst drauf.“ Die Bremsen können nie so heiß sein wie sie gegessen werden. Es ist nicht schlimm.

Es wäre wohl das gleiche als wenn ich auf meinen Job scheißen würde.

Gute Nacht!

Frührente

Seit Montag fröne ich meiner ersehnten Frührente. Ganz toll wechsele ich seit ein paar Tagen öfters mal die Räumlichkeiten. Schmökere hier mal den Poe, glotze dann mal „Bares für Rares“, wechsele dann wieder zurück in meine Schlafgemächer nicht ohne Twain mitzunehmen und dazwischen mache ich einfach mal nichts. Nickerchen sehr oft, leise Musik seltener, bloggen noch weniger.

Aber ich kann es langsam nicht mehr hören. Gute Besserung hier, werd schnell gesund da, komm bald wieder dort. Die meisten dieser Wünsche kommen selbstverständlich von Kollegen und Kolleginnen aus der Knochenmühle. Kann ich mir denken dass ich schnell wieder kommen soll. Will gar nicht wissen was da so drüber und drunter geht. Ja, Sie lesen richtig. Ich bin leider nicht in Frührente sondern krank. Habe mir über Umwege einen Infekt von einer der Ehefrauen meiner Kollegen eingeheimst. So darbe ich jetzt hier in meiner Muckelbude mit vielen Medikamenten, stinkend und unrasiert und wenn es an der Tür klingelt gehe ich nicht runter – will ja niemanden erschrecken oder erstinken. Auch wäre ich zu schwach.

Gestern fand ich noch Reste einer Flasche Nusschnaps und rieb meine Atemwege damit ein. Zuerst machte ich es verkehrt. Ich reibte äußerlich – ohne Wirkung. Innerlich war es dann schon besser. Dafür danke ich recht herzlich der gutherzigen einemaria. Danke! Knicks! Hicks!

Um schnell wieder gesund zu werden kochte ich mir eine Hühnersuppe. In einem meiner größten Töpfe, also jede Menge. Wie geht noch mal der damalige Spruch aus der Kifferszene? Viel hilft viel. Nur hatte ich kein Huhn da. So kochte ich die Hühnersuppe mit Schwein und Rind und ohne Huhn. Meinem Geschmackssinn war es aber egal. Alles schmeckt fad. Und sowieso, schmecken fällt mir grade schwer. Aber dennoch, so eine miese Suppe kochte ich lange nicht mehr. Sowas von bah, bäh! Dann fielen mir die Hühnerschuppen von den Augen und erkannte, ich hatte weder gesalzen, gepfeffert noch sonst wie gewürzt. Und das Rindfleisch kaute sich wie die alten Schuhsohlen meiner Festivalstiefel. Pfui! Aber die haben wenigstens mehr Geschmack. Weiß gar nicht durch wieviel Pisse, Kacke und Kotze ich mit denen durchgewatet bin. Muss jetzt mal sehen wohin ich das Zeug kippe, ich meine die Hühnersuppe.

Es passiert hier also nicht so viel was es sich lohnt zu berichten. Außer dass ich keine Nachrichten schaue und lese. Und wenn ich da irgendwelche Anschläge, nicht verbotene Parteien oder dumme, blasierte Abschiedsreden von Winkepräsidenten verpasse, ist mir das scheißegal. Im Gegenteil, es ist förderlich für meine Gesundheit. Ruhe. Nur Ruhe. Träumen. Träumen ich hätte die Frührente geschafft. Und nicht aufwachen.

Ich spendete letztes Jahr ein wenig Euro für des frischen Studenten neue E-Gitarre. Und während ich hier grade schwach, kraftlos und ohne Esprit (ich trage Schiesser) tippsele, höre ich „The Strokes“ – Under Cover of Darkness. Achten Sie mal auf den Gitarrensoli bei Minute ab ca. 2:51. Schön gelle?

Mir ist warm und mir ist kalt. Das alte Wrack was sich Körper nennt kann sich nicht entscheiden. Aber jetzt will ich noch ein wenig nach Büchern surfen. Inneneinrichtung. Farbenlehre. Wohnraumästhetik.

Schönen Abend noch!