Ulkige Bewertungen

Heute habe ich den „Acknowledge“-Button gedrückt. Damit gab ich elektronisch mein Einverständnis zu meiner persönlichen Bewertung im vergangenen Geschäftsjahr. Neben Punkte die man lediglich per Radiobutton vergibt / verklickt gab es auch Freitextfelder die der Lochkartenstanzer auch nutzte. Er schrieb so sinngemäß in eines solcher Felder dass ich man beobachtet hätte dass ich bei manchen Besprechungen und Meetings unkonzentriert sei und darüber hinaus auch dann und wann mal einschlafen würde. Und schrieb dann in ein anderes Feld, nämlich das für Verbesserungspotentiale, dass er sich wünschen würde ich wäre konzentrierter, ausgeschlafener und mehr bei der Sache und sowieso ein wenig motivierter. Tja!

Was der Lochkartenstanzer nicht witzig fand, war nämlich dass ich ihn ausgetrickst hatte. Denn normalerweise ist es so dass ich im gleichen elektronischen Formular zunächst eine Eigenbewertung abgebe, das wird dann an den Scheff gesandt und er gibt dann seinen Senf dazu. Dann wird drüber gesprochen. Und das ist dann so und wird festgezurrt.

Ich aber habe extra einige Felder leer gelassen und tat so dass ich die gar nicht gesehen hatte und bat ihn das Formular noch mal an mich zurück zu geben. Aber ich sah ja jetzt seine Bewertung und Kommentare. Konnte eine Nacht drüber schlafen / grübeln und hatte somit die Möglichkeit auf die Frechheiten noch mal ein zu gehen. Wie folgt, neben anderen Gedöns, und ich gebe das jetzt aus der Erinnerung auf Deutsch wieder, normal ist das alles in Englisch:

„Ich wundere mich dass mein Vorgesetzter ein Thema bei mir anspricht und öffentlich in die Bewertung einfließen lässt was eigentlich ein Thema für den Betriebsrat und/oder für den Werksarzt wäre. Wir wissen alle im Team und bekommen es regelmäßig mit dass Herr Lochkartenstanzer persönlich und Herr Scheffscheff und weitere namentlich bekannte Personen regelmäßig in Meetings unkonzentriert sind, auf ihren Telefonen herumspielen und ebenso ab und zu mal ein Nickerchen machen. Ich fühle mich gemobbt denn bei mir, im Gegensatz zu dem der diese Bewertung vergab, hat es bei mir medizinische Gründe. Antihistamin gehört zu meiner ärztlich verordneten Therapie und hat leider auch Nebenwirkungen. Das wissen die Herren und ich weiß aber auch dass sie eine solche Therapie nicht machen. Neben diesem offensichtlichen Grund möchte ich noch erwähnen dass die meisten Meetings unprofessionell vorbereitet und durchgeführt werden. Man muss zu Themen teilnehmen die gar nicht zum eigenen Fachbereich gehören. Zu den Basics gehört eine ordentliche Meeting-Planungskultur die grade in der Führungsriege nicht oder nur rudimentär vorhanden ist. Ich behalte mir vor diese Sache beim Personal- und Betriebsrat anzusprechen.“

Ich drückte den Button und das ist dann in Stein gemeißelt. Und es wird von den höheren Riegen gelesen. Und solche Kommentare sind dann auch vom Vorgesetzten nicht mehr änderbar. Die sind dann so.

Heute war ein sogenannter Town-Hall-Call. Ich ging in den VC-Raum, der Lochkartenstanzer stand wie abgestellt in der Tür rum, ich klopfte ihm auf die Schulter: „Aber nicht einschlafen, gelle?“ Aber ganz ehrlich gesagt, wenn man endlich mal eine ordentliche Sitz- und Kleiderordnung einführen würde und ich immer gegenüber unserer Teamassistentin sitzen könnte. Dann, ja dann – würde ich nicht mehr einschlafen. Ich könnte dann von unten freihändig an den Sitzungstisch klopfen.

Übrigens, so ist das bei uns in der Knochenmühle. Die Vorgesetzten werden nicht gerne selbst bewertet. Es gab mal ein vom HR-Department verordnetes 360° Programm bei dem man die Vorgesetzten bewerten durfte. Ich freute mich diebisch und nahm ausgiebig Gebrauch und benutzte auch die Freitextfelder. Denn Sie wissen ja sicherlich, Ankreuzkästchen werden elektronisch ausgewertet und dann, ja, dann ist das so. Aber die Freitextfelder müssen von Menschen gelesen werden. Das macht es interessant. Bitte machen Sie immer von Möglichkeiten Gebrauch in eigenen Worten Missstände aufzudecken. Die Gelegenheit ist meist selten. Und das Ergebnis ist immer vielversprechend. Im Ergebnis gibt zwei Möglichkeiten: 1.) Die Ergebnisse werden veröffentlicht, es rollen Köpfe und/oder Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein als sonst oder 2.) Es wird alles unter den Tisch gekehrt, man erfährt die Ergebnisse nicht und Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein und Sie werden Opfer von „Bossing“. Meistens tritt Fall #2 ein. Was ich schade finde. Aber.. Arschgeleckt!

Es war einmal ne Kümmelnuss

Er war nicht schwarz doch windig.
Dies eingedenk und fröhlich kümmelnd
ging sie durch den Westerwald
die dumme Nuss

Stapfte dumpf durch die Natur
sah Töpfe, Pfannen und Geschirr
heckte Streiche und roch die Soßen
den Nacken voller Schaber

Kreuz und überaus fidel sprang alsbald die Nuss
was Käsesahne werden sollte schmeckte nun
die Soß nach Kümmel und versteckte sich
erregt der kleine harte Lümmel

In hoher Hitze schrillt es grell heraus
Ich bin Muskat und nicht der Kümmel!
An harte Nüsschen denkend, mit wedelnden Händen
fichten wir sie raus.

Und es ging so schnell
kurzerhand landete sie im Müll
und ward nicht mehr gesehen
und schaute doof, die dumme Kümmelnuss

Leise hören wir noch Gebrüll
und lassen es uns schmecken, denn
da ist der Muskat, der gerieben
uns einen Pub erspart.

Currywurst bei Konnopke

Es pfeift bei heftigen Winden

Boah! Was ein Tag heute! Ich bin froh dass der schlimmste Tag der Woche rum ist. Das Wochenende noch in den Gebeinen muss man in der Knochenmühle montags topfit sein. Vor allem diese komische, wöchentliche Teambesprechung bei der man nur einschlafen kann. Die nennen das Tschurficks. Muss man sich mal vorstellen und auf der Zunge zergehen lassen..

Apropos „auf der Zunge zergehen lassen.“ Letzten Freitag ging ich nach der Arbeit hungrig einkaufen. Hatte keinen Zettel geschrieben und auch sonst keine Ahnung was ich kochen sollte. So erstand ich einen Sack Biokartoffeln und ging mit diesem heim. Und weil neben dem Sack Kartoffeln noch ein tiefgefrorener Bienenstich dabei war den ich nicht in das kleine Eisfach bekam musste ich in ebendiesen Platz schaffen und holte den Blumenkohl heraus. Yipieh! Abendessen erledigt. Kartoffeln und Blumenkohl. Was gibt es Besseres. Das kochte ich also. Als mein Abendbrot fertig war weinten meine kulinarischen Geschmacksnerven:

comp_img_9823Sah ja doch ein wenig fad aus, so dachte ich bei mir und erinnerte mich noch an eine Tube Ketchup die ich wohl noch irgendwo im Kühlschrank habe.

Am Wochenende hat sich irgendwas bei mir eingeschlichen. Mit plötzlicher Wucht bekam ich Nießanfälle. So 15-20 Mal hintereinander niesen kann anstrengend sein. Vor allem nachts wenn ein kleines, müdes Häschen neben mir schläft. Sie müssen sich mein Niesen nicht normal vorstellen. Es ist vielmehr eine Naturgewalt wo nicht nur der Rüssel und die Backen sondern auch die Bude wackelt. Und das dann andauernd. Irgendwie juckte mir dann noch der Gaumen, ich kitzelte mir der Zunge daran rum mit dem Effekt dass ich noch mehr niesen musste. Komisch. Die Trommelfelle juckten, nach dem Duschen umso mehr. Ging dann mit so Stäbchen rein und sorgte kräftig dafür dass der Reiz aufhört. Er hörte auf aber danach hörte ich nicht mehr viel. Bis zum nächsten Niesanfall nach dem ich mir kräftig die Nase putzte. Währenddessen entwich mir aus allen Öffnungen, Augen, Ohren, Nase, Mund, Po – nein, hihi, nicht aus dem –  laut pfeifende Geräusche, draußen flogen erschreckt die Amseln auf und plötzlich war wieder alles frei. Herrlich das Pfeifen! Herrlich wieder eine klare, leere Birne zu haben. Nase putzen. Empfehlenswert!

comp_img_9830Sie wissen dass ich gerne wandere? Aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache. Denn noch war mein Hunger nicht gestillt. Das was ich da bis jetzt gekocht hatte war ja schon toll. Kartoffeln selbst geschält und sogar noch ein wenig Blumenkohlwasser konnte ich retten bevor alles im Ausguss landete. Zwiebeln, die von der Linksfraktion, hatte ich auch noch und entschied mich noch mal kurz nach nebenan auf die Weide zu gehen. Da hat der Nachbarbauer noch Schweine und Rinder auf ökologischen Weiden – ich pisse und kotze dem ab und zu mal auf dem Nachhauseweg da hin. Besorgte mir ein Kilo Halb-und-Halb und jetzt kann doch was draus werden. Notiz an mich: Nicht hungrig einkaufen gehen. Nicht hungrig und mit dem Freitagsbürohemd auf Nachbars Weide gehen. Wird blutig. Dann erinnerte ich mich noch daran dass ich für einen gewissen Weltrekordversuch die geraspelten Rückstände meiner Füße aufbewahre. Ich muss sagen, riecht recht würzig. Da kommt kein Allgäu oder Frau Antje mit. An der ich tatsächlich schon mal roch. Brrr…

Was ein Tag. Es fing heute Morgen schon an als ich mir den linken Rücken verrenkte. Ich nahm ein frisch gewaschenes Duschhandtuch (ohne Weichspüler) und trocknete mir so ungelenk den Rücken ab das ich es schon merkte bevor es passierte. Knack. Schmerz der immer noch da ist. Ungefähr so wie es gewissen Damen aus dem Schwarzwald passiert die am Bildschirm denken ein Querformatfoto wäre ein Hochkantfoto. Tja! Doofer war es in der Knochenmühle die ausführlichen Kommentare des Scheffes bezüglich meiner Jahresbewertung zu lesen. „Unmotiviert..“, „lässt es an Teamgeist fehlen..“ und das Beste: „.. ist in Sitzungen und Besprechungen unkonzentriert und schläft ein..“. Ich habe dazu ebenfalls schriftlich Stellung genommen und werde zu geeigneter Zeit davon berichten. Jedenfalls bereitete ich mich nach dem ich diese Bewertung las auf die Teambesprechung vor, nahm mir einen Fenchel-/Baldriantee mit und hörte mir den Quatsch der Leute an und.. schlief ein. Ich träumte irgendwas von „selbsterfüllender Prophezeiung“ und wachte laut aufschnarchend, ruckartig auf. Der Asia-Kollege am anderen Ende der Videokonferenz gackerte wie ein aufgescheuchtes Huhn und bekam sich nicht mehr ein. Bis er meinen Blick sah.

comp_img_9845Jedenfalls war mein Blumenkohlauflauf sehr bekömmlich und reichte von Freitagnacht bis Montagmorgen. Dazwischen pfiff und knatterte der Wind durch meine Bude. Es gibt wohl einen Wetterumschlag. Heute Morgen wunderte ich mich. Gehen die Motten doch sogar an die Klamotten die man an hat!? Hallo? Hatte Löcher hinten in meiner Schlafanzughose und es roch komisch.

Man darf sich aber nicht zu lange bei wunderlichen Begebenheiten aufhalten. Dafür ist das Leben zu kurz. So freute ich mich grade darauf eine Flasche zu öffnen. Das heißt, ich versuchte. Normalerweise halte ich mit rechts und drehe mit links auf. Es gab noch nie etwas in meinem jugendlichen Leben was ich nicht aufbekam. Heute blickte ich meinem Meister von oben auf den Drehverschluß. Ich bin ja nicht blöd. Als Rechtshänder dachte ich mir, nimm einfach die rechte Hand. Die ist kräftiger. Aber nöö.. NÖÖ.. ging auch nicht. Dann fiel mir ein dass ich grade eben noch meinen Astralkörper mit fettiger Feuchtigkeitscreme eingeschmiert hatte. Nach dieser Erkenntnis und mit einem Handtuch kam ich an das köstliche Nass und kann Ihnen mit diesem nur ein fröhliches Feierabend-Prosit zurufen!

P.S.: Ich reibe ja gerne etwas Kümmel bei dem Kohl dran. Wenn aber das kleine, harte Ding in die Soße fällt, kann es sein dass man ziemlich viel kostbare Lebenszeit aufbringen muss um die harte Nuß zu finden und herauszufischen. Man möchte das Ding ja nicht unverhofft zwischen den Zähnen haben, nicht? Passiert mir übrigens grundsätzlich oft. Leider. Das reinplumpsen.

Handwerkliche Schönheitsfehler

Ich bin grade auf der Suche nach einer neuen Bleibe und schaue bei einem Immobilienportal so rum und entdecke ein Bude.

Man muss ja manchmal Abstriche machen. Über kleine Mängel hinwegsehen. Fugen nicht korrekt versiegelt oder die eine oder andere Kachel nicht ganz hundertprozentig im Lot. Aber was ich hier im Neuwieder Raum entdeckte – das schlägt dem Faß den Boden aus. Dat jibbet doch net! Wie besoffen können Handwerker sein? Seht selbst:

comp_2016-11-05-18_43_01-schoenes-einfamilienhausDa wird man doch verrückt wenn man mal muß! Da bekommt doch „Scheiß die Wand an!“ eine andere Bedeutung. Irre! Kleine handwerkliche Fehler..

Kann ich mal einen Rat haben?

Ob jemand mal einen Rat haben könnte. Von mir. Immer gerne. Mache ich. Ich nehme mir auch immer Zeit und gebe mir Mühe. Denn ich weiß dass die Jugend heutzutage nicht mehr die Ausbildung genoß wie es Dank Schröders widerlichem Programm ist.

So gehen die Jungfrauen und Jungmänner durch den Flur und landen am Ende des Wissens in meinem Büro. Sie fragen, ich antworte nicht sondern erkläre. Ich unterrichte, ich nehme mir Zeit und zeige und versuche alte Lerninhalte hervorzubringen, darauf aufzusetzen und dann Kniffe, schönen Code, elegante Lösungen vorzustellen. Ich nehme mir Zeit obwohl mir der Hals schwillt. Ich bereite manche, je nach Student, Inhalte vor und schaue, bewerte, helfe und gebe Anregungen. Immer mit Mitgefühl und Selbstkasteiung.

Wenn ich aber höre, und manche werden frech: „das weiß ich alles!“, oder wissen nicht die Zeit und Erfahrung zu schätzen die man ihnen schenkt und sie maulen: „war nicht die Frage, weiß ich doch alles, und überhaupt – warum das Ganze?“

Dann, ja dann gebe ich auf. Und werde streng. Kein Bock drauf. Ich denk mir, lass sie doch untergehen. Sie kennen noch nicht mal den Grund von Höflichkeiten. Wissen kein Eins noch mal Eins mal Eins haben aber einen Koffer dabei den sie aufreißen. Mit Schnütchen und vorwurfsvollen Blick, aufreizend ist das gespendete Studentenleben zu Ende. Tränen fließen groß wie Elefanten und stappen mit den Füßen auf den Boden: „ICH NEHM DIE LEHRE NICHT AN!“

Wem nicht geholfen werden will. Da investiere ich nicht und niemals nicht. Renn gegen Wände, ecke an. Lerne den Schmerz. Aber frag mich nicht noch mal nach Rat. Verarsche hatte ich schon – ich war auch mal jung und kenne die Kunst des Kriegs. Dann mach allein, was auch nicht schlimm ist. Denn das tat ich auch.

So long!

P.S.: Und es hat nichts mit dem Alter zu tun..

Placebo in Kölle

„Rock und schwul“ schrie der Leadsänger von Placebo in die Arena.

Einigermaßen vorgeglüht begab es sich letzten Mittwoch dass wir uns mit zwei Nestflüchtigen in Kölle trafen. Beide haben ihre Grundschulzeit beendet und machen nun als sogenannte Studenten in eigenen Buden Dortmund und Bonn unsicher. Um den Auszug der Vögel zu feiern und als Geburtstagsgeschenk für L., lud ich die Truppe zum Placebo Konzert in die Lanxess-Arena ein. Was mir, ehrlich gesagt, an einem Werktag überaus schwer fällt zumal ich am nächsten Tag das wichtigste Gespräch des Jahres mit dem Scheffe hatte. End-Year-Review und Definition der neuen Ziele. Da geht es um Kohle, Leute!

Die britische Band Placebo sind grade auf ihrer 20-jährigen Geburtstagstour unterwegs und können auf acht veröffentlichte Alben, wenn ich richtig gezählt habe, zurückblicken. Diese wurden kreativ und mit der unverwechselbaren Stimme des Frontmanns Brian Molko eingespielt und werden nun ausgiebig auf der Tour, davon vier Konzerte in Deutschland, mit Fans gefeiert. Wie gesagt, wir waren in der Lanxess-Arena dabei, welche für ihre saumäßige Akustik bekannt ist. Das sollte aber den Spaß im Vorfeld nicht mindern und im Nachhinein bewundere ich die Tontechniker die auch Unmögliches möglich machen können.

Knapp 13.000 Musikbegeisterte Placebo-Fans fanden sich erwartungsvoll geifernd schon Stunden vor Beginn des Konzerts in der Halle und auf den Rängen ein obwohl es doch in der Arena unzählbare Sauf- und Fressgelegenheiten gab. Zum Saufen beispielsweise gab es doch genug. Nämlich die Pissplörre Bitburger, die Kotzbrühe Gilden Kölsch sowie der letzte Scheißdreck König Pilsener. Drei Sorten Bier und man musste sich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Aber alles besser als was die Norddeutschen da fabrizieren und penetrant und exklusiv unter die Leute bringen. Nämlich das Becks, was man nur trinken kann wenn man Todessehnsucht hat oder sich Eitergeschwüre im Darm und der Kehle wünscht. Gut dass ich immer einige Portionen Wodka in meinen überaus gepflegten Festivalschuhen mit mir führe.

Das Programm sah wie folgt aus:

19:45 – 20:15 Uhr Support Act
20:40 Uhr Video
20:45 Uhr Placebo

Keine Ahnung wer oder was der Support Act war. Man hörte nichts. Weder von denen noch von den Gästen in der relativ großen Halle. Sanitäter sprangen umher um ohnmächtige Fans in die Notaufnahme zu bringen. Es stellte sich aber jedes Mal heraus dass die Leute einfach eingeschlafen sind und zu Boden sackten. Bis wir kamen. L. ist ja so um die 1,85 Meter groß. Der J. 2,45 Meter und hat sich beim Rudern den Zeh mehrmals gebrochen (was mich einigermaßen wundert). Der F. mit schlanken 205 cm erschrak nicht durch seine Größe sondern weil er mit seinen jahrelang trainierten, kräftigen und muskulösen Gittarrenhänden am Ende eines ausgemergelten Studentenkörpers aussah wie..Ja wie? Wie Oma immer sagte: „Gib dem Jung doch mal was zu essen..“ Ich selbst, Schwamm drüber. Vielleicht nur so viel, Leute wie mich lässt man als Stargast mit Hörnern durch die Gassen von Pamplona laufen. Also, wir waren gut gerüstet für einen netten Placebo-Abend mit Pogen, Moschpit, den anderen Leuten die Sicht versperren und mit allem Drum und Dran.

Wie war das Konzert an sich? Wie wurde die Placebo-Geburtstagsfeier? Schön war es. Echt! Die zwei riesigen Leinwände zeigten netterweise vor dem Konzert immer so Handy-Verbotszeichen an, was ich gut finde. Aber als es spannend wurde waren diese Verbotszeichen dann plötzlich weg was die versammelte Menge veranlasste während der gesamten Darbietung ihre Handys hoch zu halten. Blöd gemacht, na ja.

comp_img_9714-newNeben diesen zwei riesigen Leinwänden auf denen auch die höherpreisigen Ränge und VIP-Kabinen etwas mitbekommen konnten, gab es noch zehn kleinere Bildschirme die per Roboterarmen in alle Richtungen gedreht, geschwenkt, hoch, runter, weg und hin, gekippt und mit allem Pi, Pa, Po bewegt werden konnten. Sie wurden einzeln angesteuert wurden aber auch miteinander syncronisiert so dass un- und bewegte Bilder in erstklassiger Qualität für große Augen sorgten.

Ich war ja mal Betreuer für Suchtkranke gewesen. Da musste ich ab und zu mal die Musik von Placebo verbieten um Rückfälle zu vermeiden. Ich selbst bin da selbstverständlich ausgenommen. Ich nahm den Betreuten die CD’s weg und hörte sie selbst rauf und runter. Mit Dingens in den Ohren oder auch per Teufel oder Nubert. Sie, die CD’s bereichern jetzt noch meine Sammlung. Denn – sie wurden rückfällig. Auch ohne Placebo. Das nur als Nebenbemerkung. Für mich waren Placebo seit vielen Jahren Begleiter bei Höhen und in Tiefen. Bei Fun und bei Grummeleien. Rockig, sphärisch, nachdenklich gab es viele Songs die mein Herz gekreuzt hatten. Und wir erlebten ein Best-Of aus 20 Jahren Musikgeschichte einer Band die zumindest mir den ein und anderen Eye-Opener bereiteten. Zart, hart, mit großen Gesten und mit einer Vielzahl, dem Slapstick anmutenden, Gitarrenwechseln erwischte mich Placebo in einer Phase in der ich offener und feinfühliger wurde. Ich googelte grade danach und die besten Ergebnisse waren „Altersschwachsinn“.

Nee, war jut. Echt super! Kann man nicht meckern. Wie sagte da ein prekärer Zeitungsfritze aus der vermaledeiten WZ-Gruppe (Autor schrieb anonym ohne Kürzel und irgendwas)?

„Eigentlich eine schwere Pille, die Placebo da verabreichte, aber sie schlug doch an. Wirkstoff ist Sänger Brian Molko, der mit seiner fragilen Stimme Schmerz und Ekstase aus seinem dünnen Körper presst. Molko arbeitet das Liedgut nicht ab, er durchlebt neu. Je nach Atmosphäre der Songs tanzt der Frontmann sein Publikum verführerisch an, boxt mit seinem Spiegelbild oder sackt erschöpft in sich zusammen. Die Schauspiel-Ausbildung des androgynen Frontmanns, den seine Eltern lieber als Banker gesehen hätten, hat sich wohl ausgezahlt.“

Weil ich dieses Zitat nicht als Letztes stehen lassen will möchte ich, als Honk, Ihnen herzlich mitteilen dass ich Placebo jetzt das vierte Mal live erlebte. Die ersten beiden Male war ich nur am knoddern und machte Scherze über Schwule. Das dritte Mal war ich weniger besoffen und ein wenig älter und begriff langsam. Dieses Mal war für mich persönlich ein Erlebnis. Ich ließ es zu und genoss ohne Vorurteile. Denn ich habe dazu gelernt und lächerliche Brücken überwunden. Warum so spät, frage ich mich? Ich habe viel verpasst.

Möchten Sie was sehen? Ich habe ein paar Aufnahmen gemacht. Enjoy:

Pelz und Leder

Komisch wie der Tag heute anfing. Ein sogenannter goldener Herbsttag. Draußen ist es bunt und mittlerweile hat die Sonne einige Kälte der Nacht vertrieben. Die doofi Zeitumstellung tat ihr Übriges.

Schön und laut war der Abend. Mit an- und aufgeregter Unterhaltung, über Themen diskutiert die mir nur dank des liebenswerten Gesprächspartners in den Sinn kamen.

Nach einer verschlungenen Nacht, irgendwann schlummerte auch ich ein, erwachte ich erregt. Gut, das funktioniert also noch, zeigte mir die zu enge Schlafanzughose. Fröstelnd, ich vergaß zu Sandmanns Zeiten die Balkontür zu schließen, griff ich mir irgendein Oberteil und erwischte meine Lederjacke, die schon recht alt ist und dünnere Körper umschloss. „Neckig!“ murmelte ich leise lächelnd zu mir als ich am Spiegel vorbei ging und etwas baumelte. Dann, noch ein wenig dösig, nahm ich zunächst eine Latte. Hatte dann so ein pelziges Gefühl im Mund, putzte mir die Zähne und trank erstmal einen Kaffee.

Die Tasse halb leer lassend erschreckte mich der gänzlich leere Bierkühlschrank. Da ich sowieso noch tanken musste, öffnete ich erst eine Flasche Wein und dann den Deckel – vom Tank. Mit dieseligen Fingern ging ich zur Kasse und flötete und flirtete der überaus attraktiven aber prekär beschäftigten Dame „NUMMER 5, EINE FLASCHE WODKA UND DA HINTEN EINE KISTE VON DEM BIER!“ zu. Und sie tat.

Immer noch erregt, ich fragte sie warum sie so große Augen macht, rückte ich mir meine halb herabfallende Schlafanzughose zurecht, stieg in mein Teufelsmobil und fuhr wieder heim. „Leute gibt’s die gibt’s nicht“ fing ich an zu lachen als ich nach kurzem Pedaldruck die Tachonadel auf 50,5 sah. Uh – noch mal Glück gehabt, ich Schelm! Übersah ich da ein Eichhörnchen? Nee , nee, Eichhörnchen fahren ja kein Fahrrad und tragen keine Mützen, beruhigte ich mich.

Habe grade Pfefferminztee gekocht. Rein biologisch und voll Öko. Warum meine Drehfinger aber jetzt nach Maastricht riechen? Keine Ahnung..

Wenn euer Restsonntag so schön ist wie ich grade entspannt bin, dann stimmt mit ein zu einem himmelhoch jauchzenden „Halleluuuuuja, Halleluuuuja..!“

Halsschmerzen ohne Grund

Sie: Ich habe Halsschmerzen!

Ich: Warum? Du warst doch zu müde!?!

Das kunterbunte Kopfgeflecht

Es fällt bunt das Laub, ich rieche Erde, das Vogelzeug zieht weg und ich bin noch da. Noch da – und höre Bach. Ach!

Es begab sich das ein junger Knab‘ laufen lernte und mit großen Augen die Welt erblickte. Er fand sie grau und dumpf vor. Wie schöner wäre es mit ein wenig Farbe, nachdenkliche Strukturen, Gefühl ob schön innerlich nach außen gekehrt.., Hauptsache Gefühl zu spüren in einer Welt in der er sich lebendig weiß, wohl wissend, sehend dass des Menschen Mundwinkel nach unten zeigt – man angesichts der Traurigkeit verzweifeln kann.

comp_img_9424Ich war mal Papagei. Redete nichts und niemanden nach dem Mund hatte aber doch, ein buntes Gefieder. Ein Löwe, ja, der war ich auch schon mal. Immer müde, aber wenn man mich weckt ob des großen Hungers – nach Leben. Ein Paradiesvogel, schön anzuschauen, war ich ebenso. So sagt die Frau Bundeskanzlerin zu mir „Oh, wie interessant sehen Sie denn aus? Drehen Sie sich bitte für mich langsam herum und weiter herum.“ Nun in meiner blauen Phase, nachdenklich auf meiner Stirnlocke herumkauend, schaue ich mich um. Grau. Mausgrau. Mausmausgrau. Beton. Grau. Und färbe mir die Haare. Bunt wie ich mir die Welt wünschte. Rot, Blau, Grün, Gelb und alles mitten an, dazu mal Zottel, mal fein, ein Scheitel rechts, mal links, gezwirbelt und dann und wann mal gekreppt. Kennen Sie mich noch? Ich sehe anders aus als gestern, gelle?

Wer sind Sie denn? So Fragen hörte ich und stellte mich ihnen gegenüber. Antwortete stets „Ich bin es!“ Man kennt mich doch. Nicht? Farblos wird das Leben, wünsche mir die Rente. Wenn Sie es bisher schafften – alles nur ne Ente :-). Oder auch nicht.

Für immer Punk sagt der alte Baum. Ich halte durch, länger als ihr glaubt!