Ulkige Bewertungen

Heute habe ich den „Acknowledge“-Button gedrückt. Damit gab ich elektronisch mein Einverständnis zu meiner persönlichen Bewertung im vergangenen Geschäftsjahr. Neben Punkte die man lediglich per Radiobutton vergibt / verklickt gab es auch Freitextfelder die der Lochkartenstanzer auch nutzte. Er schrieb so sinngemäß in eines solcher Felder dass ich man beobachtet hätte dass ich bei manchen Besprechungen und Meetings unkonzentriert sei und darüber hinaus auch dann und wann mal einschlafen würde. Und schrieb dann in ein anderes Feld, nämlich das für Verbesserungspotentiale, dass er sich wünschen würde ich wäre konzentrierter, ausgeschlafener und mehr bei der Sache und sowieso ein wenig motivierter. Tja!

Was der Lochkartenstanzer nicht witzig fand, war nämlich dass ich ihn ausgetrickst hatte. Denn normalerweise ist es so dass ich im gleichen elektronischen Formular zunächst eine Eigenbewertung abgebe, das wird dann an den Scheff gesandt und er gibt dann seinen Senf dazu. Dann wird drüber gesprochen. Und das ist dann so und wird festgezurrt.

Ich aber habe extra einige Felder leer gelassen und tat so dass ich die gar nicht gesehen hatte und bat ihn das Formular noch mal an mich zurück zu geben. Aber ich sah ja jetzt seine Bewertung und Kommentare. Konnte eine Nacht drüber schlafen / grübeln und hatte somit die Möglichkeit auf die Frechheiten noch mal ein zu gehen. Wie folgt, neben anderen Gedöns, und ich gebe das jetzt aus der Erinnerung auf Deutsch wieder, normal ist das alles in Englisch:

„Ich wundere mich dass mein Vorgesetzter ein Thema bei mir anspricht und öffentlich in die Bewertung einfließen lässt was eigentlich ein Thema für den Betriebsrat und/oder für den Werksarzt wäre. Wir wissen alle im Team und bekommen es regelmäßig mit dass Herr Lochkartenstanzer persönlich und Herr Scheffscheff und weitere namentlich bekannte Personen regelmäßig in Meetings unkonzentriert sind, auf ihren Telefonen herumspielen und ebenso ab und zu mal ein Nickerchen machen. Ich fühle mich gemobbt denn bei mir, im Gegensatz zu dem der diese Bewertung vergab, hat es bei mir medizinische Gründe. Antihistamin gehört zu meiner ärztlich verordneten Therapie und hat leider auch Nebenwirkungen. Das wissen die Herren und ich weiß aber auch dass sie eine solche Therapie nicht machen. Neben diesem offensichtlichen Grund möchte ich noch erwähnen dass die meisten Meetings unprofessionell vorbereitet und durchgeführt werden. Man muss zu Themen teilnehmen die gar nicht zum eigenen Fachbereich gehören. Zu den Basics gehört eine ordentliche Meeting-Planungskultur die grade in der Führungsriege nicht oder nur rudimentär vorhanden ist. Ich behalte mir vor diese Sache beim Personal- und Betriebsrat anzusprechen.“

Ich drückte den Button und das ist dann in Stein gemeißelt. Und es wird von den höheren Riegen gelesen. Und solche Kommentare sind dann auch vom Vorgesetzten nicht mehr änderbar. Die sind dann so.

Heute war ein sogenannter Town-Hall-Call. Ich ging in den VC-Raum, der Lochkartenstanzer stand wie abgestellt in der Tür rum, ich klopfte ihm auf die Schulter: „Aber nicht einschlafen, gelle?“ Aber ganz ehrlich gesagt, wenn man endlich mal eine ordentliche Sitz- und Kleiderordnung einführen würde und ich immer gegenüber unserer Teamassistentin sitzen könnte. Dann, ja dann – würde ich nicht mehr einschlafen. Ich könnte dann von unten freihändig an den Sitzungstisch klopfen.

Übrigens, so ist das bei uns in der Knochenmühle. Die Vorgesetzten werden nicht gerne selbst bewertet. Es gab mal ein vom HR-Department verordnetes 360° Programm bei dem man die Vorgesetzten bewerten durfte. Ich freute mich diebisch und nahm ausgiebig Gebrauch und benutzte auch die Freitextfelder. Denn Sie wissen ja sicherlich, Ankreuzkästchen werden elektronisch ausgewertet und dann, ja, dann ist das so. Aber die Freitextfelder müssen von Menschen gelesen werden. Das macht es interessant. Bitte machen Sie immer von Möglichkeiten Gebrauch in eigenen Worten Missstände aufzudecken. Die Gelegenheit ist meist selten. Und das Ergebnis ist immer vielversprechend. Im Ergebnis gibt zwei Möglichkeiten: 1.) Die Ergebnisse werden veröffentlicht, es rollen Köpfe und/oder Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein als sonst oder 2.) Es wird alles unter den Tisch gekehrt, man erfährt die Ergebnisse nicht und Ihr Vorgesetzter wird irgendwie anders sein und Sie werden Opfer von „Bossing“. Meistens tritt Fall #2 ein. Was ich schade finde. Aber.. Arschgeleckt!

Ein Gedanke zu „Ulkige Bewertungen

  1. Das Peter-Prinzip
    oder:
    Die Hierarchie der Unfähigen
    Das Peter-Prinzip, so genannt nach seinem Erfinder Laurence J. Peter, beschreibt die Gesetzmäßigkeiten, die die Ursachen sind für die in aller Welt herrschende Unfähigkeit im öffentlichen Leben, in jedem Beruf. Es bietet eine komplette Diagnose der Unfähigkeit, liefert dazu aber auch die Therapie – in satirisch-ironischer Form, aber immer auf dem Boden der Tatsachen.
    (..)
    Kommentar des Red.: Hier musste ich eingreifen weil Herr Flötenkönig seitenlange Texte hier reinkopiert hat. In Kürze und mit meinen eigenen Worten: Meine Chefs sind an ihrer oberen Grenze der Unfähigkeit angelangt.
    Das Phänomen der Unfähigkeit

    Unfähigkeit können wir überall beobachten. Es gibt unfähige Lehrer, unfähige Richter, Beamte, Handwerker, Ärzte oder Manager. Unfähigkeit ist nicht auf einen bestimmten Beruf beschränkt. Dabei erwecken unfähige Menschen, besonders wenn sie auf einer höheren Stufe der Hierarchie stehen, oft den Eindruck, als ob sie stets genau wüßten, was sie tun und daß sie stets das Richtige täten.

    Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest, daß sie keine Ahnung von ihrer eigentlichen Aufgabe haben und sich in Nebensachen verlieren oder daß sie grandiose Fehlentscheidungen treffen, die oft genug nur deshalb nicht zu ihrer katastrophalen Wirkung kommen, weil der unfähige Chef fähige Mitarbeiter hat, die seine Entscheidungen in die richtigen Bahnen lenken, ohne daß er es merkt.

    (Anm. d. Red.: und jede Menge weiterer Text gelöscht ..)

    … bleibt die Frage was Peter heute mehr als zwei Jahrzehnte später zu den Handy’s eingefallen wäre.

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