Ich kenne das Märchen „Von Einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ schon sehr, sehr lange. In meiner frühen Kindheit las ich die Geschichte immer und immer wieder – es gab noch keine Horrorfilme.
Weggeschickt von daheim, alleine in der Fremde – Kümmerer waren damals Tanten, weiß gekleidet. Zweimal die Woche, Onkel Doktors – ebenfalls so gekleidet, erhielt ich Besuch. Wenigstens etwas. Meine kleine Seele, ich, war immer soweit weg von daheim. Mir fehlten Mami, Papi, meine Geschwister. War so klein und wusste nicht mehr woher ich kam, wo meine Wurzeln sind, wer meine Freunde sind. Falls sich jemand anschickte sich mir zuzuwenden, redete ich, froh über die Aufmerksamkeit, die Leute mit „lieber Onkel“, „liebe Tante“ an. Und verbarg mich, meine Haut – mich, weil ich fürchtete, dass sich die Leute ekeln.
Als ich einmal nach 6 Wochen heimkam, mit meinen kleinen Händchen die kleinen Köfferchen hielt, mit allem was ich brauchte – kleine Schlafanzüge, kleine Unterwäsche, viele Medikamente, Verbandsmaterial und von den Tanten und Onkels selbstgeschriebene Wünsche „Lieber Kleiner, mach es gut!“ – lief eine fremde Frau auf mich zu und erdrückte mich auf dem Bahnsteig in Bonn oder Köln. Ich sagte nur: „Tante, das tut weh.“ Es war meine Mama, die ich nicht mehr wiedererkannte und ich musste auch sonstige Bindungen wieder erlernen.
„Stark“ wie ich war, mit sechs oder sieben Jahren, die Welt gesehen und raus aus dem Gulli, war ich mal wieder da. Und freute mich schon auf den nächsten Krankenhausaufenthalt. Wenn ich mich recht erinnere hatten meine lieben Geschwister zu meiner Weihnachtsheimkehr bereits meine Geschenke ausgepackt und damit gespielt. „Schau mal, Kleiner, haben schon alles aufgebaut.“
Die Natur hat mich damals nicht sterben lassen. Grausam wie sie ist. Sie deutete meinen Tod wiederholt an und irgendwie, auch Dank Martin und anderer Menschen, bin ich noch hier. Und was kann ich sagen? Ich gruselte mich nie. Außer wenn ich starb. Dann flippte ich aus. Egal wie klein und dünn und schwach ich war. Ich schrie, ich zerstörte mit meinen kleinen Fäustchen die Wohnungseinrichtung. Haute Dellen in den Badewannenrand mit meinem verstörten Köpfchen, die Alpträume waren so schlimm, dass mein seichtes, diesseitiges Ich keine Schmerzen verspürte – übertrat ungewollt mehrmals die Schwellen. Ich war wohl damals noch nicht bereit für den Tod.
Im weiteren Verlauf, ich lebte noch und jeder wird ja mal älter, wunderte ich mich nur und sah die Welt nur noch, wie soll ich das beschreiben? Sarkastisch? Komisch? Ich bin der Schwellentyp? Der schon mehrmals auf der anderen Seite war? Up and Downs? An dieser Stelle fängt mein fieses Grinsen wieder an. Weiß nicht warum. Leute fragen mich warum ich so bin. Nicht warum ich bin.
Dieser Text sollte eigentlich einen anderen Hintergrund haben. Aber die kleinen Finger tippseln so vor sich hin und die Maushand schickt es ab.
War Kafka ein verzogenes, verwöhntes Kind?
Ein Fragment in welche Richtung dieser Blog gehen sollte: „Und höre heute zu wenn meine Liebste draußen, zu später Abend- und Nachtzeit auf der Terrasse eine Ziggi zu sich nimmt und mir dann irgendwann Mal erzählt wie sehr es sie da draußen gruselte. „
Es begab sich im September 2017. Ich stand wie der Ochs vorm Berg und schaute einen Wegweiser an. Linker Hand ging es zu einem Rock-Konzert, Rechter Hand – na, Sie sehen schon.
Wenn aber ein Klo-Besuch das gleiche Geld kostet wie das Rock-Konzert, hmh.. Erwartet mich dort ein schönes Extra? Vielleicht eine Schachtel mit sieben Sinnenfreuden, serviert von der Dorfjugend? Oder entscheide ich mich für den Pfeil nach rechts? Was erwartet mich da für das gleiche Investment?
Rocknacht Mobilization
Wie hätten Sie entschieden?
Ich für meinen Teil sicherte mir für mindestens 16 EUR beide Optionen.
Hach, ich liebe vögeln! Ähm, Vögel meine ich. Hier am Arsch der Welt kommen sie gut durch den „Winter“. Bei mir gibt es kein Katzencontent. Hier wird gevögelt. Mal sehen wie oft ich das noch schreiben kann. Vögeln, vögeln, vögeln. Hihi..
Bei so viel Rumgevögel, ich meine Ihre geschätzte Geduld, gibt es auch noch was für die Augen:
Süß, die Blaumeise, gelle?
Möchten Sie noch was? Vielleicht mal ein Gruppenfoto von Blau-, Sumpf- und Kohlmeise? Wobei letztere ja eher ein Fotobomber ist:
Wissen Sie woran mich da die Knödel im Sack erinnern? Ach, ich hör jetzt auf.
Leute! Heute ist für mich ein glücklicher Tag! Ach! Was sage ich? Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie – meine Kinder, meine Ex-Frau, meine Jetzige-, meine Freunde, meine Verwandten – die Nachbarn! Ich erhielt nämlich grade von der Knochenmühle eine wunderbare Nachricht – in einer fremden Sprache, sorry:
„We are pleased to inform you that your annual gross salary will be increased..” und weiter: “Thank you for your hard work and commitment through a challenging year..”
Ich habe direkt und ohne groß darüber nachzudenken den lokalen Festausrichter engagiert der gleich Champagner und Gedöns auffährt, eilte zur Bank und habe einige, EINIGE, Scheine gezogen für die Geldscheinkuverts meiner Lieben und per großzügig versicherte Wertpakete auf die Reise geschickt. Jetzt sind schon fast alle Nachbarn und sonstige Leute da, die sich mit mir freuen wollen. 87 Leute haben sich auch noch angekündigt um mit mir die frohe Botschaft, meine Gehaltserhöhung, zu feiern.
Ach, wie wunderbar ! Wir schunkeln und singen gemeinsam: „Sooo ein TAAAG! So wunderschön wie heute..“
Verdammt, was ist das denn? Scheiß Mathe! Bin ich blind? Haben die da einen Rechenfehler? Kann ja jedem Mal passieren. Aber die Region sollte doch irgendwie stimmen. Sehe ich das wirklich richtig? 0,7625 EUR Gehaltserhöhung pro Arbeitsstunde? Und das auch noch Brutto? Die Hälfte geht davon noch ab?
Ich breche zusammen! Habe ich heute an diesem herrlichen Sonnentag zu viel an den Margariten geschnüffelt?
Ich mag die derzeitige politische Lage in der Bananenrepublik nicht mehr verfolgen. Das wollte ich schon seit Jahren nicht mehr. Doch heutzutage ist es noch mal schlimmer. Wie das Damoklesschwert hängt seit Monaten wieder die GroKo über meinen Kopf. Die Wendehälse, Volksverbrecher der SPD und allesamt, die korrupten Geier, das menschenfeindliche Politikervolk – so dumm wie Stroh, so kriminell wie ehedem.
Doch einsam auf dem Land da blinkt ein kleiner Stern, noch hoffnungsfroh. Wie ich darauf komme? Na, beim aufräumen fällt mir grade das letzte Wahlergebnis (Zweitstimmen) in die Hand. Und was meinen Sie? Wer ist da das hellste Licht im kleinen, beschaulichen Zehnhausen?
Kennen Sie den Song „Yellow River“? Ist schon ein wenig älter. Jedenfalls saßen wir an der Kaffeetafel und im Radio wurde dieses Lied gespielt. Ich schaute meine Kaffeetante mit hochgezogenen Brauen an und fragte: „Naa?“ „Weißt Du worum es in diesem Lied geht?“ „Naahaaa?“ Irgendwann fing Sie an zu lachen. Mein stilles Grinsen brodelte schön länger und bahnte sich wie ein ausbrechender Vulkan in ein irres Gelächter seinen Weg. Anmerkung an mich: Was hat Rotwein auf der Kaffeetafel zu suchen und wer putzt den Boden?
Nach dem Gröhlen, niemand verstarb, wir röchelten noch ein wenig. Yellow River! Brrrr.. Bevor es wieder ernst wurde.. Die Kaffeetante zu mir bei ebenjener Gelegenheit: „Das erinnert mich an den Schwulen. Den mit dem Bart.“
Ich: „Was? Wer?“
Sie: „Na, da hast Du mir doch damals auch eine Erklärung zu dem Song gegeben. Ich komme nicht drauf! Aber er singt Englisch.“
Ich: „Adolf Hitler?“
Sie: „Ach was!“
Ich: „Aber der hatte einen Bart. Und Englisch konnte der Ösi wohl auch.“
Sie: „Warte, warte – er liegt mir auf der Zunge..“
Ich: „Elton John?“
Sie: „Ich glaube Du verwechselst Bart mit Brille.“
Ich: „Queen?“
Sie: „Nee, nicht die Queen.“
Ich: hihihi..
Ich: „Rock Hudson?“
Sie: „Nee, zwischen Rock Hudson und Elton John.“
Ich: „ZZ Top?“
Sie: „Neeeeeheeee!“
Ich und Sie: „..“
Sie: „Ja! JAHA! ICH HABS! Frank Zappa!“
Ich: „Öhm, der war doch nicht schwul.“
Sie: „Ach Gottchen, Süßer.. Hast Du mal den Song Bobby Brown gehört?“
Ich: „..“
auch wenn es schon ein paar Tage her ist, möchte ich euch nicht ein paar Impressionen vorenthalten. Schon traditionell laden New Model Army zum Weihnachtskonzert in Kölle ein. Ich hatte mit dem Neff, little Panda und dem jungen Rockstar adäquate und überaus nette Begleitung.
Was es zum Konzert zu sagen gibt? Suchen Sie hier im Blog, Sie werden genügend Berichte finden. Es war wie immer Großartig! Justin und die anderen hatten diesmal eine weibliche Begleitung. Mannomann, ich kann euch sagen – die hat uns vielleicht einen gegeigt!
Es gab drei Zugaben, wobei wir bei der dritten Zugabe, ich dachte jetzt wäre endgültig Schluss, bereits draußen waren und die erste Ziggi genossen. Rucki-Zucki schnell noch mal rein um die Hymnen Purity, 51st State und Stupid Questions zu erleben (wenn ich es recht in Erinnerung habe). Die Halle und dessen Insassen kochte und brodelte als Justin und Friends zornig, menschenfreundlich, liebevoll und wieder mal augenöffnend etwas darboten was einmalig ist und einen ins Herz trifft.
Immer wieder gerne! Da kann man ein ganzes Jahr von zehren. Freue mich schon wieder auf Dezember. Wir sehen und hören uns!
Anbei ein paar Impressionen. Mein Standort war nicht so wunderbar für Fotos. Aber wer ist denn schon fürs Bilderknipsen da?
Letzte Woche Donnerstag war es stürmig. Sogar das neue Knochenmühlengebäude (Kiezi würde Borgwürfel sagen) heulte, schrie und wackelte, die Insassen (Matla) verrichteten ängstlich ihre Dinge. Ich war auf den Nachmittag fokussiert. Denn ich nahm mir vor auf Heidis Beerdigung zu gehen. Heidi ist die Mama einer Freundin. Ich kannte sie nicht gut, habe sie aber doch noch feuchtfröhlich in akzeptablen Alter kennenlernen können. Wir haben zusammen gelacht.
So schaurig grausam sich die Welt an diesen Tagen offenbarte, so war ich zunächst nur froh, dass ich noch in meinen dunklen Anzug passte. Die Trauerfeier selbst wurde von einem indischen, katholischen Pfarrer geleitet. Es war sehr bewegend. Mir kamen oft die Tränen. Auch wenn es manchmal vor Schmerzen war. Denn dieser Pfaffe hatte einen so lustigen Dialekt – ich musste mir manchmal das Lachen verkneifen. Und das tat weh. Aber die Inhalte hat er gut rübergebracht. Ich bin bei diesem Thema ja kein Neuling. War jahrelang ein Neuapostolischer Bruder gewesen und bin deswegen der Bibelkunde und den Gedanken über das Hier und dem Jenseits wohl vertraut. Es war schön und Heidi hätte es gefallen.
Während die Haare der Trauergäste noch im Wind flatterten und Friederike sich immer noch aufbäumte, sich gebärdete wie ein Abklatsch der Trompeten von Jericho, dachte ich über mich und meine Lieben nach. Ja, auch über die Hölle und über den Himmel. Aber nur theoretisch. Ich möchte niemanden irgendwelche Illusionen rauben. Ja, es war dem Anlass entsprechend der Zeitpunkt über mich, über meine Angehörigen und Freunde und über die vergängliche Welt nachzudenken..
Charlie
Am Montag erfuhr ich zufällig aus dem Web (Danke Altautonomer, Pantoufle, Stefan Rose..) dass Charlie plötzlich verstorben war. Und zwar an ebendiesen Donnerstag den 18.1.2018. Und zwar am gleichen Tag als Friederike so ein unbändiges Mädchen war und ich auf einer Trauerfeier in mein Innerstes blickte und so auch allgemein wenig Licht am weltlichen und geistigen Horizont sah. Oh weia!
Charlie kannte ich seit vielen Jahren. Nein, ich kannte ihn nicht. Ich kannte seinen Blog. Das Narrenschiff. Und er war der Kapitän und wusste sehr genau den Kurs. Er öffnete mir oft die Augen mit seinen Texten. Er war gebildet. Er war zornig. Er war arm und doch so sehr reich mit seinem Blick auf die furchtbaren Missstände die unsere Welt regiert, die Menschen verwaltet als Sache. Er war mittendrin in einem menschenverachtenden System gegen das er mit Verve kämpfte, schrieb, brüllte, weinte und oft nicht mehr den Glauben auf Besserung hatte. Nein, ich glaube er war nicht hoffnungslos. Denn ansonsten hätte er uns nicht über all die Jahre unermüdlich und unerbittlich die Augen und die Ohren geöffnet und uns immer und immer wieder gezeigt wo der falsche Hase langläuft. Kurs auf das Riff. Mit Mann und Maus wird untergegangen und das Schlimme, jeder weiß es. Charlie – „Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.“ Die Suche fand ein einsames und plötzliches Ende an einem stürmischen Tag in der Nähe eines Krankenhauses. Wies man ihn ab? Suchte er mit letzter Kraft Hilfe und schaffte es nicht mehr dorthin? War wieder mal das vom Harz-Regime erbettelte Geld zu wenig um ein Taxi zu rufen um ins Krankenhaus zu kommen? Hatte man ihn, was wahrscheinlich ist, jegliche Existenzgrundlage gekürzt, dass er noch nicht mal um Hilfe rufen konnte?
Charlie, mein lieber ungekannter Freund. Das Menschenverachtende Regime war zu stark und Du bist ein Opfer. Deine Texte sind nicht ungelesen, Deine Gedanken sind in unseren Herzen. Auch neben der Bloggerszene – wir, es werden Dich viele Menschen, Deine geliebte Ex-Freundin, die Gemeinde der Du als Organist immer wieder Freude und Seelenheil mit Deinem Orgelspiel spendeste, Deine Familie die manches nicht verstand, und alle anderen Deiner Gefährten die das Glück hatten Dich auf Deinem Weg zu begleiten. Wir werden Dich für immer in unser Herz schließen.
Und ich, der es nie verwinden kann, auf Deinen letzten Brief „aus Zeitgründen“ nicht geantwortet zu haben. Der das nicht mehr ungeschehen machen kann, bin stolz und glücklich Dich gekannt zu haben. Du hast mir viel gegeben und ich so wenig. Warte Charlie, ich antworte noch. Du bekommst noch eine Antwort und fürchte mich vor: „Diese Nachricht konnte nicht zugestellt werden.“. Dann drucke ich es aus und lege es in Deine letzte Heimstatt.
Ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen und so furchtvoll wie man nur sein kann im Angesicht der letzten Tatsache, wie alleine man zuletzt doch ist. Ein lieber, großer, starker, feinfühliger und netter Mensch ist von uns gegangen. Wer übernimmt jetzt den Job des Kapitäns?
Dein Schirrmi
P.S.: Wir haben uns über Rio Reiser, über Ton Steine Scherben, The Bates mit dem armen Zimbl, über Klassik und Hard Rock ausgetauscht. Du hast die erste offizielle CD meines Sohnes von mir erhalten (neben inoffiziellem): „Mobilization“. Ich hoffe das folgende Stück hätte Dich nicht gestört. Reinhard Mey. Das Narrenschiff.
Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
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