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Der wunderliche Harz

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Mammutbäume kuscheln

Ein Tausendsassa war der Goethe. In der ganzen Weltgeschichte unterwegs, zu hohen Ehren gekommen und seines Zeichens Drückeberger. Er drückte sich vor der Arbeit und ging lieber spazieren – wie ich. Grade der Harz hatte es ihm angetan. So kommt man nicht umhin an allen möglichen und unmöglichen Stellen an ihn zu denken. Denken kann ich aus jahrelanger Praxis und Arbeitsverweigerung vermeiden, aber auf Schritt und Tritt sind irgendwelche Goethe-Tafeln angebracht. Hier hat G. geschissen. Hier ging G. mal entlang. Hier hat G. mal gegessen. Da hat er mal gepisst. Dort genoss G. mal eine Aussicht. Da hat er gepimpert oder auch nicht was ihn furchtbar traurig machte. Hier hat G. sich eine Backpfeife abgeholt. Dort seine Schuhe besohlen lassen und hier einen Furz gelassen. Nervend manchmal.

Wenn man so wandert braucht man nicht viel. Gut, ein Batteriebetriebener Reise-Fön für die wunderbare Tolle im Rucksack kann mitten im Wald ganz nützlich sein. Oder haben Sie schon mal Steckdosen im Wald gesehen? Hallo? Ansonsten brauche ich echt nicht viel beim Wandern. Ein kleiner Rucksack mit dem aller-aller-aller-Nötigsten auf dem Rücken sorgt für schnelle Anstiege. Dennoch, auf ein wenig Komfort möchte ich auch in der Wildnis nicht verzichten. Denn falls mal der kleine Hunger kommt, ist man froh ein paar Dr. Oetker Bistro Baguettes und/oder Flammkuchen dabei zu haben. Deswegen habe ich, soviel Komfort muss sein, einen solar betriebenen Minigrill dabei. Mit Umluft – wichtig! Jetzt kann man überlegen ob das nicht meiner Maxime, leicht ist schnell ist mühelos entgegensteht. Sie haben Recht. Deshalb entschied ich mich für den Minigrill ohne Umluft und greife in meiner jahrelangen Survival-Erfahrung für, zugegeben, menschliche Methoden zurück. Also, für ein gleichmäßiges Bräunungsergebnis springe ich während des Grillvorgangs um das Teil herum und pubse es von allen Seiten an. Umluft! Tja! Gewusst, wie!

Wandern ist billig, ist preiswert, kostet fast nichts. Einfach die Wanderschuhe an, ich bevorzuge hier von Kinderhand genähtes Jak-Leder aus dem hohen Himalaja, und los geht’s von drinne noch drusse. Mehr braucht es nicht. So einfach. Nun ist es, und ich könnte Ihnen da ein paar Stories vom Appalachian-Trail erzählen, sogar mein langjähriger Praktikant Rüdiger Neberg verzichtete wenn es ging, nicht auf gewissen Komfort.

So begab es sich also dass ich nicht online auf den Hauptwilderness-Portalen (HRS, Booking-dot-com) für einen Zwischenstopp mit Dusche buchte sondern ich nahm das Satellitentelefon und rief schlicht an. „Moin!“ „Bin da und da prekär unterwegs.., blabla..“ „Nur eine Dusche mal, blabla..“. „Muss nichts kosten, yeah ya…“. So in der Art konnte ich eine supercomp-harz_img_9106-Unterkunft mieten, die kostengünstig aber doch ein Hauch von Ursprünglichkeit besaß. Die prekären Hotelagenten wiesen noch mal darauf hin dass der Preis einen Haken hat. Es würden Holländer in der Nähe übernachten und das mitten auf dem Parkplatz. War aber nicht schlimm. Als ich nachts von der richtig anstrengenden „Liebesbanktour“ kam klopfte ich und rief laut an die Wohnwagen ob noch ein wenig Superskunk für einen müden Wanderer vorhanden sei. Wir neckten uns dann noch ein wenig, ein Wort gab das andere und die Holländer wollten mal sehen wie Fußball gespielt wird. Schön finde ich das. Völkerverständigung. Dass die Käsköppe nicht den Schädel wegnehmen können wenn ich einen Fallrückzieher mache – na ja, gut. Schwamm drüber. Irgendwer wird das Gemansche wohl wegputzen.

George Clooney. Er war da und noch viele andere aus den verschissenen USA. Hollywoodschauspieler waren da mitten auf dem Hügel und drehten. Sie drehten und ich drehe am Rad wenn ich die Werbung für eine zugebenermaßen schöne Hütte erblicken muss. George war also da im Harz, nahe Goslar und drehte und aas und schiss und pisste und drehte. Ich war jetzt auch da. Toll! Ich lasse mir die Haare grau wachsen, lege mir Kuhaugen zu und schlüpfe in Militärklamotten. Und was die Besitzer und Angestellten dieser „George Clooney-Alm“ so stolz waren umso mehr widerte es mich an. Zumal der Stempel HWN111 abgeschnitten wurde und ich den selbigen nicht in mein Wanderstempelheft stempeln konnte.

Die Alm! Die „Steinberg Alm“ (zum Rösner). Norddeucomp-harz_img_8959tschlands schönste Alm! Ich war da und hatte Kontakt mit den Sennerinnen und dem Fraß gutbürgerlichen Mahlzeiten. Nur was ich seltsam fand, Plakate hingen überall und warben für eine Ossi-Party am 3. Oktober. Vielleicht bin ich geometrisch ein wenig unbedarft, aber was hat Goslar mit Ossi zu tun? Und wenn es so wäre? Was hat das mit bayerischer Speisekarte zu schaffen? Und warum hängen tote Tiere über dem Abendmahl? Und warum muss man als „Event“ auf dem Klosett frühstücken?

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Machen Sie das Bild groß wenn Sie wissen wollen was ich meine..

Mächtig fand ich die Hinterlassenschaften der Eingeborenen. Denn, ich weiß zwar nicht warum, sie hängen die Hosen von Hinterbliebenen im Gastraum auf. Und was muss ich sagen? Die waren offensichtlich gut bestückt.

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comp-harz_img_8920Kennen Sie den Pinkel-Prinz Ernst-August? Ein rüder und unzivilisierter Geselle. Aber ich musste schon schmunzeln als ich die Prinzenlaube erwandern wollte (Stempelstelle 105). Denn die Wegmarkierung dieses versoffenen, blaublütigen Raubritters erschloss sich mir erst nicht, beim Nachdenken über ihn aber sehr wohl. Der Heimweg ist immer länger als der Hinweg, gelle?

Prost der Herr!

Elegant entspannte Baummaulwürfe

Das kalte Kotzen kriege ich! Plack, kriege ich! Wenn ich auf dem gleichen Fleck Armut, Elend und Tod einhergehen sehe mit Dekadenz und nimmermüden Wellnesstrip. So erlebt, die Tage..

Schön sehen sie aus. Nein, nicht Sie! Ich meine die Feuersalamander. Und als Nicht-Biologe kann ich die unterschiedlichen Tiere der gleichen Gattung nicht auseinander halten. So nenne ich sie alle schlicht „Fridolin“. Der Fridolin oder besser, die Fridolinen waren 2013 recht oft und lebhaft unterwegs, dann aber im Jahr 2015 in Massen verstorben auf den Wanderwegen zu sichten. Platt, verendet, die Gedärme von innen nach außen und mit allem Drum und Dran.

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Diese lustig und wunderlich gemusterten, toten Burschen machten ein Jahr später Platz für eine optische Kakophonie von toten Feld-, Spitz-, Hausmäusen die in einer unaussprechlichen Vielzahl, graugemustert und mit hoffnungslosen Knopfaugen in die Höhe starrend auf den Wegen lagen.

 

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Zermatschte Schnecken, deren zerknirschte Gehäuse, platt getrampelte Schlangen, Eidechsen und Trilliarden von widerspenstigen, aber am Ende doch zerknackten Käfer – welche grade noch ein paar Scheißhäufchen rollten, lagen da am Boden. Andächtig wandere ich wie auf einem Maushindernispfad, die Schleiereule, recht versteckt im Wald schaute uninteressiert zu und wartete auf die Dämmerung. Von oben krächzt der Bussard, das Rehwild macht sich rar. Rechts stand ein Baum und links stand ein Baum. Und in der Mitte floss ein Bach. Ach!

„Fridolin“ so sprach ich ihn an. „Da liegst und rührst Dich nicht. Mit einem Bein ab – ein Auge ausgehöhlt. Und stellst Dich tot. Du machst es gut. Hast meinen schweren Schritt auf dem Wanderweg gespürt. Bleib liegen und ruf Deine Familie um das Bein abzubinden, das herauslaufende Augengel mit einem Eichenblatt abzuwischen.“ Alles gut!

comp_cg6a2528„Frau Spitzmaus, das wissen wir doch alle.“ „Bist Du nicht mehr da, stirbst nicht nur du sondern die ganze Brut. Einpaarundzwanzig an der Zahl, die ganze kleine Babyschar.“ So sehe ich dich zittern und wäre ich ein Habicht, du ernährest meine Kinder. „Sei klein und versteck dich in dem Gestein, sei eins in Grau und Grau. Sei unsichtbar und rühr dich nicht.“ Und hoffe..

„Der lustige und unerschrockene Harzer Baummaulwurf“

Er hat im jahrhundertelangen, sportlichen Wettstreit gelernt sich aus dem dunklen Erdreich auf die Bäume emporzuarbeiten. Nur die Besten der Besten haben zeitlebens jemals das Tageslicht erblickt und die lichten Höhen der Baumkronen erklommen. Nur die Mutigsten und Stärksten, an Wagemut reich mit felsenfestem Freiheitswunsch kämpften sich heraus aus dem dunklen, feuchten Erdreich nur zu einem Zweck: Ein Baummaulwurf zu werden.

Eine stolze Untergattung entstand in gefühlt, ewiglangen Jahren. Da oben in den Bäumen hangelten sie sich von Ast zu Ast, sprangen von Baum zu Baum und eroberten die Welt oberhalb des Erdreichs, der dunkel, feucht und ohne Licht den blinden Vorfahren ihr karges Auskommen sichert.

Nicht genug ihr Selbstbewusstsein oben in den Bäumen. Die Tapferen stiegen herab und legten sich rücklings auf wärmenden mit kleinen Kieseln und Moos bedeckten Boden- um unerwartete Wonnen zu erspüren. Die Sonne, kribbelnd und wärmend auf dem kleinen, dicken Bauch. Andere behängen Ihren Körper mit dem glitzernden Familienschmuck, fühlen grenzenlose Macht ob ihren königlichen Stand in der freien, hellen Welt. Smaragde, Rubine – nur hier unten bin ich der Baummaulwurfking!

 

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Von ganz weit weg hörten sie ein Grollen. Langsam kam es näher, die belebenden Sonnenstrahlen auf ihrem Bauch, das Geräusch. Doch Eigensinn macht stark. Es kommt näher, von unten klopft es, schrillende Warnungen zuhauf: „Mein Freund, das ist nicht Deine Welt – komm zurück!“.. Ach denkt er faul – „.. das unterirdische Volk!“

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Gute Nacht!

Höflichkeit kommt weiter– auch in der Natur

Was mir meine Oma schon damals gelehrt hatte, Höflichkeit kommt weiter. Und das kann ich immer noch bestätigen. So wie letztens als ich vom Carlsturm abstieg und durch das landschaftlich überaus attraktive Dammbachtal zurück nach Trautenstein spazierte.

Es ging ein wenig abwärts. An diesem Tag hatte ich noch keine andere Menschenseele auf meiner Wanderung getroffen, leise schmunzelnd über den schmalen, steilen Pfad den ich wie ein junges Reh heruntersprang, die Wandersohlen wie Klett am grenzwertigen, matschigen Abhang, hörte ich von unten ein Schnaufen und Stöhnen. Ah, da, ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Ein Opfer!

Ich schaue da unten runter auf seinen Helm und warte noch fünf Meter ab bevor ich ihn ansprach: „Hallo und einen schönen guten Tag!“ Er kam luftlechzend auf meine Höhe und ich weiter: „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Er reduzierte seine Schildkrötengeschwindigkeit und hielt wackelnd an – versuchte am Hang noch beide Füße in den Pedalen zu halten – ohne Chance, er kippte und hielt an. Jovial fragte ich ihn „ist das hier richtig zum Dammbachtal, mein guter Herr?“ und lächelte höflich. „Krzzzz, öchzzz, japppss, grunnzzzzzzzz… „ antwortete er. Mit einem überaus freundlichen „Vielen Dank“ ging ich weiter meines Weges – steil runter und hörte hinter mir ein Krachen, Knacken der Gangschaltung und ein fürchterliches aber unverständliches Fluchen und dachte nur so bei mir: Öh, man hält am Berg nicht an, nie und nimmer nicht. Und wenn, dann halte in dem Gang an in dem du weiterfahren kannst.. „Der Anfänger…“ murmelnd zog ich mir meine Appelschorle aus dem Rucksack und machte ein Foto wo der Herr seinen Drahtesel den Hang hinaufschob.

Bitteschön!

Der Harzer Kaiserschuh

„Hach, wie knackig!“ haucht sie lustig trällernd während sie mir an den Po greift. Während ich ihre freche Hand immer noch an meinem Arsch fühle ergänzt sie dass da ja gar nichts mehr wäre. Nun, ich kann Ihnen versichern dass da in der Tat noch was ist.

Der Grund für diese übermütige Handlung kann nur davon rühren dass ich just aus einem kurzen Wanderurlaub zurückkehrte. Und brachte Mitbringsel aus dem Harz mit. Beispielsweise Metzgerbier erstanden bei einem Metzger – ach! Ich fragte ihn ob er das mit Rinderblut gebraut hätte. Er wollte mir keine Auskunft geben und forderte mich einfach zum Kaufen auf. Der liebenswerte aber Schweinsgesichtige Metzger drehte mir dann noch Salami, Leberwurst und eine nur im Harz erhältliche Wurstspezialität an. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem Namen, probieren werde ich erst Morgen beim Brunch wenn mein Schädel ein wenig kleiner geworden ist. Dazu brachte ich aus dem Stemberger Köhlerhaus noch eine Flasche „Köhler Liesl“ Likör und ein wenig Dosenfutter mit. Denn als anständiger deutscher Bürger höre ich ja auf unseren allseits geliebten Innenminister. Dem total bescheuerten Idioten.

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Wandern gehört seit eh und je zu meiner Lieblingsbeschäftigung um meinen Kopf frei zu machen, die Knochenmühle zu vergessen und auch einige andere Dinge aus anderen Perspektiven sehen zu können, darüber nachzudenken. Der Harz hat es mir angetan und der kleine Schirrmi stempelt in einer der schönsten deutschen Mittelgebirgsregionen mit über 8.000 Wanderkilometer sein Stempelheft voller und voller. Ich erwähnte es teilweise schon.

Ich brachte neu den „Harzer Kaiserschuh“ mit. Diesen erhält man wenn man mindestens 150 Stempelstellen erwandert hat. Nun bin ich bei 171 von 222 möglichen. Und es macht Spaß. Immer noch und immer wieder. Auch wenn mich manchmal die abgrundtiefe Dummheit von Wanderkarten, Beschilderungen, mobilen Navigationsgeräten und meinem vergeistigten Verstand ziemlich auf den Zeiger geht. Letzteres ist am Schlimmsten. Denn die anderen Dinge können nicht dumm sein. Mögen Sie ein Beispiel haben? Ich plane am PC meine Wandertouren. Suche mir Park- und Zielkoordinaten heraus. Lese Tourenbeschreibungen und möchte am Ende ein Optimum an Spaß, Wanderdauer, landschaftliche Abwechslung, körperliche Herausforderung und selbstverständlich einige Stempel haben. Wenn ich dann auch noch zum Teufelsmobil zurückkehre dann passt die Tour. Akribig kann ich Ihnen sagen, plane ich. Wenn dann noch auf der Tour eine Einkehrmöglichkeit besteht, Stichwort „Genußwandern“, dann wird das ebenfalls mit eingeplant. Allerdings bin ich ein geborener Pechvogel was die Öffnungszeiten dieser Lokalitäten betrifft. Denn in 90 Prozent aller Fälle haben die Gaststätten entweder Ruhetag, sind nur noch Ruinen, haben schlicht aus nicht näher bezeichneten Gründen zu oder sind wegen Renovierung / Sanierung geschlossen. Und weil ich das als gelernter Pessimist weiß, führe ich immer genügend Futter und heißes Wasser und löslichen Kaffee und Tee in meinem immer zu groß geratenen Rucksack mit. Ich schweife ab.

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Letztens passierte es mir wieder. Eine hervorragend geplante Tour denke ich am Vorabend noch mal durch. Lese meine Tour Beschreibung, gehe noch mal auf der Wanderkarte alles durch und lese im Internet noch mal nach was andere Wanderer für Erfahrungen machten. Und – stelle spontan alles um. Was dann dazu führt dass aus 13 Kilometer plötzlich 22 km werden. Oder geplante 600 Höhenmeter entwickeln sich zu 1200 HM. Nun, in der Mehrzahl kennen Sie mich nicht. Aber wenn, dann würden Sie wissen dass ich schlimmer fluchen kann als ein Kesselflicker. Und das Schlimme dabei ist – ich verfluche mich. Ich sage nur, abgrundtiefe Dummheit. Manchmal. Aber meinen asthmatischen Lungen und der Wohlgestalt meiner Beinmuskeln kommt es natürlich nur entgegen. Und was sagt der Arsch dazu? Na, Sie wissen schon.

Jedenfalls war es mal wieder sehr schön alleine unterwegs zu sein. Lediglich die Tiere, lebende und tote, beschäftigten mich ein wenig. Aber dazu in einem anderem Beitrag mehr. Ich sitze hier und schaue mir ein paar der Fotos an und plane am anderen Schirm schon die nächsten Touren. Möchten Sie mal sehen wo ich so war? Ja? Hier, Bitteschön:

Wenn ich von Detailverliebtheit rede dann meine ich das auch so. Zwar nicht so wie manche Menschen „Hundertprozentiger“ oder „Perfektionist“ sagen würden. Aber letztendlich wird die per Excel geplante Wanderwoche gedruckt und laminiert damit weder Wind noch Wetter dem Zettel etwas anhaben kann. Und das ist dann sozusagen die Bibel. Nur leider schlich sich trotz Generalsstabsmäßiger Recherche ein Fehler bei einer Startkoordinate ein. Es führte zu einem 40km Umweg quer durch den Harz. Waren Sie schon mal da? Dann wissen Sie dass das richtig Scheiße sein kann mit den kleinen, kurvigen, bergigen Straßen und Orten die einfach mal so für die Durchfahrt gesperrt sind. Denn die anderen können kein Auto fahren. Ich schon. Die Anderen nicht. Schneiden die Kurven. Ich nicht. Die fahren wie die letzten Säue. Ich natürlich nicht. Vor allem nicht wenn ich Eigenwut im Bauch habe. Ich nicht!

Wir hatten tropische Temperaturen, zum Glück erst ab Mittwoch. Was passte besser dazu als meine komplette Midnight Oil Sammlung rauf und runter zu hören während ich von einer Tour zur nächsten fuhr?

Baum der Erkenntnis

Man kann ja sagen was man will. Aber es gibt Gegenden in Deutschland die es noch wert sind Blutblasen außerhalb der grundigen Ausbildung auf sich zu nehmen. Genießen. Wie sagte noch der Heinrich?

„Ich bin die Prinzessin Ilse und wohne im Ilsestein. Komm mit nach meinem Schloffe, wir wollen selig sein.“ (1824)

Die Wanderung, begonnen zu nachtschlafender Zeit, die Sonne blickt keck mal grade über den Horizont, die Welt ist unwirklich, der Nebel schweift über die Bergtäler, die Wildblumen wirken wie Brillanten von feiner Seide bedeckt, die Spinnen legen seidig ihr weißes Haar über die großartige Natur. Der Wanderer sieht, riecht, schmeckt und hört das köstliche Grün durchdrungen vom frisch, lustig trällernden aufgeweckten Vogelkindergarten. Er fühlt sich wohl.

Die wilde Natur, scheue Augen blitzen still und starr auf den einsamen Wanderer. Wir schauen uns an, ehrfurchtsvoll, nicht ängstlich. Majestätisch und voller Würde dreht er sich nach gefühlten, unermesslich langen Augenblicken, der 32-Ender, erhaben und  mit selbstbewusster Kraft – und trabt den Hang hinauf. Seine Familie gelassen und ohne Mühe den Berg empor, ihm hintenan. Ach, wär ich so behände – ach, wär ich mal so frei.

Durch dunkle Wälder, rauschend die Tannen, über hohe Klippen – der zartwütende Wind in den Haaren, berauschend schauend in die Täler, sich verlierend in den Klippen und unverzagt voran, ein Auf und Ab wie das Leben. Der Wanderer ist ein Mensch und merkt klammheimlich wie großartig das Leben auch ohne ihn, wie ignorant die Natur die in sich perfekt und sich alleine genügt, so lässig über Jahrtausende von Jahren besteht. Ohne Witz und Ignoranz.

So laufe ich und alles fällt von mir ab. Ich gebe mich hin egal was passieren kann. Niemand ist da, niemand schreit mir seine Befindlichkeiten in mein Ohr, in mein Herz. Ziehe mich zurück und begebe mich in die innige Umarmung der Natur. Wenn es nur Ewigkeiten andauern könnte.

Da ist ein Baum so sehr alt, die Erinnerung an meinem Vater noch frisch, ich umarme ihn, er spendet Kraft. Ich fühle seine Weisheit, seine Falten. Mächtig und Trostspendend schattet er so einige Dinge ab von denen ich nie gehofft hatte einen verständigen Freund zu haben. Wir umarmen uns, er schaut gütig auf mich herab. Bin plötzlich klein, ganz groß und still. Nicht mehr allein.

Begreifen.

Schnaps für lau

Jetzt erzähle ich Ihnen sicherlich etwas total Unerwartetes.  Eine Neuigkeit. Ich war nämlich kürzlich im Harz.  Und jetzt alle zusammen: Aha!

Schon an der Rezeption stand ein Korb. Meine Frage nach freier Bedienung der darin befindlichen Leckerlis wurde positiv bestätigt. Ich griff zu. L. auch.

Am nächsten Tag stand dieser Korb wieder da. Und während ich die Dame aufgrund von Unklarheiten meiner All-Inc-Buchung beschäftigte, griff ich erneut zu.

Ein Tag war der sogenannte „Vatertag“. Oder auch „Männertag“ genannt. Letzteres gefällt mir besser aber eigentlich ist mir das sowas von scheißegal. Hauptsache keine Knochenmühle. Und mit meinen Kindern hatte ich jeden Tag Spaß, da benötige ich echt keinen Sondertag. Vor allem nicht um mich zu besaufen. Da brauche ich keinen Grund zu.

Jedenfalls klang lieblich ein Liedlein über meine Lippen während ich in dem von Fremdländern übervölkerten Restaurantbereich abermals den besagten Korb entdeckte. Leiselaut „Dänen lügen nicht..“ trällernd, packte ich mir eine weitere Ladung davon in mein Brötchenkörbchen und stieß an. An die Leute die da prekär vorm Fressen standen und sich nicht entscheiden konnten.

Er schmeckt als Gipfelschnaps ebenso gut wie er als Stimmungsaufheller dient. Einige der Kleinen sind bis jetzt vernichtet oder verschenkt worden. Hier ist der Rest.

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Vielen lieben Dank Herr Wilthener! Es schmeckt. Und für lau noch mal so gut.

Prost!

 

Impressionen aus dem Harz

Wie Sie bestimmt noch wissen ist mir der Harz das liebste Mittelgebirge Deutschlands. Unschwer hier, hier, hier und hier zu erkennen. Letztens erwanderte ich mir den „Harzer Steiger“. Was kommt danach? Mit 150 erwanderten Stempeln könnte ich mich mit dem Abzeichen „Der Harzer Kaiserschuh“ schmücken. Wenn ich den Harz komplett mit seinen 222 Stempeln erwandern würde, käme nur noch der „Harzer Wanderkaiser“. Die letzten Tage, bei wundervollem Wetter, stempelte ich meinen 149. Impressionen aus dem Harz weiterlesen

Piep, grunz, rülps, iiiaaahhh, määhhh, muhh, würg

Ich war mal wieder wandern und war nicht allein – meine Begleiter waren U-Punkt-A-Punkt:

Emu, Adler, Kuschelkühe, Falke, Reh, Wildkatze, Harzer Dachstelze, Luftschwalben, Ziege, Blasemaul, verkohlte Meise, Kolk- und Raben, sonnenbadende Maulwürfe, Flugenten, Schwäne, Borkenkäfer, dickfettarschige Hummeln im 15. Stock, Pfauenfedern, Zitronen welche nicht falten, Eselhengste mit Gemächt, Zwerkchefpony, Hoppelhasen, verwirrtes Eichhorn, wütende Stiere (der Stromzaun war 20cm hoch – ich pisste dagegen), hungrige Rotkehlchen, vom Vattatach platte Salamander, aufgeschreckte Auerhähne, Wanderfalken, Rotmilan, Bussarde, Turmfalken. B.ö.s.e. Ziegenböcke, Brustlutschendes Rindvieh. Schwarze und bunte Spechte. Der Sperling samt Familie, keck. Etc.

Ich war grade mal wieder im Harz und ging bergauf, bergab. Es war supi! Und es hört nicht auf.

Was bin ich froh das ich wieder Wodka hab. Das wilde Durcheinander – na ja, wer es mag…

Jetzt bin ich wieder daheim und vermisse die Natur aber nicht die Zivilisation.

Letzteres ist Scheiße!

Der Wurzelsepp ist pikiert

Ich kann es ja schon gar nicht mehr schreiben, noch sagen wie lange das her ist. Es begab sich aber also nach einer langen Wanderung in winterlichen und mittelgebirglichen Gefilden folgender Dialog:

Szene: Winterlich, man ist durchgefroren, man hat Halb-Dings gebucht, die Hütte steht noch, die Umgebung ist abgebrannt wie nach einem Luftangriff, man mag nicht… und man mag nicht drüber nachdenken wo man da gelandet ist…

Ich (frierend an die Tür klopfend): „Guten Abend – Schirrmi mein Name, wir haben gebucht. Scheißwetter hier!“

Wirt: „Stefan mein Name. Es ist alles wohlvorbereitet.“

– Ich fühlte mich irgendwie wie in einem schlechten Horrorfilm –

Ich: „Oh, ja wir können uns auch dutzen, schön, hallo Stefan, ich bin der Joh.“

Wirt, pikiert: „Herr Schirrmi, Karl-Heinz Stefan ist mein Name und wir pflegen zu unseren Gästen beim Sie zu bleiben.“

Ich: „Oh…“ hihih…