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Höflichkeit kommt weiter– auch in der Natur

Was mir meine Oma schon damals gelehrt hatte, Höflichkeit kommt weiter. Und das kann ich immer noch bestätigen. So wie letztens als ich vom Carlsturm abstieg und durch das landschaftlich überaus attraktive Dammbachtal zurück nach Trautenstein spazierte.

Es ging ein wenig abwärts. An diesem Tag hatte ich noch keine andere Menschenseele auf meiner Wanderung getroffen, leise schmunzelnd über den schmalen, steilen Pfad den ich wie ein junges Reh heruntersprang, die Wandersohlen wie Klett am grenzwertigen, matschigen Abhang, hörte ich von unten ein Schnaufen und Stöhnen. Ah, da, ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Ein Opfer!

Ich schaue da unten runter auf seinen Helm und warte noch fünf Meter ab bevor ich ihn ansprach: „Hallo und einen schönen guten Tag!“ Er kam luftlechzend auf meine Höhe und ich weiter: „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Er reduzierte seine Schildkrötengeschwindigkeit und hielt wackelnd an – versuchte am Hang noch beide Füße in den Pedalen zu halten – ohne Chance, er kippte und hielt an. Jovial fragte ich ihn „ist das hier richtig zum Dammbachtal, mein guter Herr?“ und lächelte höflich. „Krzzzz, öchzzz, japppss, grunnzzzzzzzz… „ antwortete er. Mit einem überaus freundlichen „Vielen Dank“ ging ich weiter meines Weges – steil runter und hörte hinter mir ein Krachen, Knacken der Gangschaltung und ein fürchterliches aber unverständliches Fluchen und dachte nur so bei mir: Öh, man hält am Berg nicht an, nie und nimmer nicht. Und wenn, dann halte in dem Gang an in dem du weiterfahren kannst.. „Der Anfänger…“ murmelnd zog ich mir meine Appelschorle aus dem Rucksack und machte ein Foto wo der Herr seinen Drahtesel den Hang hinaufschob.

Bitteschön!

Der Harzer Kaiserschuh

„Hach, wie knackig!“ haucht sie lustig trällernd während sie mir an den Po greift. Während ich ihre freche Hand immer noch an meinem Arsch fühle ergänzt sie dass da ja gar nichts mehr wäre. Nun, ich kann Ihnen versichern dass da in der Tat noch was ist.

Der Grund für diese übermütige Handlung kann nur davon rühren dass ich just aus einem kurzen Wanderurlaub zurückkehrte. Und brachte Mitbringsel aus dem Harz mit. Beispielsweise Metzgerbier erstanden bei einem Metzger – ach! Ich fragte ihn ob er das mit Rinderblut gebraut hätte. Er wollte mir keine Auskunft geben und forderte mich einfach zum Kaufen auf. Der liebenswerte aber Schweinsgesichtige Metzger drehte mir dann noch Salami, Leberwurst und eine nur im Harz erhältliche Wurstspezialität an. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem Namen, probieren werde ich erst Morgen beim Brunch wenn mein Schädel ein wenig kleiner geworden ist. Dazu brachte ich aus dem Stemberger Köhlerhaus noch eine Flasche „Köhler Liesl“ Likör und ein wenig Dosenfutter mit. Denn als anständiger deutscher Bürger höre ich ja auf unseren allseits geliebten Innenminister. Dem total bescheuerten Idioten.

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Wandern gehört seit eh und je zu meiner Lieblingsbeschäftigung um meinen Kopf frei zu machen, die Knochenmühle zu vergessen und auch einige andere Dinge aus anderen Perspektiven sehen zu können, darüber nachzudenken. Der Harz hat es mir angetan und der kleine Schirrmi stempelt in einer der schönsten deutschen Mittelgebirgsregionen mit über 8.000 Wanderkilometer sein Stempelheft voller und voller. Ich erwähnte es teilweise schon.

Ich brachte neu den „Harzer Kaiserschuh“ mit. Diesen erhält man wenn man mindestens 150 Stempelstellen erwandert hat. Nun bin ich bei 171 von 222 möglichen. Und es macht Spaß. Immer noch und immer wieder. Auch wenn mich manchmal die abgrundtiefe Dummheit von Wanderkarten, Beschilderungen, mobilen Navigationsgeräten und meinem vergeistigten Verstand ziemlich auf den Zeiger geht. Letzteres ist am Schlimmsten. Denn die anderen Dinge können nicht dumm sein. Mögen Sie ein Beispiel haben? Ich plane am PC meine Wandertouren. Suche mir Park- und Zielkoordinaten heraus. Lese Tourenbeschreibungen und möchte am Ende ein Optimum an Spaß, Wanderdauer, landschaftliche Abwechslung, körperliche Herausforderung und selbstverständlich einige Stempel haben. Wenn ich dann auch noch zum Teufelsmobil zurückkehre dann passt die Tour. Akribig kann ich Ihnen sagen, plane ich. Wenn dann noch auf der Tour eine Einkehrmöglichkeit besteht, Stichwort „Genußwandern“, dann wird das ebenfalls mit eingeplant. Allerdings bin ich ein geborener Pechvogel was die Öffnungszeiten dieser Lokalitäten betrifft. Denn in 90 Prozent aller Fälle haben die Gaststätten entweder Ruhetag, sind nur noch Ruinen, haben schlicht aus nicht näher bezeichneten Gründen zu oder sind wegen Renovierung / Sanierung geschlossen. Und weil ich das als gelernter Pessimist weiß, führe ich immer genügend Futter und heißes Wasser und löslichen Kaffee und Tee in meinem immer zu groß geratenen Rucksack mit. Ich schweife ab.

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Letztens passierte es mir wieder. Eine hervorragend geplante Tour denke ich am Vorabend noch mal durch. Lese meine Tour Beschreibung, gehe noch mal auf der Wanderkarte alles durch und lese im Internet noch mal nach was andere Wanderer für Erfahrungen machten. Und – stelle spontan alles um. Was dann dazu führt dass aus 13 Kilometer plötzlich 22 km werden. Oder geplante 600 Höhenmeter entwickeln sich zu 1200 HM. Nun, in der Mehrzahl kennen Sie mich nicht. Aber wenn, dann würden Sie wissen dass ich schlimmer fluchen kann als ein Kesselflicker. Und das Schlimme dabei ist – ich verfluche mich. Ich sage nur, abgrundtiefe Dummheit. Manchmal. Aber meinen asthmatischen Lungen und der Wohlgestalt meiner Beinmuskeln kommt es natürlich nur entgegen. Und was sagt der Arsch dazu? Na, Sie wissen schon.

Jedenfalls war es mal wieder sehr schön alleine unterwegs zu sein. Lediglich die Tiere, lebende und tote, beschäftigten mich ein wenig. Aber dazu in einem anderem Beitrag mehr. Ich sitze hier und schaue mir ein paar der Fotos an und plane am anderen Schirm schon die nächsten Touren. Möchten Sie mal sehen wo ich so war? Ja? Hier, Bitteschön:

Wenn ich von Detailverliebtheit rede dann meine ich das auch so. Zwar nicht so wie manche Menschen „Hundertprozentiger“ oder „Perfektionist“ sagen würden. Aber letztendlich wird die per Excel geplante Wanderwoche gedruckt und laminiert damit weder Wind noch Wetter dem Zettel etwas anhaben kann. Und das ist dann sozusagen die Bibel. Nur leider schlich sich trotz Generalsstabsmäßiger Recherche ein Fehler bei einer Startkoordinate ein. Es führte zu einem 40km Umweg quer durch den Harz. Waren Sie schon mal da? Dann wissen Sie dass das richtig Scheiße sein kann mit den kleinen, kurvigen, bergigen Straßen und Orten die einfach mal so für die Durchfahrt gesperrt sind. Denn die anderen können kein Auto fahren. Ich schon. Die Anderen nicht. Schneiden die Kurven. Ich nicht. Die fahren wie die letzten Säue. Ich natürlich nicht. Vor allem nicht wenn ich Eigenwut im Bauch habe. Ich nicht!

Wir hatten tropische Temperaturen, zum Glück erst ab Mittwoch. Was passte besser dazu als meine komplette Midnight Oil Sammlung rauf und runter zu hören während ich von einer Tour zur nächsten fuhr?

Baum der Erkenntnis

Man kann ja sagen was man will. Aber es gibt Gegenden in Deutschland die es noch wert sind Blutblasen außerhalb der grundigen Ausbildung auf sich zu nehmen. Genießen. Wie sagte noch der Heinrich?

„Ich bin die Prinzessin Ilse und wohne im Ilsestein. Komm mit nach meinem Schloffe, wir wollen selig sein.“ (1824)

Die Wanderung, begonnen zu nachtschlafender Zeit, die Sonne blickt keck mal grade über den Horizont, die Welt ist unwirklich, der Nebel schweift über die Bergtäler, die Wildblumen wirken wie Brillanten von feiner Seide bedeckt, die Spinnen legen seidig ihr weißes Haar über die großartige Natur. Der Wanderer sieht, riecht, schmeckt und hört das köstliche Grün durchdrungen vom frisch, lustig trällernden aufgeweckten Vogelkindergarten. Er fühlt sich wohl.

Die wilde Natur, scheue Augen blitzen still und starr auf den einsamen Wanderer. Wir schauen uns an, ehrfurchtsvoll, nicht ängstlich. Majestätisch und voller Würde dreht er sich nach gefühlten, unermesslich langen Augenblicken, der 32-Ender, erhaben und  mit selbstbewusster Kraft – und trabt den Hang hinauf. Seine Familie gelassen und ohne Mühe den Berg empor, ihm hintenan. Ach, wär ich so behände – ach, wär ich mal so frei.

Durch dunkle Wälder, rauschend die Tannen, über hohe Klippen – der zartwütende Wind in den Haaren, berauschend schauend in die Täler, sich verlierend in den Klippen und unverzagt voran, ein Auf und Ab wie das Leben. Der Wanderer ist ein Mensch und merkt klammheimlich wie großartig das Leben auch ohne ihn, wie ignorant die Natur die in sich perfekt und sich alleine genügt, so lässig über Jahrtausende von Jahren besteht. Ohne Witz und Ignoranz.

So laufe ich und alles fällt von mir ab. Ich gebe mich hin egal was passieren kann. Niemand ist da, niemand schreit mir seine Befindlichkeiten in mein Ohr, in mein Herz. Ziehe mich zurück und begebe mich in die innige Umarmung der Natur. Wenn es nur Ewigkeiten andauern könnte.

Da ist ein Baum so sehr alt, die Erinnerung an meinem Vater noch frisch, ich umarme ihn, er spendet Kraft. Ich fühle seine Weisheit, seine Falten. Mächtig und Trostspendend schattet er so einige Dinge ab von denen ich nie gehofft hatte einen verständigen Freund zu haben. Wir umarmen uns, er schaut gütig auf mich herab. Bin plötzlich klein, ganz groß und still. Nicht mehr allein.

Begreifen.

Schnaps für lau

Jetzt erzähle ich Ihnen sicherlich etwas total Unerwartetes.  Eine Neuigkeit. Ich war nämlich kürzlich im Harz.  Und jetzt alle zusammen: Aha!

Schon an der Rezeption stand ein Korb. Meine Frage nach freier Bedienung der darin befindlichen Leckerlis wurde positiv bestätigt. Ich griff zu. L. auch.

Am nächsten Tag stand dieser Korb wieder da. Und während ich die Dame aufgrund von Unklarheiten meiner All-Inc-Buchung beschäftigte, griff ich erneut zu.

Ein Tag war der sogenannte „Vatertag“. Oder auch „Männertag“ genannt. Letzteres gefällt mir besser aber eigentlich ist mir das sowas von scheißegal. Hauptsache keine Knochenmühle. Und mit meinen Kindern hatte ich jeden Tag Spaß, da benötige ich echt keinen Sondertag. Vor allem nicht um mich zu besaufen. Da brauche ich keinen Grund zu.

Jedenfalls klang lieblich ein Liedlein über meine Lippen während ich in dem von Fremdländern übervölkerten Restaurantbereich abermals den besagten Korb entdeckte. Leiselaut „Dänen lügen nicht..“ trällernd, packte ich mir eine weitere Ladung davon in mein Brötchenkörbchen und stieß an. An die Leute die da prekär vorm Fressen standen und sich nicht entscheiden konnten.

Er schmeckt als Gipfelschnaps ebenso gut wie er als Stimmungsaufheller dient. Einige der Kleinen sind bis jetzt vernichtet oder verschenkt worden. Hier ist der Rest.

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Vielen lieben Dank Herr Wilthener! Es schmeckt. Und für lau noch mal so gut.

Prost!

 

Impressionen aus dem Harz

Wie Sie bestimmt noch wissen ist mir der Harz das liebste Mittelgebirge Deutschlands. Unschwer hier, hier, hier und hier zu erkennen. Letztens erwanderte ich mir den „Harzer Steiger“. Was kommt danach? Mit 150 erwanderten Stempeln könnte ich mich mit dem Abzeichen „Der Harzer Kaiserschuh“ schmücken. Wenn ich den Harz komplett mit seinen 222 Stempeln erwandern würde, käme nur noch der „Harzer Wanderkaiser“. Die letzten Tage, bei wundervollem Wetter, stempelte ich meinen 149. Impressionen aus dem Harz weiterlesen

Piep, grunz, rülps, iiiaaahhh, määhhh, muhh, würg

Ich war mal wieder wandern und war nicht allein – meine Begleiter waren U-Punkt-A-Punkt:

Emu, Adler, Kuschelkühe, Falke, Reh, Wildkatze, Harzer Dachstelze, Luftschwalben, Ziege, Blasemaul, verkohlte Meise, Kolk- und Raben, sonnenbadende Maulwürfe, Flugenten, Schwäne, Borkenkäfer, dickfettarschige Hummeln im 15. Stock, Pfauenfedern, Zitronen welche nicht falten, Eselhengste mit Gemächt, Zwerkchefpony, Hoppelhasen, verwirrtes Eichhorn, wütende Stiere (der Stromzaun war 20cm hoch – ich pisste dagegen), hungrige Rotkehlchen, vom Vattatach platte Salamander, aufgeschreckte Auerhähne, Wanderfalken, Rotmilan, Bussarde, Turmfalken. B.ö.s.e. Ziegenböcke, Brustlutschendes Rindvieh. Schwarze und bunte Spechte. Der Sperling samt Familie, keck. Etc.

Ich war grade mal wieder im Harz und ging bergauf, bergab. Es war supi! Und es hört nicht auf.

Was bin ich froh das ich wieder Wodka hab. Das wilde Durcheinander – na ja, wer es mag…

Jetzt bin ich wieder daheim und vermisse die Natur aber nicht die Zivilisation.

Letzteres ist Scheiße!

Der Wurzelsepp ist pikiert

Ich kann es ja schon gar nicht mehr schreiben, noch sagen wie lange das her ist. Es begab sich aber also nach einer langen Wanderung in winterlichen und mittelgebirglichen Gefilden folgender Dialog:

Szene: Winterlich, man ist durchgefroren, man hat Halb-Dings gebucht, die Hütte steht noch, die Umgebung ist abgebrannt wie nach einem Luftangriff, man mag nicht… und man mag nicht drüber nachdenken wo man da gelandet ist…

Ich (frierend an die Tür klopfend): „Guten Abend – Schirrmi mein Name, wir haben gebucht. Scheißwetter hier!“

Wirt: „Stefan mein Name. Es ist alles wohlvorbereitet.“

– Ich fühlte mich irgendwie wie in einem schlechten Horrorfilm –

Ich: „Oh, ja wir können uns auch dutzen, schön, hallo Stefan, ich bin der Joh.“

Wirt, pikiert: „Herr Schirrmi, Karl-Heinz Stefan ist mein Name und wir pflegen zu unseren Gästen beim Sie zu bleiben.“

Ich: „Oh…“ hihih…

Der dunkle Fleck

Letztens mal wieder im Harz gewesen. Zum Wandern. Wie so oft war es mir ein Riesenspaß, ein Erlebnis ohnegleichen. Zu der Ersten, kamen noch Fünf weitere Blasen hinzu. Und das schon am Zweiten Tag. Klinische Versorgung geschah selbstverständlich als autodidaktischer Arzt mitten im Wald, im Dunklen. Nach dem Dritten verbrauchten Blasenpflaster – und der Vierte Tag brach noch nicht mal an, da schaute ich in die Röhre. Die im Übrigen kleiner als eine Briefmarke war. Der dunkle Fleck weiterlesen