Baum der Erkenntnis

Man kann ja sagen was man will. Aber es gibt Gegenden in Deutschland die es noch wert sind Blutblasen außerhalb der grundigen Ausbildung auf sich zu nehmen. Genießen. Wie sagte noch der Heinrich?

„Ich bin die Prinzessin Ilse und wohne im Ilsestein. Komm mit nach meinem Schloffe, wir wollen selig sein.“ (1824)

Die Wanderung, begonnen zu nachtschlafender Zeit, die Sonne blickt keck mal grade über den Horizont, die Welt ist unwirklich, der Nebel schweift über die Bergtäler, die Wildblumen wirken wie Brillanten von feiner Seide bedeckt, die Spinnen legen seidig ihr weißes Haar über die großartige Natur. Der Wanderer sieht, riecht, schmeckt und hört das köstliche Grün durchdrungen vom frisch, lustig trällernden aufgeweckten Vogelkindergarten. Er fühlt sich wohl.

Die wilde Natur, scheue Augen blitzen still und starr auf den einsamen Wanderer. Wir schauen uns an, ehrfurchtsvoll, nicht ängstlich. Majestätisch und voller Würde dreht er sich nach gefühlten, unermesslich langen Augenblicken, der 32-Ender, erhaben und  mit selbstbewusster Kraft – und trabt den Hang hinauf. Seine Familie gelassen und ohne Mühe den Berg empor, ihm hintenan. Ach, wär ich so behände – ach, wär ich mal so frei.

Durch dunkle Wälder, rauschend die Tannen, über hohe Klippen – der zartwütende Wind in den Haaren, berauschend schauend in die Täler, sich verlierend in den Klippen und unverzagt voran, ein Auf und Ab wie das Leben. Der Wanderer ist ein Mensch und merkt klammheimlich wie großartig das Leben auch ohne ihn, wie ignorant die Natur die in sich perfekt und sich alleine genügt, so lässig über Jahrtausende von Jahren besteht. Ohne Witz und Ignoranz.

So laufe ich und alles fällt von mir ab. Ich gebe mich hin egal was passieren kann. Niemand ist da, niemand schreit mir seine Befindlichkeiten in mein Ohr, in mein Herz. Ziehe mich zurück und begebe mich in die innige Umarmung der Natur. Wenn es nur Ewigkeiten andauern könnte.

Da ist ein Baum so sehr alt, die Erinnerung an meinem Vater noch frisch, ich umarme ihn, er spendet Kraft. Ich fühle seine Weisheit, seine Falten. Mächtig und Trostspendend schattet er so einige Dinge ab von denen ich nie gehofft hatte einen verständigen Freund zu haben. Wir umarmen uns, er schaut gütig auf mich herab. Bin plötzlich klein, ganz groß und still. Nicht mehr allein.

Begreifen.

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