Archiv des Monats: August 2016

Elegant entspannte Baummaulwürfe

Das kalte Kotzen kriege ich! Plack, kriege ich! Wenn ich auf dem gleichen Fleck Armut, Elend und Tod einhergehen sehe mit Dekadenz und nimmermüden Wellnesstrip. So erlebt, die Tage..

Schön sehen sie aus. Nein, nicht Sie! Ich meine die Feuersalamander. Und als Nicht-Biologe kann ich die unterschiedlichen Tiere der gleichen Gattung nicht auseinander halten. So nenne ich sie alle schlicht „Fridolin“. Der Fridolin oder besser, die Fridolinen waren 2013 recht oft und lebhaft unterwegs, dann aber im Jahr 2015 in Massen verstorben auf den Wanderwegen zu sichten. Platt, verendet, die Gedärme von innen nach außen und mit allem Drum und Dran.

comp_cg6a1724_harz-april-2015

Diese lustig und wunderlich gemusterten, toten Burschen machten ein Jahr später Platz für eine optische Kakophonie von toten Feld-, Spitz-, Hausmäusen die in einer unaussprechlichen Vielzahl, graugemustert und mit hoffnungslosen Knopfaugen in die Höhe starrend auf den Wegen lagen.

 

Comp_IMG_8645

Zermatschte Schnecken, deren zerknirschte Gehäuse, platt getrampelte Schlangen, Eidechsen und Trilliarden von widerspenstigen, aber am Ende doch zerknackten Käfer – welche grade noch ein paar Scheißhäufchen rollten, lagen da am Boden. Andächtig wandere ich wie auf einem Maushindernispfad, die Schleiereule, recht versteckt im Wald schaute uninteressiert zu und wartete auf die Dämmerung. Von oben krächzt der Bussard, das Rehwild macht sich rar. Rechts stand ein Baum und links stand ein Baum. Und in der Mitte floss ein Bach. Ach!

„Fridolin“ so sprach ich ihn an. „Da liegst und rührst Dich nicht. Mit einem Bein ab – ein Auge ausgehöhlt. Und stellst Dich tot. Du machst es gut. Hast meinen schweren Schritt auf dem Wanderweg gespürt. Bleib liegen und ruf Deine Familie um das Bein abzubinden, das herauslaufende Augengel mit einem Eichenblatt abzuwischen.“ Alles gut!

comp_cg6a2528„Frau Spitzmaus, das wissen wir doch alle.“ „Bist Du nicht mehr da, stirbst nicht nur du sondern die ganze Brut. Einpaarundzwanzig an der Zahl, die ganze kleine Babyschar.“ So sehe ich dich zittern und wäre ich ein Habicht, du ernährest meine Kinder. „Sei klein und versteck dich in dem Gestein, sei eins in Grau und Grau. Sei unsichtbar und rühr dich nicht.“ Und hoffe..

„Der lustige und unerschrockene Harzer Baummaulwurf“

Er hat im jahrhundertelangen, sportlichen Wettstreit gelernt sich aus dem dunklen Erdreich auf die Bäume emporzuarbeiten. Nur die Besten der Besten haben zeitlebens jemals das Tageslicht erblickt und die lichten Höhen der Baumkronen erklommen. Nur die Mutigsten und Stärksten, an Wagemut reich mit felsenfestem Freiheitswunsch kämpften sich heraus aus dem dunklen, feuchten Erdreich nur zu einem Zweck: Ein Baummaulwurf zu werden.

Eine stolze Untergattung entstand in gefühlt, ewiglangen Jahren. Da oben in den Bäumen hangelten sie sich von Ast zu Ast, sprangen von Baum zu Baum und eroberten die Welt oberhalb des Erdreichs, der dunkel, feucht und ohne Licht den blinden Vorfahren ihr karges Auskommen sichert.

Nicht genug ihr Selbstbewusstsein oben in den Bäumen. Die Tapferen stiegen herab und legten sich rücklings auf wärmenden mit kleinen Kieseln und Moos bedeckten Boden- um unerwartete Wonnen zu erspüren. Die Sonne, kribbelnd und wärmend auf dem kleinen, dicken Bauch. Andere behängen Ihren Körper mit dem glitzernden Familienschmuck, fühlen grenzenlose Macht ob ihren königlichen Stand in der freien, hellen Welt. Smaragde, Rubine – nur hier unten bin ich der Baummaulwurfking!

 

Comp_IMG_8791

Von ganz weit weg hörten sie ein Grollen. Langsam kam es näher, die belebenden Sonnenstrahlen auf ihrem Bauch, das Geräusch. Doch Eigensinn macht stark. Es kommt näher, von unten klopft es, schrillende Warnungen zuhauf: „Mein Freund, das ist nicht Deine Welt – komm zurück!“.. Ach denkt er faul – „.. das unterirdische Volk!“

Comp_IMG_7340

Gute Nacht!

Höflichkeit kommt weiter– auch in der Natur

Was mir meine Oma schon damals gelehrt hatte, Höflichkeit kommt weiter. Und das kann ich immer noch bestätigen. So wie letztens als ich vom Carlsturm abstieg und durch das landschaftlich überaus attraktive Dammbachtal zurück nach Trautenstein spazierte.

Es ging ein wenig abwärts. An diesem Tag hatte ich noch keine andere Menschenseele auf meiner Wanderung getroffen, leise schmunzelnd über den schmalen, steilen Pfad den ich wie ein junges Reh heruntersprang, die Wandersohlen wie Klett am grenzwertigen, matschigen Abhang, hörte ich von unten ein Schnaufen und Stöhnen. Ah, da, ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Ein Opfer!

Ich schaue da unten runter auf seinen Helm und warte noch fünf Meter ab bevor ich ihn ansprach: „Hallo und einen schönen guten Tag!“ Er kam luftlechzend auf meine Höhe und ich weiter: „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Er reduzierte seine Schildkrötengeschwindigkeit und hielt wackelnd an – versuchte am Hang noch beide Füße in den Pedalen zu halten – ohne Chance, er kippte und hielt an. Jovial fragte ich ihn „ist das hier richtig zum Dammbachtal, mein guter Herr?“ und lächelte höflich. „Krzzzz, öchzzz, japppss, grunnzzzzzzzz… „ antwortete er. Mit einem überaus freundlichen „Vielen Dank“ ging ich weiter meines Weges – steil runter und hörte hinter mir ein Krachen, Knacken der Gangschaltung und ein fürchterliches aber unverständliches Fluchen und dachte nur so bei mir: Öh, man hält am Berg nicht an, nie und nimmer nicht. Und wenn, dann halte in dem Gang an in dem du weiterfahren kannst.. „Der Anfänger…“ murmelnd zog ich mir meine Appelschorle aus dem Rucksack und machte ein Foto wo der Herr seinen Drahtesel den Hang hinaufschob.

Bitteschön!

Pubsen und unheimliche Sex-Geräusche

Eine sternenklare, tropische Nacht. Keine Klimaanlage, keine Minibar dessen Tür man für einige Stunden öffnen könnte um auf der schwitzenden Haut ein Gefühl von Kühle zu bekommen. Das Leben erstickt in Hitze und das einschlafen fällt schwer. Liderschwer, in der Einzelzelle wälzend auf dem viel zu kleinen Bett, erhoffe ich mir den kleinen Tod.

Ich schrecke plötzlich auf, es war nur ein Sekundenschlaf. Noch dunkel meine Sinne, dringen unmenschliche Geräusche in mein verschlafenes Ohr, latent die Verzweiflung und der Irrsinn macht sich in mir breit. Vom weit geöffneten Fenster schreien, stöhnen Laute guttural in mein Kämmerchen. Ich höre seufzen und brüllen. Ich höre Worte in einer unbekannten Sprache, lustvoll und selbstvergessend auf einer Klaviatur der Geilheit, nur die Protagonisten verstehen sich – sind miteinander eins, so phantasiere ich. Elektrisiert, an Schlaf ist nicht mehr zu denken, bin ich ein heimlicher Zaungast. Die Luft dräut die unaussprechlichen Geräusche in mein Herz welches offen ist wie ein großes leeres Gefäß, Sehnsucht – klammer Neid allenthalben.

Laute klatschende Töne, manchmal und zwischendurch Geplapper, bumsende Laute, säuselnd, kichernd, wie Wölfe heulend, wie räudige Katzen schnurrend werde ich fast wie angehörig und interessiere mich für das Theater der Lust, zwar als Fremder doch unbeteiligt beteiligt. Scham. Grenzen. Gibt es nicht mehr – und schaue raus, schaue zu und fühle mich wie ein Voyeur.

In der Dunkelheit schauen mich in hellklarer Nacht dunkle doch blitzende Augen an. Die Rehböcke. Die Schafherde. Rotes Harzvieh. Gamsböcke- und böckeline. Wundervoll geschwungene Mufflons. Auch ein Kranich ist in Sicht mit seinem Nachbar, dem großen Ochsenfrosch. Bachforellen springen aus dem Teich wie um den hellen, klaren Mond zu erheischen. Schnappend auch die Libelle, nimmermüde Mückenvolk zu fangen um die liebe Brut zu ernähren. In dieser Nacht kann niemand schlafen. Nimmermüde der Mensch und das Tiervolk. Und – wenn Sie es nicht gerafft haben, die machen Krach!

Da draußen das Leben, ein knatternder Furz entfährt meinem Hinterteil ob ein paar Zwiebel beim morgendlichen Frühstücksbuffet, von rechts und links meiner Zellenwände klopft es stark. Ich machte mit in gemeinsamer, tierischer Kakophonie – haben sie den Pubs gehört?

Ich schon – die Nachbarn auch..

Der Harzer Kaiserschuh

„Hach, wie knackig!“ haucht sie lustig trällernd während sie mir an den Po greift. Während ich ihre freche Hand immer noch an meinem Arsch fühle ergänzt sie dass da ja gar nichts mehr wäre. Nun, ich kann Ihnen versichern dass da in der Tat noch was ist.

Der Grund für diese übermütige Handlung kann nur davon rühren dass ich just aus einem kurzen Wanderurlaub zurückkehrte. Und brachte Mitbringsel aus dem Harz mit. Beispielsweise Metzgerbier erstanden bei einem Metzger – ach! Ich fragte ihn ob er das mit Rinderblut gebraut hätte. Er wollte mir keine Auskunft geben und forderte mich einfach zum Kaufen auf. Der liebenswerte aber Schweinsgesichtige Metzger drehte mir dann noch Salami, Leberwurst und eine nur im Harz erhältliche Wurstspezialität an. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem Namen, probieren werde ich erst Morgen beim Brunch wenn mein Schädel ein wenig kleiner geworden ist. Dazu brachte ich aus dem Stemberger Köhlerhaus noch eine Flasche „Köhler Liesl“ Likör und ein wenig Dosenfutter mit. Denn als anständiger deutscher Bürger höre ich ja auf unseren allseits geliebten Innenminister. Dem total bescheuerten Idioten.

Comp_IMG_8902

Wandern gehört seit eh und je zu meiner Lieblingsbeschäftigung um meinen Kopf frei zu machen, die Knochenmühle zu vergessen und auch einige andere Dinge aus anderen Perspektiven sehen zu können, darüber nachzudenken. Der Harz hat es mir angetan und der kleine Schirrmi stempelt in einer der schönsten deutschen Mittelgebirgsregionen mit über 8.000 Wanderkilometer sein Stempelheft voller und voller. Ich erwähnte es teilweise schon.

Ich brachte neu den „Harzer Kaiserschuh“ mit. Diesen erhält man wenn man mindestens 150 Stempelstellen erwandert hat. Nun bin ich bei 171 von 222 möglichen. Und es macht Spaß. Immer noch und immer wieder. Auch wenn mich manchmal die abgrundtiefe Dummheit von Wanderkarten, Beschilderungen, mobilen Navigationsgeräten und meinem vergeistigten Verstand ziemlich auf den Zeiger geht. Letzteres ist am Schlimmsten. Denn die anderen Dinge können nicht dumm sein. Mögen Sie ein Beispiel haben? Ich plane am PC meine Wandertouren. Suche mir Park- und Zielkoordinaten heraus. Lese Tourenbeschreibungen und möchte am Ende ein Optimum an Spaß, Wanderdauer, landschaftliche Abwechslung, körperliche Herausforderung und selbstverständlich einige Stempel haben. Wenn ich dann auch noch zum Teufelsmobil zurückkehre dann passt die Tour. Akribig kann ich Ihnen sagen, plane ich. Wenn dann noch auf der Tour eine Einkehrmöglichkeit besteht, Stichwort „Genußwandern“, dann wird das ebenfalls mit eingeplant. Allerdings bin ich ein geborener Pechvogel was die Öffnungszeiten dieser Lokalitäten betrifft. Denn in 90 Prozent aller Fälle haben die Gaststätten entweder Ruhetag, sind nur noch Ruinen, haben schlicht aus nicht näher bezeichneten Gründen zu oder sind wegen Renovierung / Sanierung geschlossen. Und weil ich das als gelernter Pessimist weiß, führe ich immer genügend Futter und heißes Wasser und löslichen Kaffee und Tee in meinem immer zu groß geratenen Rucksack mit. Ich schweife ab.

IMG_8899-Neu-photoshop

Letztens passierte es mir wieder. Eine hervorragend geplante Tour denke ich am Vorabend noch mal durch. Lese meine Tour Beschreibung, gehe noch mal auf der Wanderkarte alles durch und lese im Internet noch mal nach was andere Wanderer für Erfahrungen machten. Und – stelle spontan alles um. Was dann dazu führt dass aus 13 Kilometer plötzlich 22 km werden. Oder geplante 600 Höhenmeter entwickeln sich zu 1200 HM. Nun, in der Mehrzahl kennen Sie mich nicht. Aber wenn, dann würden Sie wissen dass ich schlimmer fluchen kann als ein Kesselflicker. Und das Schlimme dabei ist – ich verfluche mich. Ich sage nur, abgrundtiefe Dummheit. Manchmal. Aber meinen asthmatischen Lungen und der Wohlgestalt meiner Beinmuskeln kommt es natürlich nur entgegen. Und was sagt der Arsch dazu? Na, Sie wissen schon.

Jedenfalls war es mal wieder sehr schön alleine unterwegs zu sein. Lediglich die Tiere, lebende und tote, beschäftigten mich ein wenig. Aber dazu in einem anderem Beitrag mehr. Ich sitze hier und schaue mir ein paar der Fotos an und plane am anderen Schirm schon die nächsten Touren. Möchten Sie mal sehen wo ich so war? Ja? Hier, Bitteschön:

Wenn ich von Detailverliebtheit rede dann meine ich das auch so. Zwar nicht so wie manche Menschen „Hundertprozentiger“ oder „Perfektionist“ sagen würden. Aber letztendlich wird die per Excel geplante Wanderwoche gedruckt und laminiert damit weder Wind noch Wetter dem Zettel etwas anhaben kann. Und das ist dann sozusagen die Bibel. Nur leider schlich sich trotz Generalsstabsmäßiger Recherche ein Fehler bei einer Startkoordinate ein. Es führte zu einem 40km Umweg quer durch den Harz. Waren Sie schon mal da? Dann wissen Sie dass das richtig Scheiße sein kann mit den kleinen, kurvigen, bergigen Straßen und Orten die einfach mal so für die Durchfahrt gesperrt sind. Denn die anderen können kein Auto fahren. Ich schon. Die Anderen nicht. Schneiden die Kurven. Ich nicht. Die fahren wie die letzten Säue. Ich natürlich nicht. Vor allem nicht wenn ich Eigenwut im Bauch habe. Ich nicht!

Wir hatten tropische Temperaturen, zum Glück erst ab Mittwoch. Was passte besser dazu als meine komplette Midnight Oil Sammlung rauf und runter zu hören während ich von einer Tour zur nächsten fuhr?

Baum der Erkenntnis

Man kann ja sagen was man will. Aber es gibt Gegenden in Deutschland die es noch wert sind Blutblasen außerhalb der grundigen Ausbildung auf sich zu nehmen. Genießen. Wie sagte noch der Heinrich?

„Ich bin die Prinzessin Ilse und wohne im Ilsestein. Komm mit nach meinem Schloffe, wir wollen selig sein.“ (1824)

Die Wanderung, begonnen zu nachtschlafender Zeit, die Sonne blickt keck mal grade über den Horizont, die Welt ist unwirklich, der Nebel schweift über die Bergtäler, die Wildblumen wirken wie Brillanten von feiner Seide bedeckt, die Spinnen legen seidig ihr weißes Haar über die großartige Natur. Der Wanderer sieht, riecht, schmeckt und hört das köstliche Grün durchdrungen vom frisch, lustig trällernden aufgeweckten Vogelkindergarten. Er fühlt sich wohl.

Die wilde Natur, scheue Augen blitzen still und starr auf den einsamen Wanderer. Wir schauen uns an, ehrfurchtsvoll, nicht ängstlich. Majestätisch und voller Würde dreht er sich nach gefühlten, unermesslich langen Augenblicken, der 32-Ender, erhaben und  mit selbstbewusster Kraft – und trabt den Hang hinauf. Seine Familie gelassen und ohne Mühe den Berg empor, ihm hintenan. Ach, wär ich so behände – ach, wär ich mal so frei.

Durch dunkle Wälder, rauschend die Tannen, über hohe Klippen – der zartwütende Wind in den Haaren, berauschend schauend in die Täler, sich verlierend in den Klippen und unverzagt voran, ein Auf und Ab wie das Leben. Der Wanderer ist ein Mensch und merkt klammheimlich wie großartig das Leben auch ohne ihn, wie ignorant die Natur die in sich perfekt und sich alleine genügt, so lässig über Jahrtausende von Jahren besteht. Ohne Witz und Ignoranz.

So laufe ich und alles fällt von mir ab. Ich gebe mich hin egal was passieren kann. Niemand ist da, niemand schreit mir seine Befindlichkeiten in mein Ohr, in mein Herz. Ziehe mich zurück und begebe mich in die innige Umarmung der Natur. Wenn es nur Ewigkeiten andauern könnte.

Da ist ein Baum so sehr alt, die Erinnerung an meinem Vater noch frisch, ich umarme ihn, er spendet Kraft. Ich fühle seine Weisheit, seine Falten. Mächtig und Trostspendend schattet er so einige Dinge ab von denen ich nie gehofft hatte einen verständigen Freund zu haben. Wir umarmen uns, er schaut gütig auf mich herab. Bin plötzlich klein, ganz groß und still. Nicht mehr allein.

Begreifen.

Jetzt mal ganz ehrlich gesagt. Ich muss nicht immer mein Telefon dabei haben. Vor allem nicht wenn ich Urlaub habe. So liegt es meist in der Seitenablage meines Teufelmobils und fristet seinen prekären Akuladezustand.

Nur so am Rande: „Aku mit zwei Kaa!“ – schreit die hohe Beisitzerin grade und schüttet ihre Tabakdose in meinem Privatbüro aus während sie sich dauernd den Schädel an der Schreibtischkante anschlägt.

Jedenfalls wollte ich aufgrund eines hier nicht näher gesagten Experiment mein Telefon haben welches unten in der Karre liegt. Gesagt getan, ich laufe nur mit der Unterhose bekleidet runter auf den Parkplatz, fernöffne den Teufel, greife in die mit Schutt und Asche übersähte Ablage und mir schallt von der Straßenseite ein Hupkonzert entgegegen. Kein Problem, Applaus bin ich gewohnt. Von daher nichts außergewöhnliches. Bis ich merkte dass mir der Penis sichtbar raushing und nach Luft schnappte.

Wedelnd und überaus elegant, als Gentleman steht man drüber, ging ich eine Ehrenrunde um dann mit erhobenen Haupt den kurzen aber prägnanten Auftritt zu beenden in dem ich die Haustür hinter mir schloß.

Mit wedelnden Grüßen,
Der Unterhosenprinz

Vorfreude auf Taubi 2016

Das Gelände ist schon wunderbar präpariert. Es hat schön geregnet, die Wege und das Gelände ist matschig. So muss es sein. Ich freue mich auf das Taubertal Festival. Und da werde ich mir, so die Planung, die folgenden Bands ansehen /-hören:

Ach, leckt mich – das tippe ich doch nicht alles ab! Vor allem bin ich nicht hier um clicks der robots zu erhalten. Von daher, hier die markierten Stellen:

Comp_2016-Taubi-Faltplaner

Sehr interessant wird der Check-In in meinem Lieblingshotel. Sie wissen schon, da wo man auch mal die Ska-P – Truppe beim frühstücken trifft. Man hat mich bezichtigt ich hätte mich ausfällig benommen. Ich bat um ein persönliches Gespräch, welches wohl beim Check-In stattfinden wird. Deswegen war ich grade noch schnell beim Frisör um den nicht mehr so korrekten Seitenscheitel richten zu lassen, werde mir morgen noch schön die Zähne putzen und ein oder zwei Nasenhaare entfernen. So präpariert mit einer wohlwollenden Lust auf Konfrontation verständnisvolle Gespräche, freue ich mich auf ein schönes Wochenende.

Und ihr mit mir.

Vergessene Socken und fruchtige Eiswürfel

Nachmittags und insbesondere abends und noch inbrünstiger des Nachts lasse ich mir gerne mal ein Glas Wasser munden. Mit einem Spritzer Zitrone (Tipp: Bio!) und ein paar Eiswürfel. Voila! Sie erhalten in Kürze ein wunderbares und überaus bekömmliches Getränk. Gut, o.k. – anstatt Wasser nehme ich Cola. Oki – anstatt Zitrone nehme ich Wodka. Aber erlauben Sie mir bitte die kleine Anmerkung. Wenn man nur, nur zwei kleine Zutaten austauscht. Ist es doch nicht der Rede wert. Oder?

Jedenfalls öffne ich das Eisfach um den Eiswürfelbehälter herauszunehmen in der Hoffnung dass ein paar der kleinen, gefrorenen Würfelchen in mein Glas landen. Verdutzt hält meine Hand inne, einer meiner Körperteile fühlt eine unbekannte Schwere, ich blicke in das dunkle Loch um zu kapieren was da los ist. Und sehe. Fühle. Eine Ecke der Frosti-Asia-Gemüse-Plastikpackung hatte sich, als ich den mit Wasser gefüllten Eiswürfelbehälter in das Tiefkühlfach stellte, in eines der Löcher getaucht. Nun heute, als das Wasser den gewünschten Aggregatzustand erreichte, hatte sich das Gefrorene mit dem Gemüse verbunden was mir dann auch die ungewöhnliche Schwere erklärte. Feste reingefroren.

Dies und noch viel mehr dachte ich grade in der Küche am Wasserhahn. Ein paar kleine, ein paar große Fliegen schwirrten interessiert da bei mir und im Waschbecken umher. Bei Publikum bin ich ja manchmal eingebildet. Schön wenn Klatscher da sind und allerlei meiner kleinen, lebensnotwendigen Verrichtungen Beifall zollen.

Comp_IMG_7926

Kurz zuckte mir, ich hatte die Wäsche in die Waschmaschine geräumt, ein Gefühl des Verlorensein durch das kleine Herz. Ich vermisste ein paar Socken. Getragene. Ich kann das sagen weil das Wetter hier in der letzten Zeit sehr warm, schwül war. In irgendeiner Ecke also, liegen ein paar kunterbunte Söckchen rum die vor sich her gammeln und offensichtlich Fliegenzeug anlocken. Geruch.

Also ließ ich den Wasserhahn laufen, die Fliegen schauten was ich da so mache und manche vollzogen einen Köpper, ein paar andere eine Arschbombe – direkt in den Eiswürfelbehälter. Die kleinen Insekten kamen mir sehr freudig und lustig vor wie sie sich darinnen fühlten und ich tat, was man bei solchen Anlässen tut. Nämlich schnell die fröhlich schwimmende Truppe ab in das Eisfach.

Nun möchte ich meinem großen Bruder nachtuen und weniger Kohlenhydrate zu mir nehmen. Anstatt dessen ein wenig mehr Eiweiß. Ich freue mich schon auf später wenn die ersten gefrorenen Eiswürfel in meinem Glas klappern. Und schön langsam und genussvoll den ein oder anderen Würfel minutenlang mit meiner gierigen, zartfesten Zunge umkreise, das Eis schmelzend, die Kostbarkeit zwischen den Zähnen fühlen und schlucken. Vielleicht auch vorher noch mal beißen.

Ach, ich vermisse auch eine Unterhose. Weiß – jetzt grau. Wo die vergessene Socke ist, die habe ich immer noch nicht gefunden. Habe den gelben Sack entsorgt und der Duschschlauch ist geplatzt. Die Hemden hängen zum trocknen aus und bügeln finde ich Scheiße.

Der Junge der über Dächer ging (2)

Tagebucheintrag xx.xx.xxxx: „Habe jemanden kennen gelernt der mich nicht als Außenseiter sieht. Komisch..“ So schrieb er ein wenig unbedarft während sein Herz klopfte, das Buch zusammenklappte nicht ohne abzuwarten dass die Tinte trocknet.

Er hatte eine halbwegs leserliche Telefonnummer auf einem Zigarettenpapier erhalten. Er wollte nicht anrufen, nicht betteln. Doch der, der ihm die Nummer dahin gekritzelt hatte – der musste was sein. Denn er hätte ihm sonst nie seine Telefonnummer gegeben wenn er nichts wäre. Tausendmal rief er an. Oft ging eine überaus energische Frau am anderen Ende ran und schrie. Und manchmal fragte sie, wo ist der Jung – sprich.. Er konnte damit genau so wenig anfangen wie man am gemeinsamen Abendtisch saß, die Hände gemeinsam gefaltet und das Tischgespräch sprach. Der gute Gott, die gute Welt von denen sie sprachen, waren doch so weit entfernt. Es war einmal, während seine Finger auf der einen Seite die harten, schwieligen Finger des Vaters griffen, auf der andern Seite die wie spinnenstarken Hände der Mutter fühlten, wünschte er sich nur eins – fort weg, am Ende – Hauptsache nur allein.

Wie es dazu kam, dass weiß wahrscheinlich niemand mehr. Gefühlte lange Jahre war es her, die Erinnerung an Ihn verblasste und er machte sein Abitur beim kleinen Latinum, Schiller und Goethe. Wohlwissend ob der alten Studien dass die Erde sich dennoch dreht, auch wenn man sich aufregend Männerbanden mörderisch ihr Unwesen treibend, im Dorf, jegliche feine Sinne, großartige Herzen, wohlfühlende Gedanken ertränken wollen in ihrem Suff, ihren tierischen Gelüsten, die Manschetten hoch, der Kragen schief, gottverlassend fühlt.

Wie ein Reh, großäugig – gläubig, traf er einen Freund. Na, komm doch mit! Hab doch Spaß – der Freund, der Einzige, redete weder von Herkunft, Bildung, noch vom grobschlächtigen Gesicht. „Hier ist Kirmes, saufen, fressen, ficken..“ Kennste nicht?“ Eine, oder ein-einhalb, Dosen Bier, er wurde entspannt und wurde von seinem Freund herumgeführt. Die Lichter so hell, die Fahrgeschäfte so schnell. Die Musik, 70ger wohl, das Glück war erreichbar, er war wer und wird geliebt an der Raupenbahn, am Karussell – juhhee! Die Mädels lachen wenn sie ihn sehen, seine Patte so offen, gibt aus, sein Geld verschwindet für ein kurzes Glück – Einsamkeit.

Die neuen Freunde reißen ihn raus aus der kurzen, schnellen Verzückung, ziehen, drängen, reißen ihn an den Scooter und schreien wie im Rausch: „Schau mal hier…“ – da kommt ein Wagen mit dem Feind – ein gezielter Tritt. Mitten ins Gesicht. Der Kopf reißt herum – Blut spritzt. Es klappern die Zähne. Der Feind, der Große liegt nun da und seine Kumpels sehen ganz deutlich – wer es war.

Blutdurstige Meute verfolgt ihn der nicht weiß was ist noch was war, Freund vorab rennend – brüllend „nimm die Füße in die Hand!“, doch schnell ist er nicht. Am Boden liegend, die Rippen – die Fresse zu Brei, sagt jemand „lass es gut sein – er kann ja nichts dafür!“ Er kam ins Krankenhaus mit Knochenbrüchen, Hämatomen und einem Kater. Am nächsten Morgen, er: „Hast Du ein Battle? War ich das Schwein?“

Fragt der Junge, der über Dächer ging.