Knast versus Adventskalender

Heute war mein letzter Tag in der Knochenmühle. Nun habe ich Urlaub und hoffe dass ich am 5. Januar wieder nüchtern bin. So geht das ab jetzt mit der automatischen Antwort:

I am out of the office with limited availability. I will not return to the office on Tuesday, 05.01.2016. Should you need immediate assistance during this time, please contact not our shit blablabla emergency service at extension blub. This email will not be forwarded.

*** I wish you an Ugly Christmas and a Happy New Shit Year ***

Adventskalender-Comp_IMG_1715Na jedenfalls habe ich einen schicken Adventskalender im Büro. Und heute Morgen hatte ich so dermaßen Heißhunger auf Süßes und sah dabei den Kalender an. Diverse Optionen boten sich mir:

  1. Heißhunger – Heißhunger sein lassen und ein Scheißegal-Gefühl entwickeln.
  2. Morgen und übermorgen in die Knochenmühle fahren um Türchen 23 und 24 zu öffnen. Klar, ich weiß aber jetzt noch nicht ob ich im Vollrausch überhaupt noch Heißhunger habe.
  3. Heute schon den Kalender leer machen.

Ich wollte Option 3 wählen. Allerdings habe ich in meinem hohen Alter immer noch so ein schlechtes Gewissen dabei. Denn es ist ja noch nicht der 23. und der 24. Und nebenbei bemerkt, habe ich wegen so einer verrotteten Mistschokolade keinen Bock in den Knast zu gehen. Denn wie es sich letztens in Saarbrücken begab: Kleiner Timmy (9) verhaftet, weil er Türchen von Adventskalender einen Tag zu früh geöffnet hat.

Ich wählte Option 1 und das Scheißegal-Gefühl stellte sich augenblicklich ein. Ich glaube es wird bis zum nächsten Jahr anhalten. Obwohl Option 3 schön gewesen wäre. Ich muss nämlich morgen noch einkaufen. Und das ist, glaube ich, sehr, sehr  schlimm. Und im Knast hat man wenigstens was zu fressen. Und Geschenke verpackt habe ich auch noch nicht.

Ich glaube ich fahr noch mal ins Büro.

Euer Schirrmi

80. Todestag von Kurt Tucholsky

Gestern war der 80. Todestag von Kurt Tucholsky. Ich habe nicht sonderlich viel von ihm gelesen. Aber wenn, dann war ich tief beeindruckt. Jetzt könnte ich mir was aus den Fingern saugen aber Herr Trueten kann es besser als ich. Er hat dem Anlass entsprechend einen Artikel über Kurt Tucholsky geschrieben.

Ich nehme mir aufgrund der Wichtigkeit heraus das Gedicht „Drei Minuten Gehör!“ das Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Theobald Tiger veröffentlichte, hier ebenfalls zu posten:

Drei Minuten Gehör!
Drei Minuten Gehör will ich
von euch, die ihr arbeitet –!
Von euch, die ihr den Hammer schwingt,
von euch, die ihr auf Krücken hinkt,
von euch, die ihr die Feder führt,
von euch, die ihr die Kessel schürt,
von euch, die mit den treuen Händen
dem Manne ihre Liebe spenden –
von euch, den Jungen und den Alten –:
Ihr sollt drei Minuten inne halten.
Wir sind ja nicht unter Kriegsgewinnern.
Wir wollen uns einmal erinnern.
Die erste Minute gehöre dem Mann.
Wer trat vor Jahren in Feldgrau an?
Zu Hause die Kinder – zu Hause weint Mutter …
Ihr: feldgraues Kanonenfutter –!
Ihr zogt in den lehmigen Ackergraben.
Da saht ihr keinen Fürstenknaben:
der soff sich einen in der Etappe
und ging mit den Damen in die Klappe.
Ihr wurdet geschliffen. Ihr wurdet gedrillt.
Wart ihr noch Gottes Ebenbild?
In der Kaserne – im Schilderhaus
wart ihr niedriger als die schmutzigste Laus.
Der Offizier war eine Perle,
aber ihr wart nur ›Kerle‹!
Ein elender Schieß- und Grüßautomat.
»Sie Schwein! Hände an die Hosennaht –!«
Verwundete mochten sich krümmen und biegen:
kam ein Prinz, dann hattet ihr stramm zu liegen.
Und noch im Massengrab wart ihr die Schweine:
Die Offiziere lagen alleine!
Ihr wart des Todes billige Ware …
So ging das vier lange blutige Jahre.
Erinnert ihr euch –?
Die zweite Minute gehöre der Frau.
Wem wurden zu Haus die Haare grau?
Wer schreckte, wenn der Tag vorbei,
in den Nächten auf mit einem Schrei?
Wer ist es vier Jahre hindurch gewesen,
der anstand in langen Polonaisen,
indessen Prinzessinnen und ihre Gatten
alles, alles, alles hatten – –?
Wem schrieben sie einen kurzen Brief,
dass wieder einer in Flandern schlief?
Dazu ein Formular mit zwei Zetteln …
wer mußte hier um die Renten betteln?
Tränen und Krämpfe und wildes Schrein.
Er hatte Ruhe. Ihr wart allein.
Oder sie schickten ihn, hinkend am Knüppel,
euch in die Arme zurück als Krüppel.
So sah sie aus, die wunderbare
große Zeit – vier lange Jahre …
Erinnert ihr euch –?
Die dritte Minute gehört den Jungen!
Euch haben sie nicht in die Jacken gezwungen!
Ihr wart noch frei! Ihr seid heute frei!
Sorgt dafür, dass es immer so sei!
An euch hängt die Hoffnung. An euch das Vertraun
von Millionen deutschen Männern und Fraun.
Ihr sollt nicht strammstehn. Ihr sollt nicht dienen!
Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!
Und wenn sie euch kommen und drohn mit Pistolen –:
Geht nicht! Sie sollen euch erst mal holen!
Keine Wehrpflicht! Keine Soldaten!
Keine Monokel-Potentaten!
Keine Orden! Keine Spaliere!
Keine Reserveoffiziere!
Ihr seid die Zukunft!
Euer das Land!
Schüttelt es ab, das Knechtschaftsband!
Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei!
Euer Wille geschehe! Seid nicht mehr dabei!
Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg!
– Nie wieder Krieg –!

Theobald Tiger, Republikanische Presse, 29.07.1922, Nr. 6,

… unendliche Dummheit

Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.

Albert Einstein

Vom Browserverlauf inspiriert

Ich lese grade das Buch „Die Lastenträger“ von Günter Wallraff als Herausgeber. Ich weiß ja schon viel Schreckliches was hier in Schland so alles passiert. Doch einige Berichte sorgten bei mir für schlaflose Nächte. So auch ein Artikel über die Arbeitsbedingungen bei Amazon.

Nichtsdestotrotz ist Weihnachtszeit und ich treibe mich mit Kaufabsicht dennoch bei Amazon herum. Und so erhielt ich als Kunde mal wieder eine Empfehlung der Art von „Inspiriert von Ihrem Browserverlauf“:

Comp_2015-12-20 17_19_53-FotosIch kann mir erklären warum ich eine Uhr und ein Charles Bukowski T-Shirt empfohlen bekomme. O.k. den Damenschal kann ich mir auch noch irgendwie erklären. Aber warum mein persönlicher Browserverlauf auf Babykleidung hindeutet? Nein, das passt beim besten Willen nicht.

Ein Erklärungsversuch wäre vielleicht dass ich gestern bei xHamster nach „Teen Group Sex“ gesucht hatte. Aber warum ich dann deshalb in solche Kleidung passen sollte, hmh… Oder weil ich Letztens nach Blitz-Diäten nach der Weihnachtsvöllerei suchte? Aber ob irgendeine Diät dafür sorgen könnte dass ich sooooo viel abnehme?

Tja!

Weihnachtszeit – Plätzchenzeit

Weihnachtszeit – Plätzchenzeit

Es ist zwar eine Menge Arbeit, aber dafür freue ich mich umso mehr über die glücklichen Augen meiner Liebsten wenn sie die von mir liebevoll zubereiteten Weihnachtskekse genießen.

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O.k. – jemand erlaubte sich zu fragen warum die Plätzchen so ein wenig nach Bratkartoffeln (mit Zwiebeln und Speck) schmecken. Kennt Ihr den Film: „Denn Sie wissen nicht wie es schmeckt.“?

Honks! Das ist das letzte Mal dass ich für euch gebacken hab.

Eure Weihnachtsbäckerei

My little Mister Seydel

Es gibt Kumpels und es gibt sie nicht. Einige haben mir Stücke meiner Zähne rausgeschlagen (Maultrommel), einige sorgten für blutige Finger (falsche Saiten auf der Gitarre). Ich vorspielte Harmonium in der Sonntagsschule und in der versammelten Kinderschaft wurde auf den Boden gepisst. Nicht vor Freude, glaube ich.

So – ich schätze seit einiger Zeit meinen kleinen Herrn Seydel. Der tut nicht weh. Gut, vielleicht den Anderen – die blöderweise, zufällig anwesend sind. Aber für mich, für meinen part of life , kann ich sagen dass der kleine Herr – ja, ich nehme ihn auch in den Mund, wir sind eine Symbiose eingegangen. Manchmal komme ich mir Homo vor…

Mein kleiner Herr Seydel:

Comp_IMG_6595Wir beide werden für immer zusammen sein.

Und wir beide begleiten beispielsweise überaus gerne auch folgenden, beeindruckenden Song von New Model Army im beschaulichen Taubertal:

Ja!

Rudi

Ich hatte mal im beschaulichen Heppingen gewohnt. Das ist ein kleines, idyllisches  Weindörfchen bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort war ich desöfteren in meiner Stammkneipe zu finden die von einem Berliner Koch geleitet wurde. Das tut aber jetzt nichts zur Sache.

Sie kennen das ja. Jeden Abend wird dummes Zeug erzählt, Karten gespielt, der Bedienung in den Ausschnitt geschaut und ja, sogar ab und zu geistige Getränke zu sich genommen. Und so weiter und so fort.

Es begab sich zu einer Zeit als überall Plakate hingen. Und damit meine ich wirklich überall. Konterfeis von Menschen die man eigentlich noch nicht mal Tags begegnen möchte. Hingen an jedem Rebenstock. Es war Bürgermeisterwahl.

Eines Abends ein großes Hallo und ungewöhnliche Atmosphäre in meiner Stammkneipe. Tja, da ist man ja neugierig wenn da fremde Leute reinkommen und sich irgendwann mal Gewusel ergibt. Ein paar Herren kamen zu uns an den Kartentisch. Ich gebe zu, ein wenig angeschickert war ich. Jedenfalls stellte sich ein kleiner Hanswurst per (ausgeschlagenen) Handschlag vor: „Fick!“. Tja, ich stand auf und schaute auf ihn runter und erwiderte ob er ein paar auf die Fresse haben will. Ähm, nein so er: „Ähm, nein, ich meine, mein Name ist Fick. Rudi Fick.“ Und weiter „Ich kandidiere für die Bürgermeisterwahl und möchte mich bei den Bürgerinnen und Bürgern vorstellen.“ Das hatte mich sogleich besänftigt und wir alle lagen vor Lachen auf dem Boden. Ich strich dem Ficker über das schüttere Haar, gut, dabei verschüttete ich aus Versehen auch ein wenig Bier über sein Köpfchen was mein Daddy mit „Gut für den Haarwuchs!“ kommentierte.

Warum ich jetzt auf diese alte Geschichte komme? Ich war heute in Lahnstein und fuhr da über eine Lahn-Brücke. An ebendieser war ein Schild angebracht „In Gedenken an Rudi Geil“

Geil, gelle?
Nicht dafür – Ihr Schirrmi

Langes Sitzen ist ungesünder als viel Trinken

Laut einer Studie ist langes Sitzen ungesünder als viel Trinken.

Ich war grade in der Personalabteilung und habe meinen Vorruhestand mit sofortiger Wirkung eingereicht. Ab heute stehe ich täglich 10 Stunden in der Kneipe. So!