Der Wurzelsepp ist pikiert

Ich kann es ja schon gar nicht mehr schreiben, noch sagen wie lange das her ist. Es begab sich aber also nach einer langen Wanderung in winterlichen und mittelgebirglichen Gefilden folgender Dialog:

Szene: Winterlich, man ist durchgefroren, man hat Halb-Dings gebucht, die Hütte steht noch, die Umgebung ist abgebrannt wie nach einem Luftangriff, man mag nicht… und man mag nicht drüber nachdenken wo man da gelandet ist…

Ich (frierend an die Tür klopfend): „Guten Abend – Schirrmi mein Name, wir haben gebucht. Scheißwetter hier!“

Wirt: „Stefan mein Name. Es ist alles wohlvorbereitet.“

– Ich fühlte mich irgendwie wie in einem schlechten Horrorfilm –

Ich: „Oh, ja wir können uns auch dutzen, schön, hallo Stefan, ich bin der Joh.“

Wirt, pikiert: „Herr Schirrmi, Karl-Heinz Stefan ist mein Name und wir pflegen zu unseren Gästen beim Sie zu bleiben.“

Ich: „Oh…“ hihih…

Hände in den Schoß

Ein Panda machte mich auf Stille aufmerksam. Erst als ich drüber nachdachte dass ich Zeit zum Nachdenken hatte dass mein Arbeitsalltag selten wie nie, heute nicht von Telefonanrufen unterbrochen wurde, las ich dass Vodafone einen Ausfall hatte. Aber keine Sorge: Der Techniker wurde informiert 🙂

P.S.: Sonst „Der Bagger“ – der Ausredenretter der Admins schlechthin. Jetzt: „Der Techniker wurde informiert“. Wer billigt kauft, erhält billig.

Knackende, raschelnde Rattenbeinchen sind nicht schön

Heute war mal wieder einer dieser Tage. Zwar recht schön im Allgemeinen, fing er auch mit schönem Eiskratzen an, man fror sich draußen beim Qualmen schön den Ast ab, hinzu merkte ich eine schöne Erkältung heraufkriechen mit schönem Schnupfen, schönem Glieder- und Kopfweh. Kurz, ein üblicher schöner Tag der noch nicht vorbei ist.

Aber, was ich ums Verrecken nicht leiden kann sind Geräusche die ich nicht zuordnen kann. Wenn es da in unserer Zweimannzelle knackt und es stöhnt gelegentlich, dann weiß ich woher es kommt. Das beeinträchtigt meine Sklavenarbeit in der Knochenmühle nicht – mehr. Unbekannte Geräusche, so leise und demutsvoll zurückhaltend sie auch sind, nerven mich kolossal! Zwar nicht anfangs. Aber wenn sie penetrant sind. Also in kurzen Abständen immer wieder kommen und ich kann sie nicht zuordnen. Da werde ich zum John Kramer. Auch bekannt als Jigsaw. Knackende, raschelnde Rattenbeinchen sind nicht schön weiterlesen

Adrette Teeküche

Heute in der Knochenmühle wollte ich in die kleine Teeküche. Die war aber voll von drei Fensterreinigungsmännern. Ich rief, streng in die Küche blickend:  „MORGEN!“ – da standen sie stramm, die Jungs. Und sahen recht adrett aus in Ihrer Fensterreinigungsuniform.

Nach einigen, wohl für sie sehr langen Sekunden musterte ich sie von oben bis unten auf der Suche nach einem eventuell nicht korrekt gebügelten Kragen. Einem eventuell abgerissenen Hemdenknopf oder nach sonstigen Verfehlungen. Ich sah und es war gut – für heute und brüllte: „Rühren!“. Aber das hatten wir ja Dressmen. Nein, ich muss mich verbessern. Ich rief: „PUTZEN!“ – und sie fingen sogleich an zu putzen mit gekrümmten Rücken, die Rehaugen ängstlich zu mir herauf blickend.

Leute, vergesst den letzten Satz. Es hörte mit dem rühren auf, danach spaßten wir ein wenig rum. Beispielsweise machte ich das Fenster auf (dritter Stock) und der Kleinste von denen sollte es dann von außen putzen. Und – im Westerwald weht der Wind – und auch so kalt. So knallte das Fenster hin und her und der gemobte Fensterreinigermitarbeiter freischwebte außen, die eiskalten Finger nicht mehr spürend inmitten der Elementen. Seine zwei Kollegen lachten sich einen Ast. Waren ja froh das es diesmal eine andere arme Sau traf.

Nee, Leute. Vergesst den letzten Absatz. Es hörte mit dem rühren auf. Es waren Jungs mit denen ich normalerweise um die Ecken ziehe. Aufrecht, gemeinsam – auf Augenhöhe. Harhar und Schulterklopfen – nachdem sie merkten dass ich eigentlich zu ihnen gehöre. Die gleiche Schicht nur mehr Glück gehabt.

Jedenfalls, so lernte ich das von klein an, nahm ich mir den größten des lustigen Trios vor, nahm meine Seidenkrawatte ab, schlang sie um seinen Hals und rang ihm würgend die folgenden Worte ab: „Ich bin ein Fensterputzer. Ich bin kein Mensch. Ich bin weniger wert. Ich will auch kein auskömmliches Einkommen. Ich will keine Rente über der Sozialhilfe. Ich will dienen. Wenn meine Arbeitskraft dahin ist, will ich sterben.“

Mir war es genug. „Mensch“ sagte ich, meine Seidenkrawatte von seinem demütigen Hals lockernd, „Genauso machst Du es richtig.“ Nicht aufmucken. Nicht nach Leben trachten. Ochsen. Buckeln. Für die. Denn die haben es geschafft. Durch und wegen uns.

P.S.: Krieg wird seit eh und jeh zwischen den Armen angezettelt. Für egoistische Marotten einiger wenigen. Alle gegeneinander ausgespielt. Damit niemand die Verasche merkt. Die Reichen lächeln, schauen gnädig Champagnertrunken nach unten, schauen sich in die Augen – was schon immer funktioniert hat: „Lasst sie sich doch selber bekämpfen.“.

Fusselige Flatulenzen

Wie heißen diese bunten Nudeln? Fussel? Fuchis? Fusseli? Egal. Gestern nahm ich einen Haufen davon als Abendbrot zu mir. Heute muss ich pupsen. Schon beim Sitzen. Auch bei jedem meiner kleinen Trippelschritte, oder auf jeder Treppenstufe. Pups, pups, pups – so geht das den ganzen Tag. Bekanntermaßen befinde ich mich nicht alleine und einsam auf einer Insel was im Falle von fusseligen Flatulenzen hilfreich wäre. Ich befinde mich in Gesellschaft, in der sogenannten Zivilisation – wenn man die Knochenmühle dazu zählen wollte. Jedenfalls musste ich aufpassen. In verschiedener Hinsicht.

Bei den ersten Pupsen hatte ich die Befürchtung ob da was mitkommt. Es kam nichts. Probierte noch mal einen kleinen aus und es kam immer noch nichts mit. Es roch noch nicht mal. Also sah ich allen weiteren Pupsen gelassen entgegen. Lasse einfach laufen. Es knattert. Es flattert dass es eine wahre Freude ist. Wundere mich dabei wo das alles herkommt. Vielleicht ist das Atmen schuld? Man atmet ja Luft. Vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal ausatmen. So sinniere ich stundenlang auf meinem Bürostuhl woher die ganzen Gase kommen. Und Luft ist doch auch gewissermaßen ein Gas. Nicht?

Wenn ich merkte dass ein Großer Pups kommt, dann ging ich um die Ecke auf Toilette. Paff! Peng! Knall! Einzelne Fliesen fallen von den Wänden. Egal. Schlecht dass das Kackhaus direkt an das Büro eines Kollegen angrenzt. Gut dass der Kollege sich erlaubt heute Urlaub zu machen. Ich weiß nicht ob er sich das erlauben kann. So mit seinem persönlichen Zeitmanagement. Aber er hatte ja doch Glück abwesend zu sein – was ich ihm auch sogleich nach Hause auf sein iPone mailte.

Grade auf ein Kippchen mit dem Kollegen draußen gewesen. Ich merkte es schon, da will wieder

so ein kleiner Nichtstinker raus. Krampf! Kollege schaut mich an und fragt mich warum ich so verkrampft schaue. Ich antworte ein wenig angestrengt: „Das ist Fitnesstraining während der Arbeitszeit, Arschloch!“ und ließ ihn einfach fahren. Wie heißt denn noch mal dieser Comic-Superheld? Der aufgrund seiner gewaltigen Fürze fliegen konnte? Nee, nicht der Pupsmann. Das ist ein anderer. In den Anfangstagen des Internets hat man sich da so kleine Videos geteilt. So wie der Eisbär der immer Pech hat und dann so schön ärgerlich grummelt. Nee, wissen Sie auch nicht? Egal.

Diese vermaledeiten Fusselnudeln. Ich als Heimscheißer konnte gar nicht schnell genug aus der Jacke raus, zum Scheißhaus zu flitzen und Fliesen weg zu sprengen. PPPPRRRRRFLATSCHPENGKNALL! Eine Mitbewohnerin hatte derweil Käsekuchen gebacken – sie saß auf der Designercouch. Der Backofen ist angrenzend in der Küche nebenan installiert. Dort fiel er vor Schreck ein wenig in sich zusammen – der Käsekuchen während sie – die Mitbewohnerin, die Brauen räusperte. Uups!

Fusilli-Nudel_IMG_6938

Aber gut, sinnierend sitze ich so rum, die Beine locker fallen lassend, die Hosen auch und da fällt es! Unter Kraftanstrengung! Nein, ich meine nicht die Wurst. Ich meine, es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Den Schuldigen entdeckt. Die Zubereitung der Fusseli oder wie die heißen, machte es wohl aus. Denn sie waren zwar schön bunt. Aber mir irgendwie zu bunt. Deswegen kippte ich so lange Mayonnaise drüber bis alles weiß war. So wie die Farbe von gewöhnlichen Nudeln gewohnt ist. Dann war es mir aber doch zu weiß und wollte wieder bunt. Also kippte ich noch jede Menge Ketchup drauf dass es wieder bunt war. Jedoch wieder zu viel. Also noch eine Tüte Hartkäse drauf und alles rein in den Schlund. Hätte ich kotzen müssen, man hätte es noch mal anrichten können – so schön wären die Fusselnudel noch in Form gewesen. Rot-Weiß wie gewisse Mitbürger ihre Pommes essen mögen.

Jetzt nachdem ich bei der Mutter meines Sohnes das Gästeklo vollgeschissen habe und mich aus Gründen ohne Verabschiedung von der Geburtstagsfeier entfernte, resümiere ich hier einen Wodka saufend einen weiteren Pupstag. Aber nun ist Wochenende. Kann ja am Montag damit in der Knochenmühle weitermachen. Da sind es ja nicht meine Fliesen.

Schirrmi

P.S.: Ein schöner Kosenamen neben Mausi, Schatzi, Nüsschen könnte Pupsi sein.

P.P.S.: Für 1,29 EUR ist, zumindest bei mir heute, der anale Spaß garantiert. Billiger als ein Pupskissen.

Er: „Duhu… Ich habe da noch fünf Personen in der Pfanne. Hättest Du eventuell Hunger?“
Sie: „Eventuell nicht.“

Aufrecht

Mit goldglitzerndem Panzer
gezücktem Schwert
das Visier offen
mit klarem Blick

Dunkel der Gegenüber
in Nebel versteckt
dampfend das schwarze Roß
Blutlüsternde Augen

Die Warheit, die Klarheit
sie ist da und doch so fern
sie zu fassen recht schwer
versuche sie zu fassen

Unselbstständig ist das Leben
Gnädig der Herr
Auch manchmal
gegenüber dem Geknecht

Nun rüste ich mich
das Visier offen
wissend wo ich ende
ich habe es probiert
Da kommt der Stab
ich weiche aus und
er fehlt im Dreck
und ich bin kein Richter, kein Henker

So schaue ich ihn an
Ein schlimmer Schmerz
Er war kein Edelmann
so wusste aber hoffte ich

Nicht Leben tu ich mehr,
liebe Menschen,
versteht und kämpft
Ihr seit viele

Ich war nur einer

 

Rote Haare – aufrechte Damen

Just ist Vollmond! Glücklicherweise muss ich mir keine andere Erklärung herbei phantasieren. Es wäre anstrengend wenn kein Vollmond da oben am Firmament wäre. Denn dann müsste ich andere fundierte Gedanken für wunderliche Dinge finden die mich grade beschäftigen.

Ich hatte Haare. Habe immer noch ein paar. Kurz, lang, fast ohne, Glatze. Haarfarbe blond, schwarz, grün, bunt, grau. Indianer, Irokese, Grufti, Punk, Grunge. Alles was man sich vorstellen kann. Aber eines nicht… rote Haare.

Rothaarige sind ja so ein Völkchen für sich. Zusammenstehen. Verständnis füreinander. Ohne Worte, Blicke reichen. Ein Wir-Gefühl stellt sich automatisch ein. Wissend, einen Augenblick austauschend. Wissend, es war und es ist vielleicht immer noch hart das Leben mit den Haaren. Doch stark. Geknechtet, gehänselt, ausgegrenzt und ausgemerzt. Das war schon damals im Mittelalter so. Die die übrig blieben – ohne Worte. Männer würden „Men of Steel“ heißen doch ohne das Herz, nur voller körperlicher Kraft und Saft. Sie, sie wuchsen auf, verfolgt noch heut. Und wenn sie überlebt hatten, waren sie stark, oft penetrant.

Doch durch meine Vorliebe für starke Menschen, die uh und ah und wohl unvermeidlich, ob mich kennen zu lernen, rote Haare haben, bin ich geschwächt. Ich sehe sie, die roten Wilden. Wild und ungestüm und selten kostbar geworden sind sie. Sehen zunächst, riechen tun sie wunderbar. Auch wenn es nicht so ist. Es ist so. Für mich. Aufrechte Damen mit ebensolchen Haaren. Mit Herz, Verstand und Wissen um die Welt.

Sie leuchten, manchmal grell oft wunderschön wenn der Vorhang wie unbestimmt und doch gewollt einen Sonnenstrahl hereinlässt. „Königin, sie strahlen!“ Viele andere Farben, die Lichter umsäuseln das Haupt und die Palette wird aufgetan. Farben! Lichter! Glückseligkeit – man möchte drin baden im ihrem großem Herzen. Aufnehmen können, nicht nur die Reichen, so auch den Armen. Der Frieden braucht – und Ruhe manchmal, vor der Schrecklichkeit – da draußen, Verständnis.

So liege ich in ihrem Arm, ich schaue hinauf, ihre Haare zartduftent rot, das Paradies noch bevor ich es erblickte.

Das war’s

Anbiederung

Ja, ich tue es. Entgegen jedem intellektuellem Gespür. Entgegen jeder Art von Selbstzweifel. Während ich es mache stehe ich an einer Front und von gegenüber schaut mir Menschlichkeit entgegen. Die Anderen. Die, mit noch ein wenig Resthirn im Schädel. Menschen die es nicht mit sich machen lassen. Und ich dagegen, wie erbärmlich komme ich mir vor.
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