Hulk hat Wochenende, oder nicht?

Das Laub fällt und die Welt wird bunter. Ein herrlicher Arbeitstag neigt sich dem Ende zu und ich könnte Bäume ausreißen.

Draußen kracht es, meine Arschbacken vibrieren. Normalerweise ist es umgekehrt. Boah, da muss etwas passiert sein denke ich und laufe schnell auf meine überaus großzügige Terrasse und schaue nach. Aha! Der Nachbar beim Baumfällen. Einiges Zeug liegt bei mir rum. Er, mit so einem komischen Ding auf dem Kopp sieht aus wie Mickey Maus und schaut erst orientierungslos um sich als ich ihn anbrülle. Nach fortgesetzten Brüllen, er hat da wirklich richtig die Buchen abgeholzt, bemerkt er mich endlich und ich konnte im normalen Ton sagen:
„Einen schönen guten Tag, Herr Nachbar! Was machen Sie denn da?“
Er: „Der Baum ist in die falsche Richtung gefallen. Sorry!“
Ich: „Tja..“
Er: „Sie haben nicht noch zufällig eine Kettensäge da? Meine hat den Geist aufgegeben.“
Ich: „Doch schon, nur schon länger nicht mehr im Gebrauch. Sie müssten erst das festgebackene Blut, die Knochenspänen und die Hirnreste entfernen.“
Er: „Naja, ich schau erstmal selber. Danke und Tschüss auch..“ und verdrückte sich schnell, die feige Sau!

Schön ist es heute gewesen. Hatte nämlich neue Klamotten an. Passend zur Jahreszeit. Die Tage machte mir nämlich mein Lieblingskollege, der Rote, ein Kompliment. „Hey Schirrmi, sag mal, bist Du weiß geworden? Da an den Seiten, Dein Bart?“ Voller Stolz dass mein biblisches Alter endlich mal wahrgenommen wird shoppte ich im Internet und erstand ein feines Oberhemd gewebt aus ägyptischer Baumwolle, erdtönerne Farben und großkariertem Muster. Dazu einen feinen Merinopullover mit Pfauausschnitt in dunkelbraun. Die schöne, bequem geschnittene tannengrüne Cordhose mit französischen Taschen und Bundfalten komplettierte das neue Outfit. Kennen Sie das? Neue Klamotten, man gönnt sich was, man fühlt sich schick – man ist ein ganz anderer Mensch. Ein ganz anderes Lebensgefühl. Toll!

So fanden das auch meine Arbeitskollegen. Sie schauten mich schon morgens an. Den ganzen Tag fühlte ich ihre wohlwollenden und, wie ich meine, neidischen Blicke auf mir ruhen. Das gab mir Auftrieb und stärkte mein Selbstwertgefühl. So sehr dass ich langsam noch über einen Filzhut nachdenke, mit braunem Lederschweißband und selbstgerupfter Eichelhäherfeder. Ein wundervoller Tag! Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber lassen Sie mich doch auch mal!

So stolzierte ich mit ebenfalls neuen, dunkelbraunen Wildlederschuhen die Büroflure auf und ab. Ging immer mal wieder in die Büros der Kollegen um Fachgespräche zu führen aber ehrlich gesagt nur als Vorwand. Denn eigentlich nur um mich bewundern zu lassen. Öfters mal in der Kaffeeküche gewesen damit mich auch die Kollegen aus den anderen Abteilungen sehen. Mein neues Outfit, echt geil. Diese Herbsttöne. Dieses beruhigende. Dieses Fachkompetenz ausstrahlende gesetzte. Ja, so tanzt mir keiner mehr auf der Nase rum. Zusammen mit meinen weißen Haaren, ich war am Wochenende beim Frisör, eine überaus stattliche Erscheinung, möchte ich meinen.

Bis ich dann vor der Tür war um eine zu rauchen. Die zwei Auszubildenden im letzten Lehrjahr starrten mich an und riefen im Chor „Schirrmi, wie siehst Du denn aus?“ Das ginge ja gar nicht. Würde mich so alt machen. Und überhaupt ob ich in letzter Zeit zu oft in der Muckibude sei. Ich hob meine Hand zur Kippe um sie anzuzünden und krrrr, riss der teure Merinopullover unter den Achseln. Das Scheißteil! Ich ärgerte mich und riss kurzerhand den Pullover auseinander und mir vom Leib. Die Mädels schauten so doof dass ich mich noch mehr ärgerte und riss mir auch das neue Hemd herunter. So stand ich furchtbar grimmig guckend in meiner grünen Hose in unserem Büropark, die Kippe noch in der Fresse und drehte und wendete mich fürchterlich auf der Suche nach Dingen die ich zusammenkloppen konnte.

Damit muss man erstmal zurechtkommen. Aber zum Glück ist ja jetzt Wochenende. Da kann ich mich abreagieren. Wie? Was? Noch kein Wochenende? Scheißendreck!

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