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Der Junge der über Dächer ging

Einige Zeiten liegen zurück. Nie hat jemand diese traurige Geschichte weder bei einem Glas Bier noch bei einem Schoppen Wein kolportiert. Es traute sich niemand. Bis jetzt.

Jetzt tut es mir ein wenig wehe wenn ich zurück blicke. Was ihm passierte. Ein ganz normaler junger Mann. Außergewöhnlich in seiner Sensibilität. Dem Wunsch nach Freundschaft – nach Liebe und Zuneigung. Ein Ausgestoßener ob seinem befremdlichen Äußeren, die große Nase, der Geruch, Haare von seiner Mama geschnitten, die Unterhosen Wollen – die Winteroma meinte es nur gut.

Im Klassenunterricht war er einer der Stillsten. Wenn nicht der stillste. Man sah ihn die Angst in den Augen an wenn er den Raum betrat. So viele Leute, so viel Grauen. Hatte schon Angst die Nacht davor, das der nächste Morgen kommt und es heißt: „Schulzeit, mein lieber Junge!“ Freundlich lächelnd seine Mama und strich ihn wie jeden Morgen übers Haar. „Ich bin so stolz auf dich, bring gute Noten heim.“, herzte, küsste ihn und entließ ihn in die Welt.

Er striff die selbstgetrickte Mütze ab, versteckte sie im Keller. Diese Hosen, diese Schuhe die schon der Bruder trug, so alt und nicht mehr modisch. So geht er ein ums andere Mal in die Arena. Er wird geschupst und gehauen. Gehänselt – er will wieder schwänzen. Wünschte Schläge von daheim – denn da, ja da schallt das Lachen nicht über den Pausenhof und er ist nicht allein. So Allein. Nur ein Gürtel der knallt.

Das Ballspiel hat es ihm angetan. Gemeinsam ein Ziel verfolgen. Gemeinschaft, Freundschaft auch wenn es mal rumpst. So steht er am Rand und sieht zu während die anderen schon äußerlich mit dem Trikot, anders sind als er mit Hosen und geflickten Cord, Brause trinken und stark, stolz das Grün verlassen. Er sieht ihnen nach, keine Hoffnung auf – ‚ne kostenlose Wurst.

So ging er dann wie so oft da hinten an den Bach. Konnte noch nicht nach Hause gehen denn der Spruch „Warum bist schon hier und nicht bei Deinen Freunden?“ endete, wenn er ehrlich war in einem Abend der Erniedrigung – seine Geschwister sahen zu. Sein Kopfkissen wie so oft sehr nass, stumme Tränen, das kleine Herz zur Stille gemahnt – dass es keiner hört.

Der Jung konnte es nicht mehr verbergen. Mama fragte, er wurde zu Doktoren geschickt – ganz weit weg. „Is jut..“, so sagte er ein ums andere Mal – es geht mir gut. Kein Aufwand, er wollte keine Aufmerksamkeit und wurde groß. Mama, Papa, Brüder, Schwester – was ich tue, seid nicht böse auf mich – so schrieb er ungelenk in sein erstes Tagebuch und sah klar.

„Ich lebe noch.“ „Warum?“ „Ich suchte Liebe und Zuneigung und erfuhr nur Hass.“ so der Junge der über Dächer ging.

Und öffnete wiedermal das Fenster, schaute in die Nacht so unendlich die Welt, so plötzlich klein seine Furcht, wie frei werde ich sein?

Alles so weit weg. Ruhe.

Die bepisste Landebahn

Damals. Wir gingen auf eine private Abi-Party. Mein Mädel war so toll, ich ebenso hübsch. Die Flüssigkeiten flossen, die Musik wurde lauter, die Hüften ekstatisch im Takt –uns gehört die Welt, wir waren so geil. Oben schauten die Eltern den Tatort und wollten Verantwortung heucheln.

„Nee, nö, uns geht es gut – geht ruhig zu Bett. Wir kommen klar.“ Beruhigten wir sie und sahen den Neid in ihren alten Augen und brachten sie kichernd ins Schlafzimmer – die fremden Gastgeber die ihr Haus und ungewollt ihre Bar für uns geöffnet hatten.

Ich war so blau und schaute herunter und fragte meinen besten Freund was das Ganze soll. Meine liebste Begleitung, die mit den Löwenlockenhaaren verteilte ihren eigenen Champagner unter Kinder die es nicht genießen konnten. Mein Kumpel rempelte, stolzierte dann vor Beschämung – hatte er doch wieder mal jemand Unbeteiligten erwischt, von dannen. Oh Pein!

Diese ganzen Leute, ich stehe abseits und in mir wächst der Gedanke – ich gehöre nicht dazu. Ein Gefühl zwischen Kotzen und Kacken überkommt mich. Da, schon wieder einer: „Du bist so cool, ich liebe Dich!“ Tja – und lasse ihn an mir abplatschen. Ich glaub ich muss pissen.

Im diesem Jugend-/Mädchenkeller gab es ein Bad mit einer Toilette. Die Tür ist nicht abgeschlossen, ich gehe rein. Hey – da sitzt ja jemand und pisst. „Wie schaut das aus?“ so die Nelke zu mir und zieht ihre Scham auseinander – darüber eine haarig ausrasierte  Landebahn. Schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen und skeptisch verzogenem Schnütchen erwartungsvoll an. „Normal.“ sage ich und gehe wieder raus.

Ich mache mir noch ein Bier auf, gehe in einen Discokugel-Schatten und wünsche mich auf einen anderen Planeten. Außer Bier gibt es noch Blue-Curairgendwas und grünen Bananenscheiß. Etwas kerniges, was für Jungs wäre jetzt schön. Na ja. Wusste ich ja vorher schon. Die sind so jung. So fröhlich und unbedarft. Ich war ebenso wie sie. Nur nicht mehr unbedarft. Schon lange nicht mehr.

Kurz später tumultartige Zustände. Jemand brüllt. Leute versuchen zu beschwichtigen. Aha! Kann ja doch noch ein interessanter Abend werden und schaue mir das Spiel erwartungsvoll an. Die Bilder habe ich immer noch im Kopf. Betrunkene Kids versuchen ein betrunkenes Kind zurückzuhalten. „AUF DIE FRESSE!“ „DER KRIEGT EINEN AUF DIE FRESSE, DAS SCHWEIN!“ – hach, jetzt fängt es an lustig zu werden bis ich realisierte dass der Irre auf mich los wollte. Er riss sich irgendwie los, stolperte auf mich wie ein verhuschtes Opposum zu und prallte ab. Dann lag er da und weinte. Stammelte was von „Freundin auf der Toilette vergewaltigen“ und heimzahlen usw. Ich wusste immer noch nicht was los war. Die versammelte Kinderbande sah mich scheel an, aus den Augenwinkeln sah ich die Landebahntrulla mir zuzwinkern und dann kam es mir. Ach nee. Schon wieder so ein Mädchending.

Ich klärte auf was niemand begriff, die Party wurde aufgelöst meine Freundin wünschte mir ein weiteres fieses Leben und alle dampften ab. Abi-Fete vorbei. Aus, ein Abend der einer der schönsten im Leben der Kiddies werden sollte. Was soll ich sagen? Die Gastgeberin, noch nüchtern, erklärte mir dass sie das doofe Miststück kenne und erkannte meine Unschuld. Eine schöne Nacht mit ihr im Bett verbringend, vergaß ich diese kleinen, fiesen Pissnelken.

Morgens am Frühstückstisch, es war ja genug zum Fressen da – mit mehr Gästen als nur mit mir wurde gerechnet, fragte ich Herrn Daddy wie denn der Tatort war. So, naja, sagte er. Ich entgegnete ein paar Worte wie „.. haste in der Nacht im Keller was verpasst..“, roch an meinen Fingern und griff noch mal in die Wurstplatte.

Meine Liebe hatte ich – gehabt. Die anderen wollten mich auch. Perfide dieses Spiel. Nun, weil ich es mehr als einmal lernen konnte, mache ich es anders. Ich lege mir einen Bierbauch zu, lasse mir graue Haare an den Schläfen wachsen und trage Polohemden.

Gute Strategie?

Rage against the machine – Killing in the name

Bullenalarm oder eine eventuell gute Idee

Warnung: Baby´s, Kinder und Jugendliche, Söhne und sonstige Angehörige lesen nicht weiter wegen macht man nicht.

Der Tatort ist ein Bonner Vorort. Dieser ist recht verschlafen, vegan, offiziell geehrt als überaus Fahrradfreundliche NRW-Stadt. Neben Radfahrern hat man es auch mit sehr alten Menschen zu tun. Die nur so alt werden konnten aufgrund von Reichtum und Nichtstun. Arbeiten brauchten sie nie. Erstklassige privatärztliche Behandlungen verlängern ihr arrogantes Leben. Ihre Nazi-Obergeneral- und Feldmarschalsehemänner sind weggestorben, ihre Villen und die verkommenen Nachgeburten treten, BWL- oder Jurastudierend in ihre Fußstapfen. Hier wird gut gelebt, wie immer auf Kosten der „normalen“ Menschen. Wollte ich abschweifenderweise nur mal am Rande erwähnen, es tut nämlich nichts zur Sache.

Wir feierten in diesem kleinen, verschissenen Ort sehr gerne. Falls wir woanders gewohnt hätten, hätten wir selbstverständlich woanders gefeiert. Aber so waren wir halt da die Pest. Laut, ungehobelt und unangenehmen Dingen und Themen nicht aus dem Weg gehend. Wir wetteten bei der ersten Dose Bier ob diesmal auch die korrekte Reihenfolge eingehalten wird: Saufen, banale Unterhaltung, Diskussionen, Ruhestörung, Stress mit den Nachbarn, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beamtenbeleidigung. Party zu Ende. Der Gewinner der Wette erhielt mehr zu trinken als die anderen.

Jedenfalls führte dieses Vorgehen regelmäßig zu akuten Alkoholnotstand. Sie können sich das vielleicht vorstellen. Wenn dann auch noch die alten, vertrockneten Geranien weggeraucht waren musste irgendwer neuen Stoff besorgen. Da unser liebstes Fußballnachbarland (hihi), Holland, doch ein wenig zu weit weg ist, griffen wir auf die örtliche Tankstelle zurück. Dank der ganznächtlichen Öffnungszeiten einer Bummbumm-Disco, hatte auch die Tanke die ganze Nacht auf. Die paar Kilometer gehen war nicht möglich. O.k., doch das war möglich und hatten wir auch schon probiert. Nur – der der ging, kam nie wieder zurück. Auch die Taxen, denen wir noch so und so viel Geld schuldeten hatten keinen Bock mehr für Nachschub zu sorgen. Also hieß es, wer fährt?

Einmal fuhr ich, mit süßer Begleitung, zur Tanke. Nur nicht auffallen. Die Musik etwas leiser drehen und schön vorschriftmäßig blinken, rechts vor links beachten, vor einer roten Ampel halten. Etc. Sie kennen das. Ab und zu mal für Frühstück und Lektüre sorgen. Was? Das kennen Sie nicht? Es gibt so Wixer die sich Ihre Brötchen und die morgendliche Bild-Zeitung per Boten bringen lassen. Diese Boten erwischt man dann, nimmt ihnen alles weg was sie auszuliefern haben und steckt ihnen 30,- EUR in die Tasche. Das ist mehr als ein Monatsverdienst, wie mir ein solch Ausgenutzter mal erklärte.

Ich hielt vorschriftsmäßig an der Zapfsäule und sah direkt vor mir den Eingang. Davor standen zwei Bullen. Die Süße sah das und wurde ganz aufgeregt. Wollte anfangen zu diskutieren, nee geh da nicht rein und so weiter. Ich machte die Fahrertür auf, ein paar leere Dosen klöderten raus und ich ging rein. Kam mit jede Menge Alk unter den Armen wieder raus und rief durch das geöffnete Dachfenster „mach ma die Tür auf!“. Die Jungbullen schauten interessiert wie blöd und ich stieg ein. „Nimm doch wenigstens ein Pfefferminzbonbon!“ so ganz aufgeregt die Süße. Nö. Ich wusste was kommen wird. Sobald ich starte und losfahre werde ich angehalten. Also rieb ich mir die Nase und kam auf Tricksiebzehn. Nämlich noch mal aussteigen, wieder zwischen die Möchtegerntürsteher in die Tanke und kaufte noch ein paar Kippen. Dann erst ging ich lässig, eine schöne gute Nacht murmelnd zu der Karre, startete und drehte Thin Lizzy lauter.

„JA HAST DU SIE NICHT MEHR ALLE?“ versuchte die Süße die Mucke zu übertönen. Nee, dachte ich – die Verkleideten waren noch so jung und ich zählte auf die Dreistigkeit. Nämlich so dreist dass man als Nichtverkehrstüchtiger nochmal das Glück herausfordert, nee, das kann nicht sein. Und so war es auch. Wir gelangten gut nach Hause und die Welt wurde immer noch ein wenig schöner, lauter.

Eine gute Idee wäre wohl gewesen nicht mehr zu fahren. Eine schlechte Idee, so meinte ich, wäre gewesen an der Tanke einfach abzuhauen um ihnen in die Arme zu fallen. So dazwischen hat es geklappt.

Disclaimer: Das war damals, kann mich gar nicht mehr erinnernJ. Sowas mache ich nicht mehr. Und ihr bitte auch nicht.

Prost!

P.S.: Wenigstens habe ich die Mülltonne schon an den Straßenrand gestellt. Morgen ist Papier.

Extrabreit – Polizisten

Der Pansen macht mir Freude

Boaaahhh, Leute! Was habe ich mich gefreut!

Letzten Sonntag klingelte es an der Muckelbudentür, ich raste, die Unterhose auf halb Acht, die Treppen runter, öffnete die Tür und wurde von einem wildgewordenen Handballer / Punkrocker umgerissen der mir „HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, LIEBER PAPA ZUM GEBURTSTAG!“ in die Ohren brüllte und meinen wohlgepflegten Bürorücken zerquetschte.

Meine Güte, was habe ich mich gefreut. Der Pansen hat an mich gedacht. Die Augen wurden mir ein wenig feucht in Gedanken an schöne Zeiten. Als er noch klein war. Nein, quatsch! Ich meine das ehrlich. Und gebe meine Sentimalität auch zu. Soviel habe ich gelernt. Auch ein Holzklotz sollte, muss, Gefühle zeigen. So tat ich dann auch.

Umso mehr als er mir seine erste im Tonstudio aufgenommene CD als Schwarzpressung mit den Worten „Aber Papa, das ist nur für dich und erzähle da bitte nichts drüber.“ überreichte. Von daher kann ich euch nur das Front-Cover zeigen:

Comp_Felix-Cover-FrontWir verbrachten dann noch einen supi schönen Abend. Da er grade berufstätig ist, musste ich ihn früh ins Bett schicken und brachte ihn mit den Worten runter zum Parkplatz: „Ich liebe dich, mein Junge. Aber Geburtstag habe ich erst am Mittwoch.“

„…“

Schirrmi

Es ist nicht wie man dachte

Die große Schnauze kann ich haben. So zu tun als ob nichts an mir kommt. Ich gehe durch das Leben mit breiten Schultern. Nichts ist egal, alles ist egal was und wer da vor mir erscheint. Selbstbewusst, wie Kafka in den Gassen. Immer ruhig, wie Hulk, die Schränke leer – keine Tassen. Keiner schaut mir rein in meine Dunkelheit. Und wenn jemand fragt – der Standard: „Nein“.

Ich dachte. Ich meinte.. Jetzt sehe ich was der Kleene zu mir sagte: „Papa, meinst Du das ehrlich?“. Ich sagte ja, habe abgeschlossen und bin bereit auf ein Tschüss – alt genug isser ja. So und so weiter. Nun sitz ich hier, schau mich in der Welt um, wundere mich. Die Flüsse haben keine Ufer mehr, die Wellen sind knallhart. Jemand sagt zu mir: „Hör auf zu weinen. Die vertrocknete Welt kann Deine Tränen nicht mehr fassen.“

Weltuntergang. Blutrot ergießt sich schmerzhaft das Gestein in meine Seele. Es brennt. Es tut weh. Wissen ist das Eine. Begreifen soll gelernt sein.

Es kommt über uns – so lallte ich manchmal. „Die Welt wird untergehen.“ prophezeite ich. Das ich erlag im unabänderlichen Lauf der Welt, das wusste ich – nicht. Wollte ich nicht wissen. Das passiert anderen, nur nicht mir. Der Boden der Tatsachen ist hart. Ohne Helm und ohne Schoner fällst Du hart, der unbedarfte Witz noch auf den Lippen – bis Du aufschlägst. Und etwas merkst.

Die Realität ist da. Meine Wunschträume ebenso. Doch Ersteres ist erwachsener – ich muss mich hauen um aufzuwachen. Sein Lächeln, seine Witze, der Sarkasmus – mein Papa ist nicht mehr da. An der Theke, ich hole aus und spiele mein Blatt, lächle. Er grinst, mein lieber Jung – werd mal groß und streicht, nicht ohne zu mir zu flüstern – „Wir teilen“ – alles ein.

NEIN! Wenn ich das sage dann heißt das NEIN! Dann hat man sich danach zu richten! NEIN!

„Doch“, grummelt die schreckliche Unersättlichkeit – „Ich habe nicht genug.“. Ich stehe auf. Ich mache mich breit. Ich wüte und bin sauer. Bin bereit für in die Fresse rein.. „Leg dich mit mir an!“ verlange ich. Jedoch, der alte, mir unvertraute Geist lächelt nur. „Reg Dich nicht auf.“.

Tja..

Ein unheilvoller Tag

Es fing schon in der Nacht an. Es wurde unnatürlich hell, es krachte mit dumpfen Paukenschlägen als ob die Welt untergeht. Wir wachten auf und hatten das Gefühl es will uns jemand etwas sagen. Ein großartiger Himmel der mitleidslos seine Pforten öffnete und seine nasse Flut im hellen Zwielicht über unsere kleine Welt ergoss. Es war nachdrücklich und voller Wut. In dieser Nacht stand ich das erste Mal auf und schaute andächtig hinaus ob der Naturgewalten die man erlebt und sich ganz klein und machtlos fühlt.

Weiterschlafen? Nein, daran war zunächst nicht mehr zu denken. Mir ging zu viel im Kopf, im Herzen herum. Die Natur, so finster und ohne Gnade, richtet ohne Reue. Ohne Angesicht der Person die voller Angst dann merkt wie unnütz all die Dinge sind. Sie ist einfach da und vollzieht ihr Werk. In einem unendlich wiederkehrenden Rhythmus so schön und voller Kraft, so schrecklich – ehrlich ohne Mitgefühl.

Ich wurde von einem Weinen geweckt. Hörte dieses herzzerreißende Jammern und Heulen noch nie bei einem Vogel. Das zweite Mal trat ich in dieser Nacht ans Fenster und schaute also raus um zu sehen wer es schafft mich mit so unendlichem Leid zu wecken. Der Vogel weinte und jammerte voller Traurigkeit und zum Erbarmen. Eine Eiseskälte breitete sich in mir aus. Eine furchtbare Vorahnung erfasste mein klammes Gemüt wie eine langsam festzupackende Eisenfaust mein Herz. Um es herauszureißen. Angst und Verzweiflung erfasste meine Seele, ohne zu wissen warum. Ich weinte innerlich mit.

An Schlafen war nicht mehr zu denken und ich stand auf. Dann klingelte das Telefon. Der große Bruder ist am anderen Ende. „Kleiner Bruder. Der Papa ist heute Morgen gestorben.“

Unser lieber Papa.

Nur so

Ich lag und sah das Fenster durch das Mondlicht scheinen. Dieses Fenster war schief eingebaut, wohl wussten es die Handwerker damals im 16. Jahrhundert nicht besser. Die Balken, das kleine Zimmer, das Haus mit einer Plakette dran versuchten mir Scheu einzuflößen. Mein Raum, den ich brauche, wurde immer weniger. Zwar alles sehr schön, sehr alt, unten im Laden wurde von Lebendigen Zahngold verkauft.

Ich lasse mit mir machen bis ich nicht nur den Schein, sondern auch den Mond durch die hoffnungsvolle Luke sehe. Die Krater erinnern mich an meine Seele. Da, da oben war mal David Bowie, ich lasse mich fallen. Keine Schwerkraft, kein Groundcontrol. Schalte mich aus. Ab.

Es wird geritten. Es wird gestöhnt.

Ich denke nicht an Deutschland, weiß nicht woran. Es kommt mir komisch vor. Wie früher – vielleicht? Missbraucht? Ich vergesse. Ich trinke – ich esse, meine dripple-F: Feinde, Freunde, Familie.

Und bin doch so zart.

Sollten lieber das Weite suchen. Ich kenne mich. Wenn sie noch. Wissen. Was passierte. Sie sollten mal in sich gehen. Und sich fürchten. Jeder Scheißkeks wird zurückgegeben. Und da lass ich mich nicht lumpen. Ich gebe gerne doppelt zurück. Dreifach! Wenn nicht noch mehr.

Verliebt, verpennt, verpeilt. So war es damals. Davor Krawall, Karracho und die harte Kante. Schneller hinter den Scheißnaziz hinterher – schneller als unsere auf rechts abgerichteten Hunde. Fass! Faß! Schnell, mein Lieber. So rief ich. So brüllte sie zu mir. In allen Gassen, in allen Straßen hatten wir sie erwischt. Und hätten die Dumpfbirnen rasieren wollen. Wenn es nicht schon so war.

Jetzt ist es genauso. Muss mich aber zurücknehmen. Diese menschenverachtenden Sprüche, die Politiker, die Presse macht mit. Ekelhaft – grauenhaft. Der Dritte, der wird schön herbeipropagandadistisch, ohne Erinnerung an frühere Fehler herbei beschwört. Der Zweite ist wohl noch nicht so lange her.

Ich schau in den Himmel und fühle mich gefickt. Ich wünsche mich weg. Geht abba nicht.

Zwei Söhne habe ich. Ich erwarte: „Papa, warum habt ihr das zugelassen?“

Warum?

Tja..

1.050,-EUR und Nippelgespräche

Wie ist denn so das Wetter? Fragte ein Geschäftsfreund, mit dem ich telefonisch ein Hauen und Stechen hatte. Na ja, mal Sonne wie Sommer, dann Wolkenbruch wie Grundwehrdienst. Der Carcomputer zeigte „nur noch 50km“ an. Der Regenschirm lag auf dem Beifahrersitz, das Auto piepste. Immer wenn da was liegt und es nicht angeschnallt ist..

Mir wurde heute gekündigt. Meine kleine Muckelbude in der ich seit 15 Jahren hause, soll grundsaniert werden. Will ich nicht. Es hätte einen temporären Komplettauszug mit angestelltem Kompletteinzug bedeutet. Will ich nicht. Hasse ich. Keine Veränderungen – keine Umzüge mehr seitdem die Mutter meines lieben Kindes (Rockmusiker, Gelegenheitsjobs) mit mir solche Wohnungswechsel als Hobby betrieb. Nö! Einen alten Baum und so.

Ich habe eine liebe Freundin die mir in meiner permanenten Junggesellennot ein wenig in der Bude aushilft. Hemden bügeln kann ich, hasse es aber. Und so weiter. Babsi, ich liebe Dich! Ich lobhudele also grade über Babsi da packt L. eine ihrer Titten aus. Und meint dazu „Du weißt dass mein zweiter Vorname Barbara ist?“. Yeah! Was will man mehr? Babsis – im Doppelpack.

Also hatte ich dem Vermieter gesagt wie teuer es für ihn werden würde mich für ein paar Monate ausquartieren zu müssen und weiter, wenn ich umziehen muss – dann bitte nur einmal und sprach zu ihm „da musste mir kündijen!“ So kam es. Ich verliere meine Muckelbude (die einige wichtige Vorteile hat – ich berichte mal mehr davon wenn ich Bock habe) und muss zum 30.04.2017 hier raus sein. Tja.

So schauen wir jetzt schon mal ganz aufgeregt, ein neuer Lebens-/Wohnabschnitt wird für mich beginnen, im Internet nach neuen Buden. Hier in der strukturschwachen Gegend gibt es Muckelbuden, die habt ihr noch nicht gesehen. 150qm? Zu wenig? 200qm? Reicht das für einen Junggesellen? Alleinstehendes Haus? Rockmusik? Ich brüllte die L. an (alias Babsi) – die Musik schön laut – und wer rasiert den 600qm Garten und wer schippt den Schnee im Winter? ICH NICHT!

Es soll alles so 1.050 EUR kosten. Im MONAT! Tja. Geht es noch eine Nummer kleiner? Ja bitte. Auf diese Hausmeisterscheiße habe ich keinen Bock mehr. Ich habe damals aus finanziellen Gründen mal einen Hausmeisterjob für billig Wohnung übernommen. Nie wieder! Obwohl, bei der gierigen Nachbarin, geil darf man ja wohl öffentlich nicht sagen, eine Glühbirne auswechseln zu „müssen“, da hatte ich kein Problem mit.

Alles so um die 1.050,- EUR. Das ist das Doppelte was ich hier grade für die Muckelbude zahle. Das muss gut überlegt sein. Bislang bleibt ja viel Geld übrig für meine Hobbits, ähm.. Hobbys. Der Jung fängt jetzt bald sein Studium an. Wird auch was kosten. Was mir wichtig ist: Abends / Nachts / Wochenende keine Nachbarn. Ich benötige draußen Platz, mit bunten Blumen und Grünzeug und meine Grillorgien sollten niemanden stören. Ich höre gerne laut – Musik. Schaue mit richtig Bumms gerne Filme, lache, brülle, weine, ficke – und alles laut. Wenn mir der Weg zum Klo zu weit wird, pisse ich in die Rabatten. Bei der Gelegenheit: „Schöne Grüße Nachbarn!“. Ach, auf der Terrasse Sex? Klar, immer gerne.

Wir schauen grade einen Porno und hören Red Hot Chilli Peppers. Mannomannomann! Hat die Nippel (die im Porno)! Als ich damals noch selbst am Auto fetten musste, erinnerte ich mich. Da packt die doch tatsächlich die zweite raus und es gab Brust-Nippelvergleich. Ich entschied mich für das reale Leben und tat mein Bestes. Nö. Der Abend ist noch nicht rum.

Jetzt backe ich mal kleine Brötchen, ich weiß ja was ich dafür zurück erhalte. 🙂

Nice Weekend!

Leben?

Nach einem widerlichen Arbeitstag hocke ich hier rum und balle die Fäuste. Die abgekauten Fingernägel beißen sich in das Fleisch wie die zwei Dobermänner da draußen hinter dem Zaun kläffen und Blut riechen. Die Sonne scheint. Nicht. Hörte grade dass die Tante mit 79 Jahren immer noch lebt, wir fuhren damals mal hin um das Haus anzuzünden. Taten es nicht.

Warum eigentlich nicht? Warum sitze ich, warum bin ich? Noch. Ich bin schon lange nicht mehr. Der Zuschauer wundert – der Kenner bewundert mich. Es heißt, kein Roter mehr da. Ich weiß. Es schreit, kein Mensch mehr da. Ich weiß. Es ist heiß. Und kalt. So muss es sein. Das Paradies. Ich weiß es nicht.

Noch.

Nicht.

Dennoch ist Weißer da. Geistig, der es schafft meine halbgeschlossene Seele zu beruhigen. Warnungen mal Ernst, mal nicht zu nehmen. Krachend, schmetternd als ich kam – niemand konnte es voraus ersehen. Eine kleine Zeit, Spanne, gibt es in freiem Raum – luftleer ohne Gedanken. An Konsequenzen. Es passiert.

Bring Dich runter. Ich bring Dich. Ich will nicht. Viel zu alt um zuzuhören. Lernte, mein Leben. Das Leben, was nicht zu mir gehört. Draußen, all die Dinge, die passieren. Neben mir. Unter und über mir. Nie – mit mir.

Begreifen.

Es sagt, lass Dich nieder. Nimm ihn hin. Den kleinen Tod. Nein, ich wollte nie. Widerspenstig halte ich trotz alledem. Fest. Tränen dann und wann, ich bin gewiss – es dauert nicht mehr lang.

Ruhe.

Frieden.

Tschüß.

Daheim

Ich bin grade wieder zu Hause. Meine Liebste dabei. Am Ende stritten wir ob der Musik. Ich versprach und schwörte – ich kann auch Schlager. Wie folgt:

Daheim

Das Leben bietet so viel
ich sah es nicht
grau, dunkel wie keine
keine Offenbarung – für mich

Ich lebte – ich sah es nicht
der Himmel, für mich schwarz
so blau mit federigen Wolken
schön für alle

Nur nicht für mich

Der Tod, unweigerlich
die Gedanken am Ende
trostlos die Welt
lass ich mich fallen

In das tiefe Grab,
Ruhe, Gemütlichkeit
Nicht denken,
Blind

Endlich