Rock im Park 2016 – Nachlese

Hier und hier erwähnte ich wohl schon eine meiner kleinen liebgewonnenen Traditionen. Nämlich ein Besuch bei Rock im Park. Das „kleine“ Schwesternfestival von Rock am Ring (die Praktikanten 🙁 ) So war es auch dieses Jahr. Ich packte und packte und packte dazu die Freundin ein um mal wieder etwas Denkwürdiges zu erleben. Um ein paar Tage lang die Knochenmühle zu vergessen. Um meinen tristen, grauen Alltag etwas bunter zu machen. Um Schönes, Schreckliches, Trauriges zu erleben. Um zu leben.

Wie an anderer Stelle schon erwähnt glühten wir ordentlich vor. Unter anderem saßen wir an einem fränkischen Bierimbiss und glotzten die Leute an. Oft mitlachend, manchmal drüber lachend und leider auch manchmal mitleidig und betroffen ob der armen Leute die es nicht besser wissen. Aber so ist das nun mal. Wenn um die 80.000 Menschen aufeinandertreffen, lernt man mehr für und über das Leben als wenn man als Tippse im Büro sein armseliges Leben fristet. Und das ist auch gut so.

Jedenfalls lernten wir ein Pärchen kennen die im Gegensatz zu uns mit einem Wohnmobil angereist sind. Und das ist noch nicht alles. Anstatt dort in dem gut ausgebauten Festivalgefährt zu nächtigen, waren sie auf dem Zeltplatz. Verstehe ich. Wegen der Stimmung. Die Frau hat ihren Rockergefährten gut durch die Gegend geschickt. „Hol mal Bier.“ Oder „Bring dies, bring das.“ „Kannste nicht mal rutschen?“ Und wenn die Dame dann ihr Bier hatte gab es richtig Mecker. „Das ist ja dunkel, das Bier! Ich will Bier wo man durchgucken kann!“. So und so weiter ging das in einer Tour bis ich eingriff und höflich fragte ob sie Ahnung von Bier hätte. Der Kerl tat mir leid, hatte wohl nichts zu sagen. Sie fand mich dann wohl so schön dominant attraktiv dass ich alles zu ihr sagen konnte – was ich tat. Immer mit einem Augenzwinkern rüber zu ihrem Knecht. Um es kurz zu machen. Sie lud uns dann ein ihr Wohnmobil zu begutachten. Ich sagte nö. Wollte weiter Spaß haben und saufen. Als sie dann aber mit frischem, kalten Alkohol lockte und weil wir alle sowieso mal pissen mussten, gingen wir mit. Blablabla.., am Ende lag ich mit meinem Gesicht zwischen ihren Beinen und sagte „Nö, Danke!“ und soff denen das letzte Bier aus der Kühltruhe weg. Ihr Sklave schaute sparsam. Übrigens hatte er zwei (ZWEI) künstliche Hüftgelenke was ich zum Anlass nahm seine Braut mal so richtig herum zu schwingen. Macht ja sonst keiner, hihi.. Swinger, tststs..

Ich merke grade, wenn ich über jeden Scheiß so ausführlich berichten würde, wäre ich nächstes Jahr zu RiP 2017 noch nicht fertig. Ich bremse mich jetzt mal was ein. Brrrreemmmmsss! Quiiiietsch!

Liebevoll denke ich über die gleichen Leute nach die ich jedes Jahr immer wieder treffe. Manchmal fehlt einer, manchmal ist jemand neues dabei. Aber alte RiP-Bekannte, gleiches Hotel, gleiches Festival, in etwa der gleiche Musikgeschmack und alle mit einem wunderbaren Humor gesegnet den nicht immer jeder auf Anhieb versteht. Nach dem Frühstück gemeinsam im Biergarten vorglühen, nach dem Festival im Biergarten die Tagesnachlese durchgehen. Und jeder packt dann sein Gesöffs und die selbstgeschmierten Butterbrote / Chips / Käsehappen für die Allgemeinheit auf den Tisch. Dazu wird dann eine kleine Boombox ans Telefon angeschlossen um die erlebte Mucke auch den anderen Hotelgästen nett aber ausdrücklich nahe zu bringen. Das kann dann bis zu 6:00 Uhr in der Frühe werden bevor man glückselig nicht mehr die Schäfchen zählen muss. Noch leise „Du hast bei mir ein Stein im Brett“ murmelnd, sich auf Diskussionen einlassend warum „man jetzt ein Stein im Bett“ sein sollte. Aber egal. Peter hatte sein Bowiemesser dabei. Bei Slayer gingen manchmal die Meinungen durcheinander. Am Ende rammte er dann einfach dieses riesige Messer in den Kopf des Kontrahenten.

Comp_RiP2016_RiP-Klaus-2016

„SO SEHEN SIEGER AUS, schallalallaaaa..“

L. sah sowas von attraktiv aus, im Suff. Jedenfalls gesellte sich zu ihr ein Germany Old-Topmodell mit Gardemaß 2,20 Meter Größe. Er war nicht nur attraktiv, er war gebildet, nett und konnte sich unterhalten. Ach, erwähnte ich schon dass er überaus charmant war? Das habe ich ihm alles gesagt so dass er sich ziemlich verlegen bedankte – ich meine sogar er wäre ein wenig errötet. Dann schickte ich ihn Bier holen. Was er auch tat. Michael heißt er und beglückte uns mit seiner netten und ruhigen Art (klaro, große starke Männer können gelassen sein) den Rest des Abends. Ein ziemlich schlimmer Platzregen erwischte uns bei Volbeat und er hat quasi mehr als 20 Zwerge mit einer Plane beschützt. Das fand ich nett. Er meinte, er wünschte sich so einen kleinen Bruder wie mich ich bestätigte dass er ein super-großer Bruder für mich gewesen wäre.

Comp_RiP2016_CG6A3954Sonntags war ich irgendwie nicht fit. Wir hatten Wage War, Halestorm,.. und Trivium auf dem Programm. Auch die Konterbiers halfen mir nicht so recht aus dem Bett. Vor dem Eingang B gibt es die letzte Möglichkeit zu halbwegs zivilen Preisen geistige Getränke und Imbissgerichte zu erstehen. Das macht man dann an Stehtischen und hat immer die Warteschlange am Eingang im Blick. Zwei kleine Punker im besten Alter stehen da ich stellte mich hinzu während meine Freundin mit ihrer Currywurst wegen Wetter woanders stand. Ein Wort gibt das Andere und Zack! da werden alte Punker-Geschichten rausgekramt. Ach, meinte der Matze einmal „Schirrmi, da kannte ich mal ein Mädel. Die hatte schöne, naturrote Haare, eine wunderbare blasse Haut. Dazu riiiieeesiiiige schöne Titten. Und die war extrem geil. Hach!“ „Lydia hieß sie.“ ergänzte er. Ich schaute über die Schulter und brüllte zu L.: „Lydia, komm doch mal her“. Matze fing an zu speicheln und ihm fiel die Flasche Bier runter. Japsend fragte er uns „Ihr wollt mich doch verarschen, oder?“. Prost!

Es gibt ja Wachleute und es gibt Wachleute. Ein Kleener von denen vergnügte sich mit seiner Kollegin hinter Gittern und bekam deswegen prekäre Situationen nicht mit. Ich machte ein Beweisfoto von ihm und deren Kuschelei. Das wiederum sah er, kam zu mir und verlangte die Löschung des Fotos. Ich so „Aber klaro“ und tat so. So gut so schön. Nach einem heftigen Regenguss, es waren Bäche und Seen auf der Wiese, jedermann und jederfrau waren von oben bis unten nass, stiefelte ich durch eine Pfütze. Da packt mich doch einer von hinten an der Schulter. Er. „Nicht so heftig durch die Pfützen gehen, die anderen Leute werden nass.“ Ich habe das erstmal nicht registrieren können. Was will der von mir? Was sagt der da? Mitten im feuchten Weltuntergang das Noah seine Freude hätte? Ich sollte mit den Pfützen aufpassen? „Du Fotze!“ sagte ich da runter zu ihm. „Für mich heißt Du ab heute nur noch Fotze.“. Jut, das war es dann für mich. Aber nicht für ihn. Irgendwann kommt der Kleene wieder an und fragt mich ob ich zu ihm Fotze gesagt hätte. Harhar! „Nein, habe ich nicht. Du Fotze!“. Der zweite starke Mann den ich zum erröten brachte. Leute gibt’s die gibt’s nicht.

Ans Ende denkend möchte ich nur noch erwähnen dass die Bands die ich sah und hörte supi viel Spaß gemacht hatten. Sie gaben allesamt ihr Bestes und Ozzy sein Möglichstes. Aber das war mehr als wir erwarteten. Milliarden waren für mich eine Überraschung. Red Hot Chilli Peppers haben mir ein paar Tränchen aus den Augen gedrückt – ich bin mit denen aufgewachsen. Billy Talent gaben alles und einige Leute waren der Meinung dass er seine Stimme durch Gesangsunterricht wesentlich aufgebessert hätte. Disturbed – toll!

Die wunderbare L. hatte sich schon ihr ganzes Leben auf Volbeat gefreut und sie genoss es sehr. Der Michael Poulsen ist ja auch ein Schatzi. Ich war aber bei dem Konzert ein wenig anderweitig beschäftigt und verlor dabei meine Kamera mit all den Fotos die diesen Text bildlich dokumentieren sollte. Das finde ich richtig Scheiße! Ich habe eine Verlustanzeige aufgegeben und beim Fundbüro Nürnberg angerufen. Ich sprach mit Iris die mir lieb und nett abschlägig beschied. Kennt Ihr Iris? Schaut mal auf der Homepage vom Fundbüro. 🙂

Jetzt wende ich mich nicht an euch, meine geneigten Leser, sondern an die Menschen die mit mir so viel Freude und Spaß hatten. Danke – wir sehen uns nächstes Jahr! Und das ist keine Drohung 🙂

Euer Schirrmi

P.S.: Klaus Meine „Kläuschen“ war die ganze Zeit bei uns. Peter hat ihn mitgebracht. Männer, ich freue mich schon jetzt wieder auf euch. Nächstes Jahr im Petzengarten!

P.P.S.: Nach all dem Fencheltee im Nachhinein bekommt die Mitautorin Hunger. Da lasse ich mich als ambitionierten Hobbykoch nicht lumpen. Ich zauberte einen sehr bekömmlichen Nudelsalat. Als Gesundheitsfanatiker habe ich ein wenig mehr Salat dran gemacht. Aber im Alter wird man mir noch mal dankbar sein. Aber seht selbst:

Comp_RiP2016_CG6A3966

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.