Mitnahmementalität versus Junggesellenbude

Eine Auswahl meiner Bücher
Eine Auswahl meiner Bücher

Zugegeben, die Begebenheit über die ich berichte, liegt schon ein wenig länger in der Vergangenheit. Falls es jemanden interessiert warum ich solche alten Kamelle aufwärme – er möge doch nur mal eben zu mir kommen und seinen Blick von meinem Schreibplatz aus genau in die Richtung werfen wie ich es gerade getan habe.

Es begab sich vor einiger Zeit in einer Nordrheinwestfälischen Stadt, als Klein-E. mit Klein-J. einen Spaziergang in besagter Stadt, innen, vornahm, zwecks Begutachtung der Vielzahl an Auslagen und immer mit dem Hintergedanken wer denn um Himmels Willen so viel Geld hat um sich das alles leisten zu können. Den Beiden entfuhr ein ums andere mal ein „Ohh!“ oder auch mal ein „Ahh!“ ob der Symbole die käuflich zu erwerben sind um irgendeinen Status zu erhöhen. Begleitet, gerempelt und mit vorwurfsvollen Blicken bedacht von Menschen die sich diese Dinge offensichtlich leisten können, waren wir doppelt beeindruckt. Leise flüsternd zu Klein-E. „Meinst Du ich sollte auch mal rempeln und vorwurfsvoll gucken?“ bekam ich ebenso leise wie bestimmt zur Antwort „Nein, Klein-J., lieber nicht, wir sind in der Unterzahl.“ [f.ck!]

Gefasst aber doch einigermaßen eingeschüchtert beschlossen wir mit Hilfe eines Milchshakes und/oder Eis unsere beeindruckten Gemüter zu kühlen, flanierten  auf der Suche nach ebensolchen lebensnotwendigen Lebensmitteln über einen Platz und wurden plötzlich angesprochen. Der Herr kam unverhofft von links, ähm, rechts, sorry – so genau weiß ich das nicht mehr, an uns heran, war überaus höflich und nett und zeigte uns die Dinge die er wohl den ganzen Tag im Arm tragen musste. Er sagte diese wären für uns kostenlos. Geschenke! Wow! Er begann zu erzählen aber nach geschätzten 1,3 Mikrosekunden unterbrach ich ihn, schnappte mir die uns zugedachten Geschenke aus seinem Arm, berührte sanft aber bestimmt den Arm von Klein-E. zwecks eiliger Flucht und schneller als wir kamen waren wir schon wieder weg. Mit Geschenken und einem fassungslos schauenden Menschen den ich bei einem beherzten Blick nach hinten mit offenem Mund stehen sah.

Abgehetzt aber ziemlich glücklich rannten wir in eine Seitengasse – nicht um uns zu vergewissern ob der Mensch der diese Dinge an uns verschenken wollte, hinterher hetzte. Dem war nicht so. Puh! Das wäre geschafft!

Nun fanden wir Zeit um in aller Ruhe die Geschenke zu betrachten. Ich schaffte es also vier Nigel-Nagel-Neue, eingeschweißte Bücher zu raffen. Wer uns kennt oder kannte, weiß dass es eigentlich keine größeren „Leseratten“ wie uns gibt. Somit leuchteten unsere vor Freude aufgerissenen Augen, die Münder halb offen, der Speichel des Lesegenusses lief uns fast aus den Mundwinkeln, neue Bücher so billig, quasi umsonst und nichts für tun müssen! Hach – kann das Leben schöner sein?

Langsam wieder zu Atem kommend studierten wir die Buchtitel. Zunächst verwundert aber immer noch ein wenig glücklich. Kurze Zeit später dann verwundert und den aufgerissenen, freudigen Augen Schonung bietend, mit leicht entspannt-entsetzten und debil heruntergezogenen Mundwinkeln kam uns die Erkenntnis. Es war kein super-duper-günstiges Angebot, es war vielmehr der Versuch unbedarfte kleine E’s und J’s auf eine Reise in das Nirwana auf Erden zu schicken.

Schirrmi Bhagwan, passt das Orange?
Schirrmi Bhagwan, passt das Orange?

Buchtitel wie folgt: „Bhagavad-Gita – Wie Sie Ist“; „Im Angesicht Des Todes – Das Geheimnis der Reinkarnation“ etc. Sprachlos und die Klappentexte verdauend beschlossen wir mit unserem Tode noch ein wenig zu warten und schwenkten von Shake/Eis auf Bier um. Auf den Schrecken den Ersten halben Liter heruntergestürzt, vorsichtshalber schon die nächsten Halben bestellt, schauten wir uns tief in die Augen und sprachen gleichzeitig die Worte „Ach! Darum die Glatze und das Orangene Outfit des Menschen!“.

Merkt euch, wenn ihr nur eine kleine Junggesellenbude habt, alles was man sich nimmt muss auch irgendwo untergebracht werden. Bücherschränke haben auch nur eine gewisse Kapazität und, meiner Meinung nach, eine Seele. Somit – entsorgt den Schrott, auf das wieder Platz für Schönes geschaffen wird.

Wie immer – wenn ich keine Kommentare von euch erhalte, verliere ich die Lust daran.

Euer Schirrmi

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