Neue Mitbewohnerin oder 4-E-A-E-A-E-A-E-B-E-B-B

StäV, Berlin
StäV, Berlin

Mit einem lachenden, da ich aber zwei davon habe, auch mit einem weinenden Blauauge verabschiedete ich mich heute von einer alten Freundin. Dass sie gehen musste war eigentlich schon lange klar. Ihre Vorbereitungen zum Auszug hatten sich ein wenig in die Länge gezogen, ich vermute dass sie sentimental wurde ob ihrer Auszugspläne – auch wenn ich der Drahtzieher dazu war. Ich muss nicht extra erwähnen dass ein enges Zusammenleben u.a. auf gegenseitige Achtung, Vertrauen und Verlässlichkeit beruhen sollte. Zu meinem Leidwesen wurde diese Erkenntnis letztlich doch nur noch einseitig gehalten.

Als es aber heute soweit war, ihr Auszug, war ich doch tief berührt und wurde sentimental. Sie begleitete mich über 11 Jahre mit all den Höhen und Tiefen die man so gemeinsam haben kann. Ich musste mich zwingen an ihre dunklen und bösen Seiten zu denken um nicht mit Weinen anzufangen. Ich drehte mich halb um damit ich nicht sehen muss wie sie geht. Ein eventueller Blick Ihrerseits über die Schultern zu mir hätte ich nicht verkraftet und ich wäre weich geworden. Nachdem sie weg war stürzte ich direkt an das Fenster um vielleicht noch einen stillen Gruß, ein Lebewohl, ein letztes Winken zu bekommen. Ein letzter Blick der sich in mein Gedächtnis einbrennen sollte wie Licht auf ein Negativ welches sich zu erhalten lohnt bis zum Rest meines Lebens. Aber nein, ich war zu spät, sie war schon weg – für immer. Es gibt kein Zurück und ich muss mich damit irgendwie abfinden sie nicht mehr gesehen zu haben. Noch nicht mal eine Umarmung. Keinen letzten Kuss. Warum war ich so doof? Warum habe ich weggeschaut? Warum habe ich sie gehen lassen? Warum, wieso? Ach, oweh…!

Ich grübele und denke darüber nach wie es hat so weit kommen können. Was ist passiert und wann ist es passiert das unsere Beziehung so nach und nach in die Brüche ging und man am Ende nur noch so mit Ach und Krach zusammen lebte? Wie kann es sein dass niemand von uns den Mut aufbrachte rechtzeitig Tschüß zu sagen? Warum zog niemand die Reißleine als erkennbar war das Hoffnung auf Besserung ein Fremdwort für uns wurde? Nicht mehr miteinander reden, einfach nur noch hinnehmen und schleichend ein Nebeneinander mehr als ein Miteinander akzeptieren. Die stille Wut die man nicht ausleben mag. Die Trauer und Trostlosigkeit in der Selbsterkenntnis das in einer Partnerschaft beide Fehler machen. Das Lesen von Ratgeberbüchern die aber doch nicht helfen können weil sie von glücklichen und Lebens- bzw. Problemresistenten Menschen geschrieben wurden. Ich komme selbst mit einem leckeren Ahr-Rotwein und ordentlich lauter Musik nicht weiter. Ich verstehe nicht warum unsere Partnerschaft so lange und dann noch mal genau so lange in die falsche Richtung lief.

Jetzt während des Schreibens aber fühle ich mich aber doch so befreit dass ich mein Herz ausschütten könnte. Sie war ein Miststück! Ein ignorantes Wesen! Ein der partnerschaftlichen Kommunikation nicht willens und fähiges Weib! Jeder von uns hatte seine festgelegte und gemeinsam abgestimmte Rolle, sie hat diese Absprachen aber immer öfters vernachlässigt, willentlich und, wie ich meine bösartig. Sie hat ihre zugedachten Rollen weder mehr erfüllt noch erfüllen wollen. Sie sonnte sich vielmehr, ebenso meiner einseitigen Meinung nach, in dem befriedigenden Gefühl einen Partner zu haben der ziemlich sensibel ist, einer der lieber Kitten als Brechen möchte.

Am Ende, aber das ging dann doch jahrelang, war sie gar nicht mehr einsichtig. Alles was man ihr auftrug erledigte sie lieblos und halbherzig und stoppte einfach in ihrer Verrichtung. Sie konnte weder mit guten Worten noch mit Ignoranz dazu bewegt werden ihren Aufgaben nach zu kommen. Am Ende ging es dann nur noch so dass ich Ihr 4-E-A-E-A-E-A-E-B-E-B-B befehlen musste. Der Bindestrich bedeutet im Übrigen jeweils mindestens eine halbe Stunde Bedenkzeit ihrerseits. Und falls ich mal nicht mitbekam  dass sie keine Lust hatte weiter zu machen, erweiterte sich ihre Bedenkzeit beträchtlich da sie doch einfach geruhte – zu ruhen!

Für die Nichtinformatiker /-Techniker unter euch – die Zahl- Buchstabenkombination bedeutet folgendes: 4=40 Grad Programm; E=Abpumpen; A=Spülen; B=Abpumpen. Es bedeutet aber auch jeweils stundenlanges hin- und her, gutes Zureden, den Knopf weiterdrehen. Wieder weggehen und mit der derzeitigen Verrichtung weiter machen, immer mal wieder lauschen wie weit sie ist. Dann wieder hinlaufen, den Knopf weiterdrehen, wieder zurück. Lauschen, hin, drehen, weg, lauschen wie weit sie ist und so weiter und so fort. Böse wird es wenn man aus diesen oder jenen Gründen (laute Musik, Gesellschaft, Gedanken nicht bei ihr…) vergessen hat das man da noch die Mitbewohnerin streicheln muss. Dann passierte es manchmal dass ich morgens in ihrem Bauch, meine Lieblingsjeans, die ich jetzt dringend bräuchte, noch in einer brakigen Lache liegend, erblickte und mir dann siedend heiß einfiel dass ich vergessen hatte mich um sie – Die! – zu kümmern. Ach! (hoch-Drei)

Nach jahrelangem Terror wollte sie dann gar net mehr. Und ich auch nicht! Die kleine, große S. war und ist so lieb mich sanft und unterstützend, wohlwollend zwingend, darzulegen mich um eine neue Mitbewohnerin umzusehen. Diese ist nun da *freu*. Sie hat eine wunderschöne weiße Haut, trägt ein modernes Outfit und ist ein Segen für Informatiker und für Übergewichtige Menschen. Informatiker: Gott sei Dank habe ich ein entsprechendes Studium und bin mal auf die weitere Zusammenarbeit gespannt. Übergewichtige Menschen: Sie hat ein Sportprogramm. Genial! Lass Sie einfach in diesem Programm laufen und du hast genug getan. Das Dessous-Programm werde ich mal ausprobieren wenn keiner zuschaut *lechz* ;-).

Ach ja, ein wenig wehmütig über die Alte aber doch mal gespannt was meine neue Partnerin so drauf hat will ich nur erwähnen dass ich kein entsprechendes Foto habe. Dafür aber eines was mir immer Heimatgefühl erzeugt – unweit unserer aller Bundeswaschmaschine in Berlin.

Viele ergebenste und liebe Grüße,

Euer Schirrmi

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