Kuchenalarmvöllerei

Guten Abend, versammelte Gemeinde!

Das Wetter wettert, das Leben lebt, die Sonne sonnt sich grade just in diesem Moment in Breitengraden auf der anderen Seite. Man kann sich die Seiten ja nicht aussuchen. Klaro wäre ich jetzt gerne da wo die Sonne scheint – schaut mal auf die Uhr! Schön in der Wüste. Leichtes Leben, leichte Klamotten am zivilisierten und gutgenährtem Leib. Hach, das Leben könnte nicht herrlicher sein. Wenn da nicht grad gebombt oder gedrohnt wird. Aber lassen wir das.

Ich selbst bin ja grade sowas von Franzose. Haha. War ich ja damals schon, da wegen der Zeitungsredaktion die beschossen, ähm, geschlossen beschlossen haben in den Untergrund, hihi, sich gehen zu lassen, huhu. Nee im Ernst jetzt, den Hype mache ich nicht mit. Ich bin ja selbst ein halber Franzmann. Sozusagen Froschfresser. Naja, fast. So ein Baguette geht ab und zu mal rein. Oder die unbestreitbar eleganten Damen dort, überwiegend. Jut, das geht auch noch. Manchmal frage ich mich ob die da so dünn sind weil die kein Getier mögen, also Schenkel von Fröschen. Wenn ich daran denke würde ich stantepede soundso viele Kilos runtergespült haben – mit dem Roten. Von der Mosel oder dem Rhein. Nee, Champagner, das brauche ich nicht. Insgesamt die Feinde- ähm, die Franzleutz, aber man soll ja nicht so sein. Jeder verdient was er verdient. Wer Gewalt säht, und so weiter. Aber dann hört es sich aber auch auf mit dem Mitgetue mit den Zosen, den Fransen.

Da die Farben übrigens. Ich glaubte ich bekomme Augenkrebs. Internationale – nationale Heiligtümer wie der Reichstag oder der Bogen des Triumphs (geile Mopeds, aber aus einem anderen, ebenso verkommenen Land) oder die heruntergekommene Kaschemme hier um die Ecke wo der Putz abblättert, erstrahlten plötzlich in Farben die ich eigentlich nur von Hundescheiße kenne. Also wenn Bello blau-, weiß-, rote Smarties gefressen und ausgeschissen hat. Mitten auf dem schönen deutschen Parkett. Im Hintergrund die Eichenwand mit schön Rauchglas. Aber lassen wir das.

Jetzt hätte ich fast wichtige Dinge vergessen. Kuchenalarm. Irre. Der Kuchendienstag in der Knochenmühle, wie folgt.

Meine Knochenmühlenchefs habe in unserem Bürogebäude so ein „Hurra-Raum“ eingerichtet. Da werden ausgewählte an- oder abgehende Führungskräfte mit ansprechendem Ambiente zur Gehirnwäsche eingeladen. Zu Mehrtages- oder Wochenworkshops. Dabei lässt man sich schön Fressereien kommen, belegte Brötchen, Nachmittags Kuchen. Zwischendurch Händchenhalten, gemeinsam malen, Visionen entwickeln und Papierhütchen basteln. Wohlgemerkt – erwachsene Menschen! Egal, darum geht es hier nicht. Also weiter.

Ich früher Vogel ich, schaue in der Küche nach – haben die Herrschaften Kuchen vom Vortag übrig gelassen. Danke und rein damit! In der Vortagesnacht schreibt ein Kollege anlässlich seines neuen Status „Opa“, dass es ab 9:00 Uhr Kuchen gibt. Um 8:30 Uhr schreibt dann die Kollegin dass anlässlich ihres letztwöchigen Geburtstags dass es Kuchen gibt. Und dann noch seit Wochen und Tagen wurden wir in der Knochenmühle anlässlich einer penetranten Charmeoffensive auf Leckereien im November aufmerksam gemacht. Die gab es dann nachmittags – am gleichen Tag. Ach! Hach…, uhh! Der Bauch, der tut so weh! Lass mal zählen: 1 und 1 und 1 und 1 – Boahhh!

„Könnt Ihr euch nicht absprechen?“ so in der Art meine leise Anmerkungen zu den Folterknechten. Aber innerlich doch ziemlich lebensbejahend denke ich jetzt mit einem leisen Rülpser an die Leutz die nicht so dekadent fressen können. Die da unten in den fernen Ländern. Denn, mit vollem Bauch läuft es sich nicht so gut weg vor den französischen Bomben und Geschütz- und Gewehrkugeln. Und irgendwie kommt mir grade der Gedanke ob nicht dem ein oder anderem Franzose das „Hirn mal schön freigeblasen“ bekommen hat angesichts seines stolzen Kinns, seiner andauernden Fremdenfeindlichkeit, dem jahrhundertelangem Großmachtgedanken und der ekeligen Dekadenz und Ignoranz. Heissassa! Ein Theaterstück, ich lehne mich zurück und genieße meinen Wodka – den russischen.

Blau, Weiß, Rot – das gibt es nicht auf deutschem Kuchen. Da war Apfel, Zupf, Schnecken, Ringe, Kirsche, Nussecken, Mandarinenblechkuchen – keine Ahnung was alles noch, aber der Tag, ja der Tag – der war schlimm! Für meinen Bauch. Und niemand spricht sich miteinander ab.

Tja! Mir vergeht der Appetit.

Schirrmi

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