Klingelingeling

Virginia 2010
Virginia 2010

Liebe Leser,

das was der US-Amerikaner Samuel F.B. Morse 1837 als Morsetelegraphen konstruierte und damit die kommunikative Welt veränderte, wurde von großartigen Denkern und Erfindern (u.a. Antonio Meucci 1860, Johann Philip Reis 1863) verfeinert so dass nun auch Sprache elektronisch übermittelt werden konnte. Diese Erfindung, nennen wir es schlicht Telefon, wurde bauernschlau und nicht frei von Kontroversen, von dem Briten Graham Bell ein paar Jahre später aufgegriffen, patentiert und vermarktet. Auch wenn dieser Vorgang seitens Mr. Bell ein Beispiel an Frechheit, Diebstahl geistigen Eigentums etc. war, so war er doch so unternehmerisch begabt mit diesem neuen Medium die Welt und deren menschlichen Insassen flächendeckend (global) zu verändern.

Vor gar nicht allzu langer Zeit verständigten sich die Menschen mit Grunz- und Schnalzlauten. Das ging aber nur soweit wie das menschliche Gehör in der Lage war diese Laute zu vernehmen, ergo bedingte die Kommunikation eine gewisse Nähe zwischen Grunzschnalzenden und Adressaten. Anstatt einem Ausrufezeichen wurde auch gelegentlich die Keule geschwungen und bei Missachtung – von derselben Gebrauch gemacht. In diesem Sinne könnte man sagen dass es eine unmissverständliche Art der Kommunikation war. Die Diskussion ob früher alles besser war erspare ich uns an dieser Stelle. Wo war ich? Ach, ich schweife ab…

Ich als moderner und der Technik nicht abgeneigter Mensch verfüge über einen Anrufbeantworter. Dieser wurde damals wegen Geld erfunden. Nämlich konnten die Telefongesellschaften auch dann Umsatz machen wenn niemand den Anruf entgegennahm. Entweder wegen Abwesenheit oder aus Gründen. Im privaten Bereich bietet man dem Anrufer die Möglichkeit eine Nachricht zu hinterlassen. Im gewerblichen/öffentlichen Bereich hat man meist eine Ansage, kostenpflichtig, z.B. „Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an!“. Sei es drum, ich schweife wieder ab und komme nun endlich zum Thema.

Ich weiß nicht wie lange der Terror schon geht, etliche Jahre, Monate und das fast täglich, bestimmt. Mein Telefon signalisiert mir einen neuen Anruf. Ein kurzer Check, o.k. eine Servicerufnummer. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der Serviceanrufer legt auf und ich höre das bekannte tut-tut-tut. Gute Sache! Die andere, wesentlich häufigere Möglichkeit ist, dass ich so lange wie mein AB noch Aufnahmezeit hat, die Geräuschkulisse eines Call-Centers inklusive des Callcenter-Agenten höre. Das können Grunz- oder Schnalzlaute sein, despektierliche Kommentare über die „Kundschaft“ und sonstige nicht weiter erwähnenswerte Pups-, Schlürf-, oder Am-Arsch-Kratz-Geräusche.

Diese bestens ausgebildeten Callcenter-Agenten und, ich gehe mal von halbwegs gebildeten Mitteleuropäern aus, raffen es tatsächlich nicht dass sie grade mit einem Anrufbeantworter kommunizieren. Das heißt sie kommunizieren ja nicht, sie nutzen fremde Aufzeichnungsgeräte quasi wie eine unverlangte Peep-Show. Das Beste ist noch dass diese Aliens davon ausgehen dass jeder Bundesdeutsche Mitbürger arbeitslos ist. Denn diese Anrufe kommen meist in der Zeit von 10:30 Uhr bis ca. 16:00 Uhr.

Angewöhnt habe ich mir mittlerweile diese Anrufer bzw. dessen Servicerufnummerabsenderadresse zu notieren. Denn – manchmal habe ich ja auch mal Urlaub oder bin aus sonstigen Gründen mal tagsüber zu Hause.

Dann läuft es meist so ab:

*** KLINGELINGELING ***
Ich: „JS, einen schönen guten Tag!“.
Agent: „…“ (Pause, keine Antwort – man hört den typischen Call-Center-Background).
Ich: „Hallo?“.
Agent: „Hallo, spreche ich mit JS?“
Ich: „Mit welchem Namen habe ich mich denn gemeldet?“
Agent: „Entschuldigung! Kann ich mit Hr. JS sprechen?“
Ich: „Hier ist Micky Maus. Wollten Sie Hr. JS sprechen?“
Agent: „Ja genau, Hr. JS.“
Ich: „Und was meinen Sie wer jetzt hier dran ist?“
Agent: „Hr. JS?“
Ich: „Ja, und wer sind sie?“
Agent: (nun charmant und eloquent) „Ich bin Fr/Hr Sowieso, schön dass ich sie erreiche! Ich…“
Ich: „Moment bitte. Sie rufen mich doch schon seit Monaten an und quälen meinen Anrufbeantworter. Ich habe grade keine Zeit! Bitte buchstabieren sie mir ihren Namen und geben mir ihre Rückrufnummer, ich rufe zurück.“
Agent: „Ähm, tja.. Das geht nicht. Ich darf Ihnen meine Rufnummer nicht rausgeben“
Ich: „Tja, dann hat es sich ja wohl erledigt. Tschüss!“
Agent: „Moment… Wenn es ihnen jetzt nicht passt, wann hätten sie denn für ein Telefonat Zeit? Ich rufe sie zurück. Ich habe da nämlich ein furchtbar interessantes Angebot für sie.“
Ich: „Dann rufen sie mich doch am 30. Februar 20xx um 23:20 Uhr noch mal an. Ja? Vielen Dank!
Agent: „Ja, prima, Danke. Auf Wiederhören!“
Ich: „Arschloch!“
*** tut – tut – tut ***

Zahllose Variationen sind verbürgt. Sagt mal? Wie dumm kann ein Mensch überhaupt sein? Ich meine vielmehr die Organisationen die dahinter stecken? Die, die den meist unterbezahlten und geknechteten Mitarbeitern Gesprächsleitfäden überlassen die noch nicht mal das Papier wert sind auf die sie gedruckt sind. Es sind ja meist so Firmen wie Telekom und andere Telko-Anbieter, Sky oder andere TV-Anbieter, Burda oder andere Zeitschriftenverlage, Umfrageinstitute und dergleichen. Mich ärgert maßlos wie hier flächendeckend (global) Telefonterror betrieben wird. Es könnte ja auch sein dass ich noch einen AB habe der magnetisch auf Tape aufnimmt. Wer kommt dann für mein Verbrauchsmaterial auf? Diese Rübennasen doch bestimmt nicht!?!

Ich frage mich wie es wäre wenn es kein Telefon gäbe und diese Agents mich persönlich ansprechen würden. Dann würde ich einfach die Keule zeigen und der Terror hätte ein Ende.
Ist es zu viel verlangt wenn ich mir nur ein wenig Frieden auf der Welt und Verständnis unter den Menschen wünsche? Das der Terror aufhört der sich mittlerweile in alle möglichen private Bereiche einschleicht?

In Ermangelung eines diesbezüglichen Bildbeweises könnt ihr euch, passend zum heutigen, herrlichen Wetter, am oben gezeigten Bild „Willkommen im Frühling (Virginia, USA)“ ergötzen.

Euer Schirrmi

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