Hasenöhrchen

Die Kassiererin, so lang wie breit, kicherte und ihr Körper wallte unter der Kittelschürze, ihr kleines Kassiererinnenstühlchen ächzte und die Kundin, vor mir an der Kasse, schaute betreten. Beim Hamstern im lokalen Rewe passiert normalerweise nichts Aufregendes. Doch letztens versprach diese kleine Szene Auflockerung im Corona-Alltag.

„Hihi, haha, grunz.., was kos…, hihihiHAHAAHAAA, was kostet.. hihi.., nee das kann ich nicht!“ so die Kassiererin während sie wie FBI-Agent Smith in ein kleines, an ihrem Revers befestigtes Mikro spricht. Die Kundin murmelt etwas wie: „Kann ich doch nichts für. Der bekommt ab und zu mal was Besonderes.“ Die Kassiererin daraufhin: „Ja, aber die sind nicht eingepreist. Sowas haben wir nicht oft im Angebot – Hasenöhrchen mit Fell für Hunde.“ „Hahahahaha, hihi, grunz..“.

Da verstand ich und nutzte die Gelegenheit zu erwähnen dass ja hoffentlich Hundekarneval sei, und der Hund diese Hasenöhrchen mit Fell mit einem Gummiband auf den Kopf bekommt. „Hehe, hihihihihi, grunz, würg…“. Die beiden Damen kriegten sich nicht mehr ein. Die Kundin antwortete „Nee, hihi, der frisst das!“. Ich war ein wenig erschrocken, na ja, jedenfalls tat ich so und erwiderte empört: „Wie bitte? Mit Hasenöhrchen fängt es an und mit Indianerskalps hört es auf, oder?. Wo leben wir denn, bitte?“. Alle beide: „Hihi, hahaHAHAAHIHI, grunz, schmatz..“. Ich: „Da gibt es eigentlich nichts zu lachen! Das ist mir Ernst!“

Die Kassiererin macht einen neuen Versuch, rückt mit Daumen und Zeigefinger ihr Revers in Richtung ihres riesigen Mund, und schickt sich an in Ihr Mikro zu sprechen. Ich habe Angst, dass sie es aus Versehen verschluckt und sage es ihr auch. „Hihi, haha, grunz.. können Sie bitte damit aufhören? Ich muss nach dem Preis fragen, hihi, hahahahaHAHAAA, grunz..“ krakeelt es auch ihr heraus – ohne Mund-Nasen-Schutz. Ich ignoriere sie und sage zur Hundebesitzerin: „Professionell ist das von der Kassiererin ja nicht grade. Vielleicht sollte sie es mal mit autogenem Training versuchen.“. Beide: „Hehe, hihiHIIIIIHIHII, ich muss Pippi machen, grunz..“.

Das muss wohl der entscheidende Tipp gewesen sein – autogenes Training. Die Kassiererin holte tief Luft und entspannte ihre Gesichtszüge. Damit konnte sie nun mit diesem Knautschgesicht einem Mops Konkurrenz machen. Ich stellte sie mir mit Hasenöhrchen mit Fell auf dem Kopf vor und ich musste aufpassen selbst weiterhin cool zu bleiben. Denn ich wollte ja irgendwann mal da fertig werden.

„Herr Pimmelkopf, ja, ich bins. Sagen Sie mal, was kosten die Hasenöhrchen mit Fell?“ Ihr Gesicht wurde immer roter und blähte sich zu einem Ballon auf. Sie wartete offenbar die Antwort von Herrn Pimmelkopf ab und ich befürchtete schon Schlimmstes. Was meinen Sie was passiert, wenn so ein Mops-Gesicht platzt? Mit ohne Hasenöhrchen mit Fell? Sie riss sich das winzig kleine Mikrofon aus dem Mund und ihr ganzer Körper schwabbelte und bebte während sie „7,99 Euro“ rauspresste. Ohne lange zu fackeln mischte ich mich noch mal ein und meinte: „Das ist nicht zu teuer. Aber sagen Sie mal. Wachsen die Hasenöhrchen denn auch nach? Ist doch grausam die Viecher ohne Ohren rumlaufen zu lassen.“ „HihiHAAAAHAHAHA, hihi, grunz…“ – eine ordentliche Antwort erhielt ich nicht. Sowas von unhöflich!

Als ich endlich dran war und meine Alkoholfreien Wodka- und Weinflaschen sowie das Klopapier mit Nudeln und Ketchup gescannt waren, fragte ich die Kassiererin „Sagen Sie mal, was kosten die rasierten Frettchenpfötchen?“. ….

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