Wildlife in der Großstadt

Die Mauer steht noch
Die Mauer steht noch

Hallo Gemeinschaft!

Die letzten Tage war ich mal wieder in einer deutschen Großstadt unterwegs. Ich nutzte den „Brückentag“ für Dinge zu denen ich sonst nicht komme, zum Beispiel wie manche unserer Mitmenschen, die Ausgegrenzten, die diesen „heiligen“ Tag unter einer „Brücke“ verbrachten und den lieben Gott einen guten Mann sein ließen und das unerwartete schöne, sonnige Wetter genossen. Abschweifenderweise möchte ich hinzufügen dass ich mich mein ganzes Leben lang und andauernd wundere wie die Meteorologen ihre Ausbildung geschafft haben, wäre da nicht mal eine kleine Fortbildung, bspw. in der Volkshochschule fällig, damit die ungenügenden Vorhersagen aufhören?!

Bei richtig unerwartet und beständig schönen und wundervollen Wetterverhältnissen verbrachte ich mit – und bei S. einige Zeit in K., von welcher  man sagt – die Stadt – sie wäre die viertgrößte der BRD und hätte mehr als eine Millionen Einwohner.

Man kann sich vorstellen dass sich die unterschiedlichsten Geschöpfe und Gestalten in einer solchen Stadt zusammenfinden mit mehr oder weniger dem Willen zusammen zu leben. Unterschiedliche Kulturen prallen aneinander, Herr Arm und Frau Reich und umgekehrt, sehen sich tagtäglich in die Augen und müssen sich einander eine der flächengrößten Städte Deutschlands teilen. Dieses Teilen geschieht hinsichtlich von Frau und Herr Reich auf freiwilliger Basis. Unterhaltungen der aufstrebenden Gruppe drehen sich darum dass der neue Audi R8 oder der Porsche Carrera GT noch weitere, überdachte Parkplätze benötigen. Die meisten von ihnen schienen ärgerlich zu sein!

Die anderen, der Zahl nach überaus potent, müssen mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Ich sah Lebensräume der Privilegierten, Villenviertel, viele davon waren größer als wie die andere, größere Zahl an Menschen Platz zum Leben haben. Ich sah Slums in der Innenstadt, wo Menschen von Beton umzingelt sind. Und sah aber auch dass diese Menschen, keine Anwälte, keine hochbeamteten, keine hochgewählten Grundschullehrer, doch immer das Beste und das Schönste aus der gegebenen Situation zu machen wissen. Manche schienen glücklich zu sein!

Als Beobachter, nicht arm und weiß Gott nicht reich, weiß ich diese Lebensverhältnisse zu bewerten. Bin ich doch hier in der BRD aufgewachsen und genoss die Schul- und Bildungsmöglichkeiten. Ich durfte u.a. in die Soziologie, das Rechtswesen, die Politik, die Marktwirtschaft Einblick haben aber auch lernen wie man Mitgefühl, Gemeinsinn und Realität lebt. Und teilweise auch, Fingerspitzengefühl (Grüß dich, Hr. Röttgen!).

Aber egal was ich gelernt und nicht gelernt habe, eine meiner Passionen ist die Beobachtung von Vögel. Ornithologie genannt. Im Grunde unnützes Wissen in der Großstadt und Sonstigen… Hat mir aber damals als Kind geholfen über manche Dinge hinwegzukommen. Weil es keine Beschäftigung der Konfrontation sondern der Beobachtung ist. Weil es mich gelehrt hat geduldig zu sein und einfach das zu kategorisieren und zu bewerten was ich sehe. Genauso wie ich es mit meinen Mitmenschen mache.

Ich kenne ziemlich viele Vögel und kann sie bestimmen. Wenn ich einen Vogel zwitschern höre kann ich sagen welcher Vogel das ist, wenn ich am Himmel eine Kontur sehe bin ich ebenfalls in der Lage zu bestimmen was es für ein gefiederter Freund ist.  Manche meiner Lieben rege ich damit auf, bspw. wenn ich meine kleinen, süßen Ohren anstatt auf die Unterhaltung auf die fliegende Umwelt richte. Oder wenn meine Zeigefinger hochschnalzen, Oh und Ah Rufe ausstoßend und auf fliegende (gefiederte) Objekte zeigen. Oder wenn der Stillfinger (Zeigefinger auf die geschlossenen Lippen) anzeigt dass die Unterhaltung nun vorbei ist nur um ein Piepsen oder Pfeifen besser hören zu können.

Die Beste Gegend habe ich mir ausgesucht. Ich wohne im Westerwald welcher ziemlich viel Wald hat. Und viel Natur. Und Vögel. Es ist sehr heimelig hier. Und angenehm wenn man es mag. Nicht so übervölkert. Und die Haus- und Grundstückspreise sind absolut in Ordnung. Hier kannste echt Fuchs und Hase Gute-Nacht-Sagen sehen und hören. Hier kannste den Rotmilan vor deiner Balkontür sehen wie er reinlurt und dir wie nebenbei ein paar prächtige Federn hinterlässt. AAAber – was ich hier im Westerwald habe, ist in der Innenstadt von K. mindestens, wenn nicht ebenso prächtig anzusehen. Was mich erst verwundert, dann ungläubig und letztendlich fasziniert hat. Nämlich das dort in den Slums Tiere unterwegs sind die ich dort nie erwartet hätte…

Wie ein majestätischer Bussard gegen eine gewöhnliche Krähe im Luftkampf versagt hat. Der große und schreckliche Kolkrabe aber von einem kleinen, wieselflinken Turmfalken besiegt wurde. Die Elster sich einen Star geschnappt hatte nur weil er ein Leckerli im Schnabel hatte, dass die Eichhörnchen (ein Rotes und ein Graues – Liebespaar) trippelnd und trappelnd mein Gastzuhause in K. als Rennbahn missbrauchen, die Kohlmeise wie ein Jurastudent hochnäsig in die Luft schaut und sich nicht über die herumwuselnden Blaumeisen schert, die in Formation herumjagenden und schrill schreienden Mehlschwalben die ich sonst nur im „Swalfenhus“ auf Rügen so ausgelassen sah, das kleine Mäuschen welches sich am Vogelfutter bedient und mir 3 Minuten lang in 50cm Entfernung stocksteif in die Augen starrt als ob ich ein Mäusebussard  wäre, der Buntspecht den ich hier im WW noch nie sah, der aber in K. am Beton rumspechert, Frau und Herr Buchfink die sich offensichtlich sehr lieben und sich um ihre Brut kümmern, Elsternpaare die ich das erste Mal beim Nestbauen entdeckt hatte anstatt sich von meinen Tissot-Geschmeide angezogen zu fühlen. Ihr Lieben, ich muss euch sagen – ich fühle mich da in der Großstadt doch sehr wohl. Sehe ich Dinge die ich hier auf dem Land nicht sehe, sehe die Welt und die Menschenkinder mit anderen Augen, sehe und lerne, lerne zu sehen.

Ich glaube überall ist es schön. Man muss nur die Augen und das Herz aufmachen.

Euer Schirrmi.

P.S.: Eine aktuelle Erkenntnis – es kann einen lang hinschlagen wenn man auf Socken unterwegs – vergisst – dass die Reinemachfrau (nach drei Wochen Urlaub) wieder den Boden gewienert hat

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