Unser täglich Brot

Gesehen in Rothenburg o.d. Tauber
Gesehen in Rothenburg o.d. Tauber

Fast zwei Monate ist es her dass ich hier einen Blog geschrieben habe. Was Schade ist. Ich roste ein. Es ist vermutlich meiner allseits bekannten Rechtschreibschwäche nicht zuträglich. Hat aber eine Vielzahl an Gründen – das Nicht-Bloggen. Sicherlich ist der Hauptgrund dass ich nur selten Kommentare des geneigten Lesers erhalte. Nebengründe sind der angestellte Broterwerb, auch „Knochenmühle“ genannt, der Festival- und Musiksommer sowie Weiteres in der Rubrik „Weiteres“ wie zum Beispiel Haus- und Gartengestaltung in eigenem Zweck und aus Gründen.

Jetzt könnte hier eigentlich Schluss sein. Habe ich doch den Hauptgrund genannt – Ihr Schwachk…, ähm, meine lieben, geneigten Leser. Trotzdem gibt es ein Erlebnis in meiner kleinen Welt welches mich dazu bringt doch noch einmal meinen Sermon in die Welt zu verbreiten. Nämlich das biblische Fragment „Unser täglich Brot“.

Genaugenommen und sehr privat, ist im Wortsinne „Unser täglich Brot“ nicht mein täglich Brot. Aufgrund einer leidigen Allergie sollte ich möglichst davon Abstand nehmen. Von daher spreche ich nunmehr auf der Metaebene zum Thema. In der Hauptsache waren meine Brote in diesem Sommer: Musik, Frauen, endlose Wanderungen und, nun ja, zum Broterwerb gehören nun mal auch endlose Arbeit, wochenlange IT-Bereitschaften und Changes die meist am Wochenende oder nachts erledigt werden müssen. Letzteres werde ich nicht wieder erwähnen um den Spannungsbogen bei euch aufrecht zu erhalten.

Die diesjährigen Highlights an Livemusik lassen sich nicht mehr an zwei Händen abzählen. Eine ungeordnete Liste ohne Priorität, Vollständigkeit und Erleben wäre Tenacious D, Metallica, Donots, Red Hot Chili Peppers, Bush, Sondaschule, Die Toten Hosen, Linkin Park, Billy Talent, The White Stripes, Placebo, Beatsteaks u.v.m. Entweder habe ich einen Hörsturz oder ich bin vor lauter Geilheit auf Musik schwachsinnig geworden. Anders kann ich mir nicht erklären warum eine junge, gutaussehende Anwältin mich auf dem Firmenparkplatz ansprach ob meine Karre defekt wäre, würde so komische Geräusche machen (…). Ich konnte nur brüllen das es Musik wäre und zwar Bro Hymn von Pennywise. Ganz entgegen meiner Art „Cool bleiben, keine Antworten – keine Fragen!“ verteidigte ich eine herausragende Band anstatt der männlichen Natur gemäß zu fragen ob sie in der Mittagspause schon was vorhätte. Na ja, wenn es Ihrerseits ein Flirtversuch war, so habe ich ihn sabotiert. Falls es von ihr nett und aufmerksam gemeint war – sabotierte ich ebenfalls.

Im Nachgang an eines der Festivals saß ich im Büro und arbeitete wie gewohnt fleißig und mit höchster Effizienz so vor mich hin (Ja, ich weiß, ich wollte nicht mehr vom Horror schreiben). Aufgeschreckt von meiner intensiven Arbeit wurde ich von einer Hand die sich auf meine Schulter legt. Ich nahm die Kopfhörer aus dem Ohr (Placebo:The Never-Ending Why), mein Chef fragt warum ich nicht ans Telefon gehen würde. Ich antwortete, welches Telefon? Und warum fragst Du mich ewig immer das Gleiche?

Auf dem „Rock im Pott Festival“ in der Veltins Arena beobachten S. und ich die Kamerateams von 1Live und WDR. Diese wuselten durch die Menschenmenge und erlaubten sich fremde Leute filmenderweise anzusprechen und erwarteten Antworten sowie Kommentare auf Fragen wie z.B. „Warum seid ihr hier?“. Klare Antwort in diesem Fall: „Wegen Heino und um Reporter zu tollschocken!“. Na ja, ganz so krass war ich entgegen meiner Natur nicht. Bemerkenswert ist eigentlich nur dass ich mich mit S. besprach in dem Sinne dass ich es hasse interviewt und gefilmt zu werden. Das ich derjenige, der Einzige unter zig-Tausenden Menschen bin der auf so etwas keinen Wert legt. S. pflichtete mir bei. Amüsiert beobachteten wir die Filmteams wie Sie in der Art von „Haste mal ‚ne Mark?“ fremde Menschen ansprachen. Grade mal weggeguckt und wieder hin – steht doch da ein komplettes Filmteam belästigend vor uns! Konnte meine Faust grade noch so in der Schlagbewegung einhalten um – damit ich nicht auffalle, so zu tun als ob ich mir beiläufig eine Haarsträhne zurückstreichen wollte. Der Rest ist öffentlich bekannt. Frage: „Wegen welcher Band seid ihr hier?“ – Antwort: „Boss Hoss“ (muhahaha, rofl!). Frage: „Wie gefällt es euch hier in der Arena?“ – Antwort: „Für das Geld hätten wir mehr erwartet. Die Akustik ist so was von Endscheiße!“ Nach einem lieblosen Tschüss war der Fall dann auch erledigt.

Aber das ist halt das tägliche Brot – für beide Seiten, meine und Andere.

Resümierend schwelge ich noch und erwarte noch mehr von diesem Jahr hinsichtlich Musik. In Bezug auf Frauen oder vielmehr Frau, hatte ich Glück. Nur leider ging alles so schnell und übereilt ohne dass ich eigentlich Zeit hatte mir selbst klar zu werden was ich möchte und was ich brauche. Das ist ein Thema woran ich, wir, noch knabbern. Es ist aber zu privat um dieses Thema hier auszubreiten.

Im Rahmen des Taubertal-Festivals fungierte ich wie gewohnt als Stadtführer und Wissender. Wenn manchmal ein Führer fehlte so führte ich („Heil Ich!“). Wenn manchmal ein Spaßvogel fehlte so vögelt.., ähm, so sorgte ich für Belustigung, wenn kulinarische Empfehlungen angesagt waren so gab ich bereitwillig Auskunft über Cunnilingische Gepflogenheiten, wenn Fachfragen zu VIP-Bereichen zu erörtern waren, so waren uns – mit mir und mit meiner riesigen G10, als Profifotograf , Tür und Tor geöffnet.

Dies alles und noch viel mehr ist mein tägliches Brot welches mein Überleben in dieser verfickten Facebook- und iGedöns-Welt sichert. Nämlich Freude und Freunde, richtiges Leben, Liebe, Zuneigung, Geborgenheit und.. – Musik.

Euer Schirrmi

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