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Happy Birthday, Bob

Wer mich kennt, der weiß dass ich Geburtstage verschwitze. Ich habe ausgeklügelte Organisationsmethoden rund um Geburtstage entwickelt jedoch, es hilft nix. Am Vortag noch dran gedacht und ausgiebig darüber geschwätzt – am nächsten Tag.. weg. Verpasst. Mindestens einen Tag danach fallen mir wieder die Schuppen von den Augen. Und wie peinlich, ich muss nachträglich gratulieren. Diejenigen die mich kennen, kennen es schon.

So auch diesmal. Der wunderbare Bob Dylan hatte gestern Geburtstag. Stolze 75 Jahre hat er erreicht und ist immer noch nicht leise. Glückwunsch!

Ich könnte jetzt ein paar Sätze zu ihm und zu meinem Verhältnis zu ihm, oder besser, zu seiner Musik schreiben. Das überlasse ich diesmal aber dem Lindwurm. Der kann es besser. Ich empfehle folgenden Artikel von ihm:

You fight for the throne and you travel alone – Happy Birthday, Bob Dylan

Wenn sich erst mal Kunsttheoretiker, Kulturwissenschaftler und Leute, die ansonsten unverständliches Angeberkauderwelsch in Ausstellungskataloge oder elitäre Hirnwixermagazine schmieren, mit einem befassen und einen im Zuge gut gemeinter Erklärungsaufsätze zum Objekt ihrer Sprachvernichtungen machen, muss man sich als Rockmusiker entweder die Kugel geben oder Bob Dylan sein, denn wenn man Bob Dylan ist, dann ist es einem egal, dass sich sogar in der Klagenfurter Universitätsbibliothek, gut versteckt in der Anglistikabteilung, eine Magisterarbeit über die „Surrealen Elemente in den Texten Bob Dylans“ findet.

Hier weiterlesen ist Pflicht!

Mobilization in Montabaur (Teil 2)

Letztens veräußerte ich kostenlos ein paar meiner Gedanken hinsichtlich Mobilization in Montabaur. Wie angedroht möchte ich Ihnen nun noch ein paar restliche Zeilen in Ihre Köppe die Tasten klimpern.

Den Flyer in der Hand, die Herzensdame neben mir, beides betrachtend, entschloss ich mich spontan „husch, husch“ rufend, doch noch auf den Mons Tabor klettern zu wollen. Und rief ein Taxi. Der sehr freundliche aber irgendwie stinkende, verschwitzte Schlawiner hielt auf Bitten zunächst an der Tanke um Dosenpackungen und Kippenbier einzuladen. Dann ging es auf verschwurfelten Wegen zur Lokalität. Angekommen entließ ich wort- und wutreich meine Ortskenntnisse, pubste auf den Luxussitz und verließ regelrecht brüskiert die Kutsche. Die da hinten auch.

Mobilization-Montabaur_IMG_7040

„Mauerwerk“ so leuchtete die Reklame unserer Hände´s Weg – des Dosenbieres zu den Schlündern. „Gluck gluck“ und „haste mal Feuer?“ nervte nicht, ich zwinkerte liebevoll die Milf neben mir an. Wir konnten grade einen Blick an die Abendkasse erhaschen. Denn recht neckig öffnete sich ab- und zu mal die Tür ein Spaltbreit und ein Clown schaute heraus. Ich blickte mit blutunterlaufenden aber mit dennoch mitfühlenden Augen hinein und Schwupps – die Tür schloss sich wieder.

Hier gibt es keine Security. Keine aufgepumpten vom Polizeidienst freigestellte, freilaufende Menschen Tiere. Hier ist es entspannt. Mit Einander versammelte man sich, alle klein – ich groß, alle süß – ich nicht, schunkelnd und vor Vorfreude bibbernd vor der Eins-A-Adresse in huldvoller Erwartung der Türöffnung um sich einen guten Platz an der Theke zu sichern. Mit Blick auf die Bühne, kürzeste Wege zum verwichsten Klo, den Schokoladen Bierbrunnen aber immer in Reichweite.

Mit wildem Blick, und ich kenne mich ja, versuchte ich mir nach dem ganzen elendigen Schnaps eine Grundlage zu schaffen und erblickte die Speisekarte. Ja, so ein Kinderschnitzel – das wäre es. Erst fressen und dann missbrauchen. Oder umgekehrt. Die Reihenfolge ist mir als langjähriger Insasse, heute Freigänger, egal. Ich bin ja nicht der, der im sogenannten halbwegs gebildeten Mitteleuropa seiner Kinder egal ist – und Knete braucht.

Mobilization-Montabaur_Kinderschnitzel_

Haha, grunz, schluck – sah ich die Damen die da vor der Tür um uns herumfrieren, hihi, kürzlich noch aufgebrezelt auf einem Abi-Ball, sehen sie heute genau gleich aus. Viel zu wenig an. Mir doch egal. „Eyh, Fotze Gradeachtzehngewordene! Schönes kein Kleid hast Du an, hehe!“ Mit einem Unterschied. Die meisten haben, ach wie verrucht, ihre Augen für ein Punkrockkonzert dunkel geschminkt. Alle dieser Zwerge waren ohne ihre Eltern da. Nur Einer nicht.

Was weiter passierte und welch ein Honk das war… Aber das will ich Ihnen morgen erzählen. Vielleicht.

Schirrmi

Mobilization in Montabaur (Teil 1)

Letztens in Montabaur. Wem diese Stadt kein Begriff ist: es handelt sich um eine Kleinstadt im Westerwald. Da wo die Eingeborenen so lange Arme haben. Weil sie noch Keulen tragen. Und wenn man sie da wirr herumgehen sieht, passt es auch wieder. Denn die da im WW haben schmale vermatschte und vergammelte nach Jauche stinkende Gräben rechts und links ihrer ihrer schmalen Straßen und Wege. Da können sie mal locker baumeln lassen, die Arme mit den Keulen unten dran. Aber sprechen Sie sie bitte nicht darauf an. Es folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein „ÖCH, UH, UFF!, OCH! PRRRFFFRZRZZZZ!“ Am Ende immer „UFF“.

Warum die Evolution in dieser Gegend vor Millionen von Jahren Einhalt gegeben hat kann ich Ihnen nicht mit Sicherheit sagen. Es ist nun mal so. Man muss man damit klar kommen oder auch nicht. Beides ist schlimmer als schlimm. Aber da will ich Ihnen nichts erzählen. Hier tragen die Menschen, habe ich Menschen gesagt? Jedenfalls tragen hier die Leute die Klamotten auf, die vor 8000 Jahre mal Mode waren. Die werden quasi per Carepaket eingeflogen. Oder die Verwandten schicken mal etwas zu Ostern oder zu Weihnachten. Luftbrücke. Fallenlassen und schnell wieder weg. Eine gottverlassene Gegend. Eine von allen guten Geistern verlassene, Kleine in sich verwurzelte Gemeinschaft. Mit? Mit langen Armen. Wegen? Na, Sie wissen schon. „UFF, FRRESSDA, ÖFFFFÖFF, PRERRZZZEEZELSPRATTEL“ so oder so ähnlich kommen die wohlüberlegten Sätze aus diesem kleinen widerlichen Bergvolk heraus wenn man sie lediglich nach der Richtung fragt. Wie man hier wieder weg kommt.

Es begab sich also die Tage dass ich auf ein Punkrock-Flyer aufmerksam wurde. Hmh, jaja, höhö, schallendes Gelächter machte sich in mir erst leise dann laut und dreckig den Weg. Aber nun ja, aus Gründen wollte ich mich über das Line-Up informieren. Welches wie folgt, geplant war:

2016-03-19_Mobilization_Mauerwerk-Line-up

Sie alle wissen sicher was beim Betrachten des Fotos auffällt. Was vielleicht witzig gemeint ist. Nicht? Ich will es Ihnen erklären. Hinter den Bandnamen wird die Musikrichtig <KOMMA> <ORT> angedruckt. Und nun, meine geneigten Leser. Was um Gottes Willen unterscheidet Montabaur vom Westerwald oder Westerwald vom bekloppten Westerburg oder vice versa? Und weiter, Sie wissen es schon – es stellt sich die Frage wozu überhaupt eine Ortsangabe der aufzutretenden Wilden wichtig ist. Hat der Platz auf dem Flyer nicht gereicht um die Angaben noch um das Alter der Protagonisten oder dem erlernten Beruf der Eltern anzugeben? Oder ob es lieber von hinten oder von, hach, ich reg mich UFF! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „PUNK, Westerwald“. Herrlich, nicht? Man stelle sich mal vor wenn sich beispielsweise damals die Sex Pistols auf den Flyern vorgestellt hätten mit: „PUNK, Kleinbüllersheim, Arschlochhausen, Dreckstadt e.v.“ vorgestellt hätten.

Ich schweife ab. Ich schweife mit Ihnen zur, und Sie ahnen es sicher, zur regelrechten Korinthenkackerei ab. Nämlich den weiteren Angaben auf dem sogenannten Flyer. Da unten versuchte man die wichtigsten Angaben zum Festival kundzugeben. Dazu wählte man eine der Schreibmaschinen nahe Schrifttype. Exkurs: Was ich damals gehasst hatte, hat man sich verschrieben musste man das Blatt wegwerfen und von neuem beginnen. Und ja, auch dass man mal Groß- manchmal auch Kleinbuchstaben benutzen musste – das war lästig aber in der damaligen Schreibung wichtig für Satz und Bild sowie Lesefluß. Dazu musste der Umschalthebel für Großbuchstaben bewegt werden was, hihi, ein wenig Kraft im Fingerchen erforderte. Nun also, wenn man es nicht besser weiß, schreibt man alles groß oder wie im vorliegenden Fall von frischen Abiturienten, einfach alles klein.

So süß fing die Vorfreude an. Und wie es weiterging, davon erzähle ich Ihnen Morgen. Oder auch nicht. Und das war frei nach Matla.

Für den vermaledeiten Gruß am Schluss fand ich einen widerlich stinkenden, mir fremden Rock in der Couchritze und zog ihn an. Saugte noch kurz an der Pief, schluckte den Alk um schreiben zu können:

Mit rockigen Grüßen,
Euer Schirrmi

The Show Must Go On

The Show Must Go On

Herbst 2015 – ich war in Kölle auf dem Morrissey Konzert. Der Vorspann war grenzwertig – ein Highlight war aber eben dieses hier:

Das berührt was in mir.

Baby, although I chose this lonely life
It seems it’s strangling me now
All the wild men, big cigars, gigantic cars
They’re all laughing at me now

Oh, I’ve been used, ooh-hoo
I’ve been taken for a fool, oh, what a fool
I broke all the rules, ooh, yeah
But I won’t let the show go on

Baby, there’s an enormous crowd of people
And they’re all after my blood
I wish maybe they’d tear down the walls of this theater
And let me out, let me out

Oh, I’ve been so blind, yeah
I’ve wasted time, wasted, wasted oh, so much time
Walking on the wire, high wire, yeah
But I won’t let the show go on

I’ve been so blind, oh, yes, I’ve been so blind
Wasted my time, wasted so much time
Walking on the wire, high wire, yeah
But I won’t let the show go on

Baby, I wish you’d help me escape
And help me get away
Leave me outside my address
Far away from this masquerade

I’ve been so used, I’ve been so abused
I’ve been a fool, I broke all the rules
I’ve been so used, oh, and abused
But I won’t let the show go
But I won’t let the show
Oh, won’t let the show go on

Johannes