Mobilization in Montabaur (Teil 1)

Letztens in Montabaur. Wem diese Stadt kein Begriff ist: es handelt sich um eine Kleinstadt im Westerwald. Da wo die Eingeborenen so lange Arme haben. Weil sie noch Keulen tragen. Und wenn man sie da wirr herumgehen sieht, passt es auch wieder. Denn die da im WW haben schmale vermatschte und vergammelte nach Jauche stinkende Gräben rechts und links ihrer ihrer schmalen Straßen und Wege. Da können sie mal locker baumeln lassen, die Arme mit den Keulen unten dran. Aber sprechen Sie sie bitte nicht darauf an. Es folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein „ÖCH, UH, UFF!, OCH! PRRRFFFRZRZZZZ!“ Am Ende immer „UFF“.

Warum die Evolution in dieser Gegend vor Millionen von Jahren Einhalt gegeben hat kann ich Ihnen nicht mit Sicherheit sagen. Es ist nun mal so. Man muss man damit klar kommen oder auch nicht. Beides ist schlimmer als schlimm. Aber da will ich Ihnen nichts erzählen. Hier tragen die Menschen, habe ich Menschen gesagt? Jedenfalls tragen hier die Leute die Klamotten auf, die vor 8000 Jahre mal Mode waren. Die werden quasi per Carepaket eingeflogen. Oder die Verwandten schicken mal etwas zu Ostern oder zu Weihnachten. Luftbrücke. Fallenlassen und schnell wieder weg. Eine gottverlassene Gegend. Eine von allen guten Geistern verlassene, Kleine in sich verwurzelte Gemeinschaft. Mit? Mit langen Armen. Wegen? Na, Sie wissen schon. „UFF, FRRESSDA, ÖFFFFÖFF, PRERRZZZEEZELSPRATTEL“ so oder so ähnlich kommen die wohlüberlegten Sätze aus diesem kleinen widerlichen Bergvolk heraus wenn man sie lediglich nach der Richtung fragt. Wie man hier wieder weg kommt.

Es begab sich also die Tage dass ich auf ein Punkrock-Flyer aufmerksam wurde. Hmh, jaja, höhö, schallendes Gelächter machte sich in mir erst leise dann laut und dreckig den Weg. Aber nun ja, aus Gründen wollte ich mich über das Line-Up informieren. Welches wie folgt, geplant war:

2016-03-19_Mobilization_Mauerwerk-Line-up

Sie alle wissen sicher was beim Betrachten des Fotos auffällt. Was vielleicht witzig gemeint ist. Nicht? Ich will es Ihnen erklären. Hinter den Bandnamen wird die Musikrichtig <KOMMA> <ORT> angedruckt. Und nun, meine geneigten Leser. Was um Gottes Willen unterscheidet Montabaur vom Westerwald oder Westerwald vom bekloppten Westerburg oder vice versa? Und weiter, Sie wissen es schon – es stellt sich die Frage wozu überhaupt eine Ortsangabe der aufzutretenden Wilden wichtig ist. Hat der Platz auf dem Flyer nicht gereicht um die Angaben noch um das Alter der Protagonisten oder dem erlernten Beruf der Eltern anzugeben? Oder ob es lieber von hinten oder von, hach, ich reg mich UFF! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „PUNK, Westerwald“. Herrlich, nicht? Man stelle sich mal vor wenn sich beispielsweise damals die Sex Pistols auf den Flyern vorgestellt hätten mit: „PUNK, Kleinbüllersheim, Arschlochhausen, Dreckstadt e.v.“ vorgestellt hätten.

Ich schweife ab. Ich schweife mit Ihnen zur, und Sie ahnen es sicher, zur regelrechten Korinthenkackerei ab. Nämlich den weiteren Angaben auf dem sogenannten Flyer. Da unten versuchte man die wichtigsten Angaben zum Festival kundzugeben. Dazu wählte man eine der Schreibmaschinen nahe Schrifttype. Exkurs: Was ich damals gehasst hatte, hat man sich verschrieben musste man das Blatt wegwerfen und von neuem beginnen. Und ja, auch dass man mal Groß- manchmal auch Kleinbuchstaben benutzen musste – das war lästig aber in der damaligen Schreibung wichtig für Satz und Bild sowie Lesefluß. Dazu musste der Umschalthebel für Großbuchstaben bewegt werden was, hihi, ein wenig Kraft im Fingerchen erforderte. Nun also, wenn man es nicht besser weiß, schreibt man alles groß oder wie im vorliegenden Fall von frischen Abiturienten, einfach alles klein.

So süß fing die Vorfreude an. Und wie es weiterging, davon erzähle ich Ihnen Morgen. Oder auch nicht. Und das war frei nach Matla.

Für den vermaledeiten Gruß am Schluss fand ich einen widerlich stinkenden, mir fremden Rock in der Couchritze und zog ihn an. Saugte noch kurz an der Pief, schluckte den Alk um schreiben zu können:

Mit rockigen Grüßen,
Euer Schirrmi

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