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Seltsame Limo, boshafte Geschenke

Kennen Sie das? Sie schaffen von früh (noch Nacht) bis spät (schon wieder Nacht) an einem Computerarbeitsplatz und irgendwann trauen Sie Ihren eigenen Augen nicht mehr? Wenn die Sehmuskeln müde werden und das Angepeilte immer unschärfer wird? Das Kleine nebelverhangen, das Große – beim Blick aus dem Bürofenster über die weiten Felder des Westerwalds eine Wohltat. Wenn man auf der Konsole diese klitzekleinen weißen, flirrenden Buchstaben nicht mehr recht sieht und die Kommandobestätigungstaste zu schnell gehauen hat, dann könnte es passieren dass man es erst merkt wenn es zu spät ist. Nämlich dass man sich anstatt auf dem Test- auf dem Produktivsystem befindet. Dann ist Zeit Feierabend zu machen. Quasi das Messer in der Sau stecken lassen und „nach mir die Sintflut!“.

So auch an einem Tag in dieser Woche. Mitten in der Nacht fahre ich nach Hause und habe noch einen kleinen Umweg zum Supermarkt im Hinterkopf. Die entgegenkommenden Autos blendeten mich, blendeten auf. Ich wunderte mich. Diese Idioten! Im Supermarkt angekommen freute ich mich auf Süßigkeiten. Nervennahrung. Da kam ich an einem Sonderposten von exklusiven Limoflaschen vorbei und griff mir zwei. An der Kasse bemerkte ich dass ich noch meine Sonnenbrille anhatte und zog mich obenrum aus um überhaupt etwas sehen zu können. Die sind aber so klein, die Zettel. Die Idioten! Komischerweise sah ich anschließend besser im Straßenverkehr als vorher. Seltsam.

Daheim, ich tauschte schnell den Zwirn gegen wohlduftende Gemütlichkeit, machte ich die Glotze an, stellte mir die Limos und ein paar Kekse zurecht und freute mich auf die zwei aufgenommenen Sendungen, Küchenschlacht und Bares für Rares. Ersteres hörte sich für mich gut an denn ich schaue gerne Horrorfilme. Wunderte mich nur dass das mittags ausgestrahlt wird. Die andere Sendung, die wird da von so einem älteren Lederjackenträger aus der Rockerclubszene moderiert und hoffte auf handfeste Verhandlungen. So vorbereitet hatte ich schon zwei Gläser Limo weggekippt um meine Zuckerreserven aufzufüllen. Danach überlegte ich mir ob ich von dem Dreckzeug weiter trinken sollte. Denn die Limo schmeckte echt grausam. Ich kann es nicht beschreiben, irgendwie war die wohl schlecht.

comp_limo_cg6a4489Sonderposten! Pah! Mal wieder reingefallen. Ich kaufe abgelaufenes Zeug. Aber egal, ich trank die erste Flasche fast wie auf Ex und stolperte langsam und mit erhobenen Zeigefinger um die andere herum und fing an mit ihr zu schimpfen. Lautstark machte ich meine ihr gegenüber geäußerten Drohungen war. Ich köpfte auch sie.

Tja, was soll man sagen? Am nächsten Morgen, wie immer war immer noch Nacht, nahm ich mir die Flaschen, es war noch etwas drinnen, abermals zur Brust. Meine Augen waren wieder adlergleich und entdeckten plötzlich den Fehler. Kaufe keine Limo, russischer Art. Irgendwie kam ich im Büro an, es fehlten ziemlich viele Stunden in meiner Erinnerung, griff zum Headset und rief den Kollegen Sergey in St. Petersburg an. Was er denn so machen würde wenn man sich an der entsprechenden Limo vergriffen hätte. Er erwiderte halbwegs lakonisch: „Weitersaufen!“

comp_mark-twain_img_9848Mein heutiges Highlight war ein unverhofftes Geschenk. Ich glotzte wie eine blöde Kuh auf der Weide und versuchte mich an das Datum meines Geburtstags zu erinnern und fragte „Häh?“ Dann zerriss ich wild das liebevoll eingepackte Etwas und heraus kam endlich mal was mit dem ich was anfangen kann. Boshaftikeit! In nett und mit Lebensweisheit und mit schmunzeln. Und mit bitteren Gefühlen wenn man sich die köstlichen Zeilen auf der Zunge zergehen lässt. Und dazu eine rote Krawatte. Hach! Selbstgebastelt. Sowas wie, ich verstand die L. nicht so genau weil sie immer das Rotweinglas an den Lippen hat und zwischen beiden eine Kippe – ich verstand also dass sie die Krawatte nicht als Schlips sondern als Lesezeichen konzipiert hätte. Und dass es nicht gekauft und auch nicht gestrickt oder gehäkelt ist sondern es nach – und da fiel ich vom Hocker – nach Urigomie-Art oder Uromilahmi oder so gemacht wäre. Aber da habe ich keine Ahnung von. Ist aber hübsch. Und ich habe es wie eine Art Ausrufezeichen für das Fotoshooting trapiert.

Möchten Sie einen Auszug? Gerne, tuen Sie sich keinen Zwang an. Beachten Sie nur Ihre Kündigungsfristen. Harhar, nee den Auszug meine ich nicht. Einen kurzen Blick in die unermesslich schönen Mark Twain-Gedankengänge. Hier:

„Die Kenntnisse die die Alten nicht besaßen, waren sehr umfangreich.“

Oder z.B.

„In zweiundsiebzig Jahren ist mir keine ähnliche Herde von Eseln begegnet, wie die menschliche Rasse es ist.“

Herrlich! Danke L.!

P.S.: Mit „L.“ habe ich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Denn weder die Limo noch die L. weiß wem das Dankeschön galt, hehe..

Geschenkte Gedanken

Der Konsumterror hinterlässt auch bei mir Spuren. Ich schenke sehr, sehr gerne. Fängt ja jetzt wieder an. Aber was ich überaus ungerne und oft sehr ungeschickt mache, die passenden Geschenke für die Lieben zu besorgen. Kennt man, gelle? Soll ja was persönliches sein. Etwas mit Sinn und Verstand. Man will es ja nicht, wenn Gras über die Sache gewachsen ist, zurück geschenkt bekommen. Sehr schön dass jetzt grade sogenannte Cyber-Wochen, -Freitage, -Montage waren. Und jetzt kommen die überall mit ihren Adventskalendern. Kaufen Sie!

Voll der Stress, Ey! Tage- und Nächtelang suchte ich, stöberte im Internet, verglich die Preise, notierte, stellte mir den Wecker und bestellte und kaufte. Das Problem dabei: Ich habe nichts für die Lieben gefunden. Alles nur für mich. Ich freue mich schon auf die Sachen wie Bolle. Jetzt schreibt mir meine Packstation im Tagestakt Kurzmitteilungen dass schon wieder etwas für mich angekommen sei. Hach! Herrlich! So versüßt Mann sich die Adventszeit :-).

Jetzt stöbere ich grade in einem Prospekt eines liebgewonnenen Versandhauses und denke darüber nach das ich in meinem Leben viel zu wenig von Mark Twain gelesen habe. Denn hier stehen ein paar Zitate von ihm wie z.B. „Ich bin der eselhafteste Mensch, den ich je gekannt habe.“ Oder „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Mark Twain war doch ein Ausbund an Menschenfreund, nicht? Den hätte ich mal gerne persönlich gekannt. Aber seine Gedanken, die kann ich mir doch schenken.

Irgendjemand sagte mir mal „Schirrmi, du Bekloppter!“. „Warum kaufst Du Dir in der Vorweihnachtszeit immer so viele Sachen? Das macht es für Deine Lieben schwer.“

Tja.. Warum soll nur ich es schwer haben? Kicher

Ich möchte ja wieder Weihnachtskarten selber machen. Und wenn das Drama mit Geschenken anfängt, hier hört es nicht auf. Mit nackten Kriegsfüßen stehe ich auf Photoshop. Kreativität fängt bei mir beim Blaumachen an und hört mit dummen Ausreden auf. Aber ich schau mal. Irgendwas lässt sich schon hin kleckern. Soviel zum Thema Stress.