System of a Down – Köln, Lanxess Arena (13.04.2015)

November 2013. Ich musste zweimal während des Kackens im geklauten Musikmagazin hingucken und lesen. „System of a Down” wollen 2015 nach Good old Germany (haha – Satire) kommen. Wie unglaublich es sich für mich am stillen Örtchen anhörte, so verdammt realistisch wurden drei Tickets von der Kreditkarte abgebucht. Vorfreude machte sich während des letzten Pubsens breit. Dann schon!

Keine Fakten! Keine Fragen! Eindrücke von einem großartigen Erlebnis habe ich mitgenommen und schreie es ungefragt in die Welt hinaus.

System of a Down. Schon so und so lange, ich bin nicht der Jüngste, begleiten mich SOAD durch mein Leben. Echt. Ehrlich. Wahrhaftig. Nachdenklich. Gewaltig, virtuos. Süß, sauer, stark aber nie schwach – den eigenen Herzschlag spürend – intelligent, emphatisch, mit kleinen und großen Gesten die Unzulänglichkeit der Menschheit anprangernd, war ich dabei.

Kölle! Hach, an einem Ort der Korruption, an dem einmal im Jahr die Menschen so überaus tolerant und lustig sein wollen. Ein Ort den Adenauer hervorgebracht und nichts dazu gelernt hat. Ein Ort der uns auf immer und ewig transatlantisch verkauft hat. Eine Stätte die urgemütlich auf Kölsch nach vorne aber verbrecherisch bis in die höchsten Etagen strunzdumm und damit saugefährlich sind. So wie die folgsamen Sturmtruppen der damaligen SS. „Keiner will es gewesen sein.“ SOAD hier. Was für eine Parodie.

Comp_DSC_0110Zurück zum Thema. Mit der Karre voll mit Gleichgesinnten ging es mit selbstgeschmierten Brötchen und geistigen Getränken aus dem wundervollen, supertollen, ach so himmlischen WW in Richtung System of a Down. Immer in Richtung Fresse von Kölle. Immer näher, immer schneller, immer rein in den Tunnel voller Stau. „Wann sind wir denn endlich da?“. „Pipi!“. „Muss denn hier geraucht werden?“. So oder so ähnlich gestaltete sich die Hinfahrt bis zum Parkplatz auf Ebene 6 von 11. Guter Tipp von Jill – man kann die Parkkarte vor dem Event preisvergünstigt bezahlen. Danke! 5,50 EUR anstatt von unermesslichen Reichtümern je Stunde die man sonst latzen müsste.

So, erstmal pipi machen die Damen. Die Damen auf dem Herrenklo im Spagat auf dem Pissoir, naja. Druck macht gelenkig, trockenes Höschen geht vor Scham. Die Fragen ob dass das richtige Klo wäre, ich war ja nicht dabei, wurden mit „verpiss Dich!“ beantwortet. So die Damen zu den Herren auf dem Jungenklo. Lange Schlangen vor der Arena. Und immer noch vor dem Klo. Und noch länger dem jungen Autor’s Boa angesichts der anwesenden Mädels und deren Kottelets, ähm, Dekolleté. Es schlungen und schlängelten sich gefühlte 15.000 vor Vorfreude (be)trunkene Menschen auf die Eingänge der Lanxess-Arena zu. So auch wir.

Comp_IMG_5019_SOAD-2015Der junge F.: „Papa, wenn ich verloren gehe. Treffpunkt Auto ist doch ok, oder?“. „Klaro mein lieber Sohn. Immer rein in die wütende Menge!“. Nach einem kurzen „Tschüss“ ward er nicht mehr gesehen. Auf der Welle schwimmend, dampfend sah ich ihn doch noch mal kurz dann erst wieder nach dem Konzert – stinkend wie ein Puma! Nee, nee, so wie die Mädels sich Puder oder Sagrotan mitnehmen, sollte ich dem Kleenen ein Reisedeo mitgeben?

Comp_IMG_5021_SOAD-2015Arena. Hölle. Seit 18:30 waren wir drinnen. Beginn sollte 20:00 Uhr sein. Wobei wir nicht wussten ob noch eine Vorband spielt. Jedenfalls, die Lichter gingen zum Auftakt um 20:30 Uhr aus, dann im Takt wieder an. Zwei Takte zu „Holy Mountains“ reichten aus um das Ventil der Fans zu öffnen. Mit plötzlicher Wucht entlud sich die Anspannung der Fans. Springend, singend – brüllend vor Freude und Gier auf System of a Down. Die Ohren wurden nicht nur von SOAD sondern auch von herumspritzenden Comp_IMG_5022_SOAD-2015Bier gespült was der Freude keinen Abbruch tat. Menschen mutierten zu Superhelden, man glaubt es kaum wie hoch sie springen und hüpfen können nur um am Ende dann mit spitzen Ellenbogen auf anderer Leuts Schultern oder Rippen zu landen. Gerne werden dann auch wild fuchtelnde fremde Hände im Gesicht, fremde Finger im Auge in Kauf genommen. So ist das halt! Gelle?

Comp_IMG_5025_SOAD-2015„Kuscheln auf niedrigsten Niveau“ so L. So viel nasse, verschwitzte und stinkende Menschen erinnerten leise an der letzten Gang-Bang-Party von vor was weiß ich vor wie vielen Jahren. Ja. Rabiat war es. Stahlkappen wären im Nachhinein gesehen auch gut gewesen. Aber es war auch schön. Zwischen wilden, manchmal unschönen Momenten, gab es auch wundervolle und dem Menschen gerechte Momente. Wie zum Beispiel dass so ein Großer auf ein Mädchen angeflogen kam und jemand anders dessen Flugbahn unfair aber schön Richtung Hallenboden gelenkt hat. Oder nur beispielweise, jemand den Circle verbreitern wollte, er dann plötzlich rückwärts gegen eine Wand prallte. So als ob es dann nicht weitergehen wollte.

Wie sagt der Kiezneurotiker so schön? Stur stehen bleiben. Nicht drücken lassen. Comp_IMG_5024_SOAD-2015Den Platz verteidigen mit starrem, bösem Blick. Kein Lachen. Keine Regung. Auf alle Eventualitäten gefasst, den Moshpit nehmend wie er kommt. Immer ein wenig unerwartet grausamer sein als die Grausamsten. So, Schluss mit dem Exkurs. Es war schön! Wie folgt:

SOAD hat das Konzert in drei Teile dargeboten. Jeder Teil begann mit einer Video-Darbietung auf drei, für alle in der Halle sichtbare Videoleinwände. Danach dann halt jeweils Mucke das es kracht. Die Filmbeiträge beschäftigten Comp_2015-04-21 20_19_44-IMG-20150414-WA0014 - Windows-Fotoanzeigesich mit Menschenrechtsverletzungen beginnend vom Massenmord an den Armeniern bis zur Jetztzeit. Sie waren Eye-Opener und zumindest ich habe mich für meine Rasse Mensch geschämt. Im offensichtlichen Gegensatz zu den Herrschern dieser Welt, die ebenfalls so kaltschnäuzig wie menschenverachtend damals bis heute agieren. Die Wucht der Musik und der leidenschaftlichen Texte wurden für mich durch diese Einspieler verstärkt und bleiben in Erinnerung. Ich hoffe das geht jedem der einen dieser „Wake up the Souls“-Konzerte gesehen hat. Ebenso hoffe ich dass alle diese glücklichen Fans als „Verstärker“ in ihrem eigenen Umfeld agieren damit Comp_IMG_5031_SOAD-2015endlich, zwar im Kleinen nur, aber doch wenigstens, ein Denken und im besten Falle ein Umdenken stattfinden kann.

Ich kann nicht auf jedes einzelne Lied eingehen. Aber es war von allem was dabei. Die Hoffnung dass SOAD ihr gesamtes Songbook mitbrachte, dabei aber auch neue Lieder spielen würde, wurde vollumfänglich erfüllt. Ich persönlich habe Gänsehaut bekommen wenn Tankian „Spiders“ oder „Lost in Hollywood“ anstimmte. „BYOB“ und „Lonely Comp_IMG_5042_SOAD-2015Days“ sind weiterhin meine Favoriten. Die Halle war sowas von voll wie ich es noch nicht gesehen hatte. Die Arena voller gleichgesinnter Leute, mal ehrfürchtig, mal ausflippend, wie ein Ganzes, die Menschen wie ein einziges lebendes Wesen, ein gemeinsamer Organismus im Takt der Musik mit einem Gefühl, mit dem Bewusstsein nicht alleine zu sein im Angesicht der Realität. Die Vier boten ein Fest sondergleichen. Hämmernd in die Hirne. Einfühlsam in die Seelen. Zucken in den Körpern. Geil, geil, geil! Blaue Flecken von irgendwo daher? Immer her damit!

Nach etwas über zwei Stunden war der wundervolle Spuk vorbei.Comp_IMG_5035_SOAD-2015

Tja, L., J. und P. auf der Tribüne (huhu.. könnt ihr uns sehen?) sowie F. waren eine perfekte Begleitung zu SOAD. Ein paar Füße taten weh. Ja, auch ein paar Knochen. Ebenfalls ist wohl eine Geldbörse  verloren gegangen. Einen kleinen Autobahn-Elchtest auf der Rücktour brachte die Lebensgeister wieder. Die Kleinen mussten dann auch noch nach Hause gebracht werden. Tja! Noch nichts von Gleitzeit gehört, oder?

Danke für einen unvergesslichen Abend!

Schirrmi

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