Servicewüste versus Flusen in der Buchse

Jeder Tag der mir erneut beschert wird fängt mit einem Blick auf das drahtlose Telefon an auf dem ich den Alarm wegwische. Der zweite Blick fällt dann auf meinen akkurat verlegten Laminatboden der eine richtig extreme Macke hat. Aus Gründen.

Diesen Laminatboden, ich kaufe hochwertig, kann man so schnell nicht beikommen, er verzeiht viel. Niemand, und ich auch nicht, trägt sich mit dem Gedanken den Boden kaputt machen zu wollen. Aber wie es so passiert, ich weiß nicht wie und tut auch nichts zur Sache, passierte es. Der zweite verschlafene Blick geht also runter auf die besagte, kleine Baustelle mitten im vom großen Bruder verlegten Laminat. Ich reime mir das jetzt irgendwie zusammen, denn, Sie kennen mich, am Ende bin ich mir nie einer Schuld bewusst. Aber dennoch passierte es und niemand war in der Nähe dem ich die Schuld in die Schuhe schieben / anbrüllen konnte.

Kennen Sie Gorillaglas? Nee, ich meine nicht wo der Silberrücken von glotzäugigen Zehentretern transparent getrennt wird. Ich meine mein Firmentelefon. Das Apfeltelefon wird mir kostenlos zum Zwecke der dauernden Erreichbarkeit zur Verfügung gestellt. Und wie gesagt, ich reime mir da jetzt was zusammen wenn ich mir das Telefon so ansehe und da unten am Schlafi-Boden diese extreme Macke sehe. Es muss wohl mitten in der Nacht jemand angerufen haben und mir ist „aus Versehen“ das Telefon auf den Boden gefallen. Mit Karacho. Das Phone litt äußerlich sehr, funktioniert aber noch. Der Boden aber, der ist am Arsch.

Ich schweife ab.

Mein iPhone Ladekabel funktionierte nicht mehr richtig. Ich musste den Connector drücken, bewegen, im Inneren verzwirbeln, das Kabel verdrehen, Stoßgebete zum Himmel senden und Himmelarschundzwirn rufen damit das Ding seinen verschissenen Akku lädt. Und das über Wochen hinweg bis ich endlich mal den Firmeneigenen Servicedesk anrief. Das macht man nicht gerne, müssen Sie wissen. Denn seitdem ich diese Abteilung nicht mehr führe ist da keine Zucht und Ordnung mehr drinnen. Egal. Ich weiß warum die Leute lieber mit eklatanten Mängeln still vor sich hin leiden bevor sie dort anrufen. Ich tat es dann aber.

„Hallo Kollege, mein iPhone lädt nicht mehr richtig. Vielleicht ein Kabelproblem?.“

Servicedesk: „Ich bestelle ein neues Kabel dann sollte es wieder funzen.“

(Wochenlange Wartezeit – meine Anfrage scheint im Nirwana verschwunden zu sein)

Schirrmi: „Hallo Kollegen, wie ist der Stand der Bearbeitung meines Problems – Ticketnummer XY?“

Servicedesk: „Oh ja, ähm.. ja es scheint diese Beschaffung wurde vom CIO noch nicht genehmigt.“

Schirrmi: „Was? … 7,- EUR?“

Servicedesk: „Verlassen Sie sich auf uns. Sie sind guten Service gewohnt – wir kümmern uns drum!“

(Wochenlange Wartezeit)

Schirrmi (verärgert): „Hallo Servicedesk-Kollegen, wat is denn jetzt mit dem Kabel?“ grummel

Servicedesk: „tippsel, tappsel..“ „Ah ja, eine gute Nachricht für Dich. Das Kabel ist da. Liegt schon seit drei Wochen im Werk herum und kann ausgeliefert werden.“

Schirrmi: „WAS?“

Servicedesk: „Wenn es so pressiert, wir haben hier Ersatzkabel da. Kommen Sie doch einfach vorbei.“

Ich ging den Gang rüber in das Servicedesk-Büro und die Kollegen sahen mich und fürchteten sich. Sie reichten mir ein altes versifftes, gelbes Kabel: „Bitteschön!“ Ich probierte es aus, funktionierte nicht und warf es ihm gut eingeschleudert und die Fliehkraft nutzend in seine glotzäugige Servicedeskfresse. Meine Wuttränen vermischten sich mit seinen unglaublich naiven Schmerztränen in der Luft,ich fing das Kabel wieder auf (der Stecker hing noch dran) und schleuderte mit blutunterlaufenen Augen das Ding in die Luft auf der Suche nach einem weiteren Opfer. „Äh, Schirrmi – probier doch mal hier mein privates Kabel aus.“ Ich beruhigte mich ein wenig und probierte. Ging nicht. Kein Strom.

Er so: „Tja, scheint kein Kabelproblem zu sein. Aber im Oktober werden iPhone 7 ausgegeben – wenn Du so lange warten kannst?“

Schirrmi: „Ach was?!?“

Er so: „..“

Ich ging von dannen und klagte anderen Kollegen mein Leid. Da sagt doch der Dings zu mir:

Dings: „Haste schon mal mit einer Büroklammer probiert?“

Schirrmi: „Nö.“

Ich ging zu meinem superaufgeräumten Arbeitsplatz, entnahm eine Büroklammer aus dem Büroklammerfach, nahm sie ein wenig auseinander und stocherte in der Lightningbuchse herum. Und was soll ich sagen? Es kamen da aus der Buchse Fussel, Getier, eine halbverdengelte leere Dose Bier heraus. In der Menge fast so viel wie der Kram den ich jeden Morgen aus meinen süßen Bauchnabel entferne. Nach der Müllentsorgung machte ich die Probe und steckte das Ladekabel hinein und siehe da – es lädt, das verfickte Ding. Geht doch! Verdammt nochmal! Muss man immer erst böse werden?

Danke, Dings!  🙂

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Ein Gedanke zu „Servicewüste versus Flusen in der Buchse

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