Schnee

Schneewirrwarr auf meiner Koelner Sommerterrasse
Schneewirrwarr auf meiner Kölner Sommerterrasse

Köln. Die graue Stadt wird schöner. Sanftes Weiß breitet sich über Dreck aus, ich erwische mich dabei die Welt schön wahrzunehmen – nicht wie sie ist. Jemand sagt „Schau mal, man sieht ganz genau dass hier noch niemand gelaufen ist, der Schnee deckt alles zu.“ Ja, er deckt alles zu.

Draußen. Alles sieht anders aus als sonst. Ruhiger und gemächlicher ist die Welt. Von drüben, dem Youth Hotel, schallt es auch nicht mehr herüber – als ob auch dort die jungen Seelen in Watte gepackt, mit großen Augen, still ehrfurchtsvoll spürend ein wenig langsamer und ein wenig unaufgeregter als sonst ihren Verrichtungen nachkommen.

Stimmung. Weißer Puderzucker, Mützchen auf den Pflanzen, kleine weiße Dächer auf dem Vogelfutterhäuschen. Das lange Chinagras erstarrt in Ruhe und Zufriedenheit. Die Welt steht still und erscheint liebevoll und sanftmütig.

Hunger. Jemand legte sieben Nüsse nach draußen. Auf den Tisch. Sehe dass jetzt nur noch vier da sind. Denke wie so oft bei mir „..möchte gerne mal sehen wie die beiden Hörnchen die Nüsse abtransportieren.“ Nehmen sie die kleinen Händchen, werden die Nüsse in die Backentaschen verbracht? Vier sind noch da. Nüsse.

Freunde. Rauchend und relativ zufrieden schreit mich plötzlich jemand an. Zunächst erschreckt, dann aber froh und liebevoll betrachtend die Amsel die sich laut rufend vor meinen Kampfstiefeln aufbaut. Unerschrocken blickt sie mich an, es scheint dass sie mir etwas sagen will. Vielleicht das wir nicht nur für die Meisen Futter hinhängen sollen. Ihr Bruder kommt angeflogen, schimpft. Sie fliegen weg. Ich erkenne sie, die beiden sind hier im letzten Frühjahr aufgewachsen und finden es genauso schön hier, wie ich. Möchte nicht gehen.

Warm. Couch, der Tee duftet – noch immer empfinde ich den Geruch von frisch gebackenen Plätzchen aus der Weihnachtszeit – jemand wartet auf mich und lächelt mich an. Wartet darauf dass ich wieder rein komme. Wie schön!

Ohne Worte. Zu wissen es ist kein Abschied für lange. Ich ziehe meine Handschuhe aus und nehme ihre Hand – so gehen wir. Hoffe das sie merkt wie lieb ich sie hab. Wie nett und lieb, so fürsorglich und mich immer wieder erdend wenn es sein muss. Auch wenn ich Punk bin.

Zu Hause. Der Alltag ist wieder da. Wäsche machen. Dies und das. Alleine. Rise Against macht mich nachdenklich. Rufe Freunde an – sie sind nicht da. Schreibe so vor mich hin. Bitter Lemon ist leer.

Danke. S.

Euer Schirrmi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.