Morrisey (Konzert 2015 Köln)

Ich konnte es nicht mehr abwarten Morrissey endlich mal live zu erleben. Zwei Tickets konnte ich für Morrissey erstehen, einem Sänger den ich zwar noch nie persönlich erlebt aber dennoch seit meiner frühestens Jugend im Herzen trage. Köln, Oktober 2015. Es war zwar nicht so wie ich es geglaubt, erhofft oder gewünscht hätte – ich war ja noch sehr, sehr jung damals als es mein Lieblingssänger war, aber super war es trotzdem.

Köln Palladium, der 1. Oktober 2015. Yeah!

Organisiert von Marek Lieberberg, hatte ich endlich mal die Chance den Traum meiner schlaflosen Nächte zu begegnen. Er, geboren 1959 in Manchester – der Stadt die schon damals, und es hört nicht auf, begnadete Musiker aus den dort herschenden Slum-Verhältnissen vervorbrachte, die Stadt die nur schön sein kann wenn man Punk, Straßenschläger, billiger Schauspieler oder halt auch einfach nur als gewöhnlicher Arbeiter in diesem Kessel der Menschlichkeit sein Ein- und Auskommen versucht zu haben. Oder Fußballfan – was weiß ich.

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Jedenfalls wurde ich damals, ich war auf der Platte, ab und zu mal von einem guten Kumpel, „Danke Alex!“, aufgenommen. Wenn das Bier leer, das Gras verraucht war und seine Mama zu uns runter in den Keller rief „Jungs, bitte schlafen jetzt!“, dann fühlte ich mich wie in einem Zuhause. Besser als auf dem Bahnhofsvorplatz, irgendwie be- und gekümmert. Egal. Dann schliefen wir beide zusammen und hörten per Kassette „The Smiths“. Womit der Bogen wieder rund und gespannt ist zu Morrissey.

Comp_Morrissey_IMG_20151002_0001Die Tolle wie immer und manchmal grau – schütternd, jämmerlich jauchzend, süß hauchend, mit provozierendem Hüftschwung war da nun der ältere Herr auf der Bühne. Älterer Herr? Geschissen Leute! Elegant und immer noch gutaussehend. Mit Witz in den Augen, mit Zorn in der Stimme. Bei alledem das Herz auf dem rechten Fleck so fühlten und wussten wir alle zig-Tausend in der Kölner Veranstaltungshalle. Ich hielt ich mich an einem Glas Rotwein fest während Männer, Frauen, Frauenmänner, Männerfrauen und alle gut gelaunt und hübsch eine Moerissey-Party veranstalteten die sich gewaschen hat. Edle Körper, schönste Frisuren, Vielstimmigkeiten – ich fühlte mich fast wie damals in Babylon. Vermischten sich Schweiß, mit tiefen Blicken, Pheromone spritzten, tanzend, extatisch in die aufgewühlte Wollust. Als Vorspiel auf der Leinwand „Leo Sayer – The Show Must Go On“ wie ich im Nachhinein recherchierte.

Comp_Morrissey_IMG_6111Der Herr Steven Patrick Morrissey sang alte Songs aus der Zeit von „The Smiths“, eigene, alte eigene, junge eigene. Wie man es gewohnt war, war zunächst sein oberster Hemdknopf geschlossen um während und am Ende der Show den ein- und anderen Knopf fahren zu lassen um – als Höhepunkt, sich sein Seidenhemd vom Oberkörper reißend die frenetisch kreischende Fangemeinde an den verschwitzten Restteilen des Hemdes teilhaben zu lassen.

Merkwürdig und widerlich fanden viele Fans die auf der Videoleinwand eingespielten Bilder von Schlachtereien. Und damit meine ich nicht nur Getier. Polizeigewalt in Reinform. Schlachten ohne Betäubung. Enthauptungen von Fremdgläubigen schockten. Schockten teilweise so sehr das Fans kollabierten und gekümmert werden mussten. Tja! Kann man machen – muss man aber nicht. Ich für meinen Teil – die Videos mit Staatsgewalt, die haben mich nicht runter- sondern hochgebracht. Und Bock drauf gemacht – mal wieder. Aber das ist ein anderes Thema.

Mit einem Riesen-Gong auf der Bühne sowie Einlagen von einem begnadeten Didgeridoo-Musikers wurden alle bekannten Stücke wie „Suedehead“, „Everyday is like Sunday“ oder auch dem Klassiker „The Queen Is Dead“ von einem bestgelauntem Ensemble dargebracht, angeführt von Morrissey. An dem Abend waren die Securitys zu stark, die Organisation zu gut um ihn und die Bühne zu stürmen. Wie es damals üblich war.

Hach! Es war schön. Es war schwul. Es war verstörend. Das fehlte noch auf meiner Liste. „Alex: Ich war noch dabei wie er lebt!“. Absoluter Tipp von mir – für euch!

Wollen Sie ein paar Bilder des grandiosen Abends sehen? Nein? Dann weg mit Ihnen. Ja? Hier bitte:

Johannes

P.S.: Eine Woche später erfuhr ich dass er erst kürzlich eine Krebsdiagnose erhielt.