In Kurzform

Manche haben mir gestern etwas von meinem „Ehrentag“ erzählt. Die zahlreichen, wohl ernstgemeinten – aber so genau weiß ich das nicht – Glückwünsche der „Lieben“ nahm ich hin und bedankte mich artig. Auch wenn ich dies in vielen Fällen einen Tag später tat. Aus Gründen. „Kondolenz“ kam mir ab und zu in den Sinn. Eigentlich ein schönes Wort. Aber noch unpassend.

Sogar der CEO, der große Lenker und Denker, DER Visionär, der, der fachlich wie menschlich und ohne Fehl und Tadel seine unzählbare Rudermannschaft lenkt und leitet – ja, sogar er hat sich gnädig aus dem Olymp herabgewagt und fühlte sich anheimgestellt mir eine schriftliche und wohlmeinende Botschaft zu übermitteln. Mann! War ich von den Socken! Das DER an mich denkt! Da ist mir fast die Hose geplatzt. Fast alles rausgespritzt was ging. Total von den Socken, schrieb ich noch halbwegs lüstern meinem im unverdienten Urlaub befindlichen Lieblingskollegen eine Nachricht: „Alter, habe dem Dings FUCK YOU!“ geantwortet. Himmel, war der entsetzt! Ich schob noch einen hinterher: „Ich glaube das war die kürzeste Eigenkündigung, wo gibt.“ Prost!

Meine geliebte Brut ist ein Künstler. Seit Jahren macht er Musik und seit noch mehr Jahren bitte ich ihn um die Texte – ohne Erfolg. Warum bitte ich ihn? Bei dem Gebrüll, Gemurmel, Geflüster, Gestöhne versteht man nur das was man grade noch so verstehen kann. Bzw. die Reste an Wortfetzen, die sich im Hirn als vernünftig manifestieren können. Vor allem, weil er sich dabei nicht unserer großartigen deutschen Sprache bedient, die doch einiges auf Lager hat. Aber das ist mein Problem. Denn Sprache, auch fremde, hat mir nie gelegen. Da bin ich eher ein Gefühlsmensch. Krebs.

Aber Gefühle transportiert er mit seiner Mucke. Mindestens zu mir. Dem alten Papa, der nicht immer alles richtig machte. Gänsehaut und elektrisierend – so ist die überaus unvollständige Zusammenfassung dessen was diese jungen, flinken Finger – das große Herz und der nicht spezielle, aber universale Verstand zuwege bringt. Hören wird zum Fühlen. Es fühlt sich bekannt, unbekannt an – als ob im Oberstübchen und im Herz die alte Bundesbahn seit ewigen Zeiten existierende Weichen, von denen man glaubte dass sie sich nie mehr bewegen könnten, in Erregung versetzen und sich diese plötzlich zu einem großartigen Tanz versammeln, die geilen Hüften schwingen und bei dessen außergewöhnlichen Anblick Gevatter Tod traurig für immer den Saal verlässt, während der ewig Böse schamlos die Walpurgisnacht verpasst.

Trotz der widrigen Umstände (draußen wächst Unkraut, es ist Corona, die Schwerkraft macht mir zu schaffen, ein polnisches Getränk ist leer, etc.), versuche ich hier mal zu beschreiben, worum es geht.

In Kurzform:

  • Scheißgeburt
  • Scheißkrankheit
  • Scheißschule
  • Scheißsex
  • Scheißausbildung
  • Scheißarbeiten
  • Scheißbundeswehr
  • Scheißausbildung
  • Scheißarbeiten
  • Scheißstudium
  • Scheißarbeiten
  • Scheißperspektiven
  • Scheiß Alles!

Dazwischen jede Menge dumme Gesichter, Leute, Dinge – dass es nicht zu fassen ist. Um das zu begreifen, dazu braucht man kein ganzes Leben. Diese Einsicht manifestierte sich in mir in aller jüngsten Jahren. Schlimm? Fazit bis jetzt: Es ist mehr, viel mehr als die Hälfte von mir weg. Nur noch 15 Jahre Scheiße und dann, so sagt man, kann man zufrieden auf sein Leben zurückblicken und die Früchte seiner Arbeit genießen. Ist das nicht furchtbar? Verarschung während Du dabei bist!

Kennt Ihr den?

„Ich leb und waiß nit wie lang,

Ich stirb und waiß nit wann,

Ich far und waß nit wahin,

mich wundert das ich frölich bin.“

Gute Nacht!

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