Archiv für den Tag: 27. August 2016

Pubsen und unheimliche Sex-Geräusche

Eine sternenklare, tropische Nacht. Keine Klimaanlage, keine Minibar dessen Tür man für einige Stunden öffnen könnte um auf der schwitzenden Haut ein Gefühl von Kühle zu bekommen. Das Leben erstickt in Hitze und das einschlafen fällt schwer. Liderschwer, in der Einzelzelle wälzend auf dem viel zu kleinen Bett, erhoffe ich mir den kleinen Tod.

Ich schrecke plötzlich auf, es war nur ein Sekundenschlaf. Noch dunkel meine Sinne, dringen unmenschliche Geräusche in mein verschlafenes Ohr, latent die Verzweiflung und der Irrsinn macht sich in mir breit. Vom weit geöffneten Fenster schreien, stöhnen Laute guttural in mein Kämmerchen. Ich höre seufzen und brüllen. Ich höre Worte in einer unbekannten Sprache, lustvoll und selbstvergessend auf einer Klaviatur der Geilheit, nur die Protagonisten verstehen sich – sind miteinander eins, so phantasiere ich. Elektrisiert, an Schlaf ist nicht mehr zu denken, bin ich ein heimlicher Zaungast. Die Luft dräut die unaussprechlichen Geräusche in mein Herz welches offen ist wie ein großes leeres Gefäß, Sehnsucht – klammer Neid allenthalben.

Laute klatschende Töne, manchmal und zwischendurch Geplapper, bumsende Laute, säuselnd, kichernd, wie Wölfe heulend, wie räudige Katzen schnurrend werde ich fast wie angehörig und interessiere mich für das Theater der Lust, zwar als Fremder doch unbeteiligt beteiligt. Scham. Grenzen. Gibt es nicht mehr – und schaue raus, schaue zu und fühle mich wie ein Voyeur.

In der Dunkelheit schauen mich in hellklarer Nacht dunkle doch blitzende Augen an. Die Rehböcke. Die Schafherde. Rotes Harzvieh. Gamsböcke- und böckeline. Wundervoll geschwungene Mufflons. Auch ein Kranich ist in Sicht mit seinem Nachbar, dem großen Ochsenfrosch. Bachforellen springen aus dem Teich wie um den hellen, klaren Mond zu erheischen. Schnappend auch die Libelle, nimmermüde Mückenvolk zu fangen um die liebe Brut zu ernähren. In dieser Nacht kann niemand schlafen. Nimmermüde der Mensch und das Tiervolk. Und – wenn Sie es nicht gerafft haben, die machen Krach!

Da draußen das Leben, ein knatternder Furz entfährt meinem Hinterteil ob ein paar Zwiebel beim morgendlichen Frühstücksbuffet, von rechts und links meiner Zellenwände klopft es stark. Ich machte mit in gemeinsamer, tierischer Kakophonie – haben sie den Pubs gehört?

Ich schon – die Nachbarn auch..

Der Harzer Kaiserschuh

„Hach, wie knackig!“ haucht sie lustig trällernd während sie mir an den Po greift. Während ich ihre freche Hand immer noch an meinem Arsch fühle ergänzt sie dass da ja gar nichts mehr wäre. Nun, ich kann Ihnen versichern dass da in der Tat noch was ist.

Der Grund für diese übermütige Handlung kann nur davon rühren dass ich just aus einem kurzen Wanderurlaub zurückkehrte. Und brachte Mitbringsel aus dem Harz mit. Beispielsweise Metzgerbier erstanden bei einem Metzger – ach! Ich fragte ihn ob er das mit Rinderblut gebraut hätte. Er wollte mir keine Auskunft geben und forderte mich einfach zum Kaufen auf. Der liebenswerte aber Schweinsgesichtige Metzger drehte mir dann noch Salami, Leberwurst und eine nur im Harz erhältliche Wurstspezialität an. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem Namen, probieren werde ich erst Morgen beim Brunch wenn mein Schädel ein wenig kleiner geworden ist. Dazu brachte ich aus dem Stemberger Köhlerhaus noch eine Flasche „Köhler Liesl“ Likör und ein wenig Dosenfutter mit. Denn als anständiger deutscher Bürger höre ich ja auf unseren allseits geliebten Innenminister. Dem total bescheuerten Idioten.

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Wandern gehört seit eh und je zu meiner Lieblingsbeschäftigung um meinen Kopf frei zu machen, die Knochenmühle zu vergessen und auch einige andere Dinge aus anderen Perspektiven sehen zu können, darüber nachzudenken. Der Harz hat es mir angetan und der kleine Schirrmi stempelt in einer der schönsten deutschen Mittelgebirgsregionen mit über 8.000 Wanderkilometer sein Stempelheft voller und voller. Ich erwähnte es teilweise schon.

Ich brachte neu den „Harzer Kaiserschuh“ mit. Diesen erhält man wenn man mindestens 150 Stempelstellen erwandert hat. Nun bin ich bei 171 von 222 möglichen. Und es macht Spaß. Immer noch und immer wieder. Auch wenn mich manchmal die abgrundtiefe Dummheit von Wanderkarten, Beschilderungen, mobilen Navigationsgeräten und meinem vergeistigten Verstand ziemlich auf den Zeiger geht. Letzteres ist am Schlimmsten. Denn die anderen Dinge können nicht dumm sein. Mögen Sie ein Beispiel haben? Ich plane am PC meine Wandertouren. Suche mir Park- und Zielkoordinaten heraus. Lese Tourenbeschreibungen und möchte am Ende ein Optimum an Spaß, Wanderdauer, landschaftliche Abwechslung, körperliche Herausforderung und selbstverständlich einige Stempel haben. Wenn ich dann auch noch zum Teufelsmobil zurückkehre dann passt die Tour. Akribig kann ich Ihnen sagen, plane ich. Wenn dann noch auf der Tour eine Einkehrmöglichkeit besteht, Stichwort „Genußwandern“, dann wird das ebenfalls mit eingeplant. Allerdings bin ich ein geborener Pechvogel was die Öffnungszeiten dieser Lokalitäten betrifft. Denn in 90 Prozent aller Fälle haben die Gaststätten entweder Ruhetag, sind nur noch Ruinen, haben schlicht aus nicht näher bezeichneten Gründen zu oder sind wegen Renovierung / Sanierung geschlossen. Und weil ich das als gelernter Pessimist weiß, führe ich immer genügend Futter und heißes Wasser und löslichen Kaffee und Tee in meinem immer zu groß geratenen Rucksack mit. Ich schweife ab.

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Letztens passierte es mir wieder. Eine hervorragend geplante Tour denke ich am Vorabend noch mal durch. Lese meine Tour Beschreibung, gehe noch mal auf der Wanderkarte alles durch und lese im Internet noch mal nach was andere Wanderer für Erfahrungen machten. Und – stelle spontan alles um. Was dann dazu führt dass aus 13 Kilometer plötzlich 22 km werden. Oder geplante 600 Höhenmeter entwickeln sich zu 1200 HM. Nun, in der Mehrzahl kennen Sie mich nicht. Aber wenn, dann würden Sie wissen dass ich schlimmer fluchen kann als ein Kesselflicker. Und das Schlimme dabei ist – ich verfluche mich. Ich sage nur, abgrundtiefe Dummheit. Manchmal. Aber meinen asthmatischen Lungen und der Wohlgestalt meiner Beinmuskeln kommt es natürlich nur entgegen. Und was sagt der Arsch dazu? Na, Sie wissen schon.

Jedenfalls war es mal wieder sehr schön alleine unterwegs zu sein. Lediglich die Tiere, lebende und tote, beschäftigten mich ein wenig. Aber dazu in einem anderem Beitrag mehr. Ich sitze hier und schaue mir ein paar der Fotos an und plane am anderen Schirm schon die nächsten Touren. Möchten Sie mal sehen wo ich so war? Ja? Hier, Bitteschön:

Wenn ich von Detailverliebtheit rede dann meine ich das auch so. Zwar nicht so wie manche Menschen „Hundertprozentiger“ oder „Perfektionist“ sagen würden. Aber letztendlich wird die per Excel geplante Wanderwoche gedruckt und laminiert damit weder Wind noch Wetter dem Zettel etwas anhaben kann. Und das ist dann sozusagen die Bibel. Nur leider schlich sich trotz Generalsstabsmäßiger Recherche ein Fehler bei einer Startkoordinate ein. Es führte zu einem 40km Umweg quer durch den Harz. Waren Sie schon mal da? Dann wissen Sie dass das richtig Scheiße sein kann mit den kleinen, kurvigen, bergigen Straßen und Orten die einfach mal so für die Durchfahrt gesperrt sind. Denn die anderen können kein Auto fahren. Ich schon. Die Anderen nicht. Schneiden die Kurven. Ich nicht. Die fahren wie die letzten Säue. Ich natürlich nicht. Vor allem nicht wenn ich Eigenwut im Bauch habe. Ich nicht!

Wir hatten tropische Temperaturen, zum Glück erst ab Mittwoch. Was passte besser dazu als meine komplette Midnight Oil Sammlung rauf und runter zu hören während ich von einer Tour zur nächsten fuhr?