Archiv für den Tag: 18. Juli 2016

Der Junge der über Dächer ging

Einige Zeiten liegen zurück. Nie hat jemand diese traurige Geschichte weder bei einem Glas Bier noch bei einem Schoppen Wein kolportiert. Es traute sich niemand. Bis jetzt.

Jetzt tut es mir ein wenig wehe wenn ich zurück blicke. Was ihm passierte. Ein ganz normaler junger Mann. Außergewöhnlich in seiner Sensibilität. Dem Wunsch nach Freundschaft – nach Liebe und Zuneigung. Ein Ausgestoßener ob seinem befremdlichen Äußeren, die große Nase, der Geruch, Haare von seiner Mama geschnitten, die Unterhosen Wollen – die Winteroma meinte es nur gut.

Im Klassenunterricht war er einer der Stillsten. Wenn nicht der stillste. Man sah ihn die Angst in den Augen an wenn er den Raum betrat. So viele Leute, so viel Grauen. Hatte schon Angst die Nacht davor, das der nächste Morgen kommt und es heißt: „Schulzeit, mein lieber Junge!“ Freundlich lächelnd seine Mama und strich ihn wie jeden Morgen übers Haar. „Ich bin so stolz auf dich, bring gute Noten heim.“, herzte, küsste ihn und entließ ihn in die Welt.

Er striff die selbstgetrickte Mütze ab, versteckte sie im Keller. Diese Hosen, diese Schuhe die schon der Bruder trug, so alt und nicht mehr modisch. So geht er ein ums andere Mal in die Arena. Er wird geschupst und gehauen. Gehänselt – er will wieder schwänzen. Wünschte Schläge von daheim – denn da, ja da schallt das Lachen nicht über den Pausenhof und er ist nicht allein. So Allein. Nur ein Gürtel der knallt.

Das Ballspiel hat es ihm angetan. Gemeinsam ein Ziel verfolgen. Gemeinschaft, Freundschaft auch wenn es mal rumpst. So steht er am Rand und sieht zu während die anderen schon äußerlich mit dem Trikot, anders sind als er mit Hosen und geflickten Cord, Brause trinken und stark, stolz das Grün verlassen. Er sieht ihnen nach, keine Hoffnung auf – ‚ne kostenlose Wurst.

So ging er dann wie so oft da hinten an den Bach. Konnte noch nicht nach Hause gehen denn der Spruch „Warum bist schon hier und nicht bei Deinen Freunden?“ endete, wenn er ehrlich war in einem Abend der Erniedrigung – seine Geschwister sahen zu. Sein Kopfkissen wie so oft sehr nass, stumme Tränen, das kleine Herz zur Stille gemahnt – dass es keiner hört.

Der Jung konnte es nicht mehr verbergen. Mama fragte, er wurde zu Doktoren geschickt – ganz weit weg. „Is jut..“, so sagte er ein ums andere Mal – es geht mir gut. Kein Aufwand, er wollte keine Aufmerksamkeit und wurde groß. Mama, Papa, Brüder, Schwester – was ich tue, seid nicht böse auf mich – so schrieb er ungelenk in sein erstes Tagebuch und sah klar.

„Ich lebe noch.“ „Warum?“ „Ich suchte Liebe und Zuneigung und erfuhr nur Hass.“ so der Junge der über Dächer ging.

Und öffnete wiedermal das Fenster, schaute in die Nacht so unendlich die Welt, so plötzlich klein seine Furcht, wie frei werde ich sein?

Alles so weit weg. Ruhe.

Tipp des Tages: Suchen Sie nicht Live

Tipp des Tages: Suchen Sie nicht Live

Kennen Sie die Band Live? Kennen Sie auch deren Lied Live? Und möchten Sie es bei Youtube oder einen Ihre geneigten Video-Plattform in einer Live-Version sehen/hören?

Probieren Sie es. Fangen Sie an zu suchen. Verschwenden Sie Lebenszeiten darauf. Sie erhalten nämlich nicht was Sie wünschen. Sie wollten Live – Live – Live? Viel Spaß! Suchen Sie danach und senden mir Ihre entgeistertentententeten Selfies.

Hier Live, nicht Live aber Live:

Hübscher Mann! – coole Mucke..

Gebratene Unfähigkeit

So heiß, so ein Scheiß. Ich bin kein heißer Typ, war ich noch nie. Ich und mein heruntergekommener Körper lieben tiefere Grade. Gut, ein heißes Bad wenn ich im Spätherbst grade noch mal und halbwegs gesund aus der Eiger Nordwand absteige. Ja, gut. Dann kann ich auch mal höhere Temperaturen vertragen. Aber das kann ja jeder.

Comp_IMG_7750Aus einem relativ unbekannten und einigermaßen bescheidenen Blog erfuhr ich von der Existenz eines gewissen Wolfram Siebeck. Was ich toll finde. Ja, den Blog auch. Besagter Herr Siebeck schreibt über Essen als Genuss und jegliches was zum Thema gehört. Was ich so lese, war er wohl ein Feinschmecker. So war ich dankbar zu lesen dass er noch nicht mal vor Bratkartoffeln halt macht. Eines meiner Lieblingsgerichte – wenn sie gut zubereitet sind. Es gibt wahrscheinlich mehr Varianten der Zubereitung als man Sterne am Himmel zählen könnte. Und jeder selbst- oder fremdernannte Koch wird sein ganz persönliches, sein ganz privates Rezept für dieses Gericht haben. Und wenn Sie einem solchen begegnen werden Sie wahrscheinlich die einzige Wahrheit über die Zubereitung eines so vermeintlich profanen Essen zu hören bekommen.

Ich erinnere mich an Koblenz. Eine Arbeitskollegin entschloss sich aus ihrem Loft (haha) auszuziehen und erinnerte sich an Klein-Schirrmi der in Heppingen mit ohne Führerschein abgemalt war und einige stressige Unternehmungen durchführen musste um rechtzeitig seinen coolen Arbeitsplatz im Westerwald zu erreichen – und wieder zu verlassen. So kam es dass ich für einen Lebensabschnitt zu einem Kowelenzer Schängelche wurde. Oben unter dem Dach. Gefühlte 11 Etagen Altbau ohne Aufzug. Aber mit Theke und Barhocker. Und wenn wir da saßen und Traubensaft genossen, konnten wir auf Augenhöhe die Glocken läuten hören. Die Kirche war gegenüber, der Glockenturm auf gleicher Höhe. Aber das ist ein anderes Thema.

Ein Supportfall der sehr, sehr oft vorkam war der Umstand dass ein Dau nicht in der Lage war seine Arbeit zwischen zu speichern. Immer waren es höchst wichtige Dinge die über Stunden, Tage, Jahre hinweg entwickelt, überlegt, diskutiert um am Ende herniedergeschrieben zu werden. Ohne zu speichern. Ring-ring.. Guten Tag (lieber) Herr Support. Können Sie mir diese Datei von dann und dann zurücksichern? Die Standardantwort von mir war immer: Eine Datei – eine Kiste Bier. Ein Verzeichnis – eine Runde für die ganze IT-Abteilung. Denn, sie wissen das vielleicht nicht, wir arbeiteten damals noch mit Tapes. Also so wie Sie damals Ihre Musik von Kassette hörten. Magnetbänder. Magnetisch. Das war richtig schwierig von einem solchen Band etwas wiederherzustellen. Und Sie glauben auch dieses nicht. Früher haben hohe Herren doch so wichtige Dinge erarbeitet die es Wert waren wiederbelebt zu werden das nicht nur die IT-Abteilung eine Fete hatte sondern die ganze Firma. Mit namentlicher Nennung auf der Weihnachtsansprache. Hach! Ja, dann war ich froh, ich mit ohne Führerschein. Konnte ich doch saufen was das Zeug hält. Nach Hause kommen? Tja, egal. Es findet sich schon.

Oh, ich muss mal kurz speichern..

Sonntagmorgens, für mich eine unchristliche Uhrzeit, macht es ring-ring. Nicht gehört. Dann wieder ring-ring und wieder ring-ring. Dann RINGRING-RINGRING – boahh! bis das in mein Bewusstsein kam. Es klingelt an der Tür – da ganz weit unten. Noch bevor die Katolen ihre Glocken schütteln! Der Kumpel durch die Gegensprechanlage (sinnvolle Erfindung), „Alter, die Dings hat mich rausgeschmissen. Ich bin mit Koffern da.“. Joaaarrr, komm erst mal hoch. Blupp, blöpp – erstmal Bier trinken und labern.

Jetzt sitze ich hier im Westerwald rum und schwitze und schmeiß sogar Wasser in meinen Drink. Gefrorenes. 100 Prozent mehr als ich mir sonst reinschmeißen würde. Denke an Schneewanderungen und daran nackig den Brocken herunterzurutschen. Neben der schneegekühlten Klimaanlage hätte es den Vorteil dass mich die Natur am gesamten Körper kratzen würde. Haben Sie schon mal einem Yeti die Wodkaflasche aus dem Eisfach herübergereicht? Also wenn man da keine Dankbarkeit erwarten könnte..

Comp_IMG_7740Der Wolfram machte wohl die Bratkartoffeln mit Butterschmalz. Auch nahm er anstatt profane Zwiebeln, Schalotten. Anstatt Räucherspeck nahm er zarten Frühstücksspeck. Und klar, das weiß ich auch, alles zunächst getrennt gebraten. Und die Kartoffel müssen am Vortag gekocht und am nächsten Tag erst gepellt werden bevor sie in der Pfanne landen. Mit Niedrigtemperatur. Eine Wissenschaft kann ich Ihnen sagen! Während ich das also machte, reichte ich meiner Kochgenossin ein ganzes Stück Feta rüber. „Hier, mach das mit in die Frikkis rein.“ Hiermit sind Buletten oder wie die da in Berlin heißen, gemeint. Ja, tat sie „.. hmh, wenn mir da nicht alles auseinanderfällt..“ murmelnd. Jaha – es fiel nichts auseinander. [speichern nicht vergessen]

Da gibt es einen sogenannten Feedreader den ich gerne benutze um anderer Leutz Ergüsse zu lesen. Da kann man auch „als gelesen“ markieren und sonstigen Schnick-Schnack. Gestern war Sonntag und ich war ein wenig am Arsch und hatte meine Couch (nicht ausschließlich) lieb. Heute im Büro las ich dann einige Artikel noch mal. Diesmal genauer und nüchtern. Habe einen elektronischen Notizzettel, notepad.exe genannt, auf dem ich mir wichtige Dinge, Zitate, Gedanken etc. notiere damit sie für mich nicht in Vergessenheit geraten.

Grade leerte ich mein Glas schneller als die Eiswürfel schmelzen konnten. Das nennt sich dann Gier oder mimimi – die armen Eiswürfel! Ich schweife ab.

„Alter?!“ fragt mich ein anderer Alter mal. Die Beziehung mit seiner Frau wäre grade ein wenig eisig. Ob ich nicht noch ein Plätzchen frei hätte. Könnte auch auf der Couch sein. Mit Kostenbeteiligung. Und so. Und nicht für lange. Versprochen. Und so. Zack! Da waren wir zu Dritt. Nur kurz, ja ja. Vorübergehend, ja ja. Ich war plötzlich in einer WG und wollte das eigentlich nicht mehr seit Erfahrungen von damals. Denn merke: Mitbewohner sind dreckig und faul. Und gemeinsam einkaufen. Und kochen. Und trinken. Und rauchen. Fahrrad fahren. Sport machen. Alles zu Dritt. Immer. Ich kam mir wie in einer Beziehung vor. Und – wir alle hatten eine andere Meinung darüber wie man perfekte Bratkartoffeln macht. Tja.

Die Gestrigen waren fein und was soll ich sagen? Schmackofatz! Lag wohl an der vielen Butter, bzw. dem –schmalz. Aber nein, ich hatte so viel an meinem – sie lesen richtig, MEINEM, Bratkartoffelrezept verändert dass das Neue viel besser schmeckte. Dazu die wunderbaren Frikadellen wo nur ganze Schnäbel verarbeitet wurden. Ich nahm also schlagartig zu und heute mache ich eine Obst Diät. Darf alles essen außer Obst – harhar.. speichern.., hihiComp_2016-07-18 20_05_17-Unbenannt - Editor

Was hatte ich für überragende Gedankengänge, was für wundervolle und voller Weisheit steckende Links, was für herrliche Gefühle in meinen Notizen gesammelt. Das war so fein, so wunderbar. Ich wollte Ihnen das Meiste nicht vorenthalten. Ihnen? Was sag ich? Nicht der ganzen Welt! Dann kam keck zum Feierabend eine Dialogbox in meinen Fahr-Runter-Modus: „Wollen Sie speichern? Ja – Nein“ Ich klickte auf „Nein“.

Viel Spaß!