Neuer Telefonanschluss – 666!

8R0B1347_smallWer so ein alter Sack ist wie ich, weiß sicher noch wie es in der analogen Welt war. Telekommunikation wurde gesungen anstatt per Lichtsignale übertragen. Hatte damals noch selbst Support dafür gemacht. Angefangen mit dem DBT-03, dann dem BTX-Modem mit 1200/75 Baud.

Das war grottenlangsam, man konnte die Bits einzeln beobachten bei der Übertragung. Breakpoints beim Debugging etc. waren unnötig, konnte man ja in Ruhe und in Echtzeit die Daten mit den Augen verfolgen. BTX? Was ist das denn? Na ja, nämlich der Vorgänger von Datex-J :-). Nebenbei – der Schirrmi Blog bildet, gelle?

Mit dieser wahnsinnigen Übertragungsgeschwindigkeit hat es nicht aufgehört. Es wurden neue Modems hergestellt mit besserem Speed. Beispielsweise die sogenannten Faxmodems mit 14400 bit/s. All diese Dinge basierten auf analoge Wählverbindungen. Das Modem (Modulator – Demodulator) wandelte analoge Signale (die Telefonwählverbindung) in digitale Signale um damit der angeschlossene Computer diese verstehen und interpretieren kann. Übrigens wurden die Dinger per serieller Schnittstelle an den Compi angeschlossen. USB gab es da noch nicht.

Future

Diese Zeiten waren für mich vorüber als es irgendwann mal ISDN gab. Mit ISDN kamen die Signale digital an, sie mussten nicht mehr moduliert werden. Per ISDN gab es dann auch mehr als einen Kommunikationskanal, man konnte damit nämlich gleichzeitig arbeiten, ich meine Datenverkehr, UND telefonieren. Wie geil war das denn? Seit damals habe ich nur noch ISDN-Anschlüsse. Mit 3, in Worten drei, unterschiedlichen Rufnummern. Habe also ein graues Telefon für neutrale Gespräche, ein rotes Telefon wenn die Regierung mal wieder meint eine Bombe ohne Zünder postieren zu müssen (Stichwort Bürgerüberwachung) und ein blaues Telefon für all den anderen Quatsch. Hach, herrlich!

Mit DSL, LTE etc. muss ich ja jetzt nicht fortfahren. Damit kennt ihr Auskenner euch aus. Somit müsste ich langsam mal den Bogen spannen zum eigentlichen Grund dieses Posts. Der ISDN-Anschluss war für mich beruflich sehr nützlich weil DSL oft unzuverlässig war. Wenn DSL mal wieder nicht ging (Bagger 🙂 ), so konnte ich doch eine Datenwählverbindung per ISDN aufbauen. Diese Unabhängigkeit von DSL war extrem wichtig wenn bspw. in der Firma mal wieder was im Argen lag und ich nicht mehr persönlich, aus Gründen, ins Rechenzentrum fahren konnte.

Ach, ein analytisch denkender Informatiker sollte immer wohl sortiert sein. In allen Lebenslagen:

Schirrmi Schublade
Schirrmi Schublade

Entscheidung

Mittlerweile gebe ich meine Skepsis auf und vertraue. Dem DSL. Irgendwann rekapitulierte ich das drei Rufnummern samt Telefone sowie die Notwendigkeit einer alternativen Notfalldatenverbindung unnütz ist. Kostet diese Sicherheit immerhin jeden Monat 10 Euro mehr als die Standardfestnetzverbindung. Und das kostet es mich jetzt schon seit Jahren mehr, jeden Monat! Ohne jeglichen Nutzen. Vielleicht aus Nostalgie? Ich entschied mich, den Zustand zu ändern. Zack! Telekom angerufen (mit all den bekannten Unbilden), gesagt das ich wechseln will weil ich ISDN nicht mehr brauche. „Alles klaro!“ klipperdiklapp, „So, das macht dann so und so viel Euro Wechselgebühr.“. Ich glaubte nicht richtig zu hören. Als langjähriger Kunde etc. „Kann ja wohl nicht sein? Sie sind ja mit dem Standardanschluss ja auch noch teurer als andere Anbieter. Ich will ja bleiben, nur nicht so viel bezahlen.“. Telekom: „Isso!“…

Nach diesem Gespräch legte sich die Lethargie wie eine sanfte, weiche Wolke auf meine Seele. Beruhigte mich und vergaß. Bis mich nach einem weiteren Jahr der Ehrgeiz packte und mir bewusst wurde schon wieder 120,- EUR sinnlos rausgeschmissen zu haben. Hätte das besser auf der Straße in die Hüte werfen können. Also, ich rief wieder die Telekom an und mit meiner süßesten, angenehmsten und hochpositivsten Stimme versuchte ich dem Roboter Menschen Agenten von meiner Lage zu überzeugen. „Wenn Sie keine Wechselgebühr zahlen wollen, müssen Sie kündigen!“ (oho!). Alles Gerede nutzte nichts. Kündigung geschrieben, leider Frist verstrichen, der Anschluss läuft noch mal ein knappes Jahr. Fuck! Wieder 120,- EUR!

Hoffnung

Nun ist es soweit. Das Geldsparen kann beginnen. Nächsten Dienstag erhalte ich meinen neuen Telefonanschluss. Natürlich, selbstverständlich, war es nicht möglich meine alte Rufnummer beizubehalten. Hatte ja frecher Weise gekündigt. Ach, die Telekom will ja dann auch noch eine einmalige Anschlussgebühr haben. Nochmal 69,- EUR. Konnte ich kompensieren per Online-Auftrag, quasi als Neukunde. Die liebe S. hat mich darüber hinaus auch noch als Neukunde, Neukunde!, geworben so dass die Liebste auch noch ein Geschenk erhält. Falls nichts schief geht, sollte ich ab nächsten Monat weniger bezahlen. Aber das ist ein frommer Wunsch, ich meine – „wenn nichts schief geht“, ihr wisst schon.

Faulheit und Fazit

Leute, ihr habt recht. Bin es selber schuld. Zu lange gewartet. Lethargie. Faulheit. Aber, ein Gutes hat es. Ich erhalte eine neue Rufnummer. Die Alte, ich meine die alte Rufnummer :-), hatte ich schon so viele Jahre und all die Adresshändler (Städte, Gemeinden, Bundesregierung etc.) können nun in die Röhre schauen. So! Schirrmi ist telefonisch nicht mehr erreichbar unter den bekannten Rufnummern!

Ein Neubeginn. Mal wieder frisch anfangen. Die neue Nummer nur noch ganz bewusst rausgeben. Nur noch an Menschen mit denen ich sprechen möchte. Göttlich! Also, falls jemand weiterhin das Bedürfnis hat mit mir zu telefonieren – bitte die neue Nummer bei mir persönlich erfragen. Telefonisch, selbstredend ;-). Ich entscheide dann über die Herausgabe.

@Mama: das gilt auch für Dich. Gut, ich weiß dass Du kein Internet hast und diesen Blog daher nicht lesen kannst. Dass du mir auch keine Email schreiben kannst. Aber nicht schlimm oder? 🙂

Euer Schirrmi