Zweierlei Gedanken mögen den Frühjahrsputz

Gestern dachte ich noch dass ich versauere. Mit dunklen Gedanken und schwermütigen Gefühlen ließ ich mich treiben. Nicht ungerne, was ich ungefragt zugeben will. Ich betrachtete mich und das was ich sah, war ehrlich gesagt nicht schön.

Mein Adoniskörper, ja bei dem ist alles in Ordnung. Aber die Haut darüber, die ist mal wieder schlimm. Jetzt nehme ich wieder Tabletten von denen mir der Doc ans Herz legte: „Nicht Autofahren wenn Sie diese Pillen genommen haben!“. Ich hatte aber schon eine davon – von daher war diese Aussage für mich irrelevant weil sie nur verschwommen mein Bewusstsein erreichte und nach Hause fuhr. Jaja, dachte ich so bei mir während sich mein Leckmichamarschgefühl gehorsamst meldete aber eigentlich auch nicht.

Volle Pulle Kortison dachte ich, „Eine ordentliche Portion Kortison muss jetzt sein.“ so der Doc. „Innerlich und äußerlich. Dazu vierzehn Tage Heimkrank“ erwähnte er nebensächlich. Ich sagte ihm dass ich eigentlich gar nicht grade von der Knochenmühle wegkann und schlug fünf Tage vor. Der sympathische Doc wurde langsam grantig und sagte „Sieben Tage, nicht weniger.“ Und am nächsten Montag soll ich dann noch mal zur Visite, dann sähe man mal weiter. Schön eincremen. Auch mal in die Sauna gehen. Da gäbe es so Saunen die halbgar sind. Oder schön lange in die Badewanne legen und danach schön ordentlich einfetten. Dann Ruhe, Stille. Ein Buch – ein Tee. Relax! Tja, das eine habe ich nicht, das andere mag ich nicht.

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So fette ich mich hier so gut es geht ohne Sauna ein. Von äußerlich einfetten sagte er nichts. Also bereite ich mir seit Montag lecker gebratene Würstchen, in Fett schwimmende Aufläufe oder auch mal gerne Brathähnchen zu. Okay Leute, dazu natürlich auch äußerlich. Habe mir ein Programm aufgestellt. Alle paar Stunden Antihistami.. trallala, einmal je Tag Kortison schlucken. Morgens mit Kortison einschmieren. Danach mindestens 10x mal rückfetten. Ob er damit den Stuhlgang meint, keine Ahnung. Finde ich aber widerlich wenn er das so meinen würde. Nee, ich habe da so ein Topp Rückfettungscreme die ich 10x am Tag auftragen sollte und dazu nackt und entspannt ruhig daliegen soll. Und überhaupt, der Stress soll ebenso abfallen. Die Haut wäre der Spiegel der Seele. Druck. Stress. Scheißhaut. Rückfetten. Stille. Dunkelheit. Bach. Halbwegs gesund, Knochenmühle, Druck, Stress, Scheißhaut usw. Am Ende nur noch Stille – im Grab. Da ist die Haut egal. Sie ist dann nur noch nützlich, für den Naturkreislauf. So wie man mal vorher war – Hauptsache nützlich für den Wirtschaftskreislauf. Wenn Putzerfische Geld gebrauchen könnten, dann hätte man für sie einen Wirtschaftszweig erfunden.

Alibert-sauber_IMG_7017Aber wissen Sie? Lassen Sie sich mit diesen Gedanken nicht den Tag versauen. Kippen Sie sich ordentlich was hinter die Binde oder benutzen gedanklich Essigreiniger, meinetwegen auch Domestos um die vorliegenden Zeilen aus dem Schädel zu bekommen. Dazu eine kleine Eröffnung am Schädel (Werkzeug: Einwegrasierer, Dremel), Domestos rein und wieder wohlfühlen. Bastonade für das Gehirn. Bitte. Danke. Aber darum geht es hier nicht. Meine russische Pflegerin stöhnte lustvoll als ich sie küsste: „Dein Bart ist nicht lang genug als dass er weich ist – er piekt.“ Bei einer solchen Erwähnung bin ich gedanklich bei irgendeinem Strategiespiel. Soll ich sagen ich habe keine Lust mehr mich zu rasieren, wenn dann nur ab und zu, wenn mich nur nicht mein Alibert ankotzt so dreckig wie er ist? Oder soll ich sagen dass ich vor lauter Krempel den Rasierer nicht mehr finde? Oder soll ich sagen dass ich sowieso in meinem Luxushaushalt ob der vielen Luxusdinge nichts mehr finde? Irgendwas muss ich der prekär beschäftigten Pflegekraft ja sagen warum ich pikse. Also nehme ich sie, nackt und schön rückgefettet, an die Hand und zeige ihr meinen Badezimmerschrank. „Oh oh, mein lieber Wanja! Das ist ja fürchterlich!“ Ich so: „Ja!“ und verzog mich mit den Arschmuskeln zuckend zurück auf die Couch.

„Kannste mal leiser machen, Du Russ!“ brüllte ich durch die Muckelbude, ich lag auf der Couch und schaute RTL2, während vom Bad ein ewiges Geklapper, Gestöhne, Gewische, Wasser sprudelte, Dinge machten Lärm –  in mein sensibles Nervengerüst und –Gehör drang. Es hörte verflixt noch mal nicht auf. Es bemüßigte mich abermals zu schreien: „Du blöde Fotze! Weißt Du nicht dass ich krank bin?“ Ich habe davon ja keine Ahnung. Aber ein wenig Rücksichtsnahme kann man ja wohl erwarten, oder nicht? Essiggeruch wehte mir um die Ohren als meine Pflegekraft zu mir trat und mir mit einer widerlich schwarzen Zahnbürste um die Nase wedelte: „Da, schauen Sie! So dreckig war ihr Alibert!“. „Das ist ihre Zahnbürste, meine Liebe. Welche ich nur alle drei Monate für Sie auf meine Kosten auswechsele.“ entgegnete ich leise schnarchend und unaufgeregt. Soll sie doch sehen womit sie ihre Zähne sauber hält waren meine letzten Gedanken während ich ihren Kopf nachdrücklich aber sanft in meinen Schoß zu drücken suchte. Danach wurde ich hin- und her gerollt damit auch die Designercouch wieder saubergemacht werden konnte.

Alibert-sauber_IMG_7011Der Spruch in Bezug auf die Pillen und Autofahren kam mir grade noch in den Sinn und dachte dass ein erster Schwung Frühjahrsputz erledigt ist. Erledigt worden ist. Man mag, man kann es sich nicht vorstellen was sich in so ein einem Junggesellenhaushalt einfindet. Gefühlte fünf Kilogramm fliegen in die Tonne. Kondome – extra Large, Gleitcreme, Gesichtsreinigungstücher, Haar- und Körperpflegeprodukte, jede Menge Parfumproben, ranzige Sonnenmilch, geklaute, in Vielzahl nicht zu überbietende Produkte aus Hotels, ja – eine alte Motte wurde auch noch in einem Schubladenwinkel gefunden. Alles weg! Es ist wie reinigend, erlösend. Toll!

 

Euer Schirrmi

P.S.: Das nächste Mal lasse ich das Mädchen  alle meine Bücher einzeln abstauben. Kann ja ein wenig Bildung hängenbleiben.

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