Wintereinbruch und EMSige Fische

Ich hörte die ganze Woche schon davon. Jeden verdammten Morgen gegen 5:00 Uhr. Die Wettergötter sagten ab Donnerstag einen starken Wintereinbruch voraus. Vom Norden her ein Tief, dicht gefolgt von einem Hoch – oder umgekehrt. Jedenfalls sollte ganz Großdeutschland in den Genuss von Winter kommen. Zumindest bis in Höhenlagen ab 480 Meter. So also wohl auch in meiner Gegend.

Groß angekündigt. Drama, Baby und so weiter und so fort. Der Donnerstag kam. Und nichts kam. Daß Weiße im Auge war das Einzige was zu sehen war, draußen grau und dunkel. Keine Watte, wie es so ist, wie man so fühlen mag, wenn die Welt darin gepackt, geschönt und den ganzen Schmutz überdeckend, alles ein wenig stiller, alles ein wenig gemütlicher, aufpassen dass man nicht ausrutscht. So, so war es nicht am Donnerstag. Wetterpraktikanten, mal wieder. Nebenbei kommt mir still und leise der Gedanke, wenn ich meinen Job so schlecht machen würde wie die Wetterdarsteller im TV, dann, ja dann – könnte ich ihn an den Nagel hängen. Den, meinen Job. Aber … hach!

Heute ist Freitag, schaute erst ungläubig nach rechts „ist es wirklich schon so weit?“, dann rauß. Aus dem Bett, das Fenster auf zum lüften, das Kaffeewasser kocht, die Blase drückt. Jetzt, ja jetzt ist es weiß. Der Schnee so wunderschön, die Flocken so dick – fallen gemütlich und ohne Streß, ohne jeden Gedanken aus der dunklen Nacht zu uns. Auf die Erde. Auf den Kleenen aus dem Rheinland der wie beschützend vor dem Großen, grimmigen aber doch sehr gemütlichen Schwarzen steht. (666).

Später dann ein großer Parkplatz. Fast fühle ich mich schuldig die ersten Spuren zu hinterlassen. Wie um den Anderen zu sagen – Ihr seid zu spät! Die Hände in den Jackentaschen grübele ich über die Fährten nach, so kleine Fußstapfen vor mir im Schnee, die mich daran erinnern daß der Mensch nicht das Einzige Wesen ist welches um das Überleben kämpft.

Tropf, Tropf, ein kleiner Eiszapfen sagt zu mir: ich bin da. Ich schaue hoch und sage ja. Wir beide tropfen unser Leben aus – unverzagt, ungefragt. Bis die Welt wieder kälter wird. Dann eingefroren. Keine Bewegung mehr. Dunkel und nur mehr leise, ganz vorsichtig die Gedanken – nur so daß bloß nichts zerbricht.

Während ich die Tür aufschließe, automatisch bewegen sich meine Finger, bittend um Licht im dunklen Treppenhaus, höre ich vom nahen Wald den Greif. Ich hatte Hunger. Bin jetzt so satt. Erinnerungen an die Lebenslust. Ich höre den Vogel noch, dann die Treppe rauf, begreife nicht mehr die Wirklichkeit. Verlasse den Gedanken an Leben und Menschlichkeit und füge mich. Die Reichen immer reicher, die Armen, die Armen! Immer ärmer!

Jedoch, tagein, tagaus. Robotten. Für wen? Für was? „Haben das schlechteste Produktionsjahr ever gehabt.“ „Trotzdem, hatten wir den besten EBITDA seit 50 Jahren.“. Freu, freu! Oi! Oi! Luxemburg, Canaren sei Dank!

Ich schweife ab.

In meinem Alter häufen sich die Arzttermine. So auch heute. Und, Ogottogott, im Schneesturm von Monte nach Lahnstein. Man sagt ja so im Allgemeinen, „eine Schneeflocke und die Leute vergessen ihre Fahrpraxis“. Dudeldideldum. Landstraße? Max 40 km/H. Das reicht. Mehr muss es nicht sein. Eher weniger. Wenn weniger, dann kannste Dir sicher sein daß Du ein EMS-Kennzeichen vor Dir hast. Jawoll! Siehst Du EMS – dann brems! Wirste ausgebremst. Während Du hinter so einem Bekloppten herfährst, tickert Dein Gleitzeitkonto runter. Der nächste freie Wandertach in Andernach verbummelt. Verpönt, den oberen 1,5% auch noch eine Krankmeldung reinzureichen. Macht man ja so mit sich aus. „Persönliches Zeitmanagement!“.

Wenn man dann so stoisch und in Gedanken Hellfires abfeuernd hinter dem voranfahrenden EMS-er herfährt, kann man vom Humanisten zum Herrn der Fliegen werden. Verdammt noch mal! Man kann sogar die Augen zumachen und mit den wildesten, dunkelsten und brutalsten Hafenkneipenschlägern Wetten abschließen – es ist ganz, ganz sicher ein Aufkleber am Heck des Autos. Ein Fischsymbol! Ein Fischaufkleber!

Ja, da weiß man Bescheid. Christen. Verkehrsraudis, Silberrücken mit Hut und haste nicht gesehen. Klopapierrolle. Notizblock um Verkehrpunks anzuzeigen die schneller als 40 Dings auf der Landstraße fahren. Die sich erdreisten einen überholen zu wollen. Sherriffs (oder wie das geschrieben wird), meist Bullen oder Beamte in Zivil, privat – aber immer Obacht! Wir haben die Macht. Nazis sterben nicht aus. Nie. So meine Erkenntniss. Deutschland. Und dann immer noch schön mit dem Fischaufkleber hintendruff!

Der Terror von denen hört nicht auf. Sie machen vor nichts halt. Sie machten noch nie halt. Sie haben die Macht. Und sie wissen das. Und wer aufmuckt wird zusammengeknüppelt. Oder verübt gefesselt und ohne Hilfmittel spontanen Selbstmord. Die Mörderbande! Die Drecksbande! Bis alles zusammenbricht. Aber da, ja dann – haben wir keinen Platz im Regierungsbunker. Mit `nem Fischaufkleber druff.

Schirrmi

P.S.: Was veranlasst mich über Fische zu schreiben? Will ich euch sagen. Meinen herzhaftesten Lacher hatte ich grade eben, heute, als eine mir sehr liebenswerte zugeneigte Person meinte: „Diese Fischaufkleber haben mit Christentum nichts zu tun, sie sind Fans vom Nordsee-Restaurant.“ Sie meinte es ernst.

Hihi 🙂