Weihnachten

Gestern noch mal schnell beim Barbier gewesen. Salam Aleikum. Aleikum Salam.

Friede und Freundlichkeit, als ob man im eigenen Wohnzimmer wäre. Es wird schwarzer Tee gereicht, oder Kaffee oder Coke – je nachdem was der Gast, der sich als Familienmitglied in diesem Barber-Shop fühlt, als Erfrischung zu sich nehmen möchte.

Viele Nationalitäten und Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen sind anwesend. Alte weise Männer mit meterlangen Bärten, Kinder die herumtollen, Arbeiter – die noch in Ihrer Arbeitskleidung kommen um zu Heiligabend chic zu sein. Der Barbier, mit Messer, Skalpell und Rasierer gleichzeitig in meinem Gesicht, hat immer noch eine dritte, vierte Hand um den Anruf seines Kindes entgegenzunehmen. Ich verstehe die Sprache nicht, aber es wird wohl so gewesen sein, wenn mich mein Kind anrief: „Papa, kommst Du bald nach Hause?“ „Bringst Du mir was mit?“ „Hab Dich lieb..“

Toll eingestimmt und mit chirurgischer Präzession die alten unweisen weißen Haare gestutzt, bin ich nun bereit. Der Baum steht schon etwas länger. Die letzten Geschenke sind verpackt. Fotos und Glückwünsche werden elektronisch ausgetauscht. Das Telefon klingelt ab und an um sich persönlich zu vergewissern, dass alles gut ist. Der Kartoffelsalat steht gut durchgezogen bereit. Tidal (nein, kein Spotify) liefert klasse Qualität für die Ohren. Es blinkt und blitzt, auch Dank Twinkly.

Frau Mirtana hat mir ein Gedicht vom lieben Erich Kästner in Erinnerung gebracht. Ich mache mal einen Full-Quote vom „Weihnachtslied, chemisch gereinigt (1927/1928)“:

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch Eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden,
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden,
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heilge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit . . .
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Danke, Frau Mirtana.

Draußen, hinten am Gartentörchen steht ein Reisemobil, halbwegs in Schuss. Es hat ein Berliner Kennzeichen. Wenn ich an Berlin denke.. Ich spare mir weitere Ausführungen. Aber wenn ich an Berlin denke, dann auch an den Kiezi. Bro, falls Du da hinten geparkt hast. Komm nach vorne und klingel an. In meiner bescheidenen Bude ist immer ein Platz frei für einen Freund.

Huch, wird Zeit die Halberstädter Bockwürste aus dem Vorratskeller zu holen. Unsere beiden kleinen Kiffer hängen auch schon im Baum. Es riecht nach Kartoffeln (flüssig) und nach Nuss (ebenfalls flüssig), die Kerzen scheinen, ich habe alles gedimmt. Mich auch.

Ihnen allen da draußen wünsche ich eine gute Zeit. Bleiben Sie gesund. Und immer dran denken: Krieg ist Frieden. Mal sehen welche Aktien…

Kussi