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Süße Klänge

Heute geht es mir gut. Gestern sah ich noch alles klar – solang ich trank. Ich schaute mit tränenden Augen raus, Berlin im Nebel, unheimlich irgendwie. Watte auf einem Riesen den man nicht stören mag. Es trippelt, trappelt – Reste einer Nacht, ich wünsche mir dass sie nicht stolpert, nach Hause fand.

Falls man mich fragen wollte würde ich keine Antwort geben. Nicht heute Abend als ich mehr als ehedem die Welt so anders sah. Da war die Kleene, die ungeachtet meiner Miene den Trunk ausschank. In geschäftiger Manier wurd sie nicht gewahr meiner Blicke, die voll, doch allein – in einer fremden Welt verweilten. Des Wirtes Arm ging hoch und runter, stoisch, immerdar. Ich schaute, kam ins Wundern, wie das menschliche Geschlecht so einfach – fröhlich, mit einem Humpen Bier sein kann. Lachte innerlich leise und ward traurig.

Sie sind so toll, so voller Leben. Da wird geklappert, da blitzt der Busen, die Würfel fallen, Geist wird ausgeschenkt in Überfluss, laute Reden, lachen, kichern – frage mich, wer bin ich denn? Traue mich nicht große Reden zu schwenken, erstmal kleine Brötchen zu backen so ich zum Nächsten: „Mein lieber Herr, nach langer Reise und ganz allein – ein friedvolles Fleckchen ist mein Gebehr..“ Hätte ich das doch nicht gesagt, gefragt! Des Kerles Zornesfalten schwollen an, die Haut plötzlich sehr dünn, im Nacken restliche Wunden vom letzten Kampf blickt er mich an und.. sagt zu mir, „Mein kleiner, lieber junger Mann – sie erinnern mich..“ – sagts, haut den Leuten auf die Köppe und nimmt mich in den Arm.

Unendliche Treppen ging ich rauf in Erwartung eines neuen Paradieses. Zu einem Flecken der mich aufnimmt. Mich akzeptiert. Wo ich in Ruhe vergessen kann was mal war. Rotgestrichene Fensterläden klappern, lachen mich unheimlich an. Nicht zweimal Sechs stand ich vorm falschen Haus, in naher Ferne klingt orthodoxer Glockenklang. In Kutten erscheint ein Künstler, schaut mich an mit seinem farbenfrohen Gewand, wohlwissend ich wär hier falsch. Es fehlte mir der Mut die oberste Klingel letztendlich zu drücken, ein kleiner Hasenfuß so kam ich mir vor, furchtsam rüttelnd als in die Jahre gekommenes Individuum stellen sich in diesem dunklen Tal umgeben von wilden Bergen, meine Haare auf. Erst fein und ohne es zu merken, packt mich eine Geißel zart dann hart und unerbittlich fest, die Hoffnung schwand. Ich war mal da. Es tut so weh und ich lass nicht los, kann nicht begreifen dass die Sonne, die Gezeiten, die Welt sich dreht und einfach so weitermachen als ob es mich nicht gäbe. Ich bin noch nicht parat.

Es wäre das vorletzte Haus. „Willkommen und eine gute Fahrt!“ sagt er mit angenehmer Stimme. Schlimmes ahnend und mit ohne Plan dehnte ich Sekunden zu Minuten. Minuten zu Stunden und aus Stunden wurden Ewigkeiten in deren Mitte ich saß und noch eine letzte Ziggi rauchte, wohlwissend – sie gibt mir Halt, doch am Ende glimmt es nur noch schwach. Meine Finger spüren den Schmerz nicht, im Gegenteil – sie suchen ihn. Zu leben, zu lieben, zu leiden und für immer Mensch zu sein. Doch entgleitet mir die Welt, ich schaue zu. Ein Alptraum der Wahrhaftigkeit wird mir Gewahr. Bitte noch nicht.