Nur so (9)

Was ich immer schon komisch fand. Immer wollten irgendwelche Leute was von mir. Ich konnte, wenn ich wollte, darauf eingehen. Aber seit Ruhrfeld-Zeiten denke ich nur noch – Arschgeleckt und lasst mich in Ruhe! Das war damals. Heute gibt es nur noch bei übermäßigem Betteln was auf die Mütze. Oder auf den Schal.

Seit einiger Zeit wird mein Festnetztelefon mehr als gewohnt frequentiert. Denn ich bin auf der Suche nach einer neuen Bude. Seit Monaten durchstöbere ich die Inserate. Mal melde ich mich bei denen, mal melden die sich bei mir. Dazu kommen mittlerweile Phantastillionen Wohnungs- und Hausbesichtigungen bei denen ich immer adrett und sauber aussehen wollte. Neben der Hoffnung dass ich nicht ausraste ob der Anmerkungen das Blumen auf dem Fensterbrett und laute Geräusche innerhalb der Wohnräume schon ab 19:00 Uhr aus Gründen verboten wären, bekam ich ziemlich viele Zusagen. Die L. meinte dass ich der geborene Schleimer wäre. Habe manchmal extra meinen Bauch rausgestreckt und das Hemd gedehnt, ging krüppelig nur um Seriosität zu heucheln. Zusage! Aber ich denke mir jetzt das es die falsche Strategie ist. Denn wenn ich heuchelte kamen die dann immer mit „Ja, ist eine sehr ruhige Wohngegend hier.“ Und „Die Nachbarn, sehr, sehr ruhig.“ Und so weiter. Oder „Ein heimeliges Miteinander und.. vor allem ruhig und Frieden und man hört von keinem etwas.“ Weia! Nee, da wusste ich dass ich übertrieben hatte. Frage mittlerweile nach ob Drachen, Teufel, Monster, ausgeflippte Junkie-Nutten per Dolby-Atmos und 9.2 durch das Wozi fliegen dürfen. Aber da trennt sich die Spreu vom Weizen. Kurz, es ist schwer mich umzusiedeln.

Seit keine Ahnung wie lange habe ich ein neues Telefon. Wenn das alte klingelte hob ich es aus der Station und konnte direkt sprechen so wie in der Art: „HALLO? WER STÖRT?“. Jetzt nehme ich es und brülle das Gleiche und bekomme keine Antwort. Dann brülle ich nochmal. Dann melde ich mich ordentlich mit „Geht mir nicht auf den Sack!“ oder auch, wenn alles nichts hilft mit „einen schönen guten Abend..“. Und vergesse immer dass ich bei diesem verschissenen Telefon eine Taste drücken muss damit ich dran bin – die Connection stattfindet. Sie glauben ja nicht wie viele Bonmots, wie viele Witze und Abenteuerlichkeiten ich schon am Telefon erzählte nur um zu merken dass niemand dran war weil ich vergaß die Taste zu drücken. Wenn ichs gerafft hatte und das Gespräch annahm war das Beste schon verflogen. Scheißtelefon!

Ein Renner war Letzens mein Blog „Cam zu verkaufen mit ohne Fotograf“. Sie glauben es nicht. Ich diddette ein Foto von mir in das Worldwideweb und ein Slime-Kenner fragt mich doch tatsächlich: „biste dit?“ Sie merken, das Berlinerische liegt mir nicht so. Aber der Schal, tja.. Der ist geil! Und lang und breit genug – so wie ich hab. Ihn. Bin ja mal gespannt wenn ich ein Foto mit ohne Schal von mir poste. Charlie hat es gut erkannt und brachte ein wenig Power in den Blog. Sieht und liest zwar kein Schwein, aber so ist das mit dem Untergrund. Alles gut, harhar..

Hier stapeln sich die Pakete und meine Babsi hat mir gestern eine Schale mit selbstgebackenen Keksen hingestellt. Super! Aber was mir in letzter Zeit passiert, ich bin ja Asthmakrank, ich werde schweratmig obwohl ich weniger rauche. Meine Theorie dazu ist, ich esse zu viel. Der Bauchinhalt drückt von unten nach oben in den restverbliebenen Lungenvolumina hinein und Zack! Grübele langsam über eine bequeme Triumph mit Tanksonderanfertigung nach.

Mögen Sie Mark Twain? Ich warte Ihre Antwort nicht ab denn hier geschieht etwas asynchron:

Ich kann jede Art Gesellschaft ertragen. Ich brauche nur zu wissen, jemand ist ein menschliches Wesen – das genügt mir; schlimmer kann es gar nicht sein.

Heute geschah in der Knochenmühle sehr viel. Viele bekannte, aber auch fremde Gesichter waren zu Besuch – die Besprechungsräume alle belegt. Erinnerte mich an meine Zähne aber das ist ein anderes Thema. Ich wollte früh das Haus verlassen, hatte aber keinen Bock darauf dass mich der Chef in Mantel und Aktentasche beim Abstempeln erwischt. Ich rief ihn sogar an und berichtete ihm proaktiv über Dinge und sogar noch über Dinge von denen ich nur ahnte die er noch ansprechen könnte. Nur um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dann analysierte ich die Raumbelegungspläne, den persönlichen Kalender des C., versuchte mit der jahrelang trainierten Schnüffelnase zu eruieren wo er sich befindet damit er mich nicht beim Feierabendmachen erwischt. Dies alles dauerte den ganzen Tag und ich glaube er sah mich nicht. Am Ende des gutbezahlten Tages fand ich mich gut.

Ich fuhr so vom Parkplatz und im Augenwinkel spielte sich was Schnelles, Verrücktes ab. Wenn Sie mich kennen, wissen Sie dass ich jederzeit auf den Straßenverkehr achte. So auch diesmal. Doch da hinten (Westerwald, Natur, weite Flächen etc.) erblickte ich Dramen. Ein Falke machte sich über eine Herde Tauben her. Sie glauben es nicht wie herrlich das war! Die am Straßenrand parkenden Autos rammten meine Karre während ich faszinierend in die Luft starrte und dem Schauspiel folgte. Ein paar Hundert Meter weiter, der Falke kam zum Riss, bemerkte ich das Schlamassel. „Die zeige ich alle an! Die Schweine!“ Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie verdengelt die rechte Seite meines Wagens ist. Die werden büßen!

Möchten Sie Fotos? Irgendwelche? Na, mal sehen.. vielleicht mal was aus Berlin 🙂

Benno Ohnesorg
Benno Ohnesorg

Lachen vergangen? Schönen Abend noch.

5 Gedanken zu „Nur so (9)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.