Müde Verkabelung – Sprengstoffgürtelterrorist

Dat Balg, nee – dat Balg schläft ja net durch. Neeneenee… So war der Pansen (Bezeichnung laut Schrottpresse) und so ging es dann auch zwangsläufig uns. Uns, das sind Mama-Pansen und Papa-Pansen. Nie eine Nacht durchschlafen können, die Brustwarzen blutig durchgekaut, der Sprit schon wieder alle beim „mit dem Kleen beruhigend um die Ecken fahren“. Tankstellen schon zu, kein Tuborg mehr. Aber eingeschlafen ist er dabei manchmal wohl und es hat geholfen. Aber wenn das fiese Miststück dann wieder im Bett lag fing alles wieder von vorne an. Die kleine, nicht allein lebensfähige biologische Masse, hatte uns im Griff. Gut, jetzt kriege ich, dem Satan sei Dank, nichts mehr davon mit. Aber schlimm war es schon.

Ich war letztens beim Arzt. „Soso, ahja, der Herr Schirrmi. Wie geht es uns denn so?“ „Ich wäre ja nicht hier wenn es mir ginge“ entgegnete ich. Blätter, blätter – „die letzten Blutwerte in Ordnung, nuschel, nuschel, ein wenig abnehmen, etwas weniger leben, trinken – naja! Overall aber alles oki“ so der Halbgott in Weiß. Tja, das nahm ich genüsslich zur Kenntnis und fragte: „Aber warum bin ich immer müde, Diät, Sport, Harzer Steiger, das ganze Programm– obwohl ich früh in die Kiste gehe und trotzdem im Büro (und in der Messe) einschlafe?“ „Hmh, hmh, haben Sie im Beruf Stress?“ Und weiter „Wie wäre es mal mit 14 Tage Ruhe?“. Ich so „Nee, hat mir der andere Arzt schon, kann jetzt nicht schon wieder auch wenn ich wollte…“

Ich lehnte die abermalige Auszeit ab und er überwies mich zu einer Koryphäe – einem geigenspielenden Professor der sich mit so was auskennt. Ich rief an, Termin frühestens in zwei Monaten. So war ich dann jetzt da. Termin 9:20 – ich checkte um 9:00 ein und habe in die Parkuhr ein EURO reingeworfen, sollte ja bis 10:20 reichen. Bogen ausfüllen, Schweigepflichten nicht entbinden und dann warten. Es war 10:00 Uhr, im Warteraum saß ich derweil mit bereits toten Menschen zusammen, bin ich da mal vorne an die Theke hin und fragte nach ob es Schwierigkeiten gäbe. Nö. Bitte weiter warten. Gegen 11:00 Uhr platzte mir fast der Kragen – die Zombie-Mannschaft vermehrte sich mit Bild-Zeitungen unter dem Arm, alle kannten sich wohl und unterhielten sich über den letzten Einlauf. Ja, der letzte Einlauf. Toll, wo bin ich hier?

Out Take: Geschnarcht habe ich wohl schon immer. Schlimm, wohl. Manchmal kam nachts die hübsche Nachbarin runter zu uns, klingelte und fragte Mama-Pansen ob man da nicht mal mit der Schippe drauf hauen könnte. „Ach, ich bin ja selbst froh wenn DER im Wohnzimmer einschläft.“. Oder einmal, von drei Häusern weiter klingelnden die Leute: „Wir haben die Kripo gerufen. Diese Geräusche, Tod- und Mordschlag, psst….“ Mein höchstgeschätzter großer Bruder meinte einmal dass ich Taucher werden müsste. Denn so lange wie ich die Luft anhalten könnte, das wäre einmalig. Apnoe-Held könnte ich werden. International und unter den Tiefseefischen berühmt, könnte ich werden. Einmalig und unerlebt, so die Meinungen der nur kurzfristig bei mir weilenden Mädels. Alles in allem, ich bin wohl diesbezüglich gesegnet und habe viel Talent – doch irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf dass meine Künste nicht wertgeschätzt werden. Nun ja.

Irgendwann nach gefühlten 5 Stunden öffnet sich die Wartezimmertür von außen, eine Sprechstundenhilfen Auszubildende kommt rein und fragt nach „Frau Schirrmacher?“. Ich so „Äh, tja, wenn hier nicht eine Dame sitzt mit dem gleichen Nachnamen, dann bin ich wohl gemeint – ähm…“. „Da sind noch ein paar Fragen…“ Ich so „Können wir das nicht irgendwo anders klären und nicht in dieser versammelten Runde?“ – die Zombies schauten schon ganz interessiert und gaben ihre Kommentare ab. „Nein, geht schnell!“. So im Warteraum wurde ich nach meinen Gewohnheiten gefragt. Wann ins Bett. Mit wem ins Bett. Wann raus aus dem Bett. Job? Und wenn ja welchen. Alkohol? Rauchen? Irgendwann wollte ich der kleinen dummen Nuss sagen dass es doch sehr private Fragen wären, und hier im Warteraum? „Gleich fertig.“  sie wo weiter: „regelmäßiger Stuhlgang, Drogen, aggressiv gegenüber Sprechstundenhilfen?“ Etc, etc,. Ich nahm mir die Kleine vor die Brust und verbrachte sie unter Gemurmel und Protest („wusste ich doch das das ein drogensüchtiger Krimineller ist der abends nicht rechtzeitig ins Bett geht, und dann auch noch junge Frauen fickt und sich hier auch noch über sein Geschnarche aufregt,“ etc.) aus dem Warteraum hinaus und fauchte unmissverständlich: „ich bring Dich um!“

Nach der klaren Ansage und, ich wurde dann doch wieder auf den Warteraum vertröstet, kam dann wohl die Sprechstundenhilfechefin und händigte mir einen Koffer aus. Dieser sah billig aus, war aber auch billig, aber wie man das auch den Kriegsgebieten kennt, mit brisantem Inhalt. Ich sollte einen Gurt unterhalt der Brust, einen über den Bauch, ein Dings über meinen Zeigefinger und dazu auch noch so Dinge in meine Nase tun. „Lösen Sie fern aus oder muss ich das machen, wie viele Menschen sollen sterben, wohin soll meine Mission gehen?“ fragte ich. „Machen Sie einfach“ – so die überaus charmante Antwort.

Ich tat also so. Sollte das über Nacht so und so anlegen und benutzen. Es war eine schlimme Nacht. Überall Schläuche und Detektoren und ich kannte nicht den Zeitpunkt wann das Ganze explodiert. Ich sollte immer drauf achten dass alles gut verkabelt ist. „Oho“ dachte ich, also doch Fernauslösung. Immer ging mal eine Schlauchverbindung flöten, dann waren die Dinger aus meiner Nase mal weg. Wenn ich aufgrund von grundgütigen Pupsen die Bauchmuskeln anspann war das ganze Ding weg. Und das die ganze Nacht so. Meine Mission sollte so bis 5:30 Uhr gehen. Dann stand ich auf, schmiss das Zeug weg und wixte mir erstmal einen. Wegen mal wieder überlebt haben.

Heute musste ich wieder in die Klinik. Die sagten mir, und ich dachte es wäre nur so gesagt wie zu einem nur mit viel Glück überlebenden „schön dass sie den Koffer wieder mitbringen konnten.“. Tja, dachte ich mir – grade noch mal so über die Klinge gesprungen. Und das ohne dass ich Unbeteiligte (ich als letztes Rädchen darf ja nicht wissen um was es geht) mit ins 666-Paradies genommen hatte. DEN Koffer also abgegeben und bekam als Antwort „Sie hören von uns.“

Leute – ich weiß nicht in welchem Film ich hier bin. Gut, ich hatte damals mal bei Kapitän Ahab angeheuert – da ging es auch mal hin und auch mal her. Aber das lag an der See.

Aber sowas. Hallo?
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5 Gedanken zu „Müde Verkabelung – Sprengstoffgürtelterrorist

  1. Ich fühle mit dir musste mich auch schon mit so nem Ding quälen und das nur weil sich Leute beschwerten ich würde nicht atmen so ein schwachsinn!! Aber ich bekam keinen Koffer nur ein Tütchen 😉

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