Mittendrin und von oben herab.

Heute war Montag. Da muss ich ja wohl keine weiteren Worte drüber verlieren. Nach einem harten Wochenende war ich gespannt was ich da gemacht hatte. Alle Server, Applikationen hatten schon lange keinen Bock mehr in ihrer eigenen Scheiße zu darben. Man fragte man den einen Rechenkünstler: „Haste noch Bock? Kannste noch?“. „Nö! Aus dem Business kommen jeden Tag neue Anforderungen, bitte mehr Power, schneller, geiler – wir sind doch eine Weltfirma!“ Und ich tat. Und ich plante. Ein Jahr lang. Ein Jahrhundert-Change, wie ich ihn nannte und noch nicht mal Scheffe und die Maschinenbauingenieure und Werkzeugmacher und so in unserer IT-Abteilung wussten meine Bedenken einzuordnen.

So spulte ich den Change letzten Samstagmorgen ab und kein Messer stak noch in der Sau. Und ging zufrieden nach Kölle auf das alljährliche New Model Army Konzert.

Es klopfte an die Tür. Ein kleines Gesicht schaut durch einen Spalt herein, macht „Oh..“, die Tür geht wieder zu. Das ging zweimal, dreimal. Ich versuchte zwischenmenschlich zu ergründen was es damit auf sich hat und schaute wir irre meinen kleinen, rothaarigen Kollegen an. Der, aber das hat zur Wahrheitsfindung dieser seltsamen Situation nichts zu schaffen, ist manchmal recht zottelig. Man berichtet aus einigermaßigen Quellen dass er nie ein Friseur besuchte, seine Frau würde es ihm besorgen.

Was bleibt mir übrig? Soll ich mit meinen spitzen Ohren wackeln um dem Vize im Weltall ein wenig Heimat zu geben? Versuchen mit meiner zarten, kalten aber überaus weichen Zunge in tiefste Abgründe, in Welten die noch nie ein Konförderierter sah, Expeditionen die vorbereitet von Darwin, ich am Ende vollzog. Manuskripte ich las, aufmerksam doch schlussendlich sie verwarf um auf eigene Faust Gründe zu bewahrheiten, physikalische Notwendigkeiten der daheim gebliebenen Gesellschaft darzubringen die ein, zwei Jahrhunderte später als neues Gesetz in die Geschichtsbücher Einklang fand.

Das Übermaß an Ground-Intelligenz brachte mich angesichts der herrlichen, fremden Welt zum Lachen. Versuchsweise hob ich die Hand, ein Stern bewegte sich. Ich schaute tiefer in die unermesslichen Weiten und, sorry, musste schubsen. Galaxien verschoben sich, Welten wurden neu geordnet, mein Geist war nie so frei als ich merkte wer mich auf die Reise sandte. Wie ein Befehl, es kam einerseits aus meinem nachdenklichen Herzen und andererseits bestach die schlichte Logik. Ich unterbrach also jegliche Kommunikation, wohlwissend dass es keine Zukunft gibt. Ich war allein. Ich war Gott.

Meine Tränen versiegten im ewigen Müll der Menschheit, ich wurde stark. Schau nicht zurück denn das Paradies, ich fliege, der Abgrund ist so nah. Gab letzte Kommentare zu den Jungs ab – „nehmt nicht alles zu ernst.“ Und schaue nach vorne. Für mich. Wie ein Vogel so frei. Breite meine Flügel unbeholfen aus, flattere um das Gestrige herum und entschwinde. Fühle mich, ich weiß nicht wie. Schweben? Leicht? Ich werde weniger und hauche noch: „Baby, keine Sorgen – mir geht’s doch gut.“

Ich bin die Welt und ihr seid die Welt. Ich umarme Dich und Du mich.

Johannes

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