Ich räumte grade vom Dachboden meine Briefmarkensammlung herunter und bot L. stolz einen Einblick in der Selbigen.

In all den Alben hatte ich einen kleinen, gezackten und originalgestempelten Schatz gesteckt. Dieser sollte, ich dachte schon damals an früher aufhören, die Zeit zwischen meinem 49. und dem 67. Lebensjahr finanzieren.

Nun wie folgt. Ich ziehe meine weißen Baumwollhandschuhe an, lege die Briefmarkenbücher zur gemeinschaftlichen Ansicht vor und wir beide, die vermaledeite L. und ich, erfreuen uns an den Marken. Ich bat mir exklusiv aus selbt umzublättern damit nichts passiert.

Nun kommt es manchmal vor dass eine Briefmarke ein wenig schräg, nicht grade oder so, in den im Briefmarkenalbum vorgesehenen Fächern liegt. Wie verrückt und wahnsinnig und ebenso in Zeitlupe sehe ich plötzlich wie L. die Finger ihrer rechten, und wie ich jetzt nachträglich meine, schmutzige Hand, zu einer Briefmarke greift, um sie grade zu rücken. Mit entsetzten Blicken und bevor ich schreien konnte, vollzog sie. Die Eine Briefmarke fiel. Nein, sie flatterte. Sie schwebte zwischen vier kleinen, süßen und wohlmanikürten Füßen, der Schwerkraft entsprechend zu Boden. Und ward nie mehr gesehen!

Sie sah meinen Gesichtsausdruck und bückte sich allsbald vor mir. Auf der Suche nach meiner Kapitalanlage die so- und soviel Jahre gesichert war, nämlich meine Lebensversicherung. Und bückte sich und ich greinte und konnte meinen Blick nicht lösen – vom verlorenen Leben. Aber, lesen hier Männer mit? Scheiß auf die Briefmarke!

Jedenfalls bückte und kroch und stöhnte sie auf dem Boden so herum dass es eine Freude war.

Tja!

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