Massage von einem Geschäftsfreund

Dämmerlicht. Wir trafen uns auf einem P&R in Groß-Gerau.

Es war noch relativ früh, der morgendliche Verkehr noch nicht recht steif. Ich parkte mit laufendem Motor unter Bäumen und hielt Ausschau nach ihm. Ich erwartete Großes von diesem Tag. Noch nie war ich mit ihm alleine. Unterwegs. Gibt’s Frühstück? Wie ist er drauf? Kann ich was von ihm lernen? Auf die Minute genau stand ich dort, konnte aber seinen Luxuswagen nicht erblicken. Ich gab ihm noch ein wenig Zeit bevor ich ihn mit dem Autotelefon anrief. Hach, gut gelaunt führte mich seine aufgeweckte, angenehme Stimme zum richtigen Parkplatz. Wir fuhren, ich ein wenig orientierungslos, er sonorte am Telefon: „Sind Sie das da mit dem „Teufelsmobil“?“ und vor mir blinkte er mich an, auffordernd ihm zu folgen.

Er reservierte mir den letztmöglichen Parkplatz, blieb im Auto sitzen während ich einparkte und aufgeregt meine Tasche, eine kleine Flasche Wasser packte und die Ziggi wegwarf. Ich vergaß nicht ein paar Pfefferminzbonbons für einen guten Atem einzuwerfen.

„Herr Schirrmi, einen schönen guten Morgen..“ Ich fühlte es schon sanft gleitend und so war es dann auch und fuhren in der Karosse los. Nach ein paar hundert Meter, er sprach, erzählte, machte Witze – alles in allem meinte ich, wird es eine überaus nette Gesellschaft, hatten wir doch ein paar Hundert Kilometer miteinander, nebeneinander zu verbringen.

Dann plötzlich, ich kenne das noch von meinen Straßenjungenzeiten, merke ich links dass mich etwas berührt. Da bin ich ja professionell. Sage erstmal nichts. Kein Grund zum Eskalieren. Ein Geschäftsfreund! Dann wird er aber doch aufdringlicher, irgendwann mal. Drückt mich fester in die Seite. Erst unerwartet, dann aber mit Nachdruck. „Ist es Ihnen unangenehm, Herr Schirrmi?“ so der Freund, geschäftlich. „Massieren wäre auch kein Problem.“ höre ich dem gutaussehenden Weißbart zu. Komisches Gefühl..

Als mir dann aber von rechts, da sitzt ja keiner mehr, auch noch jemand zärtliche, zupackende, schmeichelnde Avancen angedeihen lassen wollte, kam es mir in den Sinn. Denn spätestens als mein väterlicher Fahrer meinte: „Wenn Sie möchten kann ich die Massage- und die Kurvenhaltfunktionen der Luxuskomfortsitze auch ausschalten.“ What? Und weiter: „Wenn Ihnen ein wenig zu warm wurde, könnte ich, wenn Sie möchten, die Sitzbelüftung einschalten..“

Das Meeting war überaus konstruktiv.

Jetzt weiß ich was Luxus bedeutet in einem Auto. Komisch. Aber könnte man sich dran gewöhnen. Ambientebeleuchtung war da, die Musikanlage erhaben. Motorgeräusche bei 230 nicht hörbar. Sänfte.

Hey, Finger weg!

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