Keine Oma mehr da um mich zu beschützen

Es ist ein altes Lied was viele Menschen wahrscheinlich nicht mehr kennen. Der Barry geriet damals damit auch in die Mühlen des US-Goverments.  Ich denke grade an meine geliebte Oma und ich kann nicht sagen wie ich den Zusammenhang zwischen dem Lied und dem was mich bewegt ausdrücken kann.

Die Tastatur verschwimmt in einem Nebel durch den ich nicht mehr richtig sehen kann. Großartige Menschen leben immer noch in meinem Geiste. Gelebt in Würde und Mitmenschlichkeit, gestorben in einer Welt die sie überholt hatten. Doch immer graderaus und nie ein Sklave der Obrigkeit. So lernte ich es von ihr.

Ich hatte das (Un)Glück schlimm krank zu sein. Das ist nicht witzig und ich bin immer noch schwer krank. Und wenn ich mich so sehe, tue ich mir immer noch leid. Doch dadurch hatte ich die einzigartige Gelegenheit nicht daheim sondern bei Oma zu leben – zu überleben. Für viel zu kurze Zeit. Sie brachte mir Dinge bei. Sie lehrte. Sie formte mich nach alter Schule. Sagte „Kind, die Spielzeit ist rum, setzt Dich an den Sekretär und schreibe ein Dankesschreiben an den Günstiger.“ Heute bin ich immer noch Legastheniker oder wie das heißt. Doch Benehmen und grundsätzliche Formen des Zusammenseins auch wenn es heute überkandidelt wahrgenommen wird, sind felsenfest in mich eingebrannt. Die Tür aufhalten. Den Stuhl zurecht gerückt. Den Mantel gehalten. Dem frechen Kellner die Weinkarte zu erklären. Komische Situationen der lieben Gefährtin ersparen bevor sie es erfährt.

Im Wohnzimmer meiner Omi waren Minister anwesend. Staatssekretäre und sonstige. Damals standen sie sogar stramm und mussten Zubbeleien am Schlipps oder an der Krawatte über sich ergehen lassen. „Junger Mann, wie sehen Sie denn aus?“.  Ich auf dem Sessel, von derer Zwei die Mittags zusammengeschoben wurden damit ich den obligatorischen Mittagsschlaf machte im Hintergrund der Röhrenfernseher mit Bundestagsdebatten und auf dem andern Ohr die klickenden Stricknadeln für die nächsten Socken, den Pullunder.

Eine Markzwanzig erhielt ich für die Straßenbahn. Dann noch 50 Pfennig für die Kantine im Erich-Ollenhauer-Haus. Regelmäßig steckte ich mir das Geld ein und joggte anstatt das Geld für die Stadtwerke Bonn auszugeben. Hungerte wie gewohnt anstatt in die Kantine zu gehen. Nur um Geld zu haben. Ich war arm und lief und.. lieber vom gesparten Geld Schulhefte kaufen zu können.

Als ich mal halbwegs ordentliche Asthma-Medikamente erhielt, lief ich nur noch. Ich lief und rannte und wollte wie die anderen sein. Ging nicht, ich wollte aber. Ich sagte es nie jemanden, doch Oma sagte: „Jung, mach das nicht, Du hast andere Qualitäten.“. Sie beruhigte mich und machte Welten für mich klar von denen ich in meinem Sumpf nie zu denken wagte. „Großer!“ sagte sie zu mir Kleenen. „Du Hübscher!“ sagte sie zu mir Hässlichen. „Du Schlauberger!“ sagte sie zu mir, ich Dummerjan. Ich wusste es damals nicht. Aber Oma zog mich auf und versuchte mich zu einem Menschen zu machen.

Omi, ich liebe Dich und ich könnte noch so viel erzählen. Und, was Du komisch finden würdest, hier – braucht man keine Schönschrift. Aber auch dafür – vielen Dank! Kussi und Umarmung!

P.S.: Omi , Du hast was Schönes aus mir gemacht. Auch wenn Hornhaut wächst und ich nicht immer recht auf meine Fingernägel achte. Drücker und Kussi! Dein kleiner Johannes.

3 Gedanken zu „Keine Oma mehr da um mich zu beschützen

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