Was macht man so im April? Ich meine, außer in der Knochenmühle arbeiten und das schöne Wetter per Jalousie auszusperren damit die doofe Sonne nicht auf den Schirrmi-Compi scheint? Einfach mal nachdenken was denn so in der Vergangenheit im April so los war. 2012, hmh, sehr schön; 2011, ach ja, waren das Zeiten; 2010, net schlecht. 2009, STOPP! Zurück zu 2010! Hey, da war doch der Ossi-Abend.
Ihr fragt euch sicher was denn verdammt noch mal, ein Ossi-Abend ist. Nun, ich will es euch erklären. Man braucht einfach eine gewisse Lust zu feiern auch ohne besonderen Grund, Spaß, gute lustige Freunde und einen waschechten Ossi. Fertig!
Euer Schirrmi
Idee

Ach, ihr wollt mehr wissen? Nun also, es begab sich das M. und Klein-Johi in Feierlaune waren und die hübschen Köpfe voller Flusen waren Flausen hatten. Es muss ja nicht immer Gründe geben um eine Feier zu veranstalten, so dachten sie vor sich hin. Beim traditionellen Mucke-Raten, jemand lässt einen Song spielen, der andere muss raten was es für ein Lied ist – selbstverständlich ohne verräterische MP3-Tags oder aussagekräftigen Dateinamen – kam die Idee. Es wird ein Ossi-Abend organisiert. Damit ist gemeint dass das kleine gemütliche Bonn zur Zone erklärt wird, Wessis eingeladen werden – natürlich nur gegen Umtausch EURO in Ost-Mark – und eine „Ossi“-Motto Party veranstaltet wird.
Warum war das Klopapier in der DDR so rau? Damit auch der letzte Arsch rot wurde.
Vorbereitungen
Gedacht, getan. Auf, auf ging es zu den umfangreichen Vorbereitungen. Um in die Zone zu kommen mussten Visa her, welche gleichzeitig als Einladung dienen sollten. Es musste ein Programm her. Es sollte ein Wissensquiz für die dummen lieben Wessis ausgearbeitet werden. Die Mucke-Sammlung musste nach typischer Ossi-Musik durchsucht, Lebensmittel aus der Zone mussten beschafft werden. Alleine diese Vorbereitungen machten supi Spaß und wären ohne das Fachwissen von M., Stichwort „erfahren am eigenen Leib“, nicht möglich gewesen.
Was macht man wenn man eine Schlange sieht? Erst einmal hinten anstellen.
Materialien
Um es möglichst echt wirken zu lassen, dachten wir das folgende Materialien zwingend notwendig wären:
- In Ermangelung von echten Visa mussten wir welche fälschen.
- Ost-Mark Scheine damit die Wessis ihre EUROs umtauschen können hatten wir nicht parat – ebenso fälschen.
- MP3-Mucke mit typischen Ossi-Songs
- Ossi-Lebensmittel, gekauft aber auch selbst hergestellt.
- Verkleidung, bspw. der Pionierschal oder Vopo-Uniform.
- Wissensfragen /-antworten für das überaus begehrte Ossi-Quiz „Wer wird Ost-Mark Millionär?“
- Sonstiges….
Stasi-Beamter: „Wie beurteilen Sie die politische Lage?“ Passant: „Ich denke…“ Stasi-Beamter: „Das genügt – Sie sind verhaftet!“
Einige Dinge waren schnell zu beschaffen und zu erledigen. Als schwierig gestaltete sich das Visum. Es musste gefälscht werden, am Ende echt aussehen und beim Empfänger, d.h. dem Eingeladenen für große Augen sorgen. Es musste mit Stempeln und allem Piff und Paff hergestellt werden.
Visum
Das Visum dient zum Eintritt in die DDR. Die Idee war also dass die Gäste an der Tür von einem Grenzbeamten in Empfang genommen werden, diese Ihr Visum vorzeigen und nachdem des Gästen Geld getauscht wurde (wertlos gegen wertvoll) Einlass in die Zone erhielten. Nach konzentrierter Recherche hatten wir bald ein Bild wie so ein Visum auszusehen hat. Es mussten alte Dokumente aus Staatsarchiven und der Gauck-Behörde gesichtet werden. Stempel mussten extrahiert und gefälscht werden. Altes, typisches Ossi-Behörden-Briefpapier samt passenden Briefumschlägen musste besorgt werden.
Wie ihr mittlerweile wissen solltet, bekam das der liebreizende Schirrmi mit Hilfe seiner einzigartigen Intelligenz und Kreativität (bildhübsch isser auch) in einer dermaßen guten Qualität hin das, die Wendehälse befragt, diese aussagen mussten das sie es nicht besser hinbekommen hätten. „Ach, die Stempel!“ so allenthalben. „Oh, das Wasserzeichen!“, „der Schrifttypus!“ und so weiter – sie kriegten sich nicht mehr ein…
Aber seht selbst:

Die erste Hürde war geschafft. Die Briefe wurden versandt. Später bekamen wir mit das manche „Einreisende“ diesen Brief nicht aufmachten weil er von einem Staatsministerium kam und sie Angst hatten was drinnen stehen würde. Aus Gründen 🙂
Was ist der Unterschied zwischen Wessis und Russen? Die Russen sind wir wieder losgeworden.
Sonstige Vorbereitungen
Neben der Fälschung von Ost-Mark, dem Heraussuchen von typischen DDR-Rezepten die wie gewohnt von M. in hervorragender Qualität zu herrlichen Gerichten verarbeitet wurden, mussten weitere Dinge hinzugekauft werden. Ja, so Gedöns die in der DDR halt typisch waren. Also weitere Lebensmittel wie z.B. Griletta, Ragout Fin, Halloren Kugeln und Kleidung wie z.B. ein blaues Halstuch oder eine weiße Bluse.
Folgendes Staatsprogramm wurde ausgeheckt:
DDR-Begegnungsabend am 17. April 2010
- Einlass-Animation mit Passkontrolle und Zwangsumtausch (Ost-Mark; Vopo)
- Sozialistische Begrüßungsansprache des Abschnittsbevollmächtigten (M.)
- Eröffnung des festlichen Buffet mit Speisen und Getränken (Rotkäppchen-Sekt; Bananen)
- Auszeichnungen und Ehrungen von verdienten Gästen (Orden, Gäste werden auf die Redner-Tribüne gebeten)
- Freie und geheime Wahl der Ossi-Hitparade
- Besuch des Jungpioniers S. aus Berlin (Kostüm)
- Kulturprogramm mit lustigen Ossi- und Wessi-Witzen
- Verabschiedung (Arschtritt zurück in den Westen und Einbehalt der Devisen. Ggf. ein Ost-Taxi)
Der Ossi-Abend
Und jetzt muss ich aufhören mit dem Bericht. Hatte ich doch schon länger ein Rockkonzert *hihi* in Kölle gebucht um es mit einer ehemaligen Schulfreundin zu besuchen. Ich kam aber rechtzeitig zurück um noch die verwirrten aber überaus glücklich lächelnden Wessis zu treffen. Auch stand für mich extra eine Riesenportion Soljanka und ein paar Stücke russischen Zupfkuchens bereit.
Wie ich so von allen hörte war es ein gelungener Abend mit viel Spaß und Freude. Die dazugehörigen Fotos welche ich euch hier aus Gründen vorenthalten will, sprechen Bände.
Achtung: Wiederholungsgefahr! Aber dann mit einem anderen Motto 🙂
Seid bereit! – Immer bereit!.
Euer Schirrmi
Bonus: Erste Strophe aus M.‘s Ansprache als Thälmann-Pionier
Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Lass uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint.
Denn es muss uns doch gelingen,
Dass die Sonne schön wie nie
– über Deutschland scheint –
…hehe Erinnerungen blitzen auf
🙂