Der dunkle Fleck

Letztens mal wieder im Harz gewesen. Zum Wandern. Wie so oft war es mir ein Riesenspaß, ein Erlebnis ohnegleichen. Zu der Ersten, kamen noch Fünf weitere Blasen hinzu. Und das schon am Zweiten Tag. Klinische Versorgung geschah selbstverständlich als autodidaktischer Arzt mitten im Wald, im Dunklen. Nach dem Dritten verbrauchten Blasenpflaster – und der Vierte Tag brach noch nicht mal an, da schaute ich in die Röhre. Die im Übrigen kleiner als eine Briefmarke war.

Na jedenfalls schossen wir so gefühlte Sechshundert Fotos während unserer Selketalstieg-Wanderung. Nach Durchsicht der bildlichen Ergüsse waren wir einigermaßen angetan was geschafft wurde. Regen hier, Lostplaces da. Matsch dort, Honks allenthalben – gerne auch als Vermieter. Und das eine Woche lang.

Es reichte ja nicht dass wir „Wessis“ sind. Vor, während und nach den Mahlzeiten wurden wir gemobbt. Nein, wir mussten mit den Viechern sogar in deren Autos rumsitzen. „Betreutes Wandern“ ist das Stichwort. Sie brachten uns hin und holten uns auch wieder ab. Vor beiden Gelegenheiten hatten wir immer eine Heidenangst. Ihr wisst schon: West-Virginia. Menschenfresser. Kopf ab. Behinderte Kinder mit Hasenscharte welche mit Zahnlücken auf Banjos spielen und schon das Ende kennen. Also wie es mit euch ausgeht. Am Ende. Das endgültige Ende – ohne Haut am Leib und gerne vor oder auch egal, nach dem Ableben, mit einer Kettensäge gestreichelt worden zu sein. Solche Honks meine ich!

Ich schweife ab.

Eine Frau Thielemann sandte mir jüngst einen Brief aus der besagten Gegend. Mit Verwunderung stellte ich fest dass sie mir ein Foto von mir schickt mitsamt „Freundlichen Grüßen“ und „… ist ohne Unterschrift gültig…“. Naja, Honks halt. Keine Ahnung von Höflichkeit. Aber dass ich der Frau Thielemann meine Adresse gegeben hätte – nein, daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Was liegt näher als mich für diesen netten Brief zu bedanken?

Exkursion: Ich gehöre ja nicht zu den Männern die fremde Damen nach ihrer Telefonnummer fragen. Warum auch? Ansprechen, nett sein, ficken. Fertig.

Weiter im Text: Sie hat mir also netterweise ihre Telefonnummer hinterlassen, ich nahm das mal so als Angebot an. Wer weiß was aus einer zarten Pflanze noch so wird? Aber, der Anfang war gemacht und ich wäre der Letzte der einen Liebesbrief ignorieren würde. Heute wartete ich also das Schorsch, „Azubi-Beglücker“, um 10:00 Uhr mit den Auszubildenden „Tee trinken geht“. Dachte wenn ich mit Frau Thielemann, auch wenn es zunächst nur telefonisch ist, alleine im Büro bin, kommt eher eine gewisse, ach, ihr wisst schon, auf. Dann aber schnell, Schorsch (wird demnächst 50) wird mit den Azubis 30 Minuten weg sein, musste ich mich beeilen. Mit geilen schwitzigen Fingerkuppen die Nummer der Frau Th. gewählt. Tuut – Tuut – Tuut – Knacks! Oh, dachte ich so bei mir. Frau Th. kann wohl grad nicht. Ich wollte ja nicht aufdringlich werden bei unserem Ersten Kontakt. Also ein wenig gewartet und nach 2 Sekunden die Wahlwiederholungstaste betätigt: Tuut – Tuut – Tuut – Knacks! Habe mich nicht entmutigen lassen und spielte das Spiel alle zwei Sekunden so lange bis ich merkte dass ich eine falsche Nummer wählte. „Oh, was bin ich für ein Schelm“, so tadelte ich mich leise vor mich hin. Dann die richtige, die über- die geilste, die wasweißich richtige Nummer gewählt und, ohjehmine, leider nur ihr Anrufbeantworter dran. Egal dachte ich mir, den Hodensack reibend, höre ich wenigstens schon mal ihre Stimme. Engelsgleich, sanft aber doch leicht fordernd lauschte ich ihrer Stimme, ihren Worten. Die da wären:

„Haben Sie einen Anhörungsbogen erhalten?“ – Drücken Sie die 1
„Haben Sie einen Bußgeldbescheid erhalten?“ – Drücken Sie die 2
„Haben Sie einen Kostenbescheid erhalten?“ – Drücken Sie die 3
„Haben Sie Fragen zu Punkten aus Flensburg?“ – Drücken Sie die 4
…..
„Möchten Sie Ihr Anliegen persönlich vorbringen?“ Drücken Sie die 9. JA!
Tschaka!

Ich drückte die 9, leider war wohl Fr. Th. noch im Bad oder sonstwo beschäftigt. Sie spielte mir aber noch ein wenig von ihrer Lieblingsmusik vor. Das fand ich zwar sehr grenzwertig aber was macht man nicht alles wenn man verliebt ist. So aus der Entfernung. So. Man kennt sich ja noch nicht so richtig. Aber man sieht dann ja über einiges hinweg. Während ich der Mucke lauschte dachte ich mir, was ist wenn sie jetzt ganz plötzlich dran geht? Wenn ich grade beim Einatmen bin? Also, wenn sie dann endlich Zeit für mich hat und ich muss dann erstmal ausatmen und eine dieser komischen Pausen entsteht obwohl wir noch nicht mal angefangen hatten zu reden?

„Bauer, hallo?“ Ich so „Hi, hier ist der Johannes. Hätte gerne Frau Th. gesprochen.“ – lechz… Sie so: „Aktenzeichen?“ Oh, wie interessant! Codewörter. Da ist Frau Bauer ja bei mir an der richtigen Stelle. Konsequent, dabei nicht allzu eloquent antwortete ich: „XY“. Dann war irgendwie die Leitung gestört. Hörte nur irgendwelche Störgeräusche bis ich wieder laut und vernehmlich „Aktenzeichen!!!“ vernahm. Tja, dachte ich so bei mir. Was für ein listiges, aberwitziges Kollegenschweinchen. Will mich hinhalten. Ich selbstredend: „XY, Baby“. Ich will euch jetzt hier nicht mit weiteren Details aufhalten. Ein Wort gab das Andere, sie gab und ich ebenfalls nicht. Nach. Ich wusste irgendwann nicht mehr ein noch raus, ähm rein, ähm aus – und flüsterte eingeschüchtert ob des Frau Bauers Gegrunze – „Ich hol die Polizei!“. Angenehm“, so sie zu mir. Ich: „Was, ist hier auch die 110?“.

Gentleman wie ich bin, habe ich den Sachverhalt dann auch schnell aufklären können. Ein wenig musste ich haspeln bei der Erklärung dass ihre Kollegin, meine Angebetete Frau Th. bei einer Sex-Hotline arbeitet und Briefe und Fotos an wildfremde Herren verschickt. Geschenkt! Während des Gesprächs fiel mir noch leise das Sprichwort ein: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ und reagierte recht schnell, quasi wie ein Kung-Fu-Kämpfer auf die veränderte Situation. Und frage Frau Bauer: „Wenn ihre Frau Kollegin grade unpässlich ist, wie wäre es denn mit…“.. Meine Güte, kann man sich aufregen. Was kann ich denn dafür dass die Frau Bauer mich zwar nicht sehr anzüglich und ungefragt angeschrieben hat. Gut, im Nachhinein kann ich es verstehen. Vielleicht ein Secco hier, ein kleines Bier dort. Schnäppske vielleicht noch dabei und schwupps! Einfach mal so einen Brief mit Foto rausgeschickt. Und wenn es dann ernst wird den Schwanz, sorry, den, ähm, die, hach – irgendwas einzieht. Kennemaja.

Frau Bauer tat mir ein wenig leid. Kann sie ja nichts für. Hat wahrscheinlich grade Telefondienst an der Hotline und weiß nicht was ihre Kolleginnen so mit der Kundschaft treibt. Mit überzeugenden Argumenten regten wir uns beiderseitig ab, die Wogen glätteten sich halbwegs. Ein wenig kernig wurde sie als ich anbot dass es sich mit 65,- EUR getan hätte. Ohne Punkt. Ja gut, so billig wollte sie nicht wegkommen. Ich aber auch nicht. Wenigstens könnte Frau B. mir ja auch mal ein Foto schicken, nicht? Und jetzt kommt der Geilomat überhaupt: Sie schickt mir ein Foto. Versprochen hat sie es. Sogar noch ein wenig aufgehübscht und vergrößert. So mit allen Details, oh Gott, ich werde gei., ähm, geheimnisvoll. Dauert ca. 14 Tage bis ich auch von Frau Bauer ein Foto in meinem Briefkasten habe. Freue mich schon drauf. Werde dann direkt noch mal die Hotline anrufen. Mir doch egal. Wenn man sonst keinem zum Reden hat, harhar…

Ach, ihr fragt euch ob des Beitragtitels? Hier, deswegen:

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Euer Schirrmi

P.S.: War grade pissen und lüftete die Hose für den alten Kameraden. Kam ne Fliege raus.

2 Gedanken zu „Der dunkle Fleck

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