Autologout

Sie haben es sicher schon geschnallt. Meine Zeit in der Knochenmühle verbringe ich als elektronischer Datenverarbeitungsmuckel. Ja, ich habe ab und zu mal einen Bad-Hair-Day.

Auf Weisung von WiPrüfis erhielt ich Scheffes Weisung die IT-Systeme sicherer zu machen. Ich sollte mit SAP beginnen. Ein Aspekt ist der sogenannte Autologout-Mechanismus. Es bedeutet dass man aus dem SAP-System rausfliegt wenn man so und so lange nicht damit gearbeitet hat. Ich tat also so und stellte 4 Stunden Inaktivität ein.

Trotz ordentlicher Benutzerkommunikation mit Erklärung, Hintergrund, FAQ etc. ging ein globaler, gellender Aufschrei durch die Mühle. „Ich erhalte seit letzter Zeit so komische Fehlermeldungen.“ Oder „Das mit den Passwörtern ist ja schon schlimm genug. Jetzt muss man sich aber sogar mehrmals am Tag anmelden.“. Der damalige Fibu-Chef beschwerte sich ganz besonders bei meinem Chef. Seit der Umstellung kommen immer Fehlermeldungen und nein, die haben nichts mit der neuen Security-Einstellung zu tun. Mein Chef dann wiederum beschwerte sich bei mir. Als ob er seine eigene Weisung nicht mehr verstünde tat er so als ob ich aus eigenem Antrieb die Leute ärgern wollte. Ich sollte mich drum kümmern.

Also rief ich den damaligen Fibu-Chef an und hörte mir ruhig und verständnisvoll seine Klagen an. Ich kam mir wie die Klagemauer an sich vor. In der Regel gibt sie ja auch keine Antworten. Jedenfalls machte ich folgenden Vorschlag: „Herr Fibu-Chef, ich komme mal morgens zu Ihnen und Sie zeigen mir was Sie dann da machen. Dann komme ich noch mal zu Ihnen wenn Sie die Fehlermeldung erhalten. Oki?“ Oki!

Am nächsten Morgen saß ich mich zu ihm und bedeutete ihm alles so zu machen wie er es sonst auch immer macht. Also fährt er den Computer hoch und meldet sich im Netzwerk an. Startet das SAPLogon und doppelklickt auf den Eintrag für das Testsystem. Die Anmeldemaske erscheint. Er grummelt vor sich hin und fährt den Computer wieder runter. Ich so: „Warum fahren Sie den Computer denn jetzt wieder runter?“ Tja, sagt er „Ich habe grade aus Versehen das falsche System angeklickt.“ [Palmface] Das gleiche Spiel also noch mal, er fährt hoch, meldet sich an, trifft diesmal doppelt richtigerweise das Produktivsystem und grummelt wieder vor sich hin, wie z.B.: „Scheiße …!“, dreht seine Tastatur um, schaut auf einen Zettel und loggt sich endlich ein. Rechts hat er ein paar Transaktionen als Favoriten abgelegt. Diese startet er einzeln hintereinander, kramt in seiner Aktentasche holt die Bild-Zeitung raus, lehnt sich zurück und schaut mich erwartungsvoll an. „Ähm, Herr Fibu-Chef. Warum haben Sie denn jetzt die Bild rausgeholt?“ „Sie wollten doch dass ich alles so machen soll wie jeden Morgen.“ antwortete er. [OMG] Mir wurde irgendwie schlecht was nicht am letztabendlichen Woco lag, verließ sein Büro mit den Worten er solle sich bei mir melden wenn dann die Fehlermeldung erscheint. „Bis dann!“ ruft er jovial hinter mir her.

Nach fast exakt vier Stunden rief der Typ mich an und verlangte nach mir. Ich eilte und schaute mir die Fehlermeldungen an: „You are auto logged out due to …“. Ich schaute ihn an, er schaute mich an. Ich fragte ihn was er denn in der Zwischenzeit gemacht hätte. Er so: „Nichts.“. Ich so: „Wie?“. Naja, er würde diese 5 Transaktionen starten dann sind sie schon mal auf dem Schirm. Am Ende des Arbeitstages macht er alles wieder zu. [FUCK]

Er ist jetzt schon seit einiger Zeit in Rente. Was ich schön für ihn und für mich finde. Letzten Freitag erhielt ich um 11:00 Uhr die gleiche Meldung vom Produktivsystem. Autologout nach vier Stunden Inaktivität. Bei mir ist das klar, ich mache im PRD sehr wenig. Ich bin eher auf der Console unterwegs oder mache Projektarbeit. Jedenfalls drehte ich mich zum roten Kollegen um und fragte ihn „Wenn einem der böse Autologout heimsucht, dann hat man doch entweder nichts geschafft oder es ist Zeit Feierabend zu machen?“ Er trocken: „Oder Beides.“

So tat ich.

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