Archiv für den Tag: 21. November 2016

Gute Nacht Gedanken

Die Kippe grade angezündet las ich ein Zitat:

„Sparsamkeit armen Leuten zu empfehlen, das scheint mir ebenso lächerlich wie beleidigend. Es ist, als ob man einem Verhungernden riete, weniger zu essen.“ (Oscar Wilde)

Daraufhin ging ich mit der Kippe um wie wild und wirr, sie zerbrach im Aschenbecher. Noch neu, doch alt. Kein Genuss mehr. Quasi im Halse steckengeblieben. Hätte ich sie ordentlich von Glut und Asche befreit, ich hätte sie verschenken können. Jemand hätte sich gefreut. Mir kommen die Tränen.

Es geht immer schlimmer mit uns um, die Sau wählt seinen Schlachter. Ich sah gestern den Film „Equilibrium“. Als ehemals bibelfester Jünger der Liebe nahm ich glucksend zur Kenntnis das Leben schlimm, nicht einfach ist. Keine neue Erfahrung aber eine Er- und Auffrischung für mich, was eine Gesellschaft ohne Mitgefühl bedeutet. Nun macht sie es der Birne nach und keiner hegt Zweifel daran. 16 Jahre Stillstand. 32 Jahre – ein dunkles Loch. Ich mittendrin. Womit hab ich das verdient? Hannelore zog die Reißleine, mit ohne Kohl.

Dann las ich nebenan bei der Schrottpresse „Wir haben keine Zeit für Abkürzungen« (alte Pfadfinder-Weisheit!)“. In Stammheim ermordet. In RTL und mit der BILD erstickt. Die Propagandatagesschau, finanziert von der dummen Sau – dem Volk, schreit verlogen in die Welt das neoliberale Gedankengut, schreitet mächtig über Leichen und skandiert recht höflich doch wohl finanziert, Kommentare hassend: „Nie ging es uns so gut! Der DFB, Goldmedaillen, Exportüberschuss, nee, der Maidan..“ – listig zwinkernd, das ginge nicht bei uns.. hihi, haha – Herr Steinmeijaaaa!

„Wir haben keine Zeit für Abkürzungen.“ Das möchte man sich wünschen. Ein Peng. Ein Knall. Mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten, das hätte sie eventuell noch wissenschaftlich erklären können als Kadersau in der DDR. Doch menschlich – nein. Mit hängenden Winkeln und als transatlantischer Puppe wird es langsam Zeit. Tritt vorzeitig ab. Gerne auch ungewollt. Siehe das Periodensystem und lausche deiner nicht vorhandenen Kinder: „Ich schäme mich für Dich!“

Massage von einem Geschäftsfreund

Dämmerlicht. Wir trafen uns auf einem P&R in Groß-Gerau.

Es war noch relativ früh, der morgendliche Verkehr noch nicht recht steif. Ich parkte mit laufendem Motor unter Bäumen und hielt Ausschau nach ihm. Ich erwartete Großes von diesem Tag. Noch nie war ich mit ihm alleine. Unterwegs. Gibt’s Frühstück? Wie ist er drauf? Kann ich was von ihm lernen? Auf die Minute genau stand ich dort, konnte aber seinen Luxuswagen nicht erblicken. Ich gab ihm noch ein wenig Zeit bevor ich ihn mit dem Autotelefon anrief. Hach, gut gelaunt führte mich seine aufgeweckte, angenehme Stimme zum richtigen Parkplatz. Wir fuhren, ich ein wenig orientierungslos, er sonorte am Telefon: „Sind Sie das da mit dem „Teufelsmobil“?“ und vor mir blinkte er mich an, auffordernd ihm zu folgen.

Er reservierte mir den letztmöglichen Parkplatz, blieb im Auto sitzen während ich einparkte und aufgeregt meine Tasche, eine kleine Flasche Wasser packte und die Ziggi wegwarf. Ich vergaß nicht ein paar Pfefferminzbonbons für einen guten Atem einzuwerfen.

„Herr Schirrmi, einen schönen guten Morgen..“ Ich fühlte es schon sanft gleitend und so war es dann auch und fuhren in der Karosse los. Nach ein paar hundert Meter, er sprach, erzählte, machte Witze – alles in allem meinte ich, wird es eine überaus nette Gesellschaft, hatten wir doch ein paar Hundert Kilometer miteinander, nebeneinander zu verbringen.

Dann plötzlich, ich kenne das noch von meinen Straßenjungenzeiten, merke ich links dass mich etwas berührt. Da bin ich ja professionell. Sage erstmal nichts. Kein Grund zum Eskalieren. Ein Geschäftsfreund! Dann wird er aber doch aufdringlicher, irgendwann mal. Drückt mich fester in die Seite. Erst unerwartet, dann aber mit Nachdruck. „Ist es Ihnen unangenehm, Herr Schirrmi?“ so der Freund, geschäftlich. „Massieren wäre auch kein Problem.“ höre ich dem gutaussehenden Weißbart zu. Komisches Gefühl..

Als mir dann aber von rechts, da sitzt ja keiner mehr, auch noch jemand zärtliche, zupackende, schmeichelnde Avancen angedeihen lassen wollte, kam es mir in den Sinn. Denn spätestens als mein väterlicher Fahrer meinte: „Wenn Sie möchten kann ich die Massage- und die Kurvenhaltfunktionen der Luxuskomfortsitze auch ausschalten.“ What? Und weiter: „Wenn Ihnen ein wenig zu warm wurde, könnte ich, wenn Sie möchten, die Sitzbelüftung einschalten..“

Das Meeting war überaus konstruktiv.

Jetzt weiß ich was Luxus bedeutet in einem Auto. Komisch. Aber könnte man sich dran gewöhnen. Ambientebeleuchtung war da, die Musikanlage erhaben. Motorgeräusche bei 230 nicht hörbar. Sänfte.

Hey, Finger weg!

Triple-Söckchen und Irish-Coffee

Unrasiert war er und wie ein Waldschrat sah er aus. Dazu hatte er Hände bei denen ich nicht wissen wollte wo er die im Laufe des Tages schon reingesteckt hatte. Doch ich bin ein höflicher Mensch, reichte ihm zur Begrüßung die Hand, er zögerte erst und griff dann beherzt zu. Nahm meine feingliedrigen, rosigen Patschehändchen und fühlte sich wohl während er in meine freundlichen Augen blickte und meinen schönen Worten lauschte. Und nicht losließ.

Das vorletzte Wochenende war bei mir so ziemlich im Arsch gewesen. Ich schuftete bis zur Mitternacht. Denn da entließ ich telefonisch die Dienstleister mit der Ermahnung ins Bett zu gehen, auf die Betriebsräte zu hören, Ruhe zu bewahren und das Messer ruhig mal in der Sau stecken zu lassen. Es käme ja noch ein weiterer Tag und ausgeschlafen wäre man ja auch konzentrierter. Ich ging also ins Bett, drehte mich rechts, dann links, dann klingelte das Telefon um 7:00 Uhr morgens als ob ich nicht geschlafen hätte. Tja, ich war angepisst! Aber der Kollege hätte wohl die Nacht durchgemacht und konnte nicht abwarten mir die freudige Nachricht zu überbringen dass es seiner Meinung nach jetzt endlich geklappt hätte. Ich musste dann laut Changeplan mit meinen Aktionen weitermachen – verdammt! Warum schreibe ich das? Ich heische um Mitleid. So profan kann es sein.

Das letzte Wochenende hatte ich lieben Besuch. Ich war für ihn da. Ich war schon einkaufen, die Bude sauber und alles schön gerichtet, Kerzen leuchteten. Ich war für ihn da, um Kummer zu teilen und Kullertränen weg zu küssen, den ein und anderen Arm und Schulter hielt ich für ihn bereit. Für den Besuch. Ich habe gekocht (Rosenkohl mit totem Tier), machte die Ambientelampe an und hörte zu. Fühlte mit. Ließ bei besonders ekligen Sachverhalten, quasi als Ausrufezeichen, den brutalen Yamaha/Nubert-Höllenhund aufheulen – bis manchmal die Sicherungen die weiße Fahne schwangen und eine beunruhigende, plötzliche Stille eintrat.

Das alles, ich schenkte sogar alle meine kleinen, süßen Öhrchen weg, half aber nicht so recht. Denn der Besuch beklagte sich trotz all der menschlichen Wärme über immense Kältegefühle in allen Gliedern. So angesprochen hörte ich es trotz verliehenen Ohren auch. Es fehlte das Gluckern. Das Rauschen. Das Geknatter, das Stöhnen, das Pfeifen – schlicht all das was meine Heizungskörper sonst so machen. Stille. Todesstille. Todeskälte! Diesmal war nicht ich am Arsch sondern wohl die Heizung. Sie, meine Liebe, fungierte als Temperaturfühler ansonsten hätte ich es nicht gemerkt. Ich sprang immer noch wie toll in meinem Muscelshirt, mit ohne Socken und immer knapper werdender Unterhose durch die Bude, spulte alle meine Punk-Compilationen ab und fühlte keine Kälte. Aber so war es wohl. Eine defekte Heizung am dreimal versifften Arsch! Und mit Besuch.

Auf dem Dachboden habe ich noch die Expeditionskiste, Sie wissen schon, die von meiner Eiger Nordwand Expedition. Ich holte drei paar der blutigen, von der Uroma selbstgestrickten Bergstrümpfe dazu einen Janker und die langen Unterhosen des damaligen Bergführers raus (ob er da immer noch hängt?). „Hier, zieh an. Das wird Dir gut tun!“. Dazu setzte ich ein paar Latten auf und verfeinerte mit Sahneschnaps, zündete noch ein paar Kerzen mehr an und schon wurde es kuschelig. Darüber hinaus schreckte ich auch nicht vor unkonventioneller Lebensrettung ab. Ich pubste das Wozi warm. Dem Rosenkohl sei Dank hatte ich doch recht viel Energie intus. Manchmal hob sich die aus echtem Jaguarfell hergestellte Kuscheldecke, schwarz.

Einer meiner Lieblingsblogger, man kann ihn neurotisch empfinden, muss man aber nicht, schrieb darüber dass er irgendwo etwas gegessen hätte und bildlich, wie man ohne Drogen ficken könnte. Kann man geteilter Meinung sein. Aber Schnitzel mache ich gerne, esse sie gerne. Von daher Dank an den Kiezi für den Link auf schlaraffenwelt.de mit dem perfekten Schnitzel. Ist ein permalink jetzt für mich. Aber was hat das mit dem Thema zu schaffen? Kann ich Ihnen sagen. Denn..

..nach dem langen, kalten Wochenende rief ich zur einer vernünftigen Zeit, nämlich um 4:30 Uhr, meinen Vermieter an und klipp und klarte. Wenn nicht. Und dann. Sonst! So kam es dass ich kurz nach meiner Mittagspause um 14:00 Uhr Feierabend machte und die Bekanntschaft des Waldschrats machte. Heizung/Sanitär – „Ihr Geschäft ist unser Pläsier!“. Ein angenehm fester Händedruck als er seine Scheu ablegte. Er gab vom Keller im Nachbarhaus, da befindet sich die olle Ölheizung, die beiden Häuser wären wohl mal Eins gewesen, Klopfzeichen und ich bemerkte zufrieden dass sich da was handwerklich tut. Ewig hörte ich zu und meinte irgendwann Muster im Klopfen zu erkennen, in der Art wie: „Mach Dir ein Bier auf!“ oder „Es ist noch Wodka da.“. Ich bin manchmal abergläubisch, so gab ich nach. Dann hörte ich es wieder gluckern, glucksen etc. Zwar jetzt relativ freudig, war ich mir nicht sicher ob es die Heizung oder was anderes war.

Das letzte Mal schrieb ich Letztens. Als ob ich es beschworen hätte. Jetzt ist mir warm. Bin mir nicht sicher woran es liegt, ist mir aber auch egal. Und jetzt bin ich zu faul um mir ein Schnitzel zu bereiten. Die Straße wäre da.

P.S.: Ich bin Lego Legasstäni Legasteniker. Kann mir mal jemand in einfachen Worten erklären wie man Verniedlichungen schreibt? Mit ch oder mit sch? Danke im Voraus!