Archiv für den Tag: 4. März 2016

Adrette Teeküche

Heute in der Knochenmühle wollte ich in die kleine Teeküche. Die war aber voll von drei Fensterreinigungsmännern. Ich rief, streng in die Küche blickend:  „MORGEN!“ – da standen sie stramm, die Jungs. Und sahen recht adrett aus in Ihrer Fensterreinigungsuniform.

Nach einigen, wohl für sie sehr langen Sekunden musterte ich sie von oben bis unten auf der Suche nach einem eventuell nicht korrekt gebügelten Kragen. Einem eventuell abgerissenen Hemdenknopf oder nach sonstigen Verfehlungen. Ich sah und es war gut – für heute und brüllte: „Rühren!“. Aber das hatten wir ja Dressmen. Nein, ich muss mich verbessern. Ich rief: „PUTZEN!“ – und sie fingen sogleich an zu putzen mit gekrümmten Rücken, die Rehaugen ängstlich zu mir herauf blickend.

Leute, vergesst den letzten Satz. Es hörte mit dem rühren auf, danach spaßten wir ein wenig rum. Beispielsweise machte ich das Fenster auf (dritter Stock) und der Kleinste von denen sollte es dann von außen putzen. Und – im Westerwald weht der Wind – und auch so kalt. So knallte das Fenster hin und her und der gemobte Fensterreinigermitarbeiter freischwebte außen, die eiskalten Finger nicht mehr spürend inmitten der Elementen. Seine zwei Kollegen lachten sich einen Ast. Waren ja froh das es diesmal eine andere arme Sau traf.

Nee, Leute. Vergesst den letzten Absatz. Es hörte mit dem rühren auf. Es waren Jungs mit denen ich normalerweise um die Ecken ziehe. Aufrecht, gemeinsam – auf Augenhöhe. Harhar und Schulterklopfen – nachdem sie merkten dass ich eigentlich zu ihnen gehöre. Die gleiche Schicht nur mehr Glück gehabt.

Jedenfalls, so lernte ich das von klein an, nahm ich mir den größten des lustigen Trios vor, nahm meine Seidenkrawatte ab, schlang sie um seinen Hals und rang ihm würgend die folgenden Worte ab: „Ich bin ein Fensterputzer. Ich bin kein Mensch. Ich bin weniger wert. Ich will auch kein auskömmliches Einkommen. Ich will keine Rente über der Sozialhilfe. Ich will dienen. Wenn meine Arbeitskraft dahin ist, will ich sterben.“

Mir war es genug. „Mensch“ sagte ich, meine Seidenkrawatte von seinem demütigen Hals lockernd, „Genauso machst Du es richtig.“ Nicht aufmucken. Nicht nach Leben trachten. Ochsen. Buckeln. Für die. Denn die haben es geschafft. Durch und wegen uns.

P.S.: Krieg wird seit eh und jeh zwischen den Armen angezettelt. Für egoistische Marotten einiger wenigen. Alle gegeneinander ausgespielt. Damit niemand die Verasche merkt. Die Reichen lächeln, schauen gnädig Champagnertrunken nach unten, schauen sich in die Augen – was schon immer funktioniert hat: „Lasst sie sich doch selber bekämpfen.“.

Fusselige Flatulenzen

Wie heißen diese bunten Nudeln? Fussel? Fuchis? Fusseli? Egal. Gestern nahm ich einen Haufen davon als Abendbrot zu mir. Heute muss ich pupsen. Schon beim Sitzen. Auch bei jedem meiner kleinen Trippelschritte, oder auf jeder Treppenstufe. Pups, pups, pups – so geht das den ganzen Tag. Bekanntermaßen befinde ich mich nicht alleine und einsam auf einer Insel was im Falle von fusseligen Flatulenzen hilfreich wäre. Ich befinde mich in Gesellschaft, in der sogenannten Zivilisation – wenn man die Knochenmühle dazu zählen wollte. Jedenfalls musste ich aufpassen. In verschiedener Hinsicht.

Bei den ersten Pupsen hatte ich die Befürchtung ob da was mitkommt. Es kam nichts. Probierte noch mal einen kleinen aus und es kam immer noch nichts mit. Es roch noch nicht mal. Also sah ich allen weiteren Pupsen gelassen entgegen. Lasse einfach laufen. Es knattert. Es flattert dass es eine wahre Freude ist. Wundere mich dabei wo das alles herkommt. Vielleicht ist das Atmen schuld? Man atmet ja Luft. Vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal ausatmen. So sinniere ich stundenlang auf meinem Bürostuhl woher die ganzen Gase kommen. Und Luft ist doch auch gewissermaßen ein Gas. Nicht?

Wenn ich merkte dass ein Großer Pups kommt, dann ging ich um die Ecke auf Toilette. Paff! Peng! Knall! Einzelne Fliesen fallen von den Wänden. Egal. Schlecht dass das Kackhaus direkt an das Büro eines Kollegen angrenzt. Gut dass der Kollege sich erlaubt heute Urlaub zu machen. Ich weiß nicht ob er sich das erlauben kann. So mit seinem persönlichen Zeitmanagement. Aber er hatte ja doch Glück abwesend zu sein – was ich ihm auch sogleich nach Hause auf sein iPone mailte.

Grade auf ein Kippchen mit dem Kollegen draußen gewesen. Ich merkte es schon, da will wieder

so ein kleiner Nichtstinker raus. Krampf! Kollege schaut mich an und fragt mich warum ich so verkrampft schaue. Ich antworte ein wenig angestrengt: „Das ist Fitnesstraining während der Arbeitszeit, Arschloch!“ und ließ ihn einfach fahren. Wie heißt denn noch mal dieser Comic-Superheld? Der aufgrund seiner gewaltigen Fürze fliegen konnte? Nee, nicht der Pupsmann. Das ist ein anderer. In den Anfangstagen des Internets hat man sich da so kleine Videos geteilt. So wie der Eisbär der immer Pech hat und dann so schön ärgerlich grummelt. Nee, wissen Sie auch nicht? Egal.

Diese vermaledeiten Fusselnudeln. Ich als Heimscheißer konnte gar nicht schnell genug aus der Jacke raus, zum Scheißhaus zu flitzen und Fliesen weg zu sprengen. PPPPRRRRRFLATSCHPENGKNALL! Eine Mitbewohnerin hatte derweil Käsekuchen gebacken – sie saß auf der Designercouch. Der Backofen ist angrenzend in der Küche nebenan installiert. Dort fiel er vor Schreck ein wenig in sich zusammen – der Käsekuchen während sie – die Mitbewohnerin, die Brauen räusperte. Uups!

Fusilli-Nudel_IMG_6938

Aber gut, sinnierend sitze ich so rum, die Beine locker fallen lassend, die Hosen auch und da fällt es! Unter Kraftanstrengung! Nein, ich meine nicht die Wurst. Ich meine, es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Den Schuldigen entdeckt. Die Zubereitung der Fusseli oder wie die heißen, machte es wohl aus. Denn sie waren zwar schön bunt. Aber mir irgendwie zu bunt. Deswegen kippte ich so lange Mayonnaise drüber bis alles weiß war. So wie die Farbe von gewöhnlichen Nudeln gewohnt ist. Dann war es mir aber doch zu weiß und wollte wieder bunt. Also kippte ich noch jede Menge Ketchup drauf dass es wieder bunt war. Jedoch wieder zu viel. Also noch eine Tüte Hartkäse drauf und alles rein in den Schlund. Hätte ich kotzen müssen, man hätte es noch mal anrichten können – so schön wären die Fusselnudel noch in Form gewesen. Rot-Weiß wie gewisse Mitbürger ihre Pommes essen mögen.

Jetzt nachdem ich bei der Mutter meines Sohnes das Gästeklo vollgeschissen habe und mich aus Gründen ohne Verabschiedung von der Geburtstagsfeier entfernte, resümiere ich hier einen Wodka saufend einen weiteren Pupstag. Aber nun ist Wochenende. Kann ja am Montag damit in der Knochenmühle weitermachen. Da sind es ja nicht meine Fliesen.

Schirrmi

P.S.: Ein schöner Kosenamen neben Mausi, Schatzi, Nüsschen könnte Pupsi sein.

P.P.S.: Für 1,29 EUR ist, zumindest bei mir heute, der anale Spaß garantiert. Billiger als ein Pupskissen.