Taxi, Taxi

Currywurst-TruckEs gibt Momente im Leben die lassen mich an Begebenheiten zurückdenken die schon sehr, sehr lange zurückliegen. Ein Geruch, eine Bemerkung, jemand macht eine bestimmte Handbewegung, jemand lacht oder es ist einfach nur so ein Gefühl als ob es schon mal da war. Manchmal, bei solchen Gelegenheiten, durchzuckt es mich dann und eine lange zurückliegende Begebenheit ist plötzlich präsent. Man kann es wohl auch Déjà-vu nennen.

Im Alter von vielleicht sechs Jahren hatte ich mal wieder einen Kur- oder einen Krankenhausaufenthalt. So ganz genau weiß ich das nicht mehr. Auch der Ort ist zum Verstehen dieser kleinen Anekdote nicht wichtig.

Aus leidigen Gründen hatte ich in meiner Kind- und Jugendzeit das zweifelhafte Vergnügen fast so oft woanders zu sein als daheim. So bekam ich also ab und zu selten mal Besuch von jemand aus meiner Familie. Diesmal war es Großmutti. Sie reiste mit dem ÖVP an weil PKWs bei uns daheim Mangelware waren. Wohl wegen ihrer Berufstätigkeit kam sie mich an einem Wochenende besuchen. Ich glaube ich freute mich. Erinnere mich doch gerne an die Mitbringsel. Neue Bücher, was zu malen. Selbstgebackenes Zeug, ich glaube so in Öl getunkte, kleine gebackene Kinkerlitzchen. Ja, das Leben bedachte mich mit großer Sorgfalt und Liebe. Es mangelte mir an nichts.

Wie erwähnt, es begab sich also an einem Wochenende. Großmutti und ich bestiegen an einem Sonntag einen Zug um in die nächstgelegene, größere Ortschaft zu fahren. Anlässlich eines Gottesdienstes. Am Zielort angekommen stiegen wir aus. Meine resolute Omi schleifte mich, zärtlich an die Hand nehmend, zügig und gar nicht mal so halbgrob, doch dabei immer ihre Armbanduhr an der anderen Hand im Blick, zum Bahnhofsvorplatz.

Berliner Hauptbahnhof

Da! Ein Taxi. Schwarzer Mercedes, sie riss die hintere Türe auf schmiss mich gefühlvoll auf den Rücksitz und nahm vorne auf dem Beifahrersitz Platz. Bellte den Fahrer an Bat den Taxifahrer zur bestimmten Adresse zu fahren und schon ging es los. Ach, war das ein Gefühl! Kein Rumpeln wie im Zug. Kein Gezerre am Handgelenk. Ich war glücklich. Fuhr wie in einer Sänfte, schaute neugierig die vorbeifliegenden Häuser, Menschen, Landschaften an. Fühlte mich Besonders. Ein feines Taxi. So hätte es stundenlang weiter gehen können. Do so schön wie es war, so abrupt ging es auch zu Ende.

Das Taxi stoppte. Offensichtlich sind wir am Zielort, Gottes Haus, angekommen. Großmutti zückte ihre riesengroße Handtasche und befragt den Taxifahrer nach dem Preis. Der Taxifahrer so: „Ähm, ich weiß nicht was das kostet.“. Großmutti erwiderte: „Nun hören Sie mal! Sie müssen doch wissen…!“ – zu dem recht schick mit Anzug, Krawatte, polierten Schuhen und goldener Armbanduhr gekleideten Taxifahrer. Er entgegnete eingeschüchtert: „Es tut mir leid, meine Dame. Aber ich weiß es wirklich nicht. Ich bin kein Taxifahrer, dies ist auch kein Taxi, und obendrein habe ich auch kein Taximeter eingebaut.“ Und weiter: „Ich wollte lediglich meine Familie vom Zug abholen, der im Übrigen gleich kommt….“. Omi schüttelte kurz ihren Kopf, brummelte irgendwas von „.. Ausländer..“ und drückte dem verdutzten, dunkelhäutigen Mann einen Heiermann in die Hand.

Diese kleine Begebenheit kam mir heute in den Sinn als ich nach Feierabend nach Wirges fuhr um die neue Johnossi-CD (Transitions, die ich grade höre) von der Postpackstation abzuholen. Warum ich mir Dinge nach Wirges schicken lassen anstatt nach Montabaur, erkläre ich später einmal.

Auf jeden Fall stehe und warte ich mit dem Apfelkuchenmobil vor einem der Wirgeser Kreisel darauf dass der Verkehr weiter geht. Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln jemand Schwarzgekleideten von Links auf mein Auto zu rennen. Bevor er mir in die Fahrertür rennt grinst er wie Irre kurz durch die Scheibe um dann, fast ohne die Geschwindigkeit zu vermindern, vorne um das Auto herumstürzt meine Beifahrertür aufreißt, sich in die gemütlichen Sessel niederlässt und cool, fast wie stimmbrüchig von sich gibt: „Hi Papa!“. Total entsetzt und den Schreck noch in den Knochen kam mir plötzlich oben genanntes Omi-Erlebnis in den Sinn um wie automatisch zu fragen: „Wo soll‘s hin gehen?“.

–          Kaninchenstreu beim Hüter, aber unten, und dann noch Apotheke, bitte!

Euer Papa, äh, Schirrmi

P.S.: In Ermangelung eines Taxifotos möchte ich euch mit einem Liliputaner-Currywursttruck aus Berlin erquicken. Ebenso mit einem Beispielbahnhof weil ich damals leider nicht meine Cam dabei hatte 🙂

2 Gedanken zu „Taxi, Taxi

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